Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 12. Oktober 2016
12.10.2016 17:31

NIEDRIGZINS-POLITIK: Die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dienen laut SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg dem Gesamtinteresse der Schweizer Wirtschaft. Das Ziel der SNB sei die Erhaltung der Preisstabilität, betonte er in Zürich. Im Verbund mit den Interventionen am Devisenmarkt solle das Zinsen-Instrument die Attraktivität des Schweizer Frankens verringern. "Wir sehen noch immer eine signifikante Überbewertung des Frankens", sagte Zurbrügg. Preisstabilität solle das Terrain für die Produktivität und die Innovationsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft bereiten, sagte Zurbrügg am "Bloomberg Swiss Day" mit Verweis auf die hohen Werte der hiesigen Wirtschaft bezüglich Wettbewerbsfähigkeit.

KONJUNKTUR: Finanzanalysten beurteilen die aktuelle Schweizer Wirtschaftslage etwas positiver als im Vormonat. Für die nächsten sechs Monate rechnen sie jedoch nicht mit einer wesentlichen Verbesserung der Konjunkturlage, wobei die Inflationsraten und die langfristigen Zinsen langsam steigen sollten. In der neusten Umfrage der Credit Suisse und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwartet die Mehrheit der Befragten (69,2 Prozent) keine wesentliche Veränderung der Konjunkturlage in der Schweiz. Allerdings rechnet zum ersten Mal seit Mai 2011 eine Mehrheit der Befragten (53,8 Prozent) mit einer steigenden Inflationsrate in der Schweiz. Auch der Anteil an Analysten, die einen Anstieg der langfristigen Zinsen erwartet, ist auf 61,6 Prozent angestiegen und erreichte damit den höchsten Wert seit Dezember 2013. Die kurzfristigen Zinsen dürften sich nach Einschätzungen der Finanzexperten jedoch wenig verändern.

LICHT IN DIE NETZTARIFE: Die Elektrizitätskommission des Bundes (ElCom) will bei den Tarifen für Stromnetze mehr Transparenz schaffen. So sollen Kunden künftig einsehen können, wie ihr Netzbetreiber im Vergleich mit anderen abschneidet. Die ElCom hat bereits im August einen entsprechenden Grundsatzentscheid gefällt. Das Bundesamt für Energie (BFE) ist zurzeit daran, im Rahmen der Revision des Stromversorgungsgesetz die gesetzlichen Voraussetzung dafür zu schaffen. Der entsprechende konkrete Vorschlag soll Mitte des nächsten Jahres veröffentlicht werden. Diese so genannte Sunshine-Regulierung ist jedoch nur ein Zwischenschritt. In einem weiteren Schritt plant das BFE die Sunshine-Regulierung durch eine Anreiz-Regulierung zu ersetzen, bei der der Bund den Netzbetreibern eine Kostenobergrenze vorgibt.

IMMOBILIEN-PREISE: Die Preise für Wohneigentum sind im 3. Quartal nochmals gestiegen. Vor allem die rege Nachfrage nach Eigentumswohnungen trieb den von dem Immobilienberater IAZI publizierten Preisindex weiter an. Der Preisindex liegt zwar immer noch unter dem langjährigen durchschnittlich Preiswachstum, hat aber im 3. Quartal mit 1,2 Prozent und gegenüber Vorjahresquartal mit 2,3 Prozent weiter zugelegt. Vor allem die Preise für Stockwerkeigentum sind mit 1,5 Prozent gegenüber Vorquartal und mit 4,5 Prozent gegenüber Vorjahresquartal besonders stark in die Höhe geklettert. Dies gilt insbesondere in den Kantonen Neuenburg, Thurgau und Aargau. Klassische Einfamilienhäusern wurden hingegen weniger stark nachgefragt. Zum einen seien sie zu teuer geworden und zum anderen schränke der kalkulatorische Hypothekarzinssatz von bis zu fünf Prozent den Käuferkreis zusätzlich ein, wie die IAZI weiter ausführte. Die Preise sind daher gegenüber Vorquartal nur marginal um 0,7 Prozent gewachsen. Gegenüber Vorjahreszeitraum blieben sie mit einem Anstieg von 0,2 Prozent praktisch unverändert.

STRENGERE KONTROLLEN: Das Genfer Zollfreilager ist Frankreich ein Dorn im Auge. Weil das Lager zur Steuerhinterziehung und möglicherweise auch zur Terrorismus-Finanzierung missbraucht wird, fordert Frankreich von der Schweiz, dass sie die bereits angekündigten Massnahmen auch tatsächlich umsetzt. "Zollfreilager gibt es in verschiedenen Ländern, die Schweiz ist eines davon", sagte der französische Wirtschaftsminister Michel Sapin am letzten Wochenende an der Zusammenkunft von Vertretern der G20 Länder in Washington. Konkret erwähnte Sapin das "sehr grosse Zollfreilager in Genf", über das er mit dem Schweizer Finanzminister Ueli Maurer gesprochen habe. Maurer weilte an jenem Wochenende auch in den USA, um an der Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank teilzunehmen.

GEWINNWARNUNG: Das Debakel mit dem Smartphone Galaxy Note 7 schlägt bei Samsung massiv auf den Gewinn durch. Der operative Gewinn im vergangenen Quartal dürfte ein Drittel niedriger ausfallen als zuvor erwartet. Samsung rechnet für das Sommerquartal jetzt noch mit einem Betriebsergebnis von 5,2 Billionen Won (rund 4,6 Milliarden Franken), ein Drittel weniger als bisher. Der Umsatz dürfte sich nach neuer Schätzung auf 47 Billionen Won reduzieren. Unterdessen wird auch geprüft, ob die nach dem ersten Rückruf eingebaut neuen Batterien einen Fehler hatte, der zu weiteren Bränden führte. Laut einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg seien die Batterien nicht mehr von der Samsung-Firma SDI, sondern von der chinesischen Firma Amperex Technology gefertigt worden, einer Tochter des japanischen Konzerns TDK. Der Konzern selbst äusserte sich bisher nicht dazu. Unter Analysten herrscht Einigkeit, dass Samsung nun so schnell wie möglich die neuste Version seiner Smartphone-Premiumreihe S auf den Markt bringen dürfte.

GEWINNEINBRUCH: Der schwedische Telekomausrüster Ericsson bekommt die Schwäche im Mobilfunkgeschäft zu spüren. Der Gewinn sei deswegen im dritten Quartal drastisch eingebrochen, teilte das Unternehmen mit. Mit umgerechnet knapp 33 Millionen Franken (0,3 Milliarden Kronen) verdiente das Unternehmen nur noch knapp sechs Prozent dessen, was im Vorjahr erwirtschaftet wurde. Der Umsatz ging um 14 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken zurück. In der nächsten Zeit sei nicht mit einer Erholung zu rechnen, sagte der amtierende Ericsson-Chef Jan Frykhammar. Er führt das Unternehmen übergangsweise, nachdem im Juli Hans Vestberg nach massiver Kritik der Hauptaktionäre seinen Abschied nehmen musste.

STELLENABBAU: Mit dem Abbau von 1230 Stellen treibt die britische Grossbank Lloyds ihren Sparkurs voran. Die neuen Einschnitte seien Teil des auf drei Jahre angelegten Plans für einen Konzernumbau, teilte das Institut mit. Ziel sei es, die Kosten zu senken und Dividenden-Zahlungen abzusichern. Dabei seien auch schwierige Entscheidungen unausweichlich. Erst im Juli hatte das führende Privatkundeninstitut auf der Insel als Reaktion auf das britische Votum für einen EU-Austritt angekündigt, dass 3000 Stellen wegfallen und weitere 200 Filialen geschlossen werden. Die Bank hatte dieses Jahr bereits 4000 ihrer zuletzt 75'000 Jobs abgebaut und rund 100 Filialen dichtgemacht.

AUF ZICK-ZACK-KURS: Die Industrie in den 19 Euro-Ländern setzt ihr Auf und Ab fort. Die Betriebe stellten im August zwar 1,6 Prozent mehr her als im Vormonat und schafften damit das grösste Plus seit Januar, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Ökonomen hatten mit plus 1,5 Prozent gerechnet, nach minus 0,7 Prozent im Juli. Die Entwicklung insgesamt bleibt aber durchwachsen. Denn zwischen März und August wechselten sich Anstieg und Rückgang der Produktion Monat für Monat ab. Die Industrie profitierte nahezu branchenweit von dem gestiegenen Ausstoss im August. Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemieprodukten, Energieproduzenten und Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen legten zu. Nur bei sogenannten Konsumgütern - etwa Nahrungsmitteln, Medikamenten und Brennstoffen - gab es einen Rückgang.

ÖLPREIS AUF JAHRESHOCH: Gemeinsam mit Russland will das Ölkartell Opec den Dumping-Preisen beim schwarzen Gold ein Ende setzen. Allein die Ankündigung trieb diese Woche den Preis für Nordseeöl auf ein Jahreshoch. Offen bleibt jedoch die Frage, wie ernst es den Förderländern wirklich ist. Das ehemals mächtige Ölkartell Opec scheint seit Monaten schwach und zerstritten. Doch jetzt machen die Förderländer einen neuen grossen Anlauf im Kampf gegen die niedrigen Preise am Ölmarkt. Seit dieser Woche scheint klar: Auch Russland dürfte sich an einer geplanten Förderbeschränkung beteiligen. Das sorgte für heftige Reaktionen am Ölmarkt. Der Preis für das Nordseeöl Brent stieg sogar auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Doch Experten haben Zweifel, ob den Worten der Förderländer auch tatsächlich Taten folgen werden.

CETA-KLAGEN: Mehrere Eilanträge deutscher Gegner des Freihandelsabkommens Ceta zwischen der EU und Kanada beschäftigen das deutsche Verfassungsgericht in Karlsruhe. Gerichtspräsident Andreas Vosskuhle eröffnete als Vorsitzender des Zweiten Senats die Verhandlung in Karlsruhe. Die Kläger wollen verhindern, dass das Freihandelsabkommen der EU mit Kanada in Teilen vorläufig in Kraft tritt, noch bevor das deutsche Parlament zugestimmt hat. Die Unterzeichnung ist für den 27. Oktober in Brüssel geplant. Im Eilverfahren haben die Verfassungsrichter zu entscheiden, ob die deutsche Regierung diesem Vorgehen bei einem Ministertreffen am 18. Oktober zustimmen darf. Der Senat will nach der Verhandlung beraten und am Donnerstag sein Urteil verkünden.

RÜCKLÄUFIGE PC-VERKÄUFE: Das weltweite Interesse an PCs lässt weiter nach. Im dritten Quartal wurden lediglich 68,9 Millionen Geräte verkauft, 5,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie die US-Marktforschungsfirma Gartner schätzte. Es handelte sich demnach um das achte Minus-Quartal in Folge, die längste Durststrecke in der Geschichte der Branche. Das Marktforschungsunternehmen IDC bezifferte die Zahl der verkauften Computer noch niedriger, nämlich auf 68 Millionen. Der Rückgang im Vergleich zum dritten Quartal 2015 betrug demnach 3,9 Prozent. Gartner-Analystin Mikako Kitagawa erklärte, es gebe im Markt für Personal Computer zwei Hauptprobleme: Zum einen benutzten Verbraucher die PCs länger als früher, weil sie auch viele andere Geräte wie etwa Smartphones und Tablets zur Verfügung hätten. Zum anderen sei die Nachfrage in Schwellenländern insgesamt schwach.

NICHT ZUM NULLTARIF: Der Vertrauensverlust der Märkte in die Deutsche Bank zeigt sich auch beim Interbanken-Zins. Wie aus Euribor-Daten hervorgeht, müssen die Frankfurter derzeit sogar mehr bezahlen als italienische Kriseninstitute, wenn sie sich Geld von anderen Banken leihen wollen. Für einen Zeitraum von neun Monaten wurde zuletzt ein Zins von 0,02 Prozent fällig, für ein Jahr 0,06 Prozent. Das sind zwar relativ kleine Aufschläge. Doch alle anderen europäischen Grossbanken im Euribor-Kreis bekämen Geld zum Nulltarif und würden sogar daran verdienen, sich etwas zu leihen. Hintergrund ist die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Deutsche Bank wollte sich zu den Zahlen nicht äussern.Der Euribor wird täglich von 20 europäischen Finanzinstituten festgesetzt. Er ist die Grundlage für die Preise vieler anderen Finanzprodukte.

START DER TARIFGESPRÄCHE: Im zähen Tarifstreit zwischen der Lufthansa und den Piloten sind Streiks in den nächsten Wochen und Monaten wegen des Beginns von Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Die Gespräche über den Lohn sollten in dieser Woche losgehen, sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Es seien bereits Folgetermine vereinbart worden. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte nur, dass die Verhandlungen noch diesen Monat aufgenommen werden. Arbeitsniederlegungen der Piloten wie zuletzt vor einem Jahr sind in der Zeit nicht möglich. Cockpit fordert für die 5400 Konzerntarif-Flugzeugführer von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings rückwirkend mehr Geld. Konkret verlangt die Gewerkschaft für den Zeitraum von April 2012 bis Mai 2013 5,2 Prozent mehr Geld und für Mai 2013 bis April 2014 4,6 Prozent. Der sogenannte Vergütungstarifvertrag ist im Frühjahr 2012 abgelaufen.

(AWP)