Tagesüberblick - Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 13. Oktober 2016
13.10.2016 17:51

STELLENABBAU: Bei der Bank Société Générale Private Banking kommt es zu einem Stellenabbau. An den Standorten Genf, Lausanne und Zürich streicht die Privatbank 80 von insgesamt 420 Stellen. "Die Bank hat ein Konsultationsverfahren eröffnet", schrieb sie in einer Stellungnahme, in der sie einen Bericht des Westschweizer Lokalfernsehens La Télé bestätigte. Zudem verlagert die Bank ihre Aktivitäten von Lausanne an ihren neuen Sitz in Genf. Damit wird das Geldhaus seine Geschäfte in der Schweiz künftig von Genf und Zürich aus steuern.

BANKEN-WENDE: Die Schweizer Banken melden den zuständigen Behörden laut FINMA-Chef Mark Branson deutlich häufiger Fälle von möglicher Geldwäscherei. Für den Bankenaufseher ist das ein Zeichen dafür, dass die Branche der Geldwäscherei-Gefahr mehr Aufmerksamkeit schenkt. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FINMA) wisse, dass das illegale Verhalten vornehmlich von den Bankkunden und nicht von den Banken ausgehe, sagte Branson im Interview mit den Westschweizer Zeitungen "Tribune de Genève" und "24Heures". Die Toleranz höre aber auf, wenn Alarmsignale ignoriert oder Kontrollsysteme durch die hohen Management-Ebenen absichtlich ausgeschaltet werden. Auf dem Schweizer Finanzplatz findet laut Branson derzeit ein "Paradigmenwechsel" in der Vermögensverwaltung statt. Das frühere Bankgeheimnis habe Personen aus dem Mittelstand der Nachbarländer angelockt - und zwar aus steuerlichen Gründen.

VERMÖGENSEINBUSSEN: Jahr für Jahr sind die Vermögen von Milliardären gewachsen. Im vergangenen Jahr stoppte nun der Anstieg des Gesamtvermögens der Milliardäre. Das Gesamtvermögen ging sogar um 300 Milliarden auf 5,1 Billionen Dollar zurück. Das geht aus dem Billionaires Report der Grossbank UBS und des Beratungsunternehmens PwC hervor. Durchschnittlich besass 2015 jeder Milliardär noch 3,7 Milliarden Dollar, im Vorjahr waren es noch 4,0 Milliarden. Im Bericht wird der Rückgang mit Vermögensübertragungen innerhalb von Familien, fallenden Rohstoffpreisen und dem aufwertenden US-Dollar erklärt. In der Schweiz zählen die UBS und PwC 33 Milliardäre, die zusammen ein Vermögen von 93,5 Milliarden Franken halten.

IMMOBILIEN: Die Hypothekarzinsen sind im dritten Quartal auf einen historischen Tiefststand gesunken. Seit dem Sommer hat sich der Zerfall der Zinsen allerdings verlangsamt. Im Vergleich zum Vorquartal werden zehnjährige Laufzeiten zu 0,06 Prozentpunkten weniger verzinst, also nur noch zu 1,45 Prozent. Entsprechend hat die Nachfrage nach langen Laufzeiten weiter zugelegt. Auch die Richtzinsen für fünfjährige sowie einjährige Festhypotheken sind im Vergleich zum letzten Quartal leicht zurückgegangen - von 1,11 auf 1,09 Prozent und von 1,1 auf 1,06 Prozent. Kurze und mittlere Laufzeiten sind hingegen immer weniger gefragt. Dies geht aus dem aktuellen Hypotheken-Barometer von comparis.ch hervor. Laut Experten sind die Zinsen im September kurzfristig sogar leicht gestiegen. Für einen spürbaren Anstieg bräuchte es jedoch ein Ende der Negativzins-Politik.

JAGD AUF GATEGROUP-AKTIEN: Der neue Gategroup-Besitzer und chinesische Mischkonzern HNA will die restlichen Gategroup-Aktionäre loswerden. Er will weitere Aktien des Airlinecaterers kaufen, um auf einen Anteil von 98 Prozent zu kommen. Dann kann er nämlich die restlichen Anteilsscheine für kraftlos erklären lassen. In diesem Fall erhielten die verbleibenden Aktionäre eine Abfindung in bar in der Höhe des Angebotspreises - also 53 Franken. Bei Ablauf der Nachfrist war HNA im Besitz von 96,10 Prozent Gategroup-Aktien. So oder soll will HNA Gategroup von der Börse nehmen. Sollte HNA keine weiteren Aktionäre zum Verkauf ihrer Papiere bewegen können, würden diese dann ihre jeweiligen Stimmrechte und Kapitalanteile behalten und künftig Minderheitsaktionäre von Gategroup sein.

ARBEITSMARKT: Im Herbst ist die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorquartal mit 2 Prozent leicht gestiegen (saisonbereinigt). Dies geht aus den von der Adecco Swiss Job Market Index der Universität Zürich erhobenen Daten hervor. Allerdings lassen sich zwischen den Regionen und Berufsgattungen doch deutliche Unterschiede feststellen. Die Unternehmen im Espace Mittelland (+13 Prozent) sowie im Grossraum Zürich (+8 Prozent) und in der Zentralschweiz (+5 Prozent) haben deutlich mehr Stellen ausgeschrieben als noch im Vorquartal, während Firmen in der Genferseeregion (-4 Prozent) weniger Personal nachgefragt haben. Auch innerhalb der Berufsgruppen sind die Unterschiede markant. Vor allem das Baugewerbe (+26 Prozent), aber auch die Bereiche Büro und Verwaltung (+6 Prozent) sowie Technik und Naturwissenschaften (+5 Prozent) haben im Vergleich zum Vorquartal mehr neue Mitarbeiter benötigt. Die Berufe im Unterricht und die öffentlichen Dienstleistungen waren hingegen mit einem Minus von 16 Prozent deutlich weniger gefragt.

VERSICHERUNGEN: Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re verbündet sich in Brasilien mit der Konkurrentin Bradesco Seguros. Die beiden Institute gründen ein Gemeinschaftsunternehmen für Unternehmensversicherung. Sie wollen damit den grössten Versicherer für kommerzielle Hochrisiken in Brasilien gründen. Im Zuge der Vereinbarung bringt die brasilianische Versicherung ihr Geschäft in die Unternehmensversicherungs-Sparte der Swiss Re in Brasilien ein. Im Gegenzug erhält Bradesco Seguros 40 Prozent an dem neuen Unternehmen. Die restlichen 60 Prozent bleiben bei Swiss Re. Dem Deal müssen noch die Wettbewerbsbehörden zustimmen.

WENIGER TÖFFS: In der Schweiz sind von Januar bis September 24'464 neue Motorräder verkauft worden. Damit können die Neuzulassungen nicht mehr an den Spitzenwert vom Vorjahr anknüpfen, als im selben Zeitraum 25'346 Motorräder neu auf die Strassen rollten. Im Zehnjahresvergleich sind die Verkaufszahlen der ersten neun Monate allerdings das zweitbeste Ergebnis, wie die Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen mitteilte. Von 2007 bis 2014 pendelten die Neuzulassungen für diesen Zeitraum jeweils zwischen 19'000 und 22'000. 2015 hatten günstige Fahrzeugpreise aufgrund der Wechselkurse und das schöne Frühling- und Sommerwetter noch viele Motorradinteressierte zum Töffkauf animiert.

SCHADENERSATZ: Der Industriekonzern Rieter erhält vom chinesischen Ringspinnmaschinenhersteller Tonghe eine Schadenersatzzahlung in der Höhe von 230'000 RMB (knapp 34'000 Franken). Dazu habe der Changzhou Intermediate Court das Unternehmen Tonghe verpflichtet, nachdem in einem Prozess des Jiangsu High Courts von 2015 eine klare Patentverletzung festgestellt worden sei, teilte Rieter mit. Bereits 2014 habe ein chinesisches Gericht in einem Berufungsprozess entschieden, dass die Firmen Cixi Jingwei und Tonghe die Produktion und den Vertrieb von Kopien von Rieter-Produkten umgehend einstellen müssten.

CETA: Die deutsche Regierung kann dem EU-Kanada-Freihandelsabkommen Ceta vorläufig zustimmen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht lehnte am Donnerstag Eilanträge der Linken und mehrerer Bürgerinitiativen auf einen Stopp der Zustimmung unter Auflagen ab. Damit kann das Ceta-Abkommen wie geplant am 27. Oktober auf dem EU-Kanada-Gipfel in Brüssel unterzeichnet werden. Deutschland muss aber dafür sorgen, dass dabei bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Nur dann hat die Bundesregierung grünes Licht aus Karlsruhe.

SCHLAMPEREI: Beim Einsatz von EU-Geldern wird in grossem Ausmass geschlampt oder getrickst. Der Europäische Rechnungshof kommt in seinem neuen Kontrollbericht zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Haushaltsjahr geschätzte 5,5 Milliarden Euro ohne Rechtsgrundlage ausgegeben wurden. Dies entspricht einer Fehlerquote von 3,8 Prozent.Im Vergleich zu den Vorjahren habe sich die Situation leider nicht signifikant verbessert, sagte Rechnungshof-Präsident Klaus-Heiner Lehne zur Vorstellung des Berichts. Jede Fehlerquote, die über 2 Prozent liege, müsse als zu hoch angesehen werden.

IMAGESCHADEN: Samsung kostet das Debakel um sein Smartphone Galaxy Note 7 viel Geld. Doch die Rückrufkosten dürften nach Ansicht der US-Ratingagentur Fitch noch das kleinere Problem für den Smartphone-Marktführer sein. Laut Fitch droht Samsung ein langwieriger Imageschaden. Dieser Verlust an Ansehen könne für den südkoreanischen Smartphone-Marktführer letztlich ein grösseres Risiko für die Kreditwürdigkeit bedeuten als die finanziellen Auswirkungen durch Rückrufe und Produktionsstopp. Fitch betonte jetzt allerdings, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass die Pannenserie beim Note-7 die gute Bonitätsnote A+/stabil des Unternehmens gefährdet. Samsung verfüge über hohe Geldreserven von 73,2 Billionen Won (etwa 64 Milliarden Franken) und eine starke Bilanzstruktur.

RÜCKTRITT: Die Affäre um fingierte Konten bei der US-Grossbank Wells Fargo kostet Bankenchef John Stumpf nun doch den Job. Der 63-Jährige habe den Verwaltungsrat über seine Entscheidung informiert, per sofort in den Ruhestand zu gehen, teilte das Finanzinstitut am Mittwoch mit. Stumpf war wegen des Skandals stark unter Druck geraten. Zum Nachfolger an der Vorstandsspitze des Bankhauses wurde Tim Sloan ernannt, der bislang für das Tagesgeschäft verantwortlich war. Stumpf gibt auch sein Amt als Vorsitzender (Chairman) des Verwaltungsrats ab.

WACHSTUM: Der Konsumgüterriese Unilever hat im dritten Quartal weiter zugelegt. Aus eigener Kraft und ohne Währungseffekte stieg der Umsatz um 3,2 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Unterstützung bekam der Konzern insbesondere vom warmen Wetter in Europa, das die Glace-Verkäufe ankurbelte. Insgesamt sei die Nachfrage aber schwach, so Vorstandschef Paul Polman laut Mitteilung. Insbesondere spüre der Konzern das in den von der Rezession geplagten Ländern Lateinamerikas.

SUBVENTIONEN-STREIT: Im Streit über Milliardensubventionen für den Flugzeugbauer Airbus geht die Europäische Kommission in Berufung. Sie wehre sich vor allem gegen den Vorwurf der Welthandelsorganisation WTO, früheren Urteilen nicht vollständig nachgekommen zu sein. Auch habe der WTO-Ausschuss in seinem Urteil mehrere Fehleinschätzungen begangen, was den möglichen Schaden für den US-Rivalen Boeing betreffe, teilte die Behörde mit. Die WTO hatte im September einer US-Beschwerde stattgegeben. Ein Ausschuss kam zu dem Schluss, dass die EU unzulässige staatliche Zuschüsse für Airbus nicht gestoppt hat. Dadurch habe der amerikanische Rivale Boeing beträchtlichen Schaden erlitten. Nach Angaben des US-Handelsvertreters Michael Froman geht es um 22 Milliarden Dollar, die Airbus unrechtmässig erhalten haben soll.

RÜCKGANG: Chinas Aussenhandel hat sich im September überraschend schwach entwickelt. Die Importe in US-Dollar gerechnet gingen um 1,9 Prozent im Vorjahresvergleich zurück. Die Exporte brachen sogar um 10 Prozent ein. Die von der Zollverwaltung in Peking vorgelegten Zahlen verfehlten die Erwartungen von Analysten deutlich. Nach einem Lichtblick im August, als erstmals seit fast zwei Jahren sowohl Exporte als auch Importe im selben Monat wieder anzogen, unterstreichen die nun vorgelegten Zahlen, dass Chinas ins Stocken geratene Wirtschaft noch längst nicht über den Berg ist. Die Ausfuhren fielen im September auf 184,5 Milliarden Dollar, die Importe auf 142,5 Milliarden Dollar.

UNTERSEEKABEL: Die Web-Rivalen Google und Facebook beteiligen sich gemeinsam an einem neuen Unterseekabel zwischen Los Angeles und Hongkong. Die rund 12'800 Kilometer lange Datenleitung soll mit einer Kapazität von 120 Terabit pro Sekunde die bisher schnellste im Pazifik sein. Damit könne man zum Beispiel 80 Millionen Videoanrufe in HD-Qualität gleichzeitig umschlagen, erklärte Google an einem Beispiel. Das Kabel soll 2018 in Betrieb genommen werden.

(AWP)