Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 17. Oktober 2016
17.10.2016 17:30

SINKENDES VERTRAUEN: Schweizer Bankkunden sind gegenüber der Finanzbranche skeptischer geworden. Fast jeder Dritte gab in einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY an, dass im letzten Jahr sein Vertrauen in die Branche gesunken sei. Damit leiden die Schweizer Banken unter einem starken Vertrauensschwund. Weltweit gab nämlich nur jeder vierte Kunde ein gesunkenes Vertrauen an. Trotzdem befinden sich die Schweizer Banken aber noch in einer guten Ausgangslage. Denn nach wir vor vertrauen 57 Prozent der Schweizer Kunden ihrer Hausbank und 83 Prozent würden sie weiterempfehlen. Weltweit sind diese Werte mit 40 respektive 72 Prozent deutlich tiefer.

UNTER BEOBACHTUNG: Das Schatzamt der USA hat die Schweiz wegen den Deviseninterventionen der Nationalbank auf die Liste möglicher Währungsmanipulatoren gesetzt. Die Schweiz befindet sich damit in der Gesellschaft von China, Japan, Korea, Taiwan und Deutschland. Bei all diesen Ländern kommt das US-Schatzamt zum Schluss, dass es zwar Anzeichen für die Manipulation der Devisenkurse gibt. Keines der Länder jedoch aktuell als Währungsmanipulator bezeichnet werden kann, wie die Online-Ausgabe der "Handelszeitung" berichtete. Als Währungsmanipulator gilt dabei, wer alle drei vom Schatzamt aufgestellten Kriterien erfüllt. Mit zwei erfüllten Kriterien entgeht die Schweiz nur knapp der Brandmarkung. Nicht erfüllt hat die Schweiz das Kriterium eines genügend grossen Exportüberschusses in die USA. Erfüllt dagegen sind die Bedingungen beim Leistungsbilanzüberschuss und den Deviseninterventionen, die gemäss US-Schatzamt in "massgeblichem" Umfang erfolgt sind.

NEUE IT-PLATTFORM: Die Grossbank UBS investiert eine Milliarde Franken in die Vereinheitlichung ihrer IT-Plattformen in der Vermögensverwaltung. An dem bis 2018 laufenden Projekt arbeiten mehr als 1400 Leute. "Es geht darum, unsere historisch fragmentierte Infrastruktur, über die wir global verfügen, in eine Plattform zu integrieren", sagte UBS-Manager Dirk Klee in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Klee ist für das operative Geschäft der internationalen Vermögensverwaltung zuständig. Zum Umfang der Einsparungen äusserte er sich nicht. Vor einigen Monaten hatte die UBS bereits angekündigt, durch eine neue Organisationsstruktur und einen Stellenabbau in der Vermögensverwaltung mehrere hundert Millionen Franken einzusparen. Konzernweit will die Bank ihre Kosten bis Ende 2017 um 2,1 Milliarden Franken drücken.

GAV GEKÜNDIGT: Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für Maler, Schreiner und Zimmermänner sind in der Romandie gescheitert. Die Arbeitgeber haben den bestehenden GAV auf Ende Jahr gekündigt. Von der Kündigung betroffen sind rund 25'000 Arbeitnehmer in der Westschweiz, wie die Gewerkschaften Unia und Syna mitteilten. Die Arbeitgeber haben den Gewerkschaften vorgeschlagen, den bisherigen GAV um ein Jahr zu verlängern, was Unia und Syna jedoch ablehnten. Den Arbeitgebern sei darum nichts anderes übriggeblieben, als den GAV zu kündigen, sagte der Verhandlungsleiter der Arbeitgeber Pascal Schwab auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

GRÜNDUNGEN UND PLEITEN: Firmengründer sind in diesem Jahr aktiver: Die Zahl der neu gegründeten Unternehmen liegt nach drei Quartalen um 2 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden 30'576 Firmen neu im Handelsregister registriert. Die Zahl der Firmenpleiten legte aber ebenfalls zu. Bis Ende September wurde über 3390 Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das ist ein Plus von drei Prozent, wie der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B mitteilte.Mehr Pleiten gab es vor allem im Tessin, in der Südwestschweiz und in der Ostschweiz. Auch Zürich verzeichnete ein leichtes Plus, in allen anderen Regionen sank die Zahl. Bei den Gründungen kam es bei allen Regionen ausser im Tessin zu einem leichten Wachstum oder zumindest zu keinen Rückgängen.

HANDY-VERBOT AN BORD: Die Fluggesellschaft Swiss hat wegen Brandgefahr das Smartphone Samsung Galaxy Note 7 an Bord ihrer Flugzeuge in die USA, Kanada und Hongkong verboten. Zuvor hatten die US-Behörden das Handy als "gefährliches Material" eingestuft und Passagieren verboten, das Gerät an Bord zu nehmen. "Das Verbot wurde am Samstag in Kraft gesetzt", sagte eine Swiss-Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es gelte bis auf weiteres. Die US-Behörden hatten das Verbot des Smartphones auf Flügen nach oder aus den Vereinigten Staaten und innerhalb des Landes am Freitag angekündigt und am Samstagmittag (Ortszeit) in Kraft gesetzt Bei Verstössen könnten Reisende bestraft oder die Smartphones beschlagnahmt werden.

STEUERRECHNUNG FÜR ROBOTER: Die Funktion und die Verantwortlichkeit von Robotern in der Gesellschaft muss nach Ansicht des Genfer Rechtsprofessors Xavier Oberson überdacht werden. Oberson hält eine Besteuerung von Robotern für sinnvoll. Ein Argument für eine solche Besteuerung gründet laut Oberson in der Tatsache, dass Roboter Menschen ersetzen. In einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps" sagte Oberson, dass Roboter einen oder mehrere Arbeitsplätze einnehmen würden und so eine neue Form von Steuervermögen darstellen könnten. Der starke Abbau von Arbeitsplätzen durch Roboter führe zu geringeren Steuereinnahmen, zu weniger Sozialabgaben und dem möglichen Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln.

ZITTERPARTIE UM CETA: Die für Handel zuständigen Minister der EU-Länder treffen sich am (morgigen) Dienstag in Luxemburg und sollen grünes Licht für die Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada (Ceta) geben. Aus Belgien fehlt aber noch der nötige Beschluss. In Belgien hatte das Regionalparlament der Wallonie am letzten Freitag Ceta abgelehnt. Gemäss Verfassung müssen aber alle neun Parlamente des Landes zustimmen. Trotzdem sieht die belgische Regierung weiter eine Chance für das Freihandelsabkommen. Man habe über das Wochenende mit der EU-Kommission gesprochen und hoffe auf einen Durchbruch bis Dienstag, sagte der zuständige Minister Didier Reynders am Montag in Luxemburg. Notfalls müsse beim EU-Gipfel Ende der Woche eine Lösung gesucht werden.

KRÄFTIGER ANSTIEG: Die deutsche Industrie zählt so viele Mitarbeiter wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr. In den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Beschäftigten waren Ende August 5,425 Millionen Personen tätig. Die Mitarbeiterzahl stieg damit um rund 37'000 oder 0,7 Prozent im Vergleich zum August 2015. Grund dafür ist die robuste Konjunktur: Die deutsche Regierung und Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent. Auch das Exportgeschäft des wichtigsten Handelspartner der Schweiz soll trotz lahmender Weltkonjunktur zulegen.

US-INDUSTRIE WÄCHST: Die US-Unternehmen haben ihre Produktion im September leicht gesteigert. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten 0,1 Prozent mehr her als im Vormonat. Ökonomen hatten allerdings mit einem etwas grösseren Plus von 0,2 Prozent gerechnet, nachdem im August noch ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche geschlagen hatte. Im gesamten Sommerquartal wuchs die Produktion damit um 1,8 Prozent und damit erstmals seit einem Jahr wieder. Das nährt die Hoffnung, dass die weltgrösste Volkswirtschaft etwas an Schwung gewonnen hat.

PROGNOSEN ANGEHOBEN: Die chinesische Wirtschaft dürfte Experten zufolge etwas kräftiger wachsen als bis jetzt angenommen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) werde dieses Jahr um 6,6 Prozent und 2017 um 6,5 Prozent wachsen. Dies sagen von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen. Im Juli waren die 59 Experten lediglich von 6,5 und 6,3 Prozent ausgegangen. Dennoch wäre das deutlich weniger als 2015, als es mit 6,9 Prozent das kleinste Plus seit einem Vierteljahrhundert gab.

NEUER CHEF: Der weltgrösste Baumaschinenhersteller Caterpillar bekommt einen neuen Chef. Der bisher für die Energie- und Transportsparte zuständige Jim Umpleby tritt am 1. Januar 2017 die Nachfolge von Doug Oberhelman an. Oberhelman arbeitet seit mehr als 41 Jahren im Unternehmen und ist seit 2010 Konzernchef. In dieser Zeit führte er den Konzern zu einem Umsatzrekord. Umpleby kennt Caterpillar ebenfalls aus dem Effeff: Er ist seit 35 Jahren für das Unternehmen tätig, das beispielsweise Bagger und Stromversorgungssysteme herstellt.

EIGENE TEST-LABORE: Samsung hat die feuergefährlichen Akkus seines Pannen-Smartphones Galaxy Note 7 für den Einsatz im US-Markt von einem Labor aus dem eigenen Konzern testen lassen. Der südkoreanische Smartphone-Marktführer sei der einzige Anbieter, der dafür nicht auf externe Einrichtungen zurückgreife, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag unter Berufung auf die Industriegruppe CTIA. Sie zertifiziert die Labore für die Tests, die für den Einsatz von Batterien in den USA verpflichtend sind. Insgesamt gibt es demnach aktuell 28 von der CTIA dafür zugelassene Labore. Auch Nokia und der inzwischen zu Lenovo gehörende Handy-Pionier Motorola hätten von der CTIA zertifizierte Einrichtungen gehabt, seien aber dabei, sie zu schliessen. Ein Samsung-Sprecher sagte der Zeitung, bei den Tests der Batterien seien keine Probleme aufgetreten.

ZU WENIG WETTBEWERB: Die US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) muss auf Geheiss der britischen Wettbewerbshüter den im vergangenen Jahr übernommenen Handelssoftware-Anbieter Trayport wieder abgeben. Die Behörde Competition and Markets Authority (CMA) ordnete nach eigenen Angaben eine Rückabwicklung des rund 650 Millionen Dollar schweren Zukaufs an. Laut CMA würde der Wettbewerb im Energiehandel durch den Deal zu stark beeinträchtigt, schliesslich seien auch ICE-Konkurrenten von Trayport-Technologie abhängig. Die ICE kündigte an, nun ihre Optionen zu prüfen, inklusive einer Anfechtung der CMA-Entscheidung.

PROFIT DURCH DISNEY: Mädchenspielzeug und Figuren aus Disney-Filmen lassen die Kassen beim zweitgrössten US-Spielwarenhersteller Hasbro klingeln. Der Gewinn stieg um ein Viertel auf 257,8 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf 1,68 Milliarden Dollar zu. In der Sparte für Mädchen-Spielsachen schnellte der Umsatz um mehr als die Hälfte in die Höhe. Das lag insbesondere an der starken Nachfrage nach Puppen aus dem Film "Die Eiskönigin" und nach Figuren aus der Reihe "Disney Princess", zu der die Märchen-Charaktere Cinderella, Schneewittchen und Arielle die Meerjungfrau gehören. Marktführer Mattel hat vor zwei Jahren den lukrativen Lizenzvertrag für die Disney-Figuren an Hasbro verloren.

VERKAUF EINES WAHRZEICHENS: Liverpools berühmtes Royal Liver Building, eines der Wahrzeichen der englischen Stadt, steht erstmals zum Verkauf. Der Besitzer, ein Versicherungsunternehmen, trennt sich von dem mehr als hundert Jahre alten Gebäude, wie eine Immobilienfirma mitteilte. Aus informierten Kreisen verlautete, es werde mit einem Kaufpreis von rund 40 Millionen Pfund (48 Millionen Franken) gerechnet. Die Architektur des 1911 erbauten Gebäudes ist an den griechischen Tempel im libanesischen Baalbek angelehnt.Auf den Kuppeln des Gebäudes befinden sich zwei Statuen des Liver Bird, eines Fantasievogels, der auch im Logo des Fussballvereins FC Liverpool zu sehen ist.

(AWP)