Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 21. Oktober 2016
21.10.2016 17:45

Bern (awp/sda) - BOMBARDIER BAUT AB: Der in der Verlustzone steckende kanadische Flugzeug- und Bahntechnikhersteller Bombardier unterzieht sich erneut einer Rosskur: Bis Ende 2018 will der Konzern weltweit rund 7500 Stellen in Produktion und Verwaltung streichen. Ob der Abbau auch die Schweiz betrifft, ist unklar. Dies dürfte erst in sechs bis acht Wochen deutlich werden. Hierzulande beschäftigt Bombardier knapp 1200 Mitarbeiter. Etwa zwei Drittel der Streichungen finden in der Zugsparte Bombardier Transportation statt. Das wären etwa 5000 Arbeitsplätze. Nach Ankündigung des Transformationsprozesses im Frühjahr ist die neuerliche Rosskur jetzt der zweite Schritt. Erst im Februar hatte Bombardier bekannt gegeben, bis Ende kommenden Jahres 7000 Jobs abzubauen, davon 68 Arbeitsplätze in der Zugssparte in der Schweiz.

STREIT BEIGELEGT: Die Credit Suisse kann den Steuerstreit mit Italien beilegen. Die Schweizer Grossbank zahlt für die Einigung insgesamt 109,5 Millionen Euro. Die CS bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters vorliegende Angaben. Demnach zahlt die Bank für die Busse und Steuern 101 Millionen Euro. Wegen der Verletzung von Vorschriften kämen weitere 8,5 Millionen Euro hinzu. Die Credit Suisse halte am Geschäft mit italienischen Kunden fest, hiess es weiter. Dem Institut war vorgeworfen worden, italienischen Kunden geholfen zu haben, undeklarierte Vermögen im Wert von bis zu 14 Milliarden Euro am Fiskus vorbei ins Ausland transferiert zu haben.

BOSSARD KAUFT US-UNTERNEHMEN: Das Schraubenhandels- und Logistikunternehmen Bossard kauft das US-Unternehmen Arnold Industries. Mit der Übernahme will Bossard seine Präsenz im Nordosten der USA weiter ausbauen. Die entsprechenden Verträge seien bereits unterzeichnet, teilte Bossardmit. Das US-Unternehmen erwirtschafte mit den rund 100 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von 40 Millionen Dollar. Arnold Industries beliefert vor allem Kunden in den Branchen Elektronik, Telekommunikation, Medizinaltechnik und Energie.

ALSO-GEWINNSPRUNG: Das IT-Logistikunternehmen Also hat nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs einen markant höheren Gewinn erzielt. Im Vorjahreszeitraum hatten noch hohe Abschreibungen und Sonderkosten das Ergebnis belastet. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg um 23 Prozent auf 75 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 45 Millionen Euro. Damit stieg der Konzerngewinn von Januar bis September um satte 57 Prozent, wie Also mitteilte. Im Tagesgeschäft lief es für den Konzern mit europaweit fast 4000 Mitarbeitern indes durchzogen: Mit 5,6 Milliarden Euro lag der Nettoerlös aus Lieferungen und Leistungen nur um 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Wegen eines gestiegenen Aufwands verschlechterte sich zudem der Bruttogewinn um 0,4 Prozent.

UNTERSCHIEDLICHE RICHTUNG: Euro und Dollar bewegen sich zum Franken derzeit in unterschiedliche Richtung. Der Euro ist am Freitag mit zeitweise 1,0823 Franken auf dem tiefsten Stand seit fast drei Monaten gefallen. Demgegenüber notierte der Dollar mit 0,9959 Franken so hoch wie zuletzt Anfang Februar. Am Markt werden zwei Gründe für die aktuelle Entwicklung genannt. Zum einen verweisen Händler auf die steigenden Zinserwartungen an die amerikanische Notenbank. Diese treiben den Dollar in die Höhe. Zum anderen sei der Euro durch Äusserungen von EZB-Präsident Mario Draghi an der Zinssitzung vom Donnerstag unter Druck gesetzt worden. Letztlich setze sich die Erkenntnis durch, dass die Geldschwemme wohl noch längere Zeit anhalten werde, lautet eine Begründung.

UMSATZ- UND GEWINNSTEIGERUNG: Die in der Farbmetrik tätige Datacolor hat im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September) Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Umsatz von Datacolor stieg um 4 Prozent auf 69,3 Millionen Dollar, während in Lokalwährungen gar ein Plus in Höhe von 7 Prozent resultierte. Gegenüber dem schwächeren Vorjahr hätten sich neben der Umsatzsteigerung vor allem die erfolgreiche Umsetzung von Effizienz- und Kosteneinsparungen positiv ausgewirkt, teilte das Luzerner Unternehmen mit. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA kletterte von 6,6 Millionen Dollar auf 8,7 Millionen Dollar, auf Stufe EBIT legte er von 4,4 Millionen Dollar auf 6,2 Millionen Dollar zu. Unter dem Strich weist Datacolor einen Reingewinn in Höhe von 6,0 Millionen Dollar aus. Im Vorjahr hatte dieser bei 3,2 Millionen Dollar gelegen.

PROTEST BEI GEBERIT: Rund 400 Mitarbeiter und Angehörige zweier zum Geberit-Konzern gehörenden Fabriken in Frankreich haben gegen die drohende Schliessung ihrer Werke protestiert. Sie übergaben der Geschäftsleitung am Geberit-Hauptsitz in Rapperswil-Jona SG ein Protestschreiben. Die Schweizer Gewerkschaft Unia unterstützte die Kundgebung. Geberit hatte im Mai bekannt gegeben, dass sie die Strukturen ihrer Tochtergesellschaft in Frankreich überprüfen werde. "Inzwischen ist klar: Die beiden Werke in La Villeneuve-au-Chêne (Burgund) und Digoin (Champagne) sollen wegen Überkapazitäten weitgehend stillgelegt werden", schreibt die Unia in einem Communiqué.

GROSSFUSION BAHNT SICH AN: In der Tabakindustrie bahnt sich eine Elefantenhochzeit an. Der britische Zigarettenhersteller BAT, zu dem auch die Schweizer Marke Parisienne gehört, will für 47 Milliarden Dollar den US-Konkurrenten Reynolds übernehmen. Damit entstünde der weltgrösste börsennotierte Tabakkonzern. British American Tobacco (BAT) besitzt neben Parisienne Marken wie Lucky Strike und Kent. Zu Reynolds gehören in den USA unter anderem Camel und Winston. BAT ist bereits in grossem Umfang an Reynolds beteiligt. Der genannte Preis soll für die restlichen 57,8 Prozent bezahlt werden, wie das Unternehmen mitteilte. Formale Gespräche zwischen beiden Firmen über die mögliche Fusion gab es bisher allerdings nicht.

WEITERE SPARSCHRITTE: Wegen einer hartnäckigen Marktflaute zieht der schwedische Telekomausrüster Ericsson die Kostenschraube fester. Interimschef Jan Frykhammar hat weitere Sparmassnahmen angekündigt. Erst unlängst hatte der weltgrösste Anbieter von Mobilnetz-Ausrüstung Pläne zum Abbau von 3900 Stellen im Heimatland bekannt gemacht. Früheren Angaben zufolge verdiente das Unternehmen im abgelaufenen Quartal mit knapp 31 Millionen Euro nur noch knapp sechs Prozent dessen, was vor Jahresfrist erwirtschaftet wurde. Der Umsatz brach um 14 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro ein.

TEMPO EINGEBÜSST: Die schwächelnde Nachfrage nach schweren Trucks in den USA macht sich beim Lastwagenbauer Volvo bemerkbar. Die Sparanstrengungen und eine besserer Marktentwicklung in Europa reichten nicht aus, um die Absatzprobleme in den Vereinigten Staaten auszugleichen. Im dritten Quartal sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf knapp 68,8 Milliarden Schwedische Kronen (7,7 Mrd. Franken). Der operative Gewinn vor Sondereffekten ging um fast 5 Prozent auf 4,85 Milliarden Kronen (540 Millionen Franken) zurück. Der Gewinn unter dem Strich sackte um knapp 16 Prozent auf 2,59 Milliarden Kronen (290 Millionen Franken) ab. Auch hier hatten Experten mit mehr gerechnet. Die Konzernspitze will den Fokus weiter auf Effizienzsteigerungen und Einsparungen legen.

PROGNOSE REVIDIERT: Der deutsche Autohersteller Daimler nimmt wegen einer Schwäche in Nordamerika seine Erwartungen an Absatz und Umsatz für den Konzern zurück. Bei den Erlösen rechnet Daimler nun nur noch mit dem Vorjahreswert von etwa 150 Milliarden Euro. eim operativen Gewinn peilt der Konzern einen Wert leicht über den knapp 14 Milliarden Euro vom Vorjahr an. Daimler machten zuletzt vor allem die schwachen Märkte im Lastwagengeschäft zu schaffen. Die florierenden Autoverkäufe konnten das nicht ausbügeln. Der Konzern hatte in den ersten neun Monaten 1,6 Millionen Autos verkauft - ein Plus von 12 Prozent. Der Umsatz stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente Daimler mit 2,7 Milliarden Euro gut 13 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

POSITIVER AUSBLICK: Der deutsche Softwarekonzern SAP rechnet für das laufende Jahr mit besseren Geschäften. Das Unternehmen hob trotz durchzogener Ergebnisse im abgelaufenen Quartal ihre Jahresprognose für 2016 leicht an. Das Unternehmen erwartet nun einen Betriebsgewinn (Non-IFRS) von 6,5 bis 6,7 Milliarden Euro. Bisher war SAP von einer Gewinnspanne zwischen 6,4 und 6,7 Milliarden Euro ausgegangen. Im dritten Quartal blieb SAP bei der Ergebnisentwicklung leicht hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Trotz anhaltend guter Cloud-Geschäfte legte das Betriebsergebnis währungsbereinigt lediglich ein Prozent auf gut 1,64 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich muss SAP allerdings einen deutlichen Gewinnknick hinnehmen: der Reingewinn sackte binnen Jahresfrist um ein Fünftel auf 725 Millionen Euro ab. Der Marktführer für Firmensoftware zur Unternehmenssteuerung erwirtschaftete einen Umsatz von 5,38 Milliarden Euro.

MADURO AUF RETTUNGSREISE: Wegen der drohenden Pleite des venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA reist Präsident Nicolás Maduro in andere an Erdöl reiche Länder, um Massnahmen für höhere Preise zu beraten. Wie es aus Regierungsquellen hiess, könnte Maduro bei seiner viertägigen Reise ab Freitag unter anderem Russland und Saudi-Arabien besuchen - der genaue Reiseplan war zunächst unklar. Saudi-Arabien gehört wie Venezuela der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) an. Der Preis könnte nur durch eine Drosselung der Produktion steigen - für venezolanisches Erdöl liegt er zur Zeit bei 43 US-Dollar je Barrel. PDVSA versucht derzeit, ausländische Gläubiger von einer Umwandlung 2016 und 2017 fälliger Anleihen in bis 2020 laufende Anleihen zu überzeugen - mit einer hohen Verzinsung von 8,50 Prozent. Klappt die Aktion nicht, könnte es das baldige Aus bedeuten. Insgesamt geht es um ein Volumen von 5,3 Milliarden US-Dollar. Da die Einnahmen des Staatskonzerns in hohem Masse den Staatshaushalt finanzieren befürchten Experten bei einer Zahlungsunfähigkeit von PDVSA-Pleite auch eine mögliche Staatspleite.

AMD MIT UMSATZSPRUNG: Der US-Chiphersteller AMD hat dank eines starken Geschäfts mit Grafik-Chips für Spielekonsolen seinen Umsatz im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal um fast ein Viertel gesteigert. Wegen Sonderfaktoren setzte es jedoch einen markanten Verlust ab. Der Umsatz betrug 1,31 Milliarden Dollar nach 1,06 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das lag über den Expertenschätzungen von 1,21 Milliarden Dollar. Zwar verdoppelte sich der Nettoverlust beinahe auf 406 Millionen Dollar. Ohne Sonderposten stand jedoch ein Gewinn von drei Cent unter dem Strich statt der von Analysten erwarteten Null. Konkurrent Intel hatte am Dienstag einen Umsatzanstieg von 9,1 Prozent gemeldet.

STARKES WACHSTUM: Der Bezahldienst Paypal hat Umsatz und Gewinn im vergangenen Quartal überraschend deutlich gesteigert. Der Umsatz kletterte verglichen mit dem Vorjahreswert um 18 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte um sieben Prozent auf 323 Millionen Dollar zu. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie stieg nachbörslich um gut zwei Prozent.

KONKURRENZ AUF HEIMMARKT: In der Samsung-Heimat Südkorea hat der Verkauf des iPhone 7 vom Konkurrenten Apple begonnen. Samsung hatte kürzlich sein neues Smartphone Galaxy Note 7 wegen Explosionsgefahr vom Markt nehmen müssen. Den südkoreanischen Technikkonzern könnte das Fiasko nicht nur Milliarden kosten, sondern auch Kunden. Wie ein Vertreter des Telekommunikationsanbieters Korea Telekom sagte, verkauften sich 50'000 iPhones, die vor einer Woche vorbestellt werden konnten, innerhalb von Minuten. "Das schreibe ich dem Note-7-Effekt zu", sagte er im Hinblick auf die Probleme des Samsung-Smartphones. Das Note 7 sollte dem iPhone im Segment der hochpreisigen Smartphones Konkurrenz machen.

(AWP)