Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 26. Oktober 2016
26.10.2016 17:30

STAGNIERENDE LÖHNE: In der Schweiz dürften die Löhne laut einer UBS-Umfrage bei Unternehmen im nächsten Jahr durchschnittlich um 0,6 Prozent steigen. Trotzdem können sich die Angestellten davon kaum mehr kaufen. Denn wegen steigender Preise bleibt von der Lohnerhöhung kaum etwas im Portemonnaie übrig. Erstmals seit sechs Jahren dürften 2017 die Preise in der Schweiz wieder anziehen. Die UBS erwartet eine Inflation von 0,4 Prozent. Einerseits schwächt sich der Frankenschock ab, der Importgüter verbilligte. Andererseits dürfte die lange Talfahrt der Ölpreise vorbei sein. Dies bedeutet, dass teuerungsbereinigt (real) die Löhne im nächsten Jahr lediglich um 0,2 Prozent zulegen würden. Die Kaufkraft dürfte damit weniger steigen als in diesem Jahr (0,8 Prozent). Die grössten Lohnerhöhungen gibt es 2017 in der Chemie- und Pharmaindustrie, bei den Unternehmensdienstleistern und im öffentlichen Sektor.

KLAGE VOM TISCH: Die Liechtensteiner Fürstenbank LGT und das österreichische Bundesland Salzburg haben sich in einem Millionen-Streit auf einen aussergerichtlichen Vergleich geeinigt. Die LGT zahlt dem Bundesland 800'000 Euro. Das österreichische Bundesland Salzburg hatte die grösste Liechtensteiner Bank am Landgericht in Vaduz auf 7,3 Millionen Franken verklagt. Das Bundesland warf dem fürstlichen Geldhaus vor allem mangelnde Sorgfalt bei Finanzgeschäften vor, weshalb es den geltend gemachten Verlust auf dem Gerichtsweg wettmachen wollte. Nun ist der Streit aussergerichtlich beigelegt worden, wie beim Landgericht zu erfahren war. Die LGT bestätigte diesen Sachverhalt. Die Bank zahle dem Bundesland 800'000 Euro, sagte LGT-Mediensprecher Christof Buri.

BESSSERE AUSSICHTEN: Nach der Aufhebung des Euromindestkurses ging mit dem Schweizer Tourismus es zwei Jahre lang abwärts. Der Tiefpunkt sollte jetzt jedoch erreicht sein. In den kommenden zwölf Monaten sagt die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) dem Schweizer Tourismus ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus. 2018 soll dann das Wachstum 2,0 Prozent betragen. Gestützt wird dieser Aufschwung sowohl von der inländischen wie von der ausländischen Nachfrage. So sollen die Übernachtungen sowohl der inländischen wie der ausländischen Gäste in der kommenden Winter- und Sommersaison um je 1,0 Prozent zunehmen. Von diesem Wachstum werden jedoch vor allem die Städte profitieren. In den Bergregionen wird der Tourismus auch in der kommenden Wintersaison rückläufig sein.

STELLENABBAU 1: Der Chemiekonzern BASF plant in der Region Basel einen weiteren Stellenabbau: Bis Ende 2018 will das Unternehmen an den Standorten Basel-Rosental und Schweizerhalle rund 180 Arbeitsplätze vorab im Bereich Forschung und Entwicklung aufheben. Von der Restrukturierung betroffen ist das Forschungszentrum Basel. Der überwiegende Teil von dessen Aktivitäten werde eingestellt oder an andere Standorte verlagert, teilte BASF mit. Grund für diesen Schritt sei die Konsolidierung der weltweiten Forschungs- und Entwicklungsstandorte der Gruppe mit 112'500 Mitarbeitenden. 180 Arbeitsplätze des Forschungszentrums sollen aufgehoben werden. Weitere 100 Stellen sollen innerhalb der Schweiz in andere Einheiten des Konzerns integriert werden. In der Region Basel beschäftigt BASF laut einem Sprecher derzeit noch 790 Mitarbeitende. Schweizweit sind es 1600.

STELLENABBAU 2: Die zur Raiffeisen-Gruppe gehörende Privatbank Notenstein La Roche setzt den Kostenhebel beim Personal an. Bis Anfang 2019 werden rund 100 Stellen gestrichen. Der Personalbestand wird damit von derzeit etwa 500 auf etwa 400 reduziert. Wie viele Mitarbeiter betroffen sein werden. Es sei nicht auszuschliessen, dass es zu Kündigungen kommen wird. Der Abbau ist Teil eines Kostenprogramms. Ziel ist die Reduktion der Kosten um 20 Prozent. Die Hälfte der Einsparungen erfolgt beim Personal, die andere Hälfte bei den Sachkosten. Bereits im Juni hatte Notenstein La Roche Sparmassnahmen angekündigt, von denen etwa 25 Personen betroffen sind.

STELLENABBAU 3: Der Maschinenhersteller Mikron baut am Tessiner Standort in Agno bis Ende 2017 25 der insgesamt 345 Stellen ab. Grund dafür ist die geringe Nachfrage nach numerisch gesteuerten Maschinen. Die Produktion ist nicht ausgelastet. Sieben Frühpensionierungen und zehn Entlassungen seien unumgänglich. Das Management werde den betroffenen Mitarbeitern bei der Stellensuche helfen. Weltweit zählt Mikron 1200 Beschäftigte.

FAMILIE UND BERUF: Bei Schweizer Müttern schlummert einiges an Arbeitskräftepotenzial. Viele wären bereit, mehr zu arbeiten, und auch nicht berufstätige Frauen mit Kindern wären oft für eine interessante Stelle zu haben. Schon heute nehmen fast 80 Prozent der Mütter in der Schweiz am Arbeitsmarkt teil, sind also erwerbstätig oder auf der Suche nach einem Job. Vor einem Vierteljahrhundert waren es erst 60 Prozent. Schweizer Mütter haben unterdessen die ausländischen bei der Erwerbsquote überholt. Welche Auswirkungen die Mutterschaft auf das Berufsleben hat, zeigt eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS). Zwar verlässt nur eine von sieben Frauen nach dem freudigen Ereignis den Arbeitsmarkt. Die Geburt eines ersten Kindes führt jedoch zu einer deutlichen Reduktion der Arbeitszeit.

ALTE ZÖPFE ABSCHNEIDEN: Der in Basel domizilierte Versicherungskonzern Baloise hat seine Unternehmensstrategie überarbeitet und will sich radikal wandeln. Dies machte das Management unter dem seit Jahresanfang amtierenden Konzernchef, Gert de Winter, an einem Investorentag deutlich. So plant die Baloise-Gruppe, neben der kompletten Vereinfachung der Produktpalette auch die Modernisierung der eigenen IT-Systeme sowie die Digitalisierung der Geschäftsprozesse ein. Mit einer Vielzahl von Initiativen beabsichtigt das Unternehmen, etwa seine Angebote auf Smartphones oder die geänderte Mobilität von Personen auszuweiten. Die Schadenabwicklung soll sich von derzeit 14 Tagen auf einen Tag reduzieren. Den Investoren versprach der Konzern, dass bis 2021 rund 2 Milliarden Franken an Barmittel in die eigene Holding fliessen. Mit den Geldern will die Baloise eine Million eigene Aktien zurückkaufen sowie weiterhin eine attraktive Dividende zahlen.

MEHR UMSATZ UND GEWINN: Das Unternehmen mit der Maus macht 25 Jahre nach seiner Innovation wieder gute Figur mit seinen Erfindungen: Logitech konnte in seinem ersten Halbjahr 2016/17 den Gewinn verdoppeln und den Umsatz steigern. Analysten sprachen von soliden Ergebnissen, besser sogar als erwartet. Unter dem Strich blieben dem schweizerisch-amerikanischen Computerzubehörhersteller fast 69 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatten Umbaukosten und Umrechnungsverluste den Gewinn noch auf 25,5 Millionen Dollar geschmälert. Auch der Umsatz legte zwischen April und September im Vergleich zur Vorjahresperiode um 78 Millionen Dollar auf 1,044 Mrd. Dollar zu, wie Logitech mitteilte.Alleine im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 9 Prozent auf 564 Millionen Dollar an.

INDUSTRIE: Ein schwieriges Marktumfeld vor allem in Europa hat das Umsatzwachstum beim Komponenten- und Gehäusehersteller Phoenix Mecano abgebremst. Dank einem wachsenden asiatischen Markt steigerte sich der Umsatz in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreswert dennoch um 3,2 Prozent auf 434,5 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte in den ersten neuen Monaten mit 0,6 Prozent nur leicht zu, wie es in der Mitteilung heisst. Der erzielte Reingewinn beläuft sich dabei auf 19,2 Millionen Euro (+9,1 Prozent). Dank solider Nachfrage konnte der Umsatz in der grössten Sparte Mechanische Komponenten auf 209,4 Millionen Euro weiter gesteigert werden (+3,6 Prozent), während dieser im Bereich Gehäusetechnik wegen der allgemein gedämpften Investitionsbereitschaft im grössten Markt Europa bei 132,1 Millionen Euro stillstand. Die kleinste Sparte ELCOM/EMS verzeichnete zwar ein Umsatzplus von 7,3 Prozent auf 93 Millionen Euro. Akquisitionsbereinigt setzte der Bereich allerdings 0,8 Prozent weniger ab. Aufgrund eines schwierigen Marktumfeldes und den damit verbundenen Investitionen, Restrukturierungsmassnahmen und Ergänzungsakquisitionen erwartet Phoenix Mecano für das Gesamtjahr ein Betriebsergebnis bei 34 Millionen Euro.

BANKEN: Der Schweizer Finanzplatz war im vergangenen Jahr für Wertschöpfung im Umfang von 80,3 Mrd. Franken verantwortlich. Das sind fast 13 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der BAKBasel im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Mit der Wertschöpfung verbunden seien 400'000 Vollzeitarbeitsplätze. Jeder zehnte Wertschöpfungsfranken wird gemäss der Studie direkt im Finanzsektor erwirtschaftet. Im Kanton Zürich sei es sogar jeder fünfte Franken. Gemäss BAKBasel sind das internationale Spitzenwerte.

IMMOBILIEN: Nach einem Anstieg im Vorquartal sind die Schweizer Wohnungsmieten im dritten Quartal um 1 Prozent gesunken. Insbesondere Neubauten wurden wieder günstiger vermietet. Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Fahrländer Partner Raumentwicklung (FPRE) sind die Mieten für Neubauten in den letzten drei Monaten gesamtschweizerisch um 1,2 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beträgt der Rückgang sogar 3,9 Prozent. Die Mieten für Altbauwohnungen wurden ebenfalls günstiger, wenn auch mit minus 0,6 Prozent etwas weniger ausgeprägt. Im Vorjahresvergleich sind sie allerdings immer noch 3 Prozent teurer. Bei den Büros entwickelten sich die Mieten mit einem Minus von 3,4 Prozent in den letzten drei Monaten besonders stark gefallen. Auch gegenüber dem Vorjahresquartal werden Büros aktuell 3,3 Prozent günstiger vermietet.

WENIGER GEWINN: Der Skandal um falsch beratene Kunden wirft die britische Grossbank Lloyds auf ihrem Erholungskurs erneut zurück. Im dritten Quartal legte das Institut für Entschädigungen eine weitere Milliarde Pfund zurück. Das liess den Überschuss verglichen mit dem Vorjahreszeitraum gut zwei Drittel auf 219 Millionen Pfund (rund 266 Millionen Franken) einbrechen. Die branchenweite Affäre um massenhaft verkaufte unnütze Kreditausfallversicherungen hat den Konzern inzwischen 17 Milliarden Pfund (rund 21 Milliarden Franken) gekostet. Bereinigt um Sondereffekte verdiente das Institut vor Steuern 1,91 Milliarden Pfund (rund 2 Milliarden Franken), auch das war weniger als von Analysten erwartet. Die britische Regierung hatte Anfang des Monats angekündigt, den Verkauf ihrer verbliebenen Anteile an der Bank wieder aufnehmen zu wollen. Derzeit halten die britischen Steuerzahler noch 9,1 Prozent.

WACHSTUMSGARANT PHARMA: Die milliardenschwere Übernahme von Monsanto durch den Pharma- und Agrarkonzern Bayer ist noch nicht perfekt. Doch der Chemieriese ist zuversichtlich. Schwung gibt zudem das gut laufende Pharmageschäft, der Konzern steht erneut vor einem Rekordgewinn. In die geplante Übernahme geht der Leverkusener Riese mit weltweit rund 115'000 Beschäftigten aus einer Position der Stärke. So steht das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr, getragen von der Pharmasparte, erneut vor einem Milliarden-Rekordgewinn. Bis Ende September hatte Bayer einen Nettogewinn von 4,1 Milliarden Euro eingefahren und damit fast das Ergebnis des gesamten Geschäftsjahres 2015 erreicht. Die Umsätze lagen mit 34,9 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahreswert.

KRÄFTIGER ANSTIEG: Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline profitiert immer stärker vom Brexit-Votum. Dank des Kursverfall des Pfundes nach dem britischen Referendum für einen EU-Austritt wachse der Gewinn in diesem Jahr kräftiger als bislang angenommen, teilte GSK mit. Das Unternehmen, das auch für Sensodyne-Zahnpasta und Voltaren-Schmerzgel bekannt ist, rechne nun mit einem Plus beim Kerngewinn je Aktie von 21 Prozent statt der noch vor drei Monaten in Aussicht gestellten 19 Prozent. Im dritten Quartal habe es hier ein überraschend grosses Plus von 39 Prozent gegeben. Der Umsatz legte um 23 Prozent auf 7,54 Milliarden Pfund (rund 9,15 Mrd. Franken) zu und übertraf ebenfalls die Markterwartungen.

UMSATZSCHWUND: Coca-Cola kann den Umsatzschwund nicht stoppen. Trotz Preiserhöhungen sanken die Erlöse des weltgrössten Getränkekonzerns in den drei Monaten bis Ende September um sieben Prozent auf 10,63 Milliarden Dollar und damit das sechste Quartal in Folge. Der Gewinn fiel binnen Jahresfrist um rund 28 Prozent auf 1,05 Milliarden Dollar. Während die Geschäfte in Nordamerika dank reger Nachfrage nach Mineralwasser und Sportgetränken zulegten, nahm der Umsatz in Europa ab. Hier bekommt Coca-Cola bereits seit einiger Zeit den Fitness-Trend zu spüren, da immer mehr gesundheitsbewusstere Kunden zu Smoothies, Tees und Säften statt zu Limonade greifen. Allerdings fiel der Umsatzrückgang im Konzern insgesamt nicht so stark aus wie von Experten befürchtet. Dazu trugen auch höhere Preise bei.

NEIN DER EZB: Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi liegt im Clinch mit der EZB. Wie seine Finanzholding Fininvest bekanntgab, erklärt die Europäische Zentralbank (EZB) deren Grossbeteiligung an der italienischen Banca Mediolanum für nicht zulässig. Fininvest kündigte umgehend an, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Mit ihrer Entscheidung springen die EZB-Bankenaufseher Italiens Notenbank zur Seite. Diese hatte die Berlusconi-Gesellschaft bereits 2014 angewiesen, ihren Anteil an Banca Mediolanum auf zehn Prozent zu kappen von derzeit rund 30 Prozent. Ein grösseres Paket wollte die Bank von Italien Fininvest nicht zugestehen, weil Berlusconi wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt worden ist. Fininvest klagte damals mit Erfolg gegen die Anweisung, die von einem Berufungsgericht gekippt wurde.

RÜCKZUG AUS LE MANS: Die VW-Tochter Audi fährt ihre Aktivitäten im Rennsport aus Kostengründen stark zurück. Mit Ablauf der diesjährigen Saison beende die Premiummarke ihr Engagement im Langstreckenrennen der FIA WEC und damit auch beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dies habe Audi-Chef Rupert Stadler vor rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Motorsport-Abteilung bekannt gegeben, teilte das Unternehmen mit. Als Grund verwies er auf die aktuellen Belastungen für die Marke im Abgasskandal. Es sei jetzt wichtig, auf das zu fokussieren, was Audi in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig halte. Im Motorsport wolle sich Audi an der Elektroauto-Rennserie Formel E beteiligen. Auch bei der DTM (Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) bleibe die VW-Tochter dabei.

STELLENABBAU BEI AIRBUS: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus will fast 600 Stellen in seiner Hubschrauber-Sparte streichen. Insgesamt sollen 582 Arbeitsplätze an den französischen Standorten in Marignane und Paris Le Bourget wegfallen, wie Airbus Helicopters auf Anfrage mitteilte. Der Abbau soll in den Jahren 2017 und 2018 vollzogen werden. Im Gespräch mit der Arbeitnehmerseite will der Konzern Massnahmen besprechen, um die sozialen Folgen des Abbaus zu begrenzen.

(AWP)