Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 28. Oktober 2016
28.10.2016 17:53

GEWINNEINBRUCH: Im Gegensatz zu ausländischen Grossbanken hat die UBS im Sommerquartal Federn lassen müssen. Der Reingewinn der grössten Schweizer Bank brach im dritten Quartal 2016 wegen Steuereffekten von 2,1 Mrd. auf 827 Mio. Fr. ein. Allerdings hatten Steuergutschriften von 1,3 Mrd. Fr. das damalige Ergebnis massiv nach oben gedrückt. Dagegen musste die UBS im dritten Quartal diesen Jahres wieder Steuern von netto 49 Mio. Fr. zahlen. Betrachtet man das Ergebnis vor Steuern hat sich die UBS im Jahresvergleich verbessert. Der Vorsteuergewinn stieg im dritten Quartal 2016 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 877 Mio. Franken, was die Erwartungen der Analysten übertraf. Grund für die Verbesserung sind Kostensenkungen, vor allem für Altlasten und Rechtsfälle. Im operativen Business sanken die Gewinne allerdings bei fast allen Geschäftsdivisionen.

KONJUNKTUR: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im Jahr 2014 in allen Grossregionen der Schweiz angestiegen. Am stärksten wuchsen die Regionen Zürich und Tessin. Auf Kantonsebene waren die Kantone Appenzell Innerrhoden, Jura und Basel-Land die Spitzenreiter. Das Schweizer BIP stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent und setzte damit den positiven Trend des Jahres 2013 fort (1,8 Prozent), wie aus den Ergebnissen der ersten Schätzungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht, die am Freitag veröffentlicht wurden. Vor allem der Grosshandel und exportorientierte Industrieunternehmen trieben das Wachstum in der Schweiz an, während Banken und Versicherungen die positive Entwicklung bremsten.

KONJUNKTUR: Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich im Oktober deutlich aufgehellt. Das KOF Konjunkturbarometer ist im Oktober um 3,1 Punkte auf 104,7 Punkte gesprungen. Dies ist der höchste Stand seit Januar 2014. Demnach dürfte die Schweizer Wirtschaft in der näheren Zukunft mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten an Fahrt gewinnen, wie die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich mitteilte. Nachdem sich der KOF Konjunkturbarometer im Vormonat von seinem Taucher unter die 100-Punkte Marke leicht erholt hatte, stieg er im Oktober nochmals deutlich. Mit einem Wert von 104,7 Zählern liegt der Barometer nun klar über seinem langfristigen Mittel. Vor allem im Gastgewerbe, in der Elektroindustrie sowie im Maschinenbau wird die Geschäftslage sowie die Wettbewerbsfähigkeit besser beurteilt. Damit dürfte der Frankenschock von Anfang 2015 von vielen Firmen verdaut sein, schreibt das KOF weiter.

SANITÄRTECHNIK: Die Sanitärtechnik-Gruppe Geberit hat in den ersten drei Quartalen den Umsatz und den Gewinn erhöht. Grund dafür ist neben der Integration des finnischen Bauausrüsters Sanitec, dass die Bauwirtschaft in etlichen europäischen Ländern wieder zulegt. In den ersten neun Monaten steigerte Geberit den Umsatz um 10,1 Prozent auf 2,17 Milliarden Franken. Währungsbereinigt waren es 6,5 Prozent. Dank tiefer Rohmaterialkosten und Synergieeffekten aus der Übernahme der Sanitec kletterte der Gewinn um 38,6 Prozent auf 469,1 Millionen Franken.

INDUSTRIE: Kunden aus der Türkei und Indien haben das Geschäft beim Spinnereimaschinenhersteller Rieter angekurbelt. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sind beim Winterthurer Unternehmen 22 Prozent mehr Bestellungen eingegangen als noch im Vorjahreszeitraum. Die starke Nachfrage aus der Türkei zum Jahresauftakt hat im dritten Quartal zwar nachgelassen, dafür konnten Grossaufträge aus Indien gesichert werden, wie das Unternehmen mitteilte. Insgesamt beträgt der Gesamtwert des Bestellungseingangs in den ersten neun Monaten 718,4 Millionen Franken. Die gute Auftragslage ist hauptsächlich dem umsatzstärksten Geschäftsbereich, Machines & Systems, zuzuschreiben. Der Bereich produziert Maschinen, Anlagen und Komponenten zur Herstellung von Garnen. Per September sind gegenüber dem Vorjahreswert fast 50 Prozent mehr Bestellungen eingegangen (477,6 Millionen Franken). Rieter erwartet ein stärkeres zweites Halbjahr und rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatz von rund 940 Millionen Franken, einer EBIT-Marge zwischen 5 und 6 Prozent und einem Reingewinn von etwa 4 Prozent des Umsatzes.

PILATUS AUF KURS: Der Flugzeughersteller Pilatus ist zufrieden, wie die beiden Prototypen seines neuen Businessjets PC-24 in die Luft gehen. Die Düsenmaschinen absolvierten bisher 600 Flüge und über 1000 Flugstunden. Die Leistung der Jets übertrifft laut Pilatus die bisherigen Annahmen. Das Entwicklungsprogramm des vor zwei Jahren vorgestellten Fliegers verlaufe nach Plan, teilte das Stanser Unternehmen mit. Mehrere wichtige Flugversuche hätten erfolgreich abgeschlossen werden können. Die Zertifizierung durch die europäische Luftfahrtbehörde ist für das 3. Quartal 2017 vorgesehen. Der PC-24 ist das erste Düsenflugzeug des Unternehmens Pilatus, das sich zuvor auf Propellermaschinen spezialisiert hatte. Bisher wurden 84 Stück des Businessjets "Made in Switzerland" verkauft.

INTERNETWÄHRUNG: Die SBB steigt in den Handel mit der virtuellen Währung Bitcoin ein. Ab 11. November können an über 1000 Billettautomaten Bitcoin gekauft werden, vorläufig für eine Probephase von zwei Jahren. Die SBB will herausfinden, ob für den Verkauf von Bitcoin ein Markt besteht. Sie stellt ihre Automaten als Vertriebspartnerin dem ansässigen Finanzintermediär SweePay zur Verfügung. An den Automaten können Beträge von 20 bis 500 Franken in Bitcoin gewechselt werden. Getauscht werden kann für bis zu 5000 Franken pro Jahr. Mit wie viel Einnahmen die SBB aus den Transaktionen rechnet, gab sie nicht bekannt. Es sei ein Nischengeschäft, sagte ein Sprecher.

ERNEUERBARE ENERGIEN: Die Branche für erneuerbare Energie und Energieeffizienz hat sich weiter zurückgebildet. Der Renewable Energy Index verschlechterte sich im dritten Quartal nochmals um 1,2 Punkte auf 48,7 Punkte. Saisonbereinigt schaffte es der Index seit Mitte 2015 nicht mehr über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Nachdem sich der Abwärtstrend zum Jahresauftakt zwar etwas erholte, nimmt der Rückgang im dritten Quartal an Fahrt auf. Fünf der sechs Subindizes liegen nun deutlich unterhalb der Wachstumszone. Einzig die Umsätze stiegen in den letzten drei Monaten an, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vorquartal. Allerdings sind die Auftragsbestände unter die Wachstumsschwelle gerutscht, was in den Folgemonaten die Umsätze womöglich weiter belastet, wie die Credit Suisse in ihrer Mitteilung schreibt. Am stärksten schrumpften jedoch die Exporte. Der Renewable Energy Index wird von der Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE) in Zusammenarbeit mit der Credit Suisse erstellt.

WIRTSCHAFTSWACHSTUM: Die US-Wirtschaft hat im Sommer einen Gang höher geschaltet. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte von Juli bis September auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent zu, wie das Handelsministerium mitteilte. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 2,5 Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal lag der Zuwachs lediglich bei 1,4 Prozent. Die US-Notenbank Fed hat angesichts des Aufschwungs eine weitere Zinserhöhung ins Auge gefasst. Experten erwarten den nächsten Schritt nach oben für Dezember. Eine Anhebung schon Anfang November und damit wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen gilt als unwahrscheinlich. Seit Dezember 2015 liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

ZUSAMMENARBEIT VERLÄNGERT: Das Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen Bossard kann den US-Elektrofahrzeughersteller Tesla als Kunden behalten: Die beiden Unternehmen haben die Zusammenarbeit vertraglich bis 2020 verlängert. Die intensive Kooperation umfasse nicht nur die logistische Versorgung bis an das Produktionsband, sondern beinhalte auch die aktive Zusammenarbeit in allen Belangen der Verbindungstechnik sowie in der Entwicklungsphase neuer Modelle, schreibt Bossard in einer Mitteilung. Tesla ist seit 2010 ein wichtiger Grosskunde von Bossard.

DETAILHANDEL: Amazon hat im dritten Quartal deutlich weniger Gewinn gemacht als erwartet. Der Überschuss kletterte im Jahresvergleich von 79 auf 252 Millionen Dollar, wie der Online-Händler am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Analysten hatten allerdings mit erheblich mehr Gewinn gerechnet. Beim Umsatz lag das Ergebnis hingegen im Rahmen der Erwartungen.

GEWINNEINBRUCH: Beim weltgrössten Bierbrauer AB Inbev ist nach der Übernahme des Rivalen SABMiller der Gewinn eingebrochen. Im dritten Quartal sank der Überschuss um knapp 60 Prozent auf 557 Millionen Dollar, wie der Konzern mitteilte. Als Gründe nannte AB Inbev deutlich gestiegene Finanzierungskosten sowie ungünstige Währungskurse. Dem Unternehmen macht der starke Dollar zu schaffen. Positiv wirkte sich diesmal eine gesunkene Steuerlast aus. Während der Umsatz auf vergleichbarer Basis mit 11,1 Milliarden US-Dollar knapp drei Prozent höher ausfiel als ein Jahr zuvor, schrumpfte das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) um zwei Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar.

ALPHABET WÄCHST: Die Stärke von Google im Internet-Geschäft hat seinem Mutterkonzern Alphabet im vergangenen Quartal erneut deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn beschert. Die Erlöse stiegen im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 22,45 Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang um gut 27 Prozent auf 5,06 Milliarden Dollar hoch, wie Alphabet nach US-Börsenschluss mitteilte. Die Werbeerlöse von Google bleiben dabei die tragende Säule des gesamten Alphabet-Geschäfts. Sie stiegen um 18 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar. Google verdient nach wie vor das meiste Geld mit Klicks auf Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche. Der Rest von Alphabet verursacht bei niedrigen Umsätzen hohe Kosten.

ÖLRIESEN UNTER DRUCK: Der Ölpreisverfall verhagelt den US-Branchenriesen Exxon und Chevron weiter die Bilanzen - den europäischen Rivalen Total und Eni geht es nicht anders. Im dritten Quartal mussten alle vier Konzerne trotz massiver Sparmassnahmen erhebliche Abstriche machen. Die niedrigen Ölpreise machen den grössten US-Ölkonzernen ExxonMobil und Chevron weiter zu schaffen. Auch bei den internationalen Konkurrenten Total aus Frankreich und der italienischen Eni bleibt die Lage angespannt, wie die Zahlen für das dritte Quartal zeigen.

GEWINNEINBRUCH: Nach der Dieselaffäre um manipulierte Abgaswerte leidet der deutsche Autohersteller Audi unter einem milliardenschweren Gewinneinbruch. Von Anfang Januar bis Ende September schrumpfte der Nettogewinn der VW-Tochter um ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro. Das geht aus den Geschäftszahlen für die ersten drei Quartale hervor. Im Vorjahr hatte Audi im selben Zeitraum noch knapp 3,3 Milliarden verdient. Hauptursache war die Abgasaffäre. Aber auch eine Rückrufaktion für mit Airbags des Zulieferers Tataka ausgestattete Wagen schlug zu Buche. Audi erhöhte deswegen die Risikovorsorge. Das Unternehmen bezifferte die Belastung der Bilanz durch die Sondereinflüsse auf insgesamt 885 Millionen Euro.

OPTIMISTISCHE WIRTSCHAFT: Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone hat sich im Oktober überraschend aufgehellt. Das Barometer dazu stieg um 1,4 auf 106,3 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Ökonomen hingegen hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Das ebenfalls ermittelte Konjunktur-Barometer für das Geschäftsklima stieg auf 0,55 Zähler von 0,44 Punkten im September. Das ist der höchste Stand seit Juli 2011. Das sind auch für die Schweizer Exportindustrie gute Nachrichten, ist doch die Eurozone ein wichtiger Abnehmer für ihre Produkte.

ZURÜCK AUF WACHSTUMSPFAD: Die französische Wirtschaft ist im Sommer auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das Bruttoinlandprodukt stieg nach Angaben des Statistikamts Insee im Zeitraum von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Es blieb damit aber etwas hinter den Markterwartungen zurück. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal stagnierten die Ausgaben der Konsumenten, während die Investitionen um 0,3 Prozent anzogen. Der Aussenhandel dämpfte das Wachstum, da die Importe stärker zulegten als die Exporte. Im Frühjahr war die Wirtschaft noch um 0,1 Prozent geschrumpft.

ZUWACHS FÜR SPANIEN: In Spanien ist trotz der lang andauernden politischen Blockade die Wirtschaft auch im Sommer kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandprodukt legte von Juli bis September um 0,7 Prozent zu, wie das Statistikamt INE mitteilte. Experten hatten damit gerechnet. Im Frühjahr war der Zuwachs mit 0,8 Prozent nur einen Tick stärker. Beflügelt wird der Aufschwung unter anderem von einem Touristenboom. Die Achillesferse ist allerdings weiterhin der Arbeitsmarkt: Die Erwerbslosenquote ist im dritten Quartal zwar auf 18,9 Prozent gefallen. Sie ist damit aber weiterhin die zweithöchste in der Europäischen Union. Nur in Griechenland ist die Lage schlechter.

(AWP)