Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 31. Oktober 2016
31.10.2016 17:48

SNB-GEWINN: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den ersten neun Monaten 2016 einen deutlichen Gewinn von 28,7 Mrd. Fr. vorgelegt. Der Löwenanteil entfiel auf den Erfolg auf Fremdwährungen. Die SNB profitierte zudem von einem deutlich höheren Wert ihrer Goldbestände. Eine starke Höherbewertung des Goldes liess den SNB-Gewinn in den ersten drei Quartalen um 7,5 Mrd. Fr. ansteigen. Gold wurde nämlich per Ende September 2016 zu 41'275 Fr. pro Kilo gehandelt, nachdem es Ende 2015 noch 34'103 Fr. gewesen waren, wie die SNB mitteilte. Noch stärker profitierte die SNB von der Entwicklung an den Devisenmärkten: Zins- und Dividendenerträge sowie Kursgewinne auf den Fremdwährungspositionen beliefen sich insgesamt auf 20,3 Mrd. Franken. Bereits nach den ersten sechs Monaten hatte die SNB mit 21,3 Mrd. Fr. einen hohen Gewinn ausgewiesen. Vor einem Jahr war im Zeitraum von Januar bis September noch ein Verlust von 33,9 Milliarden Franken angefallen. Im dritten Quartal 2015 war die Nationalbank allerdings mit einem Gewinn von 16,2 Mrd. Fr. wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

OPTIMISTISCHER: Die positiven Konjunkturaussichten schlagen sich auch in der Stimmung der Finanzchefs nieder. Erstmals seit Aufhebung des Franken-Mindestkurses äussert sich wieder eine Mehrheit von ihnen optimistisch zur finanziellen Entwicklung ihrer Firma in den nächsten 12 Monaten. 53 Prozent der von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte im dritten Quartal 2016 befragten 111 Finanzchefs orten positive finanzielle Aussichten. Lediglich 12 Prozent (Vorquartal noch 20 Prozent) sind weiter pessimistisch. Insbesondere der Konjunkturausblick hat sich im Herbst nach Ansicht der Finanzchefs weiter aufgehellt. 45 Prozent schätzen inzwischen die Aussichten als positiv ein, gegenüber 12 Prozent, die negative Erwartungen haben. Im Vergleich zum Sommer stellt eine erneute Zunahme des Optimismus um 14 Prozentpunkte dar.

LOOSER MIT GEWINNSPRUNG: Die vor der Fusion mit AFG stehende Industriegruppe Looser hat sich in den ersten drei Quartalen gegenüber der Vorjahresperiode steigern können. So ist der um Sondereffekte bereinigte Umsatz um 5,8 Prozent auf 328,4 Millionen Franken gestiegen. Der Konzerngewinn hat sich sogar um 57,6 Prozent auf 10,1 Millionen Franken erhöht. Dieser Gewinnsprung ist jedoch vor allem dank geringeren Steuern und tieferen Abschreibungen zustande gekommen. Ohne diese Faktoren fällt das Gewinnwachstum in der Höhe der Steigerung des Umsatz aus. Diese Verbesserung ist Looser vor allem dank dem gut laufenden Türen-Geschäft gelungen. Das zum Verkauf stehende Beschichtungsgeschäft dagegen stagnierte.

VAT WÄCHST WEITER: Der Ostschweizer Hersteller von Vakuumventilen VAT hat im dritten Quartal den Umsatz um 17,1 Prozent auf 129,7 Millionen Franken gesteigert. Der Bestellungseingang schnellte gegenüber der Vorjahresperiode sogar um fast 40 Prozent auf 137,0 Millionen Franken in die Höhe. VAT begründet diese Entwicklung vor allem mit der stark gestiegenen Nachfrage von asiatischen und US-amerikanischen Bildschirmherstellern. Für das Gesamtjahr erhöht VAT entsprechend den Ausblick beim Umsatz. Er soll neu 15 bis 18 Prozent über dem Vorjahr liegen. Zuvor galt als Vorgabe ein Plus von 12 bis 15 Prozent.

FUSION: In der Schweiz soll es künftig nur noch einen grossen Ticket-Vermarkter geben: Ringier, Tamedia und CTS Eventim wollen ihre Aktivitäten zusammenlegen. Die Ticketfirmen Starticket und Ticketcorner sollen fusionieren. Die Medienhäuser Tamedia, Ringier und CTS Eventim haben einen entsprechenden Fusionsvertrag unterzeichnet. Die Zusammenführung der zwei Ticketvermarkter soll gemäss Informationen der Unternehmen unter Vorbehalt der Zustimmung der Eidgenössischen Wettbewerbskommission im ersten Halbjahr 2017 erfolgen. Noch nicht entschieden ist, unter welchem Namen das neue Unternehmen auftreten wird.

BESSERE PROGNOSEN: Das Konjunkturforschungsinstitut Créa der Universität Lausanne hat seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz erhöht. Für 2016 rechnet das Institut neu mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent (bisher 1,1 Prozent). Auch für 2017 und 2018 wurden die Prognosen jeweils um 0,3 Prozentpunkte auf neu 1,5 Prozent (2017) respektive 2,4 Prozent (2018) angehoben. Trotz der Erhöhung der Wachstumsprognosen sehen die Westschweizer Konjunkturforscher eine anhaltend hohe konjunkturelle Unsicherheit in der Schweiz, insbesondere auch unter Berücksichtigung der mittel- bis langfristigen Folgen des Brexit. Das dürfte sich vor allem auf die Exporte auswirken, die nach einer leichten Erholung vom Frankenschock im laufenden Jahr im kommenden Jahr laut Créa wieder leicht rückläufig sein dürften. Auch der Privatkonsum dürfte in naher Zukunft unter seinem langjährigen Durchschnitt verbleiben und das Wirtschaftswachstum bremsen.

KEINE EINWÄNDE: Der frühere EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hat nach Ansicht eines EU-Ethikkomitees mit seinem Wechsel zur Investmentbank Goldman Sachs keine Verhaltensregeln verletzt. Es gebe keine ausreichenden Gründe, die auf eine Verletzung der Diskretion Barrosos hinweisen würden. Die EU-Kommission werde die Einschätzung nun weiter prüfen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte im Juli bekannt gegeben, dass sie den Portugiesen unter anderem als Berater verpflichtet habe. Der Schritt war nach dem Ende der in den Regeln der EU-Kommission vorgesehenen 18-monatigen "Abkühlphase" erfolgt. Während dieser Zeit kann die Brüsseler Behörde ehemaligen Kommissaren ihre Zustimmung zu Wechseln in die Privatwirtschaft verweigern.

WACHSTUM: Nach dem EU-Austritts-Votum Grossbritanniens war die Angst vor negativen Wirtschaftsfolgen in den übrigen europäischen Staaten gross. Im ersten Quartal nach der Abstimmung bestätigen sich die Sorgen noch nicht. Für Entwarnung ist es aber wohl noch zu früh. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im gemeinsamen Währungsgebiet um 0,3 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat in einer vorläufigen Schnellschätzung in Luxemburg mitteilte. Von April bis Juni hatte das BIP im Vergleich zum Vorquartal ebenfalls um 0,3 Prozent zugelegt.

UNTER DRUCK: Panasonic bekommt den starken Yen und die schwächelnde Nachfrage nach gleich einer ganzen Reihe seiner Produkten zu spüren. Der japanische Elektronikkonzern senkte seine Jahresprognose um mehr als ein Fünftel. Panasonic peilt im Geschäftsjahr (per Ende März) umgerechnet nur noch einen Betriebsgewinn von 245 Milliarden Yen (rund 2,3 Mrd. Franken) an. Die Stärke der japanischen Währung schmälert die Auslandsgewinne heimischer Unternehmen, so dass Exportkonzerne wie Panasonic davon besonders stark betroffen sind. Doch dem Elektronikriesen macht auch zu schaffen, dass der Bedarf an seinen Bauteilen für Smartphones und PCs ebenso gesunken ist wie die Nachfrage nach seinen Solaranlagen. Das ist ein Rückschlag für das Unternehmen, das unter anderem auf das Geschäft mit energiesparender Stromproduktion umsattelt, um dem Preiskampf bei Smartphones zu entgehen.

FUSION: General Electric (GE) stösst mit einem Milliardendeal in die Spitze der Ölfeldausrüster vor. Dazu legt GE sein Öl- und Gasgeschäft mit dem Branchendritten Baker Hughes zusammen.Das neue Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar werde nach Schlumberger zum zweitgrössten Ölfeldausrüster aufsteigen, wie beide Firmen mitteilten.GE werde 62,5 Prozent halten und Baker Hughes 37,5 Prozent.

(AWP)