Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 10. November 2016
10.11.2016 17:28

WIEDER AUF KURS: Der Versicherungskonzern Zurich Insurance hat wenige Tage vor der Lancierung einer neuen Unternehmensstrategie zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Der operative Gewinn legte im dritten Quartal um rund 1 Milliarde auf 1,2 Milliarden Dollar zu. Der Reingewinn stieg von Juli bis September um 700 Millionen auf 912 Millionen Dollar. Als Hauptursachen für diese Entwicklung gibt der Versicherungskonzern gewisse Fortschritte im Schadenversicherungsgeschäft sowie eine starke Leistung im Bereich von Lebensversicherungen an. Der Gesamtumsatz blieb in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres bei 51,6 Milliarden Dollar weitestgehend konstant. Fragen zur künftigen Dividendenpolitik und zur Nachhaltigkeit der im dritten Quartal erzielten Gewinnsteigerung will der Konzern in der kommenden Woche an einem Investorentag in London beantworten.

WETTBEWERBSDRUCK: Ebenso wie der Swisscom macht auch Sunrise der Wettbewerbsdruck im Schweizer Telekommarkt zu schaffen. Der Umsatz der Nummer zwei der Branche ging in den ersten neun Monaten um 4,6 Prozent auf 1,4 Mrd. Fr. zurück. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) fiel indes lediglich um 1,5 Prozent auf 444 Mio. Franken. Grund dafür ist der Tritt auf die Kostenbremse. Sunrise hatte im September 2015 harte Einschnitte beim Personal vorgenommen. Unter dem Strich erzielte Sunrise einen Reingewinn von 39 Mio. Franken. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen happigen Verlust von 138 Mio. Fr. erlitten, den die Kosten für den Börsengang sowie die Schuldenrefinanzierung eingebrockt hatten. Aber auch ohne diese einmaligen Kosten hätte Sunrise unter dem Strich mehr verdient. Der Reingewinn hätte sich so beinahe auf 39 Mio. Fr. verdoppelt.

SNB KANN MEHR AUSSCHÜTTEN: Bund und Kantone erhalten mehr finanzielle Planungssicherheit. Falls die Schweizerische Nationalbank (SNB) in einem schlechten Jahr weniger Gewinn ausschüttet, soll der Ausfall in den Folgejahren kompensiert werden. Die neue Vereinbarung zwischen dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) und der SNB regelt Ausschüttungen der SNB für die Jahre 2016 bis 2020. Dies teilt die SNB mit. Im Normalfall schüttet die Nationalbank weiterhin jährlich eine Milliarde Franken aus. Wenn die Ausschüttungsreserve allerdings 20 Milliarden Franken überschreitet, erhöht sich der auszuschüttende Betrag neu auf bis zu auf zwei Milliarden Franken.

STELLENVERLAGERUNG: Weil in Schaffhausen die Immobilienpreise und das Lohnniveau tiefer sind als in Zürich, lagert die Grossbank UBS IT-Jobs und Aktivitäten rund um die Zahlungsabwicklung und die Kontoführung in die Nordschweiz aus. Das soll eine Kostenersparnis von rund 10 bis 15 Prozent bringen. In das neue sogenannte UBS Business Solution Center in Schaffhausen sollen ab dem dritten Quartal 2017 rund 150 UBS-Angestellte einziehen und von dort aus im Bereich Middle- und Backoffice tätig sein, wie ein UBS-Sprecher einen Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung NZZ" bestätigte. Der Bau bietet insgesamt Platz für 500 Arbeitskräfte. Doch ob in Zukunft so viele UBS-Angestellte dort arbeiten werden, ist derzeit noch offen.

DÜSTERE AUSSICHTEN: Online einkaufen wird immer beliebter. Die Einkaufszentren leiden besonders unter diesem Trend. Für Experten ist das keine Krise, sondern eine massive Marktveränderung. Für den Shoppingcenter Marktreport 2017 wurden 248 Experten befragt. Die Studienteilnehmer rechnen mit einem Umsatzrückgang im stationären Handel und den Einkaufszentren von bis zu vier Prozent, nachdem die Umsätze bereits im vergangenen Jahr drei Prozent zurückgegangen sind. Zudem gehen 77 Prozent davon aus, dass die Nachfrage nach Verkaufsflächen rückläufig bleibt. Und 55 Prozent befürchten ein anhaltendes Ladensterben, wie aus einer Mitteilung des Unternehmensberaters stoffelzurich hervorgeht.

HÖHERE DECKUNGSGRADE: Die steigenden Aktienkurse an den Börsen haben den Schweizer Pensionskassen geholfen. Die Deckungsgrade legten im dritten Quartal zu. Bei den privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtungen verbesserte sich der Deckungsgrad schätzungsweise um 0,6 Prozentpunkte auf 111 Prozent, wie aus dem Pensionskassenmonitor des Vermögensverwalters Swisscanto hervorgeht. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Vollkapitalisierung erhöhte sich der Deckungsgrad in gleichen Ausmass auf 99,4 Prozent. Ebenfalls nach oben ging es bei den öffentlich-rechtlichen Kassen mit Teilkapitalisierung. Hier stieg der Deckungsgrad um 0,6 Prozentpunkte auf 78,8 Prozent.

MEHR LOHN FÜR GÄRTNER: Die Mindestlöhne für Gärtner und Landschaftsbauer in der Schweiz steigen per 2017. Darauf haben sich der Unternehmerverband JardinSuisse und die Gewerkschaft Grüne Berufe Schweiz (GBS) geeinigt. Die Lohnsumme steigt insgesamt um ein Prozent. Der Mindestlohn für Mitarbeitende mit drei Jahren Berufserfahrung beläuft sich in der Gärtnerbranche neu zwischen 4200 und 4650 Franken, wie die Sozialpartner mitteilten. Im Garten- und Landschaftsbau beträgt der Mindestlohn 4650 Franken, in Baumschulen 4350 sowie in Produktionsbetrieben und in Betrieben des Gärtnerischen Detailhandels 4200 Franken. Im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) wurde auch ein 13. Monatslohn fixiert.

UMSATZ GESTEIGERT: Der Westschweizer Hersteller von Elektronikkomponenten LEM hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr gesteigert. Der Umsatz legte in der Berichtswährung Franken um gerade einmal 0,8 Prozent zu, wechselkursbereinigt ging er um 0,8 Prozent zurück. LEM erwirtschaftete im ersten Halbjahr gesamthaft einen Umsatz von 132,6 Millionen Franken, im Vergleich zu 131,6 Millionen Franken in der Vorjahresperiode, wie das Unternehmen mitteilte. Der Auftragseingang wurde um 4,3 Prozent auf 132,3 Millionen Franken gesteigert. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT erhöhte sich um 10,6 Prozent auf 27,5 Millionen Franken. Der Reingewinn verbesserte sich um 11,6 Prozent auf 22,1 Millionen Franken.

AUF VORJAHRESNIVEAU: Die Schweizer Siemens-Gesellschaften haben das Geschäftsjahr 2016 mit einem leichten Umsatzrückgang von 2,16 Milliarden Franken im Vorjahr auf 2,14 Milliarden Franken abgeschlossen. Der Auftragseingang erhöhte sich per Ende September leicht auf 2,16 Milliarden Franken (Vorjahr: 2,13 Milliarden Franken). Auf Konzernstufe stellt sich Siemens nach einem guten Geschäftsjahr auf mehr Gegenwind ein. Die Umsätze dürften 2016/17 (30. September) nur noch verhalten zulegen, sagte Konzernchef Joe Kaeser. Im vergangenen Geschäftsjahr schafften die Münchner ein Umsatzplus um fünf Prozent auf 79,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 5 Prozent auf 86,5 Milliarden Euro zu. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 5,6 Milliarden Euro.

GESCHRUMPFTER UMSATZ: Das deutsche Textilhandelsunternehmen C&A will angesichts von Umsatzrückgängen unprofitable Läden schliessen und in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro in die Umstrukturierung investieren. Das kündigte der Europa-Chef des Familienunternehmens, Philippe Brenninkmeijer in einem Gespräch mit der deutschen Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" für ganz Europa an. Auch in der Schweiz kämpft C&A mit schrumpfenden Umsätzen. Mit seinen 100 Filialen erwirtschaftete der Textilhändler laut den Marktforschern von GfK Schweiz 2015 einen Umsatz von 471 Millionen Franken. 2010 waren es noch 605 Millionen Franken gewesen. Das Unternehmen selbst kommuniziert keine Zahlen. Gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte ein Sprecher, dass die Aussagen von Brenninkmeijer auch für die Schweiz gälten. Es bestünden jedoch noch keine konkreten Pläne.

FACEBOOK GESTOPPT: Facebook hat nach dem Einschreiten von Datenschützern die Weitergabe und Nutzung von Daten europäischer WhatsApp-Nutzer an den Mutterkonzern ausgesetzt. Der vorläufige Stopp solle Behördenvertretern die Möglichkeit geben, ihre Sorgen vorzubringen, und Facebook die Zeit, diese abzuwägen, erklärte das weltgrösste Online-Netzwerk. WhatsApp mit rund einer Milliarde Nutzern hatte Ende August angekündigt, künftig die Telefonnummer des Nutzers an Facebook weiterzugeben. Ausserdem sollen mit der Konzernmutter Informationen geteilt werden, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird. Dadurch sollten die Werbung und die Freunde-Vorschläge in Facebook-Diensten verbessert werden. ,

ZALANDO VERDIENT GUT: Europas grösster Online-Modehändler Zalando verdient trotz abgeschwächten Umsatzwachstums überraschend viel Geld. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im dritten Quartal bei 19,5 Millionen Euro, wie das Berliner Unternehmen mitteilte. Zalando führt dies auf eine verbesserte Effizienz zurück, etwa in der Logistik und beim Marketing. Der Umsatz erhöhte sich um 17,1 Prozent auf 835 Millionen Euro. Er wuchs damit schwächer als im Vorquartal mit 25 Prozent - vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz liess das Tempo nach. Der Modebranche machten im September ungewöhnlich warme Temperaturen zu schaffen.

RTL WILL DELLE AUSBÜGELN: Der Fernsehkonzern RTL Group rechnet trotz überraschend schwacher Geschäfte im Sommer mit einem Gewinnanstieg im Gesamtjahr. Weil Werbekunden während der Olympischen Spiele weniger Reklamespots buchten, schrumpfte der Betriebsgewinn im dritten Quartal stärker als vielfach erwartet. Obwohl die Erlöse im Sommerquartal stagnierten und der Betriebsgewinn um 3,3 Prozent schrumpfte, stiegen auf Neun-Monats-Sicht der Umsatz um 2,1 Prozent und das Ergebnis um 5,6 Prozent. Für den Mutterkonzern Bertelsmann bleibt RTL ein Goldesel. Dieser steigerte das Betriebsergebnis auf den neuen Rekord von 1,63 Milliarden Euro.

DEUTSCHE TELEKOM LEGT ZU: Die Deutsche Telekom kann dank ihrer starken US-Tochter weiter zulegen. Weil das Kundenwachstum bei der US-Mobilfunksparte T-Mobile US nach wie vor gross ist, kletterte der Umsatz des Konzerns im dritten Quartal insgesamt um knapp 6 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Unter dem Strich blieb der Telekom ein Gewinn von 1,05 Milliarden Euro übrig - ein Anstieg um 30 Prozent. Vor einem Jahr hatten vor allem Massnahmen für den Personalabbau 200 Millionen Euro gekostet. Mit ihren Zahlen schnitt die Deutsche Telekom bei einigen Kennzahlen besser ab, als Analysten erwartet hatten.

STRAFE FÜR "FLASH CRASH": Sechseinhalb Jahre nach dem sogenannten Flash Crash an der Wall Street hat sich ein Londoner Händler vor einem US-Gericht der Marktmanipulation und des Betrugs für schuldig bekannt. Der 37-Jährige muss ins Gefängnis und seinen Millionengewinn abliefern. Der Mann erklärte sich einverstanden, 12,8 Millionen Dollar an illegalen Handelsgewinnen an die US-Regierung zu zahlen. Richterin Virginia Kendall sagte, der Angeklagte werde zudem eine Haftstrafe von 78 bis 97 Monaten absitzen müssen. Die Höchstgrenze bei derartigen Vergehen liegt bei 30 Jahren. Der Händler wird beschuldigt, mit einem computergesteuerten Handelsprogramm zum Absturz des US-Aktienmarktes am 6. Mai 2010 beigetragen zu haben. Damals verlor der Börsenindex Dow Jones kurzzeitig rund 1000 Punkte und damit etwa zehn Prozent.

KAPITALSPRITZE FÜR DAEWOO: Die südkoreanische Schiffswerft Daewoo Shipbuilding wird von ihren Gläubigerbanken mit einer milliardenschweren Kapitalspritze gerettet. Die staatliche Korea Development Bank (KDB) und die Export-Import Bank of Korea bewahren den - gemessen am Auftragsbestand - weltgrössten Schiffshersteller mit 2,8 Billionen Won (2,4 Milliarden Franken) an frischem Kapital vor dem Aus an der Börse, wie Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering mitteilte. Daewoo hatte Ende Juni eingeräumt, dass seine Schulden die Vermögenswerte überstiegen. Der Schiffsmarkt leidet seit Jahren unter Überkapazitäten.

INDER STÜRMEN BANKEN: Die radikale und überraschende Bargeldreform in Indien hat einen massiven Andrang auf die Banken ausgelöst. Am ersten Bankarbeitstag nach der Änderung drängten sich Hunderte Kunden vor fast jeder Filiale in den grossen Städten. Bereits um die Mittagszeit hatten die meisten Geldinstitute kein Bargeld mehr vorrätig. In der Nacht zum Mittwoch hatte die indische Regierung völlig überraschend alle Geldscheine im Wert von mehr als 100 Rupien (1,46 Franken) für ungültig erklärt. Die indische Regierung will mit der radikalen Aktion nach eigener Aussage gegen Schwarzgeld und Korruption vorgehen. Die alten Scheine dürfen nur bis Ende Dezember und in sehr begrenztem Umfang gegen neues Geld eingetauscht werden.

(AWP)