Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 14. November 2016
14.11.2016 18:08

STELLEN WEG: Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont baut zusätzlich 210 Stellen ab. Betroffen vom Abbau sind primär Mitarbeiter der Uhrenmarken Piaget und Vacheron Constantin. Die Angestellten seien am vergangenen Freitag über die Massnahme informiert worden, sagte Alessandro Pelizzari von der Gewerkschaft Unia gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er bestätigte damit Meldungen in verschiedenen Westschweizer Medien. Richemont selbst hat sich zu den Abbauplänen noch nicht geäussert. Gemäss einer vertrauten Quelle war der Auslöser der starke Nachfragerückgang bei Luxusuhren. Bereits Anfang 2016 hatte Richemont den Abbau von bis zu 350 Stellen, vornehmlich bei der Marke Cartier, angekündigt. Insgesamt beschäftigt Richemont 8500 Personen in der Schweiz.

AUF EXPANSION: Der Hörgerätehersteller Sonova hat im per Ende September abgelaufenen Geschäftshalbjahr seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Die Umsätze stiegen um 6,7 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Franken. Das organische Wachstum betrug 2 Prozent. Die unlängst abgeschlossene Akquisition der niederländischen Firma AudioNova trug bereits 29,2 Millionen Franken zum Semesterumsatz bei. Unter dem Strich sanken das operative Ergebnis auf Stufe Ebit um 0,9 Prozent auf 180,5 Millionen Franken. Der Reingewinn gab um 3,4 Prozent auf 152 Millionen Franken nach. Allerdings schlugen sich in diesen Gewinnresultaten rund 10 Millionen Franken an Einmalkosten im Zusammenhang mit der AudioNova-Übernahme nieder. Für das Gesamtjahr zeigte sich Sonova-Konzernchef Braunschweiler äusserst optimistisch und bestätigte die Finanzziele.

SFS KAUFT US-FIRMA: Die Ostschweizer SFS Group will vermehrt vom wachsenden Markt für Medizinaltechnik profitieren. Die Herstellerin von mechanischen Befestigungssystemen und Präzisionsformteilen kauft die Tegra Medical mit Hauptsitz in Franklin in den USA. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen bewahrt, den Abschluss der Übernahme erwartet SFS bis spätestens Ende des Jahres. Tegra Medical produziert Einweg-Schrauben, -Stifte, -Implantate und -Instrumente für Produzenten, die wiederum für Dritte Medizinalprodukte herstellen. Damit setzt Tegra Medical jährlich rund 80 Millionen Dollar um, wie aus einer Mitteilung vom Montag hervorgeht. Das Unternehmen beschäftigt 700 Mitarbeitende.

STREIT BEENDET: Der Milchverarbeiter Emmi will die Schweizer Ziegenmilchproduktion stärken. Er hat mit den Lieferanten eine Absichtserklärung formuliert. Im Zentrum der Erklärung stehe eine Mengensteigerung von jährlich zehn Prozent, wie Emmi am Montag mitteilte. Während Emmi sich laut der Absichtserklärung verpflichtet, finanzielle und personelle Mittel in die Entwicklung neuer Produkte und in die Vermarktung von "Le Petit Chevrier" zu investieren, werden die Ziegenmilchlieferanten die Verfügbarkeit von ausreichend hochwertiger Schweizer Ziegenmilch sicher stellen. Damit beenden Emmi und die Ziegenmilchlieferanten die Kontroverse um den in den Niederlanden produzierten Ziegenkäse, den Emmi in der Höhle im luzernischen Kaltbach reifen lässt. Die Ziegenmilchlieferanten fühlten sich deswegen hintergangen.

KTM GIBT GAS: Die Aktien des österreichischen Motorrad- und Sportwagenherstellers KTM sind am Montag an der Schweizer Börse zu einem Preis von 4.90 Franken gestartet. Dies ist ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag an der Wiener Börse. Im Tagesverlauf legte die Aktie noch einmal zu und schloss bei 5,20 Franken. Zürich ist neu der Haupthandelsplatz für die Titel des grössten Motorradherstellers Europas. Dadurch erhofft sich die Firma mit Sitz im oberösterreichischen Wels einen besseren Zugang zu Schweizer und internationalen institutionellen Investoren.

STEIGENDE IMPORTPREISE: Anziehende Preise für Treibstoff und Heizöl haben in der Schweiz im Oktober die Preise für importierte Güter steigen lassen. Gegenüber September kletterten die Importpreise um 0,3 Prozent. Im Inland produzierte Güter hingegen vergünstigten sich wegen billigerem Schrott um 0,1 Prozent. Insgesamt stiegen die Grosshandelspreise um 0,1 Prozent. Der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise erreichte den Stand von 99,8 Punkten (Basis Dezember 2015=100), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging das Preisniveau im Grosshandel um 0,2 Prozent zurück, wobei die Produzentenpreise um 0,3 Prozent sanken, während die Importpreise stabil blieben.

STARKER DOLLAR: Seit dem Wahlsieg Donald Trumps in der US-Präsidentschaftswahl hat der US-Dollar deutlich an Wert gewonnen. Am Montag erreichte der Greenback erstmals seit Monaten Frankenparität. Am Montagnachmittag wertete sich der Dollar bis auf 1.0002 Franken auf. Gleichzeitig schwächte sich der Euro bis auf 1.0688 Franken ab und fiel damit auf den tiefsten Stand seit dem Brexit-Entscheid im Sommer. Trump hat unter anderem massive Steuersenkungen und höhere Ausgaben für die landesweite Infrastruktur versprochen. Es gilt als denkbar, dass dadurch Konjunktur und Inflation angeschoben werden. Derartige Erwartungen spiegeln sich am Kapitalmarkt, wo die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen stark gestiegen sind. Davon profitiert der Dollar.

NEUER STREIKAUFRUF: Passagiere der Lufthansa müssen sich wieder auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat zu einem erneuten Pilotenstreik bei der Lufthansa aufgerufen. Umfang und genauer Zeitpunkt des Ausstandes sollen mit einem Vorlauf von 24 Stunden bekanntgegeben werden, wie die Gewerkschaft mitteilte. Der Streik sei ab sofort möglich. Ausgenommen sind demnach nur die Weihnachtsfeiertage vom 24. bis zum 26. Dezember. Anlass für die Streikankündigung sind gescheiterte Verhandlungen zu den Gehältern der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Germanwings. Eine in letzter Sekunde von der Lufthansa angebotene Schlichtung lehnte die VC ab. Seit April 2014 hat die Gewerkschaft bereits 13 Streiks bei der Lufthansa veranstaltet.

LANGSAME ERHOLUNG: Die kriselnde russische Wirtschaft hat sich im dritten Quartal etwas erholt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) schrumpfte im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozent, wie die Statistikbehörde Rosstat mitteilte. Im ersten Quartal war ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet worden, im zweiten Quartal von 0,6 Prozent. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet das Wirtschaftsministerium einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. 2017 soll es mit einem Plus von etwa einem Prozent wieder aufwärts gehen. Die russische Wirtschaft leidet unter dem Verfall des Rohölpreises. Ausserdem belasten die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten westlichen Sanktionen. Im vergangenen Jahr brach das BIP um 3,7 Prozent ein.

STRAFZÖLLE GEGEN CHINA: Die EU-Kommission hat Strafzölle gegen China im Stahlbereich von bis zu 81,1 Prozent verhängt. Grund ist laut Brüsseler Behörde, dass Nahtlosrohre aus Eisen und Stahl von China zu extremen Dumpingpreisen in Europa verkauft würden. Um den europäischen Unternehmen Luft zu verschaffen, habe die Kommission Strafzölle zwischen 43,5 und 81,1 Prozent verhängt. Damit soll Schaden für die europäischen Firmen abgewendet werden, die in diesem Produktionsbereich tätig sind. Die Kommission werde in den nächsten sechs Monaten entscheiden, ob die getroffenen Massnahmen für fünf Jahre verlängert werden.

PREKÄRE ARBEITSFORMEN: Weltweit arbeiten immer mehr Menschen temporär, Teilzeit oder in anderen atpyischen Arbeitsformen. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer Studie. Verbreitet sind prekären Arbeitsverhältnisse vor allem in Entwicklungsländern. Fast zwei Drittel der Angestellten in Bangladesh und Indien und ein Drittel in Mali und in Simbabwe müssen sich mit solchen Beschäftigungsformen begnügen. Die Schweiz weist indes vor allem einen hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten auf. Beinahe ein Drittel der Angestellten arbeitet weniger als 35 Stunden in der Woche. Ein Grossteil davon hat sich allerdings bewusst dafür entschieden. Nur 7,9 Prozent würden gerne mehr arbeiten.

FACHPERSONAL GESUCHT: Schweizer Firmen haben bei der Digitalisierung laut einer Studie die Nase vorn. Doch suchen sie händeringend nach qualifiziertem Personal. Digitale Defizite versuchen sie mit Neueinstellungen auszugleichen. Die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter unterschätzen sie. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen setzen auf entsprechende Expertenlaufbahnen, wie aus der Studie "UnternehmerPerspektiven" der Commerzbank hervorgeht. Dies obwohl die Mitarbeiter durchaus Interesse an Weiterbildungen hätten, schreibt die Commerzbank in einer Mitteilung. Für die Studie wurden rund 200 Führungskräfte in der deutschsprachigen Schweiz befragt.

AMERICAN APPAREL PLEITE: Die US-Modekette American Apparel hat binnen eines Jahres zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet. Nur rund neun Monate nach dem Neustart reichte das einstige Teenager-Trendlabel bei einem Gericht im Bundesstaat Delaware erneut einen Antrag auf Gläubigerschutz ein. Einige Markenrechte und Geschäftsteile sollen verkauft werden. Dem seit Jahren mit Verlusten kämpfenden Unternehmen macht der harte Konkurrenzkampf um junge Kunden und das Erstarken der Internetanbieter zu schaffen. Zuletzt war es auf Käufersuche.

GRIECHENLAND WÄCHST: Die griechische Wirtschaft hat im Sommer spürbar zugelegt. Von Juli bis September stieg das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt Elstat mitteilte. Damit ging es stärker nach oben als im gesamten Euro-Raum, wo die Wirtschaft im Schnitt nur um 0,3 Prozent wuchs. Im Frühjahr war das BIP in Griechenland bereits um 0,3 Prozent gewachsen. Die EU-Kommission geht nach jüngster Schätzung davon aus, dass die griechische Wirtschaft 2016 um 0,3 Prozent schrumpft und damit das zweite Jahr in Folge.

ARM TROTZ VOLLZEITJOB: Trotz eines leichten Aufschwungs am europäischen Arbeitsmarkt sind immer mehr Menschen mit Vollzeitjobs von Armut bedroht. Ihr Anteil unter den Vollzeitbeschäftigten in den EU-Ländern stieg von 7,2 Prozent im Jahr 2013 auf 7,8 Prozent im vergangenen Jahr, wie aus einer Studie hervorgeht. Noch immer waren laut der Untersuchung 23,7 Prozent der EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Jahr 2014 hatte der Wert mit 24,4 Prozent nur leicht höher gelegen. Besonders hoch waren die Anteile 2015 etwa in Griechenland (35,7 Prozent), Rumänien (37,3 Prozent) und Bulgarien (41,3 Prozent).

SIEMENS KAUFT US-FIRMA: Siemens trumpft mit einer weiteren Milliardenübernahme im Softwaregeschäft auf. Die Münchner kaufen den US-Spezialisten Mentor Graphics für 4,5 Milliarden Dollar, wie der Konzern mitteilte. Mentor-Grossaktionär Elliott unterstütze die Transaktion, hiess es. Die Anteilseigner sollen 37,25 Dollar je Aktie erhalten. "Mentor komplementiert unser starkes Angebot bei Mechanik und Software mit dem Design, Test und der Simulation von elektrischen und elektronischen Systemen", erklärte Siemens Klaus Helmrich, Mitglied der Siemens-Konzernleitung. Siemens baut seit einiger Zeit das Geschäft mit Industriesoftware aus.

(AWP)