Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 15. November 2016
15.11.2016 18:37

TOURISMUS: Der Bau- und Hotelkonzern Orascom Development Holding leidet unter der unsicheren Lage in Ägypten. Das Unternehmen des Milliardärs Samih Sawiris musste in den ersten neun Monaten 2016 einen deutlichen Umsatzrückgang und einen Verlust hinnehmen. Wie die in Altdorf ansässige Holding mitteilte, ging der Umsatz gegenüber den ersten drei Quartalen 2015 von 246,0 Millionen Franken um fast einen Drittel auf 169,9 Millionen Franken zurück. Der Bruttogewinn fiel von 71,7 Millionen Franken auf 9,2 Millionen Franken. Unter dem Strich weist der Bau- und Hotelkonzern nach neun Monaten einen Verlust von 71,7 Millionen Franken aus. Vor einem Jahr war es noch ein Gewinn von 4,2 Millionen Franken. Orascom begründet die Entwicklung in erster Linie mit politischen und ökonomischen Unsicherheiten in Ägypten. Positiv entwickelt hätten sich dagegen die Destinationen in Oman und Montenegro, schreibt Orascom.

BALOISE WÄCHST: Die sich im Wandel befindende Baloise ist in den ersten neun Monaten um 2,7 Prozent gewachsen. Das Geschäftsvolumen stieg damit auf 7,23 Milliarden Franken. Die Versicherungsgruppe konnte vor allem beim Geschäft mit Prämien mit Anlagecharakter zulegen. Die anlagegebundenen Prämien legten um 26,5 Prozent auf 1,65 Milliarden Franken zu, wie die Baloise mitteilte. Im Lebengeschäft gab es ein Minus von 6,8 Prozent. Die Baloise will die traditionellen Lebensversicherungen zu weniger kapitalbindenden Produkten umschichten. Im Nichtlebengeschäft, das etwa Fahrzeug- oder Hausratversicherungen umfasst, stiegen die Prämieneinnahmen hingegen um 2,1 Prozent auf 2,67 Milliarden Franken an.

BARBIE FÜR FAIRE TOYS: Eine Protest-Barbie hat am Dienstag auf Kopien von Amazon- und Galaxus-Onlineshops und in der Zürcher Bahnhofstrasse die Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken angeprangert. Hinter der Aktion steckt die Entwicklungsorganisation Solidar Suisse. Überstunden, kein Schutz vor Giften am Arbeitsplatz und Tiefstlöhne: Unter solchen Bedingungen werden in chinesischen Fabriken Spielzeuge wie Barbiepuppen hergestellt. Das zeigt ein Report von China Labor Watch im Auftrag von Solidar Suisse. Die Organisation sammelte mit der Aktion Unterschriften für die Petition "Fair Toys". Mit der Petition fordert Solidar Suisse Mattel, die Spielzeugbranche und die Vertriebskette auf, Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen.

PROTESTE BEI BELL: Etwa 80 Personen haben sich am Dienstag vor der Fleischfabrik von Bell in Cheseaux bei Lausanne versammelt. Sie zeigen sich verunsichert und besorgt über die angekündigte Schliessung der Fabrik und wollen Bell an den Verhandlungstisch bringen. Seit zwei Wochen versuche die Unia ein Treffen mit der Bell-Direktion zu organisieren, sagte Noé Pelet, Verantwortlicher des Industriesektors bei der Unia Waadt. Doch das Unternehmen verweigere Verhandlungen. Im Oktober hatte die Coop-Tochter Bell angekündigt, die Produktion in Cheseaux Ende 2017 zu schliessen. Die Produktion soll nach Oensingen SO verlagert werden. Laut Bell sind von der Schliessung weniger als 100 Arbeitsplätze betroffen, laut Unia sind es 160.

EFG INTEGRIERT BSI: Die Vermögensverwalterin EFG International hat in Singapur das ins Visier der dortigen Aufsichtsbehörden geratene Geschäft der Privatbank BSI vollständig übernommen. Der Transfer des Geschäfts umfasse Kundenbeziehungen sowie Angestellte. Die Übernahme sei der erste Schritt im "graduellen Prozess" der Integration der gesamten BSI in die EFG International. Diese vollziehe sich Markt für Markt, schreibt die EFG International. Vor der Integration des Singapur-Geschäfts seien die Kunden auf ihre Konformität mit den regulatorischen Vorschriften untersucht wurden, hiess es weiter.

VERLUST SCHMILZT: Längere Betriebsunterbrechungen haben beim Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach im dritten Quartal den Umsatz gedrückt. Der Umsatz sank um 13,8 Prozent auf 534,1 Millionen Euro. Das Sparprogramm des angeschlagenen Stahlkochers trug indes Früchte: Der bereinigte Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte von 10,3 auf 27,6 Millionen Euro, der Konzernverlust sank von 34,1 auf 13,9 Millionen Euro. Nach Sparmassnahmen in den vergangenen Jahren hatte Schmolz+Bickenbach im August weitere Kostensenkungen angekündigt, die bis Ende 2017 den Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA um 70 Millionen Euro verbessern sollten. Diese Massnahmen sieht der Konzern auf Kurs. Das Umfeld schätzt das Management dagegen weiterhin als herausfordernd ein.

PREISANSTIEG GEBREMST: Nach dem Teuerungsschub im ersten Halbjahr hat sich der Preisanstieg bei Immobilien im Sommer abgeschwächt. Während Einfamilienhäuser im dritten Quartal nochmals etwas aufgeschlagen hätten, seien Eigentumswohnungen ganz leicht billiger geworden, stellten Raiffeisen-Ökonomen fest. Einfamilienhäuser schlugen gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent auf. Dagegen wurden Eigentumswohnungen um 0,2 Prozent günstiger, wie aus den hedonischen Preisindizes von Raiffeisen hervorgeht. Die Abschwächung des Preisauftriebs ist nach Ansicht der Raiffeisen kein Signal für eine abrupte Kehrtwende am Wohnimmobilienmarkt mit einer Bruchlandung bei den Eigenheimpreisen. Es handelt sich vielmehr um eine Beruhigung, nachdem zuvor der erneute Zinsrutsch zu Jahresbeginn die Preise nochmals durchstarten liess.

VERSCHLECHTERUNGEN: Multinationale Konzerne haben in einer Umfrage ihren Unmut über den schleichenden Niedergang der Schweiz als attraktiver Wirtschaftsstandort zum Ausdruck gebracht. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, befördert vier Hauptgebiete mit Rückschritten bei der Standortqualität in der Schweiz zutage. Der erste Bereich ist die Besteuerung. Lediglich 42 Prozent der Unternehmen glauben, dass mittelfristig ein wettbewerbsfähiges Steuersystem noch zu den Hauptvorzügen der Schweiz zählen wird. Als zweiter Bereich bereiten die hohen Schweizer Arbeitskosten den multinationalen Unternehmen immer mehr Bauchschmerzen. Rund 60 Prozent taten diesbezüglich in der KPMG-Studie ihren Unmut kund. Der dritte Bereich, wo weitere Gefahren für den Wirtschaftsstandort Schweiz lauern, ist das flexible und wirtschaftsfreundliche Arbeitsrecht, wo Einschränkungen geplant sind. Und als vierter Hauptbereich fällt die Schweiz laut der Untersuchung bei der Innovationskraft zurück.

EINBUSSEN: Der Reiseveranstalter Hotelplan Suisse hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende Oktober) erneut Federn lassen müssen. Trotz eines guten Herbstgeschäfts schrumpfte die Zahl der Passagiere leicht. Der Umsatz sank im einstelligen Prozentbereich. Die verschiedenen Terroranschläge in den vergangenen zwölf Monaten führten bei der Bevölkerung zu einer gewissen Zurückhaltung beim Buchen von Reisen. Zahlen nannte das Unternehmen keine. Der Umsatzrückgang sei etwa im Rahmen des Vorjahrs ausgefallen, während die Einbussen bei den Passagieren grösser gewesen seien, sagte Hotelplan- Suisse-Chef Kurt Eberhard. Im Vorjahr war der Bruttoumsatz um 7,9 Prozent auf 683,5 Mio. Fr. getaucht. Die Zahl der Passagiere ging um 2,2 Prozent auf 663'000 zurück.

NEU MIT VIDEO: Gerüchte über Videoanrufe bei WhatsApp gab es schon lange. Jetzt soll die Funktion in den nächsten Tagen für alle Nutzer verfügbar sein. Alle Videotelefonate sollen komplett verschlüsselt werden. Seit Dienstag sollen alle Nutzer "in den kommenden Tagen" schrittweise den Zugang zur neuen Funktion bekommen, wie WhatsApp in einem Blogeintrag mitteilte. Alle Videotelefonate würden mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt, hiess es. Damit wären sie nur auf den Geräten der beteiligten Nutzer sichtbar und blieben auch für WhatsApp selbst unkenntlich. Verfügbar ist die neue Funktion auf Telefonen mit dem Google-Betriebssystem Android, Apples iPhones und Microsofts Windows Phone.

PFUND DRÜCKT: Das Brexit-Ja hält den Billigflieger Easyjet fest im Griff. Der Absturz der britischen Währung liess den Gewinn der Fluglinie im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um 22 Prozent auf 427 Millionen Pfund nach unten sacken. Gleichzeitig konnten die Passagierzahlen weiter gesteigert werden, auch in der Schweiz. Insgesamt nahm die Zahl der Fluggäste um 6,6 Prozent auf den Rekord von 73 Millionen zu. In der Schweiz war das Wachstum noch ausgeprägter. 12,3 Millionen Passagiere landeten oder starteten auf Schweizer Flughäfen mit Easyjet. Das ist ein Plus von 8,8 Prozent zum Geschäftsjahr 2014/2015, wie Nordeuropa-Chef Thomas Haagensen gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte. In Genf-Cointrin kommt Easyjet laut Haagensen mittlerweile auf einen Marktanteil von 45 Prozent, in Basel sind es gar 55 Prozent. Damit ist Easyjet an beiden Flughäfen die klar grösste Airline - schweizweit ist sie hinter der Swiss die Nummer zwei.

WENIGER WACHSTUM: Deutlicher Dämpfer für die deutsche Konjunktur: Nach dem Brexit-Votum hat sich das Wirtschaftswachstum halbiert. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Frühjahr hatte das BIP noch um 0,4 Prozent zugelegt. Getragen wurde das Wachstum weiterhin von kauffreudigen Konsumenten, dem Bauboom und den Ausgaben des Staates, unter anderem für die Unterbringung und Versorgung hunderttausender Flüchtlinge. Gleichzeitig sanken die Exporte und die Unternehmen investierten weniger. Von Juli bis September wuchs Europas grösste Volkswirtschaft so langsam wie zuletzt vor einem Jahr und schnitt schlechter ab als Euro-Raum insgesamt.

ESTÉE LAUDER KAUFT EIN: Der traditionsreiche US-Kosmetikkonzern Estée Lauder will mit einem milliardenschweren Zukauf seine Chancen bei jungen Frauen verbessern. Das Unternehmen übernimmt den Make-up-Hersteller Too Faced für 1,45 Milliarden Dollar. Es handelt sich um die bislang grösste Übernahme des Konzerns. Too Faced ist bei jungen Leuten sehr beliebt. Das Unternehmen nutzt insbesondere die sozialen Medien, um sich mit seiner Zielgruppe zu verbinden. Auf Instagram etwa verfolgen mehr als sieben Millionen Nutzer die Aktivitäten von Too Faced.

PFUND BELASTET VODAFONE: Dem britischen Telekomkonzern Vodafone fährt das Brexit-Votum in die Parade. Das schwache britische Pfund machte das Umsatzwachstum im ersten Halbjahr zunichte. Insgesamt sackte der Umsatz um 3,9 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro ab, wie die Briten mitteilten. Weil Vodafone den Wert der grossen indischen Tochter wegen wachsender Billigkonkurrenz im Land um 5 Milliarden Euro abschrieb, fiel der den Aktionären zuzurechnende Verlust im ersten Halbjahr mit 5,1 Milliarden Euro noch höher aus als vor einem Jahr mit 2,5 Milliarden.

MERCK MIT ERGEBNISSPRUNG: Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck hat nach einem kräftigen Ergebnisanstieg im dritten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr erneut angehoben. "Bei der Umsetzung unserer Strategie sind wir gut vorangekommen", sagte Merck-Chef Stefan Oschmann. Im dritten Quartal steigerte Merck seinen Erlös dank des Kaufs von Sigma-Aldrich um gut 19 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Aus alleiniger Kraft wuchs Merck nur um 0,9 Prozent, auch weil negative Währungseffekte einen stärkeren Zuwachs verhinderten. Unter dem Strich verdiente Merck 457 Millionen Euro, ein Plus von gut 25 Prozent.

(AWP)