Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 25. November 2016
25.11.2016 17:48

MEYER BURGER KOMMT VORAN: Der angeschlagene Solarzulieferer Meyer Burger hat nach einem personellen Neuanfang die erste Hürde für eine Rekapitalisierung genommen. Die Gläubiger stimmten an einer Versammlung einer Anpassung der Wandelanleihe zu. Mit dem Entscheid, der mit einer Zweidrittelmehrheit zustande kam, verzichten die Obligationäre auf ihr Recht einer vorzeitigen Rückzahlung einer am 24. September 2020 fälligen Wandelanleihe über 100 Millionen Franken. Im Gegenzug erhalten sie einen auf 5,5 von bisher 4,0 Prozent erhöhten Zins. Zudem soll der Wandelpreis von derzeit 11.39 Franken je Aktie deutlich gesenkt werden. Nun müssen die Aktionäre an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember über eine Kapitalerhöhung von 160 Millionen Franken entscheiden.

UMSATZPLUS FÜR EY SCHWEIZ: Dank der Digitalisierung und dem daraus entstandenen Beratungsbedarf in der Finanzbranche ist das Beratungsunternehmen EY Schweiz nach eigenen Angaben stärker gewachsen. Im Geschäftsjahr 2015/16 steigerte es seinen Umsatz um 8,7 Prozent auf einen Rekordwert von 661,2 Millionen Franken. Ohne erbrachte Leistungen von ausländischen EY-Organisationen und Spesen stieg der Dienstleistungsertrag um 4,2 Prozent auf 514,3 Millionen Franken. Angaben zum Gewinn machte das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht. Um die Kunden beim digitalen Wandel optimal betreuen zu können, will sich EY auch selber digitalisieren. Deshalb können EY-Schweiz-Kunden ab Januar 2017 ihre Rechnungen in der Kryptowährung Bitcoin bezahlen.

BLACK FRIDAY KOMMT AN: Die Rabattschlacht am Black Friday hat auch die Schweiz erfasst. Für einige Shoppingsites war der Ansturm zu viel des Guten. Die Internetseiten von Manor, Interdiscount, Microspot und Melectronics brachen am Morgen unter dem Ansturm der Schnäppchenjäger vorübergehend zusammen. Laut dem Anbieter von Gutscheincodes Cuponation, der mit rund 300 Schweizer Online Shops zusammenarbeitet, lag der durchschnittliche Warenkorbwert bis am Freitagmittag bei 166 Franken. Das ist fast 60 Prozent mehr als der Wert zum selben Zeitpunkt an einem normalen Arbeitstag. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, als erste Anbieter den Black Friday einführten, erhöhte sich der Warenkorbwert um mehr als einen Fünftel.

ÜBERNAHMEGERÜCHTE: Der US-Konzern Johnson & Johnson bekundet Interesse an der Biotechfirma Actelion. Actelion bestätigte am Nachmittag, dass der US-Konzern auf Actelion zugekommen sei. Die Anleger reagieren euphorisch. An der Börse in Zürich notierten die Titel von Europas grösstem Biotechkonzern zeitweise rund 14 Prozent im Plus. Am Vortag hatte die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderinformationen berichtet, dass Johnson & Johnson an Actelion herangetreten sei. Die Verhandlungen befänden sich noch in einem frühen Stadium. Actelion arbeite mit einem Berater zusammen, um Optionen auszuloten. Johnson & Johnson wollte die Meldung nicht kommentieren.

GEWINNSPRUNG BEI DOTTIKON: Der Aargauer Chemie- und Pharmazulieferer Dottikon ES scheint wieder auf Kurs zu kommen. Nach einem schwachen Vorjahr erwirtschaftete das Unternehmen von Markus Blocher im ersten Geschäftshalbjahr 2016/2017 einen Gewinn von 9,5 Millionen Franken. Bereits Ende Oktober hatte Dottikon einen Gewinnsprung in Aussicht gestellt. In der Vorjahresperiode hatte lediglich ein Plus von 1 Million Franken resultiert. Auch bei den anderen Kennzahlen konnte der Hersteller von Veredelungschemikalien und Produkten für die chemische und pharmazeutische Industrie zulegen. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg von 1,1 auf 11,5 Millionen Franken, der Umsatz von 43,2 auf 67,6 Millionen Franken. Als Hauptwachstumstreiber nannte das Unternehmen in einer Mitteilung den Pharmabereich.

MARGENVERDOPPELUNG: Der Milchverarbeiter Hochdorf setzt hohe Erwartungen in die Übernahme von Pharmalys Laboratories. Konzernchef Thomas Eisenring erwartet eine Verdoppelung der Margen in der Sparte Babynahrung. Das sagte Eisenring in einem Interview in der "Luzerner Zeitung". Genaue Zahlen zu den einzelnen Geschäftssparten kommuniziert das Unternehmen nicht. Über den gesamten Konzern betrug die Betriebsgewinnmarge im ersten Halbjahr rund 4,5 Prozent. Im Sommer hatte Hochdorf angekündigt, den Vermarkter von Babynahrung und Cerealien Pharmalys Laboratories übernehmen zu wollen. Zwar produziert Hochdorf seit mehr als 100 Jahren Babynahrung, war bisher jedoch nicht selber am Markt für Endkonsumenten tätig. Mit dem Erwerb von 51 Prozent an Pharmalys Laboratories soll sich das nun ändern.

BLOCKHÄUSER GEFRAGT: In der Schweiz erwarten Immobilienexperten im Jahr 2017 weiterhin stabile Preise für Einfamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen. Bei den Mehrfamilienhäusern hingegen rechnen sie mit einer hohen Nachfrage und steigenden Preisen. Zu diesem Schluss kommt der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) anhand einer am Freitag veröffentlichten Umfrage. In der Umfrage gaben 47 beziehungsweise 46 Prozent der Befragten an, dass sie für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen eine konstante Preisentwicklung erwarten. Derweil scheint die Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern ungebrochen: Nachdem im laufenden Jahr 70 Prozent der Umfrageteilnehmer steigende oder stark steigende Preise beobachteten, geht für 2017 immer noch über die Hälfte von einem Preisanstieg aus.

STREIK OHNE ENDE: Ein Ende des Pilotenstreiks bei der Lufthansa ist nicht absehbar. "Es gibt kein vorher festgelegtes Enddatum für den Streik", sagte der Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC), Jörg Handwerg, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Erklärtes Streikziel sei es, von der Lufthansa ein verhandlungsfähiges Angebot zu erhalten. Sobald dies vorliege, könne der am Mittwoch begonnene Arbeitskampf beendet werden. Dies sei Konsens unter den Gewerkschaftsmitgliedern. "Die Kollegen erwarten, dass wir die Lufthansa nicht mit Samthandschuhen anfassen."

KAUM SCHWUNG VERLOREN: Die britische Wirtschaft hat die Folgen des Brexit-Votums recht gut weggesteckt und ihr Wachstumstempo nur leicht verringert. Das Bruttoinlandprodukt stieg zwischen Juli und September um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt ONS mitteilte und damit eine erste Schätzung bestätigte. Im Frühjahr gab es noch ein Plus von 0,7 Prozent. Trotz der leichten Konjunkturabkühlung legte die Wirtschaft auf der Insel stärker zu als in Deutschland, wo im dritten Quartal nur ein Wachstum von 0,2 Prozent heraussprang. Für dieses Jahr erwartet die für Budgetfragen zuständigen Behörde zwar noch einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,1 Prozent. Doch 2017 dürfte sich das Wachstum abschwächen - auf dann nur noch 1,4 Prozent.

STREIT UM "ICELAND": Die isländische Regierung klagt gegen die britische Supermarktkette Iceland Foods, die die Markenrechte am Landesnamen auf Englisch besitzt. Das Unternehmen gehe "aggressiv" gegen isländische Firmen vor, die das Wort "Iceland" in Produktnamen oder -beschreibungen verwenden, erläuterte das Aussenministerium. Deshalb sei nun das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum angerufen worden. Es soll die Markeneintragung rückgängig machen. Iceland Foods hatte den Ministeriumsangaben zufolge schon mehrfach Erfolg mit Klagen gegen isländische Firmen. Dabei sei es zum Teil um Produkte und Dienstleistungen gegangen, die für die britische Kette gar keine Konkurrenz darstellten, kritisierte das Aussenministerium.

LEGO-FABRIK IN CHINA: Der dänische Spielzeugkonzern Lego hat seine erste Fabrik in China eröffnet. Das Werk in Jiaxing rund hundert Kilometer von Shanghai entfernt soll zum Grossteil für den asiatischen Markt produzieren, wie Lego mitteilte. Zwischen 70 und 80 Prozent der Produktion sollen in der Region verkauft werden. Für Lego ist die Fabrik die fünfte weltweit und die erste in Asien. Das dänische Familienunternehmen investierte nach eigenen Angaben "hunderte Millionen Euro" in Jiaxing. Dort sollen 1200 Menschen arbeiten. Die anderen Fabriken stehen in Dänemark, Ungarn, Tschechien und in Mexiko.

(AWP)