Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 28. Dezember 2016:
28.12.2016 17:37

ENTSPANNUNG AUF WOHNUNGSMARKT: Auf dem Schweizer Markt für Mietwohnungen finden fast 60 Prozent von denjenigen Mietern, die nach einer neuen Wohnung suchen, in weniger als zwei Monaten eine neue Bleibe. Damit finden Mieter schneller eine Wohnung als noch vor drei Jahren. Regional gibt es jedoch beträchtliche Unterschiede. Deutschschweizer finden am schnellsten eine Wohnung, während Romands und Tessiner länger suchen müssen. Durchschnittlich besichtigen Mieter auf Wohnungssuche sechs Wohnungen und sie schreiben 3,5 Bewerbungen. Das Das ergibt eine repräsentative Befragung, die der Internetvergleichsdienst comparis.ch im Dezember durchführen liess.

KEINE NEGATIVEN EFFEKTE: Der milliardenschwere Vergleich mit den US-Behörden im Hypothekenfall beeinträchtigt die Bonität der Grossbanken Credit Suisse und Deutsche Bank nicht. Die Ratingagentur Moody's bleibt bei den bisherigen Einschätzungen. Im Fall der Deutschen Bank äussert sich Moody's sogar positiv: Die Grundsatzeinigung gebe dem Management um John Cryan die Möglichkeit, sich auf die Strategie für 2020 zu konzentrieren, heisst es in der Studie.

OPTIMISMUS BEI KUNDSCHAFT: Das Konsumklima hat sich in der Schweiz etwas aufgehellt. Der UBS-Konsumindikator ist im November 2016 leicht um 0,04 auf 1,43 Indexpunkte gestiegen. Der Vormonatswert wurde dabei auf 1,39 von zunächst publizierten 1,49 Stellen nach unten revidiert. Der Anstieg im Berichtsmonat sei auf einen erneut starken Inlandtourismus zurückzuführen sowie auf eine positive Entwicklung im Automobilmarkt.

KEIN JUBEL: Trotz guter Konsumentenstimmung hat das Weihnachtgeschäft stagniert. Migros und Coop sowie die Warenhäuser Globus, Loeb oder Coop City zeigten sich gegenüber der Nachrichtenagentur sda dennoch "zufrieden" mit dem Weihnachtsgeschäft, das für die Warenhäuser mit rund 30 Prozent des gesamten Jahresumsatzes zu Buche schlägt. Bei Coop macht das Weihnachtsgeschäft im Retail über 10 Prozent des Jahresumsatzes aus. Migros macht keine Angaben. Dort heisst es, das Weihnachtsgeschäft habe in den letzten drei Wochen deutlich angezogen. "Somit können wir sagen, dass das Weihnachtsgeschäft insgesamt gut gelaufen ist", sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Auch Ramon Gander von Coop sagt, man sei mit den Weihnachtverkäufen zufrieden. Bei Globus sei vor allem der November gut verlaufen, während die Zahlen im Dezember stagniert hätten. Keiner der angefragten Detailhändler nennt jedoch konkrete Zahlen, sie beklagen aber den Einkaufstourismus und die wachsende Bedeutung des Onlinehandels.

NEUER TOURISMUSDIREKTOR: Die Tourismusorganisation Engadin St. Moritz begibt sich in österreichische Hände: Neuer Direktor wird der Gerhard Walter, bis vor kurzem Geschäftsführer von Kitzbühel Tourismus. Der 52-Jährige gebürtige Österreicher tritt Anfang Mai die Nachfolge von Ariane Ehrat an, welche die Stelle nach zehn Jahren auf eigenen Wunsch verlässt. Walter setzte sich gegen 70 Mitbewerber durch. Er wurde einstimmig gewählt, wie der Verwaltungsrat als Wahlbehörde mitteilte. Walter hat in der Tourismusbranche langjährige Führungserfahrung. Von 2013 bis 2016 stand er an der Spitze von Kitzbühel Tourismus. Einige Jahre davor führte er die Tourismusorganisation des Vorarlberger Nobelkurortes Lech.

HANDEL AUSGESETZT: Die Aktien der schwer angeschlagenen Industriegruppe Accu können nicht mehr gehandelt werden. Der Handel wird per 3. Januar bis auf Weiteres eingestellt. Gemäss Mitteilung der Six Exchange Regulation vom Mittwoch ist Accu nicht mehr in der Lage, die Aufrechtserhaltungspflichten zu erfüllen. Die Accu Holding befindet sich derzeit in provisorischer Nachlassstundung. In Schieflage gebracht hat die Accu Holding die Verschuldung von Tochtergesellschaften. Zudem wurde die Staatsanwaltschaft aktiv wegen möglicher Finanzdelikte.

KNAPP ÜBER RAMSCHNIVEAU: Die von der italienischen Regierung beschlossenen milliardenschweren Massnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors haben laut der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zunächst keinen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit des Landes. Die Bonitätsnote bleibe auf "BBB-", teilte die Agentur am Mittwoch in London mit. Diese Note liegt nur eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau, mit dem riskante Anleihen gekennzeichnet werden. Die italienische Regierung hatte in der vergangenen Woche ein Bankenrettungspaket beschlossen. Dies schafft die Voraussetzungen für die Einrichtung eines Fonds mit Mitteln in Höhe von 20 Milliarden Euro. Das Geld ist dazu gedacht, neben der Traditionsbank Monte dei Paschi gegebenenfalls auch andere Krisenbanken im Land zu stützen.

NEUES GESCHÄFTSFELD: Der Autokonzern Volkswagen treibt seinen Umbruch nach dem Abgas-Skandal voran. Um das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen auszubauen, übernimmt die Tochter Volkswagen Financial Services den Park-Bezahldienst PayByPhone. Der Konzern verstärkt sich ausserdem mit IT-Spezialisten für neue Geschäftsfelder. Die VW-Finanztochter will mit dem Kauf von PayByPhone ihr Geschäft mit mobilen Bezahldiensten deutlich ausweiten. Die Firma mit Sitz in Vancouver in Kanada sei der weltweit führende Anbieter von bargeldlosem Bezahlen beim Parken, teilte VW Financial Services mit. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

MASSNAHMEN GEGEN RANDALIERER: Die Fluggesellschaft Korean Air hat angekündigt, verstärkt Betäubungswaffen gegen randalierende Passagiere einzusetzen. Die Regeln, wonach solche Waffen oder Elektroschockpistolen nur bei einer "unmittelbaren Bedrohung der Leben von Passagieren und Crew oder der Flugsicherung" benutzt werden dürften, würden geändert, sagte ein Sprecher. Die Besatzung dürfte Waffen künftig "aggressiver" einsetzen. Zudem soll immer mindestens ein männliches Besatzungsmitglied mit an Bord sein. Korean Air will ausserdem neue Seile anschaffen, damit Randalierer schnell gefesselt werden können.

TIETMEYER TOT: Der letzte Hüter der D-Mark ist tot. Im Alter von 85 Jahren ist am Dienstag der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, gestorben. Das teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Der Ökonom stand vom 1. Oktober 1993 bis 31. August 1999 an der Spitze des Instituts. Er war der letzte Bundesbank-Chef mit der ganzen Machtfülle der D-Mark - und der erste, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Gewicht für Deutschland in die Waagschale warf. Der knorrige Westfale galt als Garant einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Bei der Einführung der Euro- Gemeinschaftswährung trat er für solide Staatsfinanzen ein.

ENTLASSUNGEN NACH STREIK: Nach einem Streik haben Arbeitgeber von mehreren Textilfabriken in der Nähe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka mehr als 1600 Arbeiter entlassen. Laut Polizei reichten sie eine entsprechende Mitteilung beim Arbeitsministerium ein. Nach Angaben von Gewerkschaften durften mehr als 3000 Arbeiter nicht zurück an ihren Arbeitsplatz, als am Montag der knapp zweiwöchige Streik endete. Regierungsangaben zufolge wurden zudem 22 Menschen als Unruhestifter verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, zur Gewalt aufgerufen zu haben. Gewerkschaftsführer kritisierten die Verhaftungen jedoch als Versuch der Polizei und der Arbeitgeber, die Arbeiter einzuschüchtern. Zuvor hatten mehrere Tausend Arbeiter aus 59 Fabriken ihre Arbeit niedergelegt.

BP KAUFT TANKSTELLEN: Der britische Ölriese BP übernimmt mehr als 500 weitere Tankstellen in Australien. Die Supermarktkette Woolworths erhalte dafür 1,3 Milliarden Dollar. Der Kaufpreis umfasst demnach 527 Tankstellen sowie 16 weitere, die sich noch im Bau befinden. BP besitzt in Australien bereits 350 Tankstellen; ungefähr tausend weitere verkaufen ebenfalls Benzin und Diesel des Konzerns. Das Geschäft zwischen BP und Woolworths, der grössten australischen Supermarktkette, soll bis Ende 2017 abgeschlossen werden. Die australischen Aufsichtsbehörden müssen das Vorhaben aber noch prüfen.

(AWP)