Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 21. März 2017
21.03.2017 17:35

WEKO-BUSSE: (Bern) Die Wettbewerbskommission (Weko) büsst die Galenica-Tochter HCI Solutions mit gut 4,5 Millionen Franken. HCI Solutions habe in der Schweiz eine marktbeherrschende Position bei elektronischen Medikamenteninformationen inne und diese missbraucht, schreibt die Weko. Der Entscheid der Weko kann an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden. Galenica schrieb in einer Stellungsnahme, dass die Verfügung der Weko sachlich und rechtlich falsch sei. Man werde den Entscheid deshalb an das Bundesverwaltungsgericht weiterziehen. Weko-Vizedirektor Olivier Schaller stellte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda fest, dass sich das Sekretariat der Weko sehr lange um eine einvernehmliche Lösung mit Galenica bemüht habe. Da kein Konsens habe erzielt werden können, sei die Untersuchung fortgesetzt worden.

POSITIVE AUSSICHTEN: (Bern) In ihrer Frühjahrsprognose erwartet die Expertengruppe des Bundes, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz 2017 um 1,6 Prozent wachsen wird. Bisher waren die Ökonomen von 1,8 Prozent ausgegangen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) spricht in einer Mitteilung von einer "leichten, technischen Korrektur nach unten, die sich aus dem schwunglosen Jahresende ergibt." Für 2018 geht das Seco unverändert von einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent aus. Gestützt werde das Wachstum vor allem von der inländischen Nachfrage. Profitieren dürften laut Seco die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Ökonomen des Bundes gehen für 2017 von einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent aus, und für 2018 von einer Quote von 3,1 Prozent.

CONZZETA IM VORWÄRTSGANG: (Zürich) Der Mischkonzern Conzzeta, zu dem auch die Sportartikelmarke Mammut gehört, hat 2016 Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Umsatz stieg um 6,4 Prozent auf 1,21 Milliarden Franken. Der Konzerngewinn legte um 7,7 Prozent auf 63,9 Millionen Franken zu. Nach einem zurückhaltenden ersten Halbjahr haben dabei Umsatz und Gewinn im zweiten Halbjahr deutlich zugelegt. Ein deutliches Wachstum verzeichnete der Konzern in den Sparten Blechbearbeitung und Spezialchemie. Bei Mammut und in der Sparte Glasbearbeitungen dagegen sanken die Verkäufe. Für das laufende Jahr ist das Unternehmen vorsichtig optimistisch. So soll der Umsatz auch ohne Übernahmen zunehmen und auch der Betriebsgewinn sollte 2017 leicht ansteigen.

STABILISIERUNG: (Zürich) Der Mischkonzern Orell Füssli hat im vergangenen Jahr zwar mehr umgesetzt, aber unter dem Strich weniger verdient. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 298,9 Millionen Franken. Dabei profitierte Orell Füssli vom Druck der neuen Schweizer 50-Franken-Note. Der Betriebsgewinn (EBIT) verbesserte sich um 5 Prozent auf 18,5 Millionen Franken. Das ist das beste operative Resultat seit 2008 Dabei profitierte Orell Füssli davon, dass Sondereffekte weniger Verluste als im Vorjahr verursachten. Ohne diesen Effekt wäre der EBIT gesunken. Unter dem Strich erzielte das Zürcher Traditionsunternehmen einen Reingewinn von 12,3 Millionen Franken. Das ist wegen höherer Steuern eine halbe Million weniger als im Vorjahr. Im neuen Jahr 2017 will der Konzern Umsatz und EBIT leicht steigern.

KRÄFTIGES WACHSTUM: (Nidau BE) Der Kabelnetzverbund Quickline hat dem Gegenwind in der Branche standgehalten. Der vor allem im Mittelland tätige TV-, Internet- und Telefonieanbieter steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 245 Millionen Franken. Die Konkurrentinnen Swisscom und Sunrise hatten dagegen an Umsatz verloren. Die grösste Kabelnetzbetreiberin UPC (früher: Cablecom) konnte den Umsatz im 2016 leicht steigern, wobei das Unternehmen auch von Preiserhöhungen im Grundangebot profitierte. Bei Quickline trug die Übernahme von zwei kleinen Kabelnetzbetreibern im Herbst zum Wachstum bei. Aber den grössten Teil der Steigerung schaffte die hinter Swisscom und UPC drittgrösste TV-Anbieterin der Schweiz aus eigener Kraft. Ohne neue Partner hätte der Umsatz um 9 Prozent zugelegt. Im laufenden Jahr 2017 soll der Umsatz etwa um 12 Prozent weiterwachsen.

ZUGPFERDE DES EXPORTS: (Bern) Die Chemie- und Pharmaindustrie haben sich im Februar einmal mehr als Zugpferde des Schweizer Aussenhandels erwiesen. Mit einem Exportanstieg von 4 Prozent oder 328 Millionen Franken machten sie die weiterhin rückläufigen Ausfuhren von Uhren und Schmuck mehr als wett. Die Exporte wären ohne die beiden Treiber um 2 Prozent zurückgegangen, wie die Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Die Uhrenexporte sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6 Prozent oder 103 Millionen Franken. Noch stärker belastete der Einbruch von Bijouterie- und Juwelierwaren, deren Nachfrage um 21 Prozent oder 223 Millionen Franken nachliess, die Gesamtexporte. Insgesamt stiegen die Ausfuhren aus der Schweiz im Februar um 0,9 Prozent. Deutlich stärker legten die Importe mit einem Plus von 5,4 Prozent zu. Gründe sind vor allem ein Preisanstieg bei Energieträgern und die Einfuhr von drei Verkehrsflugzeugen aus den USA.

SCHLECHTES OMEN: (Biel) Die Uhrenmesse Baselworld startet am Donnerstag unter schlechten Vorzeichen: der Rückgang der Schweizer Uhrenexporte hat sich im Februar verschärft. Die Ausfuhren sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10 Prozent auf 1,49 Milliarden Franken. Für die gebeutelte Uhrenbranche ist dies der 20. Monat in Folge mit einem Rückgang. Besonders betroffen ist der zweitgrösste Exportmarkt USA mit einem Taucher von 26,2 Prozent im Vergleich zum Februar, wie Zahlen des Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) zeigen. Die Zunahme der Exporte nach China, dem drittwichtigsten Markt, um 6,7 Prozent vermochten das Minus nur teilweise eindämmen. Januar und Februar 2017 zusammengerechnet schrumpften die Ausfuhren um 8,3 Prozent auf 2,93 Milliarden Franken. Im Januar hatte sich die Einbusse noch auf 6,2 Prozent beschränkt.

KLEINERES GEFÄLLE: (Genf) Afrika steht nach Ansicht von Bundesrat Johann Schneider-Ammann an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, in dem die Gegensätze zu den Industrieländern kleiner werden. Zahlreiche Schweizer Unternehmen warteten darauf, in die digitale Wirtschaft auf dem Kontinent zu investieren, sagte er Afrika CEO Forum in Genf. Vor den Präsidenten Senegals und Ghanas, Macky Sall und Nana Akufo-Addo, hob Schneider-Ammann das wirtschaftliche Potential für Unternehmer in Afrika hervor. Zwei Drittel der Bevölkerung - mehr als eine Milliarde Menschen - seien weniger als 35 Jahre alt. In rund 30 Jahren werde sich diese Zahl um das Zweieinhalbfache vergrössern. Schneider-Ammann forderte die afrikanischen Regierungsvertreter dazu auf, zusammen mit dem privaten Sektor Prioritäten zu setzen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen.

SUPERREICHE: (Peking) Wie kaum ein anderes Land lockt die Schweiz Superreiche aus aller Welt. Nur die USA beheimaten noch mehr milliardenschwere Zuwanderer. Die meisten Milliardäre mit Migrationshintergrund kommen aus Deutschland. Gesamthaft listet das neuste Ranking der chinesischen Hurun-Mediengruppe 300 eingewanderte Milliardäre in 44 Ländern auf. Von diesen Menschen mit einem Durchschnittsvermögen von 3,8 Milliarden Dollar leben am meisten in den USA, nämlich 73. Auf dem zweiten Rang folgt in dem am Mittwoch veröffentlichten Report die Schweiz mit 42 superreichen Migranten - vor Grossbritannien (39), Russland (20) und den Arabischen Emiraten (13). Welthauptstadt der Krösusse ist London. In der Themsestadt residieren 35 zugezogene Milliardäre, in Moskau 20 und in Genf 12. Von allen Milliardären hierzulande stammt die Hälfte aus dem Ausland, zwölf davon aus Deutschland.

TEURES ZÜRICH: (Singapur) Zürich ist die drittteuerste Stadt der Welt. Noch kostspieliger ist das Leben nur in Hongkong und Singapur. Singapur bleibt wie bereits im Vorjahr an der Spitze der Rangliste von "The Economist". Gemäss der Erhebung des britischen Wochenmagazins, die am Dienstag veröffentlicht wurde, sind die Lebenshaltungskosten in dem südostasiatischen Stadtstaat so hoch wie nirgendwo sonst. Auf Platz zwei folgt Hongkong, auf Platz drei Zürich. Vor einem Jahr wurde Zürich als zweitteuerste Stadt der Welt ermittelt. Deutsche Städte sind nicht unter den Top Ten. Im Vergleich von 133 Städten der Welt lässt sich am günstigsten in Kiew, Bukarest und in Neu Delhi leben.

SCHLATTER IN GEWINNZONE: (Schlieren ZH) Der Schweissanlagen- und Webmaschinenhersteller Schlatter ist im vergangenen Geschäftsjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Unter dem Strich resultierte 2016 ein Reingewinn von 500'000 Franken. Im Vorjahr musste das Unternehmen noch einen Verlust von 6,9 Mio. Franken hinnehmen. Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich ebenfalls von einem Minus von 5,9 Mio. Franken auf ein Plus von 1,1 Mio. Franken, wie Schlatter mitteilte. Grund für die Trendwende seien die im Vorjahr schnell umgesetzten Massnahmen zur Abfederung des starken Frankens gegenüber dem Euro und weiteren Währungen. Zudem habe man mit neu lancierten Produkten Marktanteile gewinnen können.

MEHR DIVIDENDE BEI KOMAX: (Dierikon LU) Die Herstellerin von Kabelverarbeitungsmaschinen Komax hat 2016 dank Akquisitionen im Ausland und neuer Produkte mehr verdient. Der Reingewinn stieg um gut einen Fünftel auf 35,5 Millionen Franken. Wegen guter Aussichten sollen die Aktionäre eine höhere Dividende erhalten. Der Bestellungseingang nahm um sechs Prozent auf 370 Mio. Franken zu. Der Umsatz wuchs gar um 18 Prozent auf 373 Mio. Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Nicht mehr in den Zahlen enthalten ist die rückläufige Medizinaltechniksparte Komax Medtech. Diese wurde im Verlauf des letzten Jahres verkauft.

MEHR UMSATZ DANK ZUKAUF: (Bülach ZH) Der Zürcher Flaschen- und Glasverpackungshersteller Vetropack konnte den Gewinn im vergangenen Jahr kaum steigern. Dank des Zukaufs der italienischen Tochter ist der Umsatz und der Absatz dennoch gestiegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte Vetropack dank der Übernahme des italienischen Glaswerks Bormioli Rocco 8 Prozent mehr um - rund 602 Millionen Franken. Der Absatz von Behälterglas nahm um 5 Prozent auf 4,9 Milliarden Stück zu. Die Ergebnisse der italienischen Tochter wurden im Berichtsjahr erstmals vollumfänglich konsolidiert. Wegen Reparaturen an Wannen in der Schweiz, Österreich und der Ukraine schrumpfte das operative Ergebnis trotzdem, wie es heisst. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank um 2 Prozent auf 49,3 Millionen Franken. Die EBIT-Marge reduzierte sich von 9 auf 8,2 Prozent der Nettoerlöse. Unter dem Strich verdiente Vetropack im vergangenen Geschäftsjahr 42,6 Millionen Franken - nur wenig mehr als im Vorjahr (+1,2 Prozent).

CREALOGIX AUF WACHSTUMSKURS: (Zürich) Die Bankensoftwarefirma Crealogix hat im 1. Halbjahr 2016/17 von der Zusammenarbeit mit neuen Kunden und einem starken Anstieg der Lizenzeinnahmen profitiert. Das Unternehmen konnte sowohl Umsatz als auch Ergebnis deutlich steigern. Der Umsatz stieg markant um 28 Prozent auf 35,8 Millionen Franken. Zwischen Juli und Dezember 2016 habe die Gruppe die Zusammenarbeit mit mehreren Neukunden aufgenommen, darunter die Privatbank Notenstein La Roche. Die Lizenzeinnahmen stiegen um 48 Prozent von 11,9 Millionen auf 17,6 Millionen Franken. Crealogix erzielte einen Betriebsgewinn (EBIT) von 2,6 Millionen Franken nach einem Verlust von 1,5 Millionen Franken vor einem Jahr. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 0,7 Millionen Franken, nachdem das Softwarehaus in der Vorjahresperiode noch rote Zahlen geschrieben hatte.

KOOPERATION: (Bern) Der bernische Energiekonzern BKW und das Paul Scherrer Institut (PSI) wollen ihr Wissen bündeln. Gemeinsam arbeiten sie an Dienstleistungen für die nukleare Sicherheit auf den internationalen Märkten. Die Kompetenzen der beiden Unternehmen würden sich ideal ergänzen, teilte die BKW mit. Durch die Zusammenarbeit werden die Stärken des PSI in der Entwicklung der Technik und der BKW in deren praktischer Umsetzung vereint. Die angebotenen Dienstleistungen sollen Kunden aus dem Kraftwerksbereich und der Zulieferindustrie gleichermassen ansprechen wie öffentliche oder staatliche Institutionen. Das gemeinsame Engagement richte sich dabei ausschliesslich auf den internationalen Markt, heisst es.

OFFENE MÄRKTE: (Peking) Die neue Weltbank-Geschäftsführerin Kristalina Georgiewa hat während ihres ersten offiziellen Chinabesuchs die Globalisierung verteidigt. "Offene Märkte, Handel, Arbeitsteilung haben für ärmere Länder sehr gut funktioniert", sagte die frühere bulgarische EU-Kommissionsvizepräsidentin in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Das treffe ebenso auf die Industrieländer zu, die angesichts einer gewachsenen Mittelschicht in den Schwellenländern mehr dorthin exportieren könnten. Anstatt Handelshürden aufzubauen sollten die Volkswirtschaften daher lieber auf Wettbewerb setzen. Dieser sorge für Innovationen und steigere die Produktivität. Vor allem protektionistische Töne der neuen US-Regierung hatten zuletzt Sorgen geschürt, der Welthandel könnte Schaden nehmen.

KOOPERATION: (San Francisco) Microsoft und Adobe verbünden sich, um ihr Geschäft mit Software für Firmen auszubauen. Geplant sei ein gemeinsames Format zum Datenaustausch für die Marketing-Software Suite von Adobe und die Vertriebs-Software Dynamics von Microsoft, damit die Programme reibungslos miteinander arbeiten könnten, teilten die beiden US-Konzerne mit. Mit der Partnerschaft wollen sie Rivalen wie SAP, Salesforce.com und Oracle die Stirn bieten, die ebenfalls eine kombinierte Vertriebs- und Marketing-Software anbieten. Adobe, vor allem für das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop und die Acrobat PDF Software bekannt, hatte bereits im vergangenen Jahr eine Nutzung von Microsofts Cloud-Dienst Azure vereinbart.

ENTSCHEIDUNG IM MAI: (Brüssel) Im Mai wollen die EU-Staaten entscheiden, ob sie die Gespräche über eine Finanztransaktionssteuer weiterführen wollen oder nicht. Bis dahin müssten sich Belgien und die Slowakei festlegen, ob sie einen jetzt debattierten Kompromiss mittrügen, sagte der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling vor dem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. "Stimmen beide Länder zu, dann können wir weitermachen, sonst ist das Projekt beendet", sagte Schelling als Chef der zuständigen Arbeitsgruppe. Slowenien müsse sich zudem um ein neues Parlamentsmandat bemühen. Schwierigster Punkt seien belgische Bedenken, dass die Finanztransaktionssteuer Pensionsfonds belasten könnte. Aber er sei "wie immer zuversichtlich", sagte Schelling. Insgesamt zehn EU-Länder verhandeln seit Jahren über die Abgabe auf den Handel mit Finanzprodukten wie Aktien und Derivaten.

(AWP)