Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 22. März 2017
22.03.2017 17:33

GEWACHSEN DANK ZUKÄUFEN: (Luzern) Der Milchverarbeiter Emmi hat 2016 dank Firmenkäufen im Ausland und des boomenden Geschäfts in den USA wachsen können. Den Franken-Schock verdaute das Unternehmen, beim Gewinn legte es kräftig zu. Der Emmi-Chef verlangt dennoch von der Politik bessere Bedingungen. Das abgelaufene Geschäftsjahr sei gut gewesen, bilanzierte CEO Urs Riedener. Dank eines Rekordumsatzes im Ausland habe Emmi wieder zum Wachstum zurückfinden können. Der Umsatz des Unternehmens stieg im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte resultierte allerdings ein Rückgang von einem Prozent. Profitieren konnte Emmi 2016 von fünf Zukäufen von Nischenanbietern in Kanada, den USA, Holland und Chile. Im mit 53 Prozent umsatzmässig weiterhin wichtigen Heimmarkt in der Schweiz lief es weniger gut. Der Umsatz sank um 2,9 Prozent.

AUFSCHWUNG: (Zürich) Nach zwei Jahren Talfahrt geht es bei den 5-Sterne-Häusern der Vereinigung Swiss Deluxe Hotels (SDH) wieder aufwärts. Die Übernachtungen haben im Jahr 2016 um 2 Prozent auf 1,15 Millionen zugenommen. Der konsolidierte Umsatz der Gruppe mit 41 Luxushotels in der Schweiz stieg um knapp 2 Prozent auf 1,45 Mrd. Franken. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt der Hotelübernachtungen in der Schweiz ist im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent geschrumpft. Insgesamt half im vergangenen Jahr die Treue der Einheimischen. Die Übernachtungen der Schweizer wuchsen um 3,1 Prozent auf über 331'000. Mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent sind die Schweizer die mit Abstand wichtigste Gästegruppe der hiesigen Luxushotels. Zur Nummer zwei ist der Mittlere Osten aufgestiegen.

WENIGER AUSSTELLER: (Basel) Am Donnerstag wird die weltgrösste Uhren- und Schmuckmesse Baselword zum 100. Mal ihre Türen öffnen. Sie zählt in diesem Jahr allerdings weniger Aussteller. Die Uhrenbranche steckt derzeit in einer Krise. Im vergangenen Jahr fielen die Schweizer Uhrenexporte um fast ein Zehntel auf das tiefste Niveau seit 2011. Auch im Januar ging die Talfahrt weiter. Die wirtschaftlichen Probleme der Uhrenhersteller sind denn auch an der Uhrenmesse in Basel zu spüren. Die Zahl der Aussteller reduzierte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr von 1500 auf 1300, wie Baselworld-Direktorin Sylvie Ritter vor den Medien in Basel sagte. Der Rückgang sei aber nicht ausschliesslich auf die schwierige Marktlage zurückzuführen. So wurden Aussteller, die nicht zum Konzept der Messe passten und nicht unsere Kriterien erfüllten, abgelehnt. Die Baselworld setze stärker auf Qualität und nicht auf Quantität, betonte Ritter.

MASSNAHMEN GEGEN GAMMELFLEISCH: (Bern) Die Wahrscheinlichkeit, dass vergammeltes Fleisch aus Brasilien auf Schweizer Tellern landet, ist zwar gering. Der Bund verschärft dennoch seine Kontrollen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat seinen grenztierärztlichen Dienst damit beauftragt, Sendungen mit Fleischprodukten aus Brasilien ab sofort einer verstärkten Inspektion zu unterziehen. Das teilte das BLV auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Zurzeit lägen keine Meldungen zu festgestellten Verstössen vor. Insgesamt vier Betriebe aus Brasilien dürfen nach Angaben des BLV keine Fleischprodukte mehr in die EU oder in die Schweiz exportieren.

NEGATIVZINSEN BEI UBS: (Zürich) Die UBS weitet die Negativzinsen auf eine weitere Kundengruppe aus. Ab Mai müssen europäische Kunden auf Bankguthaben von mehr als einer Million Euro eine Gebühr von jährlich 0,6 Prozent entrichten. Die UBS begründete den Schritt mit den 2014 von der Europäischen Zentralbank eingeführten Negativzinsen, die seitdem drei Mal weiter gesenkt wurden. Dies habe für die Bankbranche zu erhöhten Kosten geführt. Die UBS hat bisher auf Franken-Konten Negativzinsen an Grosskunden, Firmenkunden und reiche Privatkunden weitergereicht - allerdings ohne bestimmte Schwelle.

KOOPERATION: (Zürich) Die IT-Firma Avaloq tut sich mit Warburg Pincus zusammen. Das auf Wachstumsfinanzierung spezialisierte Private-Equity-Unternehmen wird sich mit 35 Prozent an der Avaloq-Gruppe beteiligen. Der global tätige Investor Warburg Pincus verwaltet derzeit ein Vermögen von über 44 Milliarden US-Dollar, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Im Bereich Finanzdienstleistungen und Fintech investierte die US-Firma bereits mehr als 10 Milliarden US-Dollar in über 90 Unternehmen. Warburg Pincus bringe umfangreiche Erfahrung im Finanz- und Softwarebereich mit und verfüge unter Banken und Vermögensverwaltern über ein grosses Netzwerk, erklärte Avaloq-Chef Francisco Fernandez. Dies sei für die nächste Wachstumsphase und die geografische Expansion der Avaloq-Gruppe äusserst wertvoll. Die Transaktion sei der erste Schritt hin zu einem möglichen Börsengang. Der Abschluss der Transaktion finde voraussichtlich im zweiten Quartal 2017 statt.

NEUE BERECHNUNGSMETHODE: (Zürich) Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellt die von ihr berechneten und veröffentlichten Wechselkursindizes auf eine neue Basis. Mit den Anpassungen sollen die Wettbewerbs- und Handelsbeziehungen der Schweizer Wirtschaft umfassender und aktueller abgebildet werden. Die Ergebnisse der neuen Berechnung zeigten eine sehr ähnliche Entwicklung des Schweizer Frankens wie der bisherige Index, teilte die SNB mit. Der neue Wechselkursindex liege leicht unter dem alten Wert. Aber auch er zeige, dass der Franken deutlich überbewertet sei.

ZUSAMMENSPANNEN: (Bern) Der Berner Energiekonzern BKW und das Zentralschweizer Start-up Unternehmen smart-me spannen bei der automatisierten Messung von Energieflüssen zusammen. Dazu haben die beiden Partner die Firma engytec AG gegründet. Die Firma ist auf die Messung, Aufbereitung und Abrechnung von externen und selbst produzierten Energieflüssen spezialisiert. Konkret bedeutet dies, dass engytec Eigentümern oder Liegenschaftsverwaltungen auf einzelne Mieter oder Stockwerkeigentümer aufgeteilte, verbrauchergerechte Abrechnungen anbietet. Im Auge hat engytec unter anderem sogenannte Eigenverbrauchsgemeinschaften. Eine solche Gemeinschaft bildet sich zum Beispiel aus dem Eigentümer eines Mehrfamilienhauses mit einer Solaranlage auf dem Dach und den Mietern.

WACHSTUM: (Zürich) Die Immobiliengesellschaft Investis hat in ihrem ersten Jahr an der Schweizer Börse mit Mieten und Immobiliendienstleistungen mehr eingenommen. Der Umsatz erhöhte sich 2016 um 3 Prozent auf 162 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte gar um 27 Prozent auf 76,4 Millionen Franken. Grund dafür sind vor allem Bewertungsgewinne von 46,6 Millionen Franken, wie das seit Mitte 2016 an der SIX kotierte Unternehmen mitteilte. Höhere Mieterträge sowie anhaltend tiefe Zinsen steigerten den Wert der in der Genferseeregion gelegenen Wohnliegenschaften. Auf der anderen Seite stiegen die Finanzierungskosten. Unter dem Strich blieben 45,1 Millionen Franken als Reingewinn, nach 44,6 Millionen Franken im Vorjahr.

MEHR KUNDEN: (Zürich) Die im Firmenkundengeschäft tätige Commerzbank Schweiz ist im Geschäftsjahr 2016 weiter gewachsen. So habe das Kundenwachstum über alle Segmente hinweg 20 Prozent betragen, teilte die Tochter der deutschen Commerzbank mit. Insgesamt habe sich das Institut noch stärker im Schweizer Markt etablieren können, wird der Chef der Commerzbank Schweiz, Marc Steinkat, in einer Mitteilung zitiert. Die Kapitalmarkttransaktionen hätten erneut gesteigert werden können, hiess es. Positiv habe sich auch das Kreditgeschäft entwickelt. Ein anhaltend dynamisches Kreditwachstum habe das Volumen auf insgesamt 7,67 Milliarden Franken steigen lassen. Alleine der KMU-Bereich sei bei der Kreditvergabe um 30 Prozent gewachsen.

MEHR UMSATZ: (Bern) Die im Bereich der gedruckten und elektronischen Publikationen tätige Berner Stämpfli-Gruppe hat 2016 ihren Umsatz um 4,1 Prozent gesteigert. In Anbetracht des schwachen Wachstums der Schweizer Wirtschaft zeigt sich das Haus damit zufrieden. Das erneute Umsatzwachstum sei angesichts der schrumpfenden grafischen Branche und des Margendrucks nicht selbstverständlich, schreibt das Unternehmen. Die Stämpfli-Gruppe erwirtschaftete im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht einen Umsatz von 66,34 Mio. Franken. Erstmals ist der Offizin Verlag in der Rechnung enthalten. Ohne ihn, also aus eigener Kraft, hat die Gruppe ein Wachstum von 3,6 Prozent realisiert. Gewinn- und Verlustzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. 2016 bezeichnen die Unternehmensverantwortlichen im Geschäftsbericht als "Jahr der Konsolidierung". Die 2015 erfolgten Unternehmenserweiterungen, der Leistungsausbau und die aufgegleisten neuen Prozesse hätten integriert werden müssen.

TOURISMUS: (Shanghai) Der Ferienwohnungsvermittler Airbnb will nach einer erneuten Finanzierungsrunde sein Geschäft in China deutlich ausbauen. Geplant sei eine Verdoppelung der Investitionen in der Region, teilte die Internetfirma mit, ohne Zahlen zu nennen. China sei ein Schlüsselmarkt für den Konzern, sagte Airbnb-Chef Brian Chesky. Die Nachfrage chinesischer Touristen nach privaten Ferienwohnungen sei weltweit rasant angestiegen. Nun soll auch das Angebot in China erweitert werden. Bislang seien rund 80'000 Wohnungen in der Volksrepublik im Programm.

MINDESTSTANDARDS: (Brüssel) Im Kampf gegen Kartelle und Preisabsprachen will die EU-Kommission einheitliche Mindeststandards für alle EU-Länder. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, man wolle "gewährleisten, dass alle nationalen Wettbewerbsbehörden unabhängig sind und über wirksame Instrumente verfügen." Denn Wettbewerb nütze der Bevölkerung und sichere niedrige Preise, betonte Vestager. Sie schlägt mehr Befugnisse für die nationalen Kartellbehörden und ein "Mindestinstrumentarium" zur Durchsetzung des Wettbewerbsrechts vor. Damit solle unter anderem sichergestellt werden, dass die zuständigen Behörden überparteilich und ohne Weisung arbeiten könnten und dass sie das nötige Budget hätten.

MEHR BONI: (Stuttgart) Boni sollen Mitarbeiter zu Bestleistungen anspornen. Zuletzt lief es rund in Deutschlands Autobranche - inzwischen haben die Firmen ihre Extrazahlungen für die breite Belegschaft festgelegt. Nach einem insgesamt guten Geschäftsjahr zahlen Deutschlands Autobauer ihrer Belegschaft satte Prämien. So gab der Sport- und Geländewagenhersteller Porsche am Mittwoch bekannt, dass jeder seiner 21'000 Beschäftigten in Deutschland eine Sonderzahlung von 9111 Euro bekommt - ein Spitzenwert unter den deutschen Herstellern. Vor einem Jahr waren es noch 8911 Euro. Die Zahlen sind eine Anspielung auf das Sportwagen-Modell 911. Zum Vergleich: Bei Daimler lag die Prämie für 130'000 Beschäftigte hierzulande bei 5400 Euro und damit niedriger als 2016 (5650 Euro). Die 120'000 VW-Mitarbeiter im Haustarif in Deutschland erhalten für ihre Arbeit im vergangenen Jahr 2905 Euro zusätzlich als Erfolgsbeteiligung, bei Audi liegt die Sonderzahlung bei jeweils 3510 Euro für knapp 58'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

NEUER BAHNCHEF: (Berlin) Finanzvorstand Richard Lutz ist neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Der Aufsichtsrat wählte den 52-jährigen am Mittwoch wie erwartet zum Nachfolger von Rüdiger Grube, der den Konzern im Januar im Streit um seine Vertragsverlängerung verlassen hatte. Lutz erhielt einen Fünf-Jahres-Vertrag und soll auch parallel Finanzvorstand bleiben, wie die Bahn mitteilte. Diese Doppelfunktion hatte bei den Arbeitnehmervertretern im Gremium für Skepsis gesorgt. Sie wollen bei einem anstehenden Vorstandsumbau auch wieder einen eigenen Finanzvorstand einsetzen. Lutz hatte bereits kommissarisch den Staatskonzern geführt. Er ist seit 1994, also seit der Gründung der Deutschen Bahn AG, im Konzern. Seit 2010 ist er Finanzvorstand.

MEHR INFORMANTEN: (Berlin) Zinsmanipulation, Kundenabzockerei oder Geldwäscherei: Die Zahl von Hinweisen auf möglicherweise unlautere Praktiken an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist zu Jahresbeginn deutlich gestiegen. Im Januar und Februar meldeten sich rund 100 sogenannte Whistleblower bei der Bafin, wie eine Sprecherin der Behörde sagte. Die Bafin bietet seit Juli 2016 eine Hotline an, bei der Mitarbeiter von Unternehmen anonym auf Missstände in ihrem Unternehmen hinweisen können, ohne dabei ihren Job zu gefährden. Seit Beginn des Angebots bis zum Jahresende meldeten sich nach Angaben der Sprecherin 124 Informanten bei der Bafin, die Banken, Versicherer und Finanzdienstleister kontrolliert.

(AWP)