Tagesüberblick Wirtschaft

Montag, 3. April 2017
03.04.2017 17:28

WERBUNG UM VERTRAUEN: (Zürich) Nach den Razzien in mehreren Ländern bemüht sich die Credit Suisse mit einer breit angelegten Inseratekampagne um Schadensbegrenzung. Die "Credit Suisse verfolgt gegenüber Steuerhinterziehung eine Nulltoleranzpolitik", hiess es in in einer doppelseitigen Anzeige in der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times". Ähnliche Beteuerungen waren zuvor bereits in "Sunday Times", "Sunday Telegraph" und "Observer" oder dem "Wall Street Journal Europe" zu lesen. Auch in drei französischen und fünf niederländischen Zeitungen druckte die Bank entsprechende Inserate ab. In der Schweizer Presse wurden keine Inserate geschaltet. In einer breit angelegten Jagd auf Steuersünder hatten die lokalen Behörden am Donnerstag Büros der Credit Suisse in London, Paris und Amsterdam durchsucht. Gemälde, Goldbarren, Bargeld und andere Vermögenswerte in Millionenhöhe seien beschlagnahmt worden.

MEHR EINNAHMEN AUS IPO: (Zürich/Bern) Weil die Galenica Santé-Aktien weggehen wie warme Weggli, hat die Galenica Gruppe nun beschlossen, das Angebot an Aktien und die Mehrzuteilungsoptionen zu erhöhen. Sollten sich auch dafür Investoren finden, wird sich der Anteil jener Aktien, die in Streubesitz sind, auf rund 97,5 Prozent erhöhen. Gleichzeitig wird die Preisspanne für die Galenica Santé- Aktien von bisher 31 Franken auf neu 37 bis 39 Franken festgelegt. Damit wird Galenica mit dem Börsengang seines abgespaltenen Apotheken-Geschäfts und Medikamenten-Vertriebs nach neuen Schätzungen rund 1,85 bis 1,95 Milliarden Franken einsammeln statt wie bislang erwartet bis zu 1,68 Milliarden Franken.

DETAILHANDEL WÄCHST: (Neuenburg) Der Anstieg der Benzin- und Dieselpreise hat die Kassen im Schweizer Detailhandel klingeln lassen, allerdings nur in den Tankstellen. Der Umsatz der Branche legte im Februar im Vergleich zum Vorjahr um ein halbes Prozent zu. Ohne Tankstellen wäre der Umsatz aber um 0,3 Prozent gesunken. Die Zahlen sind um Verkaufs- und Feiertage bereinigt. Dabei schrumpften die Umsätze mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren ebenfalls um 0,3 Prozent. Dass es bei einem geringen Rückgang blieb, ist Preiserhöhungen zu verdanken. Denn die Detailhändler haben deutlich weniger Waren verkauft. Real, also Preisveränderungen herausgerechnet, wären die Umsätze mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren um 1,5 Prozent gesunken. Anders sieht es bei den Nicht-Nahrungsmitteln aus. Hier schrumpfte der Umsatz um 0,2 Prozent, obwohl wesentlich mehr Waren verkauft wurden.

PROFITABLES WACHSTUM: (Aarburg AG) Der Aargauer Küchen- und WC-Ausrüster Franke ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 8,5 Prozent auf 2,0 Milliarden Franken. Aus eigener Kraft wäre Franke um 10,6 Prozent gewachsen. Auch die Profitabilität von Franke verbesserte sich dank den Umsatzzuwächsen und Kostensenkungen, wie die Gruppe des Industriellen Michael Pieper mitteilte. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte um 40,6 Prozent auf 156,8 Millionen Franken. Nicht eingerechnet sind Restrukturierungskosten von insgesamt 14,1 Millionen Franken, nach 11,7 Millionen Franken im Vorjahr.

ARGOR IN DEUTSCHER HAND: (Hanau/Mendrisio TI) Der deutsche Edelmetallkonzern Heraeus übernimmt den Tessiner Edelmetallverarbeiter Argor-Heraeus komplett. Heraeus kauft die Beteiligungen der bisherigen Miteigentümer Commerzbank und Münze Österreich sowie des Argor Managements. Der Abschluss des Deals steht noch aus, die Behörden müssen erst zustimmen, wie Heraeus mitteilte. Bislang hielt der deutsche Konzern 33 Prozent an Argor. Argor-Heraeus beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und verarbeitet Gold, Silber, Platin und Palladium zu Barren, Münzen oder Produkten für die Elektronikbranche, den Chemiesektor und die Uhren- und Schmuckindustrie.

INDUSTRIEPRODUKTION BOOMT: (Zürich) Die Industrieproduktion in der Schweiz läuft wie zu Boomzeiten. Und die Aussichten sind rosig. Es sind weitere Produktionssteigerungen zu erwarten. Im März stieg der Einkaufsmanagerindex (PMI) um 0,8 Punkte auf einen Stand von 58,6 Zählern. Das ist der höchste Stand seit Februar 2011 und deutlich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der PMI gilt als wichtiger und verlässlicher Frühindikator für die Konjunktur. Damit ist der Index deutlich höher als vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015. Damals hatte der PMI einen Stand von 52,8 Punkten. Nun konnte im März dieses Jahres vor allem die Produktion gesteigert werden. Die starke Zunahme des Auftragsbestands und die trotz höherer Einkaufsmenge und Produktion abnehmenden Lagerbestände lassen weitere Produktionssteigerungen in der Zukunft erwarten.

KOMPLETTE ÜBERNAHME: (Bern) Der Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag hat die Gyttorp vollständig übernommen. Bisher hielt das Unternehmen über eine Tochtergesellschaft 40 Prozent an der Vertriebsgesellschaft für Produkte für Jäger und Sportschützen in Schweden und Finnland. Die vollständige Übernahme ist Teil der Strategie der Munitionsdivision Ruag Ammotec. Diese hat zum Ziel, den Grosshandel zu stärken, aber auch das Geschäft mit dem Endkunden auszubauen. Über den Kaufpreis haben Ruag Ammotec und Gyttorp Stillschweigen vereinbart, wie es in der Mitteilung heisst.

TIEFERE ARBEITSLOSIGKEIT: (Luxemburg) Die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Eurozone entspannt sich weiter. Im Februar sank die Arbeitslosenquote auf 9,5 Prozent - das sei die niedrigste Quote seit Mai 2009, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Vor einem Jahr hatte die Quote im Februar noch bei 10,3 Prozent gelegen. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Vergleich zum Vorjahresmonat nun um 1,246 Millionen auf 15,439 Millionen Menschen.

AUTOINDUSTRIE: (New York) Der Elektroautobauer Tesla hat im ersten Quartal 2017 so viele Fahrzeuge an seine Kunden übergeben wie noch nie in der Firmengeschichte. Die Zahl der ausgelieferten Autos sprang um 69 Prozent auf den Rekordwert von 25'000. Probleme in der Produktion hatten Ende 2016 einige Auslieferungen bis ins neue Jahr verzögert, deren Zahl war deshalb im vierten Quartal um 9,4 Prozent zurückgegangen. Von Januar bis März 2017 gingen 13'450 Limousinen der Model-S-Reihe und 11'550 des Elektro-SUVs Model X an die Kunden.

APPLE WILL SELBST RAN: (London) Apple arbeitet an einer eigenen Technologie für die Grafik-Chips seiner Mobil-Geräte wie iPhones und iPads, die im kommenden Jahr fertig sein könnte. Die Pläne des traditionell geheimniskrämerischen Konzerns wurden durch eine Börsenmitteilung des aktuellen Partners enthüllt. Die Firma Imagination Technologies erklärte, man sei von deren wichtigsten Kunden Apple darüber unterrichtet worden, dass der iPhone-Anbieter binnen 15 Monaten bis zwei Jahren auf eine Eigenentwicklung umsteigen wolle. Die Aktie von Imagination verlor daraufhin schlagartig fast zwei Drittel ihres Werts.

PROTESTE WEGEN CHEFLÖHNEN: (Montréal) Hunderte Menschen haben vor dem Sitz des kanadischen Flugzeug- und Zugherstellers Bombardier gegen eine deutliche Anhebung der Gehälter für die Geschäftsleitung protestiert. "Schande für Bombardier", skandierten die Demonstranten vor dem Unternehmenssitz in Montréal. Auch die Regierung in Québec appellierte an Bombardier, "die Entscheidung zu überdenken", die Vergütung der Spitzenetage um 50 Prozent auf 40 Millionen kanadische Dollar (30 Millionen Franken) anzuheben. Die Lohnerhöhung für die Top-Manager sorgt auch in der Politik für heftige Kritik, da das Unternehmen zur Bewältigung finanzieller Schwierigkeiten öffentliche Gelder in Höhe von 1,7 Milliarden kanadische Dollar erhalten hat. Seit 2013 strich das Unternehmen 15'000 Stellen.

ÄRGER WEGEN WERBESPOT: (Istanbul) Ein Werbespot zum 1. April hat in der Türkei für Ärger gesorgt. Das Video des Schokoladenherstellers Ülker, in dem mehrere Geschwister einander mit Aprilscherzen hereinlegen, provozierte am Montag scharfe Kritik von Ministerpräsident Binali Yildirim und liess den Aktienkurs des Konzerns deutlich einbrechen. Der Spot, der mit den Worten "Die Zeit der Abrechnung ist gekommen" endet, wurde als Verweis auf den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli interpretiert. Yildirim beklagte, dass der "unselige Werbespot" zu "Unbehagen" in der Bevölkerung führe. Ülker wies die Kritik zurück und beklagte eine gezielte Manipulation des Werbespots in den sozialen Medien.

(AWP)