Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 4. April 2017
04.04.2017 17:29

MILLIARDENEINKAUF: ABB will mit einem Milliardeneinkauf seinen Geburtsfehler beheben. Durch die Übernahme des österreichischen Steuerungsherstellers B&R soll der Rückstand auf den grossen Rivalen Siemens verkürzt werden, der die Nummer eins in der Industrieautomation ist. B&R ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchschnittlich um 11 Prozent pro Jahr gewachsen und damit mehr als doppelt so stark wie der Markt. Der Umsatz schoss von 70 Mio. im Jahr 1995 auf über 600 Mio. Dollar 2016 nach oben. Das Unternehmen in der Nähe von Salzburg erzielte letztes Jahr einen Betriebsgewinn (EBIT) von 75 Mio. Dollar. Der Kaufpreis ist geheim, dürfte sich laut Schätzungen auf 1 bis 2 Mrd. Dollar belaufen. Mit dem Kauf kann ABB eine Lücke im Angebot schliessen, die bisher ein Geburtsfehler war. Spätestens fünf Jahren soll die Umsatzgrenze von 1 Mrd. Dollar übertroffen werden.

VOLG GEHT ONLINE: Die Detailhandelskette Volg zieht mit den Grossverteilern gleich. Ab dem 2. Mai liefert auch Volg auch nach Hause. Das Angebot ist jedoch auf Güter für den täglichen Bedarf und auf das bereits bestehende Marktgebiet beschränkt. Beliefert werden die ländlichen Regionen in der Deutschschweiz, in denen es bereits einen Volg-Laden gibt. In grössere Städte wie Zürich und Bern zum Beispiel bietet Volg den Service nicht an. Die Lieferung erfolgt durch die Post. Kundinnen und Kunden können das Bestellte jedoch auch in den Läden abholen. Mit der neuen Dienstleistung versucht Volg eine Abwanderung der Kunden zu verhindern. Ob Volg das Angebot auch auf die Westschweiz ausdehnt, ist noch nicht entschieden.

HOHE PRIORITÄT: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat 2016 deutlich mehr Fälle im Bereich der Bekämpfung der Geldwäscherei bearbeitet als im Jahr zuvor: 22 Fälle waren es 2016 im Vergleich zu 9 im Jahr zuvor. Diesem Bereich räumt die Behörde hohe Priorität ein. Diese vergleichsweise höhere Anzahl von Fällen habe insbesondere mit internationalen Korruptionsfällen in Zusammenhang gestanden, teilte die Finma mit. Aus ihrem jährlichen Bericht geht hervor, dass die Finma 2016 insgesamt 625 Abklärungen durchführte und 38 Enforcementverfahren zur Durchsetzung des Aufsichtsrechts abgeschlossen hat. Beide Zahlen liegen tiefer als im Vorjahr. Die Jahresrechnung zeigt darüber hinaus, dass der Aufwand im Vergleich zum Vorjahr um 3 Millionen Franken auf 121 Millionen Franken gefallen ist.

REPOWER STOPPT TALFAHRT: Der Bündner Energiekonzern Repower hat 2016 mit 1,7 Milliarden Franken einen um acht Prozent tieferen Umsatz erzielt als im Vorjahr und erwirtschaftete erneut einen Verlust. Der Reinverlust von 13 Millionen Franken ist aber eine markante Verbesserung gegenüber den drei Vorjahren, als die Defizite etwa zehnmal so gross waren. Erfreulich entwickelte sich auch das operative Ergebnis (EBIT). Anstatt eines Betriebsverlustes von 69 Millionen Franken wie 2015 resultierte ein operativer Gewinn von 22 Millionen Franken. Zur positiven Entwicklung beigetragen haben Ergebnisse aus dem Regelenergiemarkt in Italien, Veräusserung von Liegenschaften sowie der Verkauf der Tochtergesellschaft Connecta. Auch die höheren Marktpreise im vierten Quartal haben sich durch Wertaufholungen auf Produktionsanlagen positiv auf das Ergebnis ausgewirkt.

WENIGER UMSATZ: Die angespannte Lage in der Schweizer Gastronomie und schlechtes Wetter zum Sommerbeginn 2016 haben das Geschäft des Süssgetränkehersteller Rivella belastet. Erfreulich entwickelte sich hingegen das Auslandgeschäft. Weil Rivella auf dem Heimmarkt weniger Erfrischungs- und Fruchtsaftgetränke verkaufen konnte, ist der Umsatz auf Gruppenebene um 3,6 Prozent auf 137,8 Millionen Franken gesunken. Dies geht aus einer Mitteilung hervor. Mengenmässig reduzierte sich der Absatz in der Schweiz um rund 3 Millionen Liter auf 77,1 Millionen. Der Gesamtmarkt der Erfrischungsgetränke entwickle sich in der Schweiz rückläufig, heisst es. Rivella habe trotzdem die Marktanteile im Handel wertmässig halten und volumenmässig leicht ausbauen können. Mehr Absatz erzielte das Unternehmen hingegen im Ausland. Die verkauften Mengen stiegen um 1,6 Millionen auf 27,6 Millionen Liter. Inzwischen werde mehr als jedes vierte Rivella im Ausland getrunken. Besonders in Holland ist das Schweizer Süssgetränk beliebt.

TIEFER IN ROTEN ZAHLEN: Währungsverluste haben dem Bau- und Hotelkonzern Orascom Development Holding das Geschäft zusätzlich belastet. Neu erwartet Orascom Development Holding für das vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust in der Höhe von 195 bis 205 Millionen Franken. Wegen der Abwertung des ägyptischen Pfunds mussten die in US-Dollar gehaltenen Kredite der ägyptischen Tochtergesellschaft neu bewertet werden, wie der Konzern mitteilte. Auf Gruppenebene resultierte daraus ein Währungsverlust von 125 Millionen Franken. Insgesamt schlagen sich die Währungseffekte mit 157 Millionen Franken auf das Ergebnis nieder. Orascom rechnet neu mit einem Verlust von rund 200 Millionen Franken. 2015 waren es noch 22,5 Millionen Franken. Zudem erwirtschaftete der Konzern mit 235 bis 240 Millionen Franken mehr als ein Fünftel weniger Umsatz. Die Abnahme ist allerdings darauf zurückzuführen, dass gegenüber dem Vorjahr keine Landverkäufe getätigt wurden. So konnte Orascom im Hotel- und Immobiliensegment höhere Erträge erzielen. Die vollständigen Resultate für das Geschäftsjahr 2016 werden am 11. April veröffentlicht.

WENIGER ÜBERNACHTUNGEN: Die Schweizer Hoteliers haben nach dem positiven Januar im Februar weniger Übernachtungen verbucht. Die Zahl der Logiernächte in der Schweizer Hotellerie sank im Berichtsmonat um 1,5 Prozent auf 3,04 Millionen. Insgesamt 1,58 Übernachtungen gingen auf das Konto der Schweizer Gäste. Das entspricht einer Zunahme um 0,8 Prozent gegenüber Februar 2016. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland hingegen ging um 2,1 Prozent auf 1,46 Millionen Logiernächte zurück, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte.

MIGROS FOKUSSIERT: Die Migros macht dem Velo-Fachhandel seit letztem Monat mit ihrer neuen Kette Bike World Konkurrenz. Nun verkauft sie ihren 51-Prozent-Anteil am französischen Online-Händler Probikeshop. Damit fokussiert sich der Detailhändler auf den heimischen Velo-Fachhandel. Die Beteiligung am französischen Online-Shop hatte die Migros 2011 erworben. Probikeshop, die 70 Millionen Franken Jahresumsatz erzielt, soll mitsamt 170 Mitarbeitern an die deutsche Internetstores Holding GmbH gehen.

WENIGER ERDÖLPRODUKTE: Der Verkauf von Erdölprodukten ist letztes Jahr um 5 Prozent auf 10 Millionen gesunken. Weil Autos immer effizienter werden, ging der Benzinverbrauch um 3 Prozent zurück. Gar um einen Fünftel reduzierte sich der Heizöl-Absatz. Grund ist laut der Erdöl-Vereinigung die Erhöhung der CO2-Abgabe auf Brennstoffen. Zugenommen dagegen hat der Dieselölabsatz. Um 4,7 Prozent zugelegt haben zudem die Verkäufe von Flugpetrol. Dies ist auf Passagierrekorde an den Flughäfen Zürich und Genf zurückzuführen.

MAURER IN ASIEN: Bundesrat Ueli Maurer reist nächste Woche nach Asien. Ziel dieser Asienreise vom 12. bis 19. April ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes zu stärken. Stationen sind Peking, Schanghai, Hongkong und Singapur, wie das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) mitteilte. Höhepunkte der Asienreise sind Treffen mit den Finanzministern Chinas und Singapurs. Für die Delegation des Bundes und der Schweizer Finanzplatzakteure sind Gespräche geplant mit Ministerien, Behörden sowie privaten Akteuren der wichtigsten Finanzplätze.

VERLUST BEI VALARTIS: Die Bankengruppe Valartis hat im vergangenen Jahr den Verlust reduziert. Allerdings schreibt die Bankengruppe nach IFRS-Rechnungslegung für weitergeführte und nicht weitergeführte Geschäftsbereiche mit 38,1 Millionen Franken immer noch tiefrote Zahlen, nachdem sich der Verlust 2015 auf 58,4 Millionen belief. Der Konzernverlust setze sich aus dem Minus aus weitergeführten Geschäftsbereichen von 12,0 Millionen Franken aufgrund hoher Sanierungskosten und aus dem Verlust aus nicht weitergeführten Geschäftsbereichen von 26,1 Millionen Franken zusammen.

(AWP)