Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 17. Mai 2017
17.05.2017 17:29

WEITERER KAHLSCHLAG: (Pfäffikon SZ) Die neuen italienische Besitzer von Charles Vögele haben erneut den dicken Rotstift beim Personal angesetzt. Nach der Entlassung von 100 Mitarbeitern Anfang Jahr wurde der Abbau von weiteren 160 Stellen bekannt. Betroffen sind Angestellte in der Logistik in Pfäffikon SZ und Freienbach SZ, wie ein Sprecher von Charles Vögele gegenüber der sda sagte. Die Arbeitsplätze würden nicht mehr benötigt, da der Käufer, der italienische Modekonzern OVS, seine Logistik über ein internationales Unternehmen abwickle. Die Mitarbeiter seien am Dienstag über die Massenentlassung informiert worden. Weitere Massenentlassungen seien nicht vorgesehen.

WENIGER UMSATZ: (Bern) Tiefere Preise und schlechtes Wetter haben den Umsatz des Landwirtschaftskonzerns Fenaco 2016 um 1,6 Prozent auf 5,94 Milliarden Franken sinken lassen. Der Agrarkonzern stellt Weichen für eine Zukunft als Stromproduzent. Zudem soll die Digitalisierung der Landwirtschaft vorangetrieben werden. "Keiner der Märkte, in denen die Fenaco tätig ist, war im vergangenen Jahr im Aufwind", stellte Fenaco-Chef Martin Keller in Bern vor den Medien fest. Dennoch sei es gelungen, mit einem Ergebnis über Vorjahresniveau abzuschliessen. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag mit 123,4 Millionen Franken leicht über dem Vorjahresniveau. Unter dem Strich stagnierte der Gewinn 2016 bei 96,8 Millionen Franken. Verkäufe von Liegenschaften und die vollständige Übernahme der IT-Firma Bison hatten allerdings im Vorjahr den Gewinn von 58,2 Millionen auf 96,4 Millionen Franken hochschnellen lassen.

HÖHERER RENDITE: (Zürich) Die Schweizer Pensionskassen haben 2016 gemäss einer Studie des Fondsanbieters Swisscanto im Durchschnitt eine Rendite von 3,6 Prozent erreicht. Das ist gegenüber dem Vorjahr mit einer Rendite von 1,1 Prozent eine deutliche Steigerung. Die Kassen konnten 2016 auch den Deckungsgrad annähernd stabil halten. Bei den privatrechtlichen Kassen sank er innert Jahresfrist leicht von 110,4 auf 109,7 Prozent. Bei den öffentlich-rechtlichen Kassen stieg er von 92,0 Prozent im Vorjahr auf 94,6 Prozent an. Gleichzeitig haben die Kassen aber auch sowohl den technischen Zinssatz wie den Umwandlungssatz gesenkt. Der Umwandlungssatz beträgt im Durchschnitt noch 6,0 Prozent nach 6,13 Prozent im Vorjahr.

NEUE 20ER-NOTE IST DA: (Bellinzona) Seit Mittwoch ist die Piazza Grande in Locarno für viele Schweizerinnen und Schweizer ein Stück näher gerückt. Denn sie ziert die neue 20 Franken Note, welche nun im Umlauf ist. Um dies zu feiern, ist der Nationalbankpräsident Thomas Jordan ins Tessin gereist. Dort überreichte er am Mittwoch dem Präsidenten des Locarno Festivals Marco Solari in einem Saal an der Piazza Grande symbolisch eine druckfrische Banknote - auch der Tessiner Regierungspräsident Manuele Bertoli und der Stadtpräsident Locarnos Alain Scherrer bekamen jeweils ein eingerahmtes Exemplar.

HILTI STEIGERT UMSATZ: (Schaan FL) Der Bautechnologie-Konzern Hilti hat das Wachstum des Vorjahres im 2017 fortgesetzt. Das Liechtensteiner Unternehmen steigerte den Umsatz in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres gegenüber der Vorjahresperiode um 4,9 Prozent. Das Umsatzwachstum in Lokalwährungen lag bei 4,8 Prozent. Bereinigt um den Verkauf des Solarunternehmens Unirac kletterte der Umsatz in Schweizer Franken sogar um 6,1 Prozent. Nach einem verhaltenen Start ins Jahr sehe Hilti seit zwei Monaten wieder deutlich mehr Dynamik im Geschäft, wird Firmenchef Christoph Loos in der Mitteilung zitiert. Das Ziel für 2017 bleibe ein leicht höheres Umsatzwachstum als im Vorjahr.

UMSATZRÜCKGANG: (Bürgenstock NW) Der Industriekonzern Siemens Schweiz hat im ersten Halbjahr etwas weniger umgesetzt. Der Umsatz der Regionalgesellschaft des deutschen Industriegiganten fiel von 514 Millionen auf 509 Millionen Franken. Dennoch zeigte sich Siemens Schweiz-Chef Siegfried Gerlach bei der Präsentation der Zahlen im neuen Luxushotel- und Wohnungsresort Bürgenstock zufrieden. Denn der Auftragseingang habe von 490 Millionen auf 574 Millionen Franken zugenommen. Deshalb werde der Umsatz in Zukunft auch wieder wachsen. Er rechne mit einer Umsatzsteigerung von 3 bis 4 Prozent im gesamten Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende September).

CROWDFUNDING ZIEHT AN: (Luzern) Die Geldbeschaffung beim breiten Publikum übers Internet wird in der Schweiz immer beliebter. 2016 kamen beim Crowdfunding über 128 Millionen Franken zusammen, über viermal mehr als noch im Vorjahr. Das Geld floss in 3098 Kampagnen. Laut dem jüngsten Monitoringbericht zum Thema der Hochschule Luzern haben über 100'000 Personen im letzten Jahr in der Schweiz ein Crowdfunding-Projekt unterstützt. Neben Familien und Freunden weckt die alternative Form der Finanzierung vermehrt das Interesse von Profiinvestoren. Bekanntere Unternehmen nutzen Crowdfunding dem Bericht zufolge als digitalen Sponsoring-Kanal und für Marketing-Zwecke. Weiter würden Geldgeber wie Pensionskassen verschiedenen Unternehmen Kredite und Rechnungen finanzieren.

VERKAUF VON STRAUMANN-AKTIEN: (Basel/Singapur) Der Singapurer Staatsfonds GIC hat sich von seiner Beteiligung am Basler Dentalimplantatehersteller Straumann getrennt. Dies setzte die Straumann-Aktie am Mittwoch unter Druck: Sie verlor bis am Abend 4,4 Prozent. Ein Straumann-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass GIC rund 540'000 Aktien verkauft habe. Das entspricht einer Beteiligung von 3,4 Prozent. Ein weiterer Aktienverkauf von GIC hatte erst vor zwei Tagen zu reden gegeben. GIC hatte rund 93 Millionen Aktien der UBS veräussert und damit seine Beteiligung an der Grossbank von 5,1 Prozent auf 2,7 reduziert. Im April hatte GIC seinen Anteil von knapp 8 Prozent an Dufry an die chinesische HNA verkauft.

NACHFRAGEBOOM BEI VAT: (Haag SG) Der Ostschweizer Hersteller von Vakuumventilen VAT ist seit Jahresbeginn vom Digitalisierungstrend beflügelt worden. Bei Umsatz und Auftragseingang kam es im ersten Quartal 2017 zu einem Wachstumssprung. Ein Ende des Booms ist laut Geschäftsführer Heinz Kundert nicht absehbar. Hinter dem Wachstumsschub bei VAT steht der Nachfrageboom, den führende Hersteller digitaler Geräte und Displays erleben. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2017 um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 164,5 Millionen Franken, wie VAT mitteilte. Der Auftragseingang erhöhte sich um 35 Prozent auf 182 Millionen Franken.

WEITER AUF WACHSTUMSKURS: (Basel) Die Basler Rapp-Gruppe ist auch 2016 gewachsen. Der konsolidierte Umsatz stieg um 1,8 Prozent auf 72,4 Millionen Franken, wie das Planungs- und Beratungsunternehmen mitteilte. Der Umsatz aus Eigenleistungen der landesweit und auch im Ausland tätigen Gruppe sank dagegen um rund 600'000 Franken auf 58,2 Millionen Franken. Die Entwicklung wird jedoch in der Mitteilung als "erfreulich" beurteilt. Die Rapp-Gruppe sei "solide unterwegs".

SULZER KAUFT ZU: (Winterthur) Der Industriekonzern Sulzer kauft das neuseeländische Unternehmen Simcro, einen Lieferanten von Verabreichungssystemen für Pharmazeutika in der Tiermedizin. Mit der Übernahme erweitert Sulzer die Division Applicator Systems um Tiergesundheit. Die Transaktion werde vorbehaltlich der Zustimmung der neuseeländischen Behörde für Auslandsinvestitionen voraussichtlich im dritten Quartal 2017 abgeschlossen, teilte Sulzer mit. Der Unternehmenswert beträgt 90 Millionen Franken. Simcro betreibt zwei Produktionsanlagen in Neuseeland und Australien und beschäftigt 230 Mitarbeiter. Für das Jahr 2017 wird ein Umsatz von 35 Millionen Franken erwartet. Das Simcro-Management bleibt im Unternehmen.

WENIGER GELD FÜR KMU-VERWALTUNGSRÄTE: (Zürich/St. Gallen) Verwaltungsräte in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz erhalten dieses Jahr 12 Prozent tiefere Honorare als noch vor drei Jahren. Im Schnitt werden sie für ihr Mandat mit 22'000 Franken bezahlt, 2014 waren es noch 25'000 Franken. Verwaltungsratspräsidenten erhalten im Durchschnitt 30'700 Franken, 2014 waren es 34'800 Franken. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmen BDO in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen. Der Rückgang der Entschädigungen sei vor allem auf geringere oder ausbleibende Erfolgshonorare sowie auf freiwillig geringere Entschädigungen bei Inhabern der betreffenden KMU zurückzuführen. Die Honorare von Verwaltungsräten waren Ende der 90er-Jahre stark angestiegen, seit 2011 sinken sie jedoch wieder.

ERMITTLUNG GEGEN VW-CHEF: (Stuttgart/Wolfsburg) Die juristische Aufarbeitung des Volkswagen-Diesel-Skandals hat nun auch Konzernchef Matthias Müller erreicht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Müller. Ein entsprechendes Verfahren habe bereits im Februar begonnen, teilte die Behörde mit. Geklärt werden soll, ob die Anleger rechtzeitig über die Folgen der Affäre informiert worden sind. Die Anklagebehörde spricht von einem "Anfangsverdacht". Auch gegen VW-Verwaltungsratschef Hans Dieter Pötsch sowie Müllers Vorgänger an der VW-Spitze, Martin Winterkorn, leiteten die Stuttgarter Ermittler Untersuchungen ein.

VERFAHREN GEGEN ITALIEN: (Brüssel) Im Skandal um geschönte Abgaswerte muss sich nun auch Italien einem Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission stellen. Die Brüsseler Behörde wirft der Regierung in Rom vor, Anschuldigungen gegen den Autobauer Fiat nicht in angemessener Weise nachzugehen. Fiat soll wie der Volkswagen-Konzern die Schadstoffwerte bei Dieselautos manipuliert haben. Wenn dies so sei, müssten Sanktionen verhängt werden, erklärte die EU-Kommission.

BELIEBTE PASTA: (Parma) Der italienische Nahrungsmittelriese Barilla ist vergangenen Jahr gewachsen. Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 3,413 Milliarden Euro. Der Anstieg sei in erster Linie dem europäischen Markt zu verdanken. Hier legte vor allem die Nachfrage nach Pasta-Saucen zu, wie der Konzern aus Parma mitteilte. Der weltweite Marktführer in der Pasta-Produktion will die Expansion seiner Restaurantkette forcieren. Nach der Eröffnung von drei Lokalen in Manhattan sollen neue Standorte in Los Angeles eröffnet werden. Zwei Barilla-Restaurants öffneten vergangenen November in Dubai die Tore. In den Barilla-Lokalen werden Gerichte wie Pasta, Pizza und Salate zu familienfreundlichen Preisen angeboten.

REKORDTIEFE ARBEITSLOSENQUOTE: (London) Die Arbeitslosigkeit in Grossbritannien ist vor den anstehenden Neuwahlen auf das niedrigste Niveau seit Jahrzehnten gesunken. Im Zeitraum von Januar bis März fiel die nach Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) berechnete Quote auf 4,6 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit fast 42 Jahren. Experten hatten erwartet, dass die Quote bei 4,7 Prozent verharren würde. Die Zahl der Anträge auf Erwerbslosenunterstützung stieg im April um 19.'400 und damit nicht mehr so stark wie im Vormonat mit damals 33'500. Die Zahlen gelten als Beleg, dass sich die Wirtschaft seit dem Anti-EU-Referendum vom Juni 2016 relativ gut behauptet hat.

TEUERUNGSRATE HÖHER: (Brüssel) Die Inflation in der Euro-Zone ist auf dem Vormarsch und bereits nahe der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Konsumentenpreise stiegen im April um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im März lag die Teuerungsrate lediglich bei 1,5 Prozent. Die Energiepreise zogen im April um 7,6 Prozent an und damit etwas stärker als im März. Dienstleistungen verteuerten sich mit 1,8 Prozent wesentlich kräftiger als im Vormonat, als diese Kosten nur um 1,0 Prozent stiegen. Für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak mussten die Bürger 1,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an.

COMEBACK VON TWITTER-MITGRÜNDER: (San Francisco) Beim umsatzschwachen Kurzbotschaftendienst Twitter steht die Rückkehr von Mitgründer Biz Stone ins Haus. Der 43-Jährige erklärte am Dienstag, er werde "in einigen Wochen" wieder im Einsatz sein, und zwar in Vollzeit. Der Kurs der Twitter-Aktie stieg unmittelbar an. Twitter-Chef Jack Dorsey, der 2006 ebenfalls zu den Gründern gehört, schrieb in einem Tweet: "Aufgeregt, Biz's Energie und Herz wieder bei Twitter zu haben." Stone verliess das Unternehmen Mitte 2011, als die Geschäftsführung ausgetauscht wurde. Twitter hatte im April nur schwache Quartalszahlen vorgelegt. Die Einnahmen des seit seiner Gründung defizitären US-Unternehmens lagen von Januar bis März bei 548 Millionen Dollar und sanken damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent. Positiv fiel dagegen die Bilanz bei den Nutzerzahlen aus. Die Zahl der monatlichen aktiven Nutzer wuchs um neun Prozent auf weltweit 328 Millionen.

ABN AMRO LEGT ZU: (Amsterdam) Die niederländische Grossbank ABN Amro profitiert von der guten Konjunktur und dem Bauboom auf dem Heimatmarkt. Im ersten Quartal fuhr das Institut einen überraschend hohen Gewinn von 615 Millionen Euro ein, wie der grösste Kreditgeber des Landes mitteilte. Damit übertraf ABN Amro die Erwartungen der Analysten um rund 100 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag der Gewinn bei 475 Millionen. Die gestiegene Kreditvergabe sowohl auf dem Immobilienmarkt als auch für Unternehmen habe insbesondere die Zinserträge nach oben getrieben.

WIEDER IN PRIVATBESITZ: (London) Mehr als acht Jahre nach ihrer milliardenschweren Rettung durch den Staat ist die britische Bank Lloyds wieder vollständig in privaten Händen. Der Anteil des Staates sei "auf null reduziert", teilte Lloyds mit. "Damit ist die Gruppe wieder in privatem Eigentum." Die britische Regierung hatte die Lloyds während der Finanzkrise im Herbst 2008 gerettet und dafür etwa 20 Milliarden Pfund ausgegeben. Danach gehörten dem Staat 43 Prozent der Bank. Dieser Anteil wurde immer weiter reduziert.

(AWP)