Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 7. Juni 2017
07.06.2017 17:30

ÜBERNAHMEKAMPF: (Biel/Zürich) Die Bieler Privatklinik Linde wird zur mehrfach umworbenen Braut. Mitte Mai hatte das Klinik- und Hotelunternehmen Aevis Victoria ein Angebot lanciert. Jetzt steht auch die Zürcher Klinikgruppe Hirslanden in den Startlöchern. In einem Brief an die Linde-Aktionäre vom vergangenen Freitag stellten die Zürcher diesen ein Kaufangebot für den Erwerb ihrer Aktien in Höhe von 2900 Franken in Aussicht. Hirslanden-Sprecher Claude Kaufmann bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda eine entsprechende Meldung des "Bieler Tagblatts". Ein verbindliches Kaufangebot werde nach Abschluss der üblichen Unternehmensprüfung (Due Diligence), die bereits in vollen Gange sei, allen Aktionären bis spätestens 30. Juni zugestellt, so der Unternehmenssprecher.

REKORDHOHE BESTELLUNGEN: (Bussnang TG) Der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail hat die Folgen des Frankenschocks überwunden: Im vergangenen Jahr stiegen die Bestellungen auf 4,9 Milliarden Franken, nachdem das Unternehmen 2015 noch einen Einbruch auf 2,1 Milliarden hatte hinnehmen müssen. Stadler vermeldete einen rekordhohen Bestellungseingang von 4,9 Mrd. Franken. 2015 waren es nach währungsbedingten Problemen 2,1 Mrd. Franken gewesen, 2014 hatte das Unternehmen ein Auftragsvolumen von 2,9 Mrd. Franken erreicht. Der Eintritt in neue Märkte, aber auch die Lancierung neuer Produkte hätten sich positiv ausgewirkt, hiess es an der Jahresmedienkonferenz am Hauptsitz in Bussnang TG. Für 2016 weist Stadler einen Umsatz von 2,1 Mrd. Franken aus.

AIR CHINA IN DER SCHWEIZ: (Zürich) Air China will mit der neuen Verbindung zwischen Zürich und Peking die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern ausbauen. Weitere chinesische Firmen würden demnächst in die Schweiz kommen, sagte der Manager von Air China Zürich, Chen Ge. Im Fokus der neuen Direktverbindung seien Geschäftsleute, weniger Touristen, erklärte Chen Ge vor den Medien in Zürich - wenige Stunden, nachdem der erste Flieger von Air China in Zürich gelandet war. Bereits 43 chinesische Unternehmen seien in der Schweiz tätig. Mit vier wöchentlichen Flügen nach China können die Schweizer laut Chen Ge alle wichtigen Städte in China erreichen.

RÜCKZUG: (Zürich) Die Grossbank UBS verkauft ihr Vermögensverwaltungsgeschäft in den Niederlanden an die niederländische Bank Van Lanschot Kempen. Der Richtpreis beträgt 28 Millionen Euro, wie einer gemeinsamen Mitteilung der UBS und der niederländischen Bank zu entnehmen ist. Der endgültige Verkaufspreis hängt davon ab, wie viele Vermögen tatsächlich von der UBS zur neuen Eigentümerin wechseln. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2017 abgeschlossen werden. Die Käuferin übernimmt verwaltete Vermögen von 2,6 Milliarden Euro. Allen 37 UBS-Beschäftigten stehe die Möglichkeit offen, zur Bank Van Lanschot Kempen zu wechseln, sagte ein UBS-Sprecher auf Anfrage. Die UBS konzentriere sich bei der Vor-Ort-Betreuung in der Vermögensverwaltung auf grössere Märkte. In kleineren Märkten, wie den Niederlanden, ziehe sich die Grossbank daher Onshore zurück.

KLAGE GEGEN NESPRESSO: (Freiburg) Ethical Coffee Company ECC geht weiter juristisch gegen Nestlé vor. Die Kaffeekapselherstellerin aus dem Wallis hat in den USA den Nahrungsmittelkonzern auf Schadenersatz verklagt. ECC hat die Klage bereits am 1. Februar beim US-Bezirksgericht Delaware eingereicht. ECC klagt Nespresso ein, weil die Nestlé-Tochter mit verschiedenen Methoden die Konkurrenz behindern soll. ECC hat bereits zuvor ähnliche Klagen in der Schweiz und in Frankreich eingereicht. In Frankreich hatte sich ECC bereits 2014 durchgesetzt. Damals musste Nestlé ECC 500'000 Euro Schadenersatz zahlen.

ANZIEHENDE KONJUNKTUR: (Paris) Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD prognostiziert der Schweizer Wirtschaft einen Aufschwung. Sie soll in diesem Jahr um 1,5 Prozent und 2018 um 1,9 Prozent wachsen. Mit dem sich verstärkenden Wachstum sieht die OECD auch den Zeitpunkt gekommen, dass die Schweizerische Nationalbank Ende 2018 die Zinsen anheben und damit die Fehlanreize an den Finanzmärkten und im Immobilienmarkt reduzieren kann. Für die Weltwirtschaft hat die die OECD die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 3,3 auf 3,5 Prozent angehoben.

SINKENDER DEVISENBESTAND: (Zürich) Die Schweizerische Nationalbank hat vermutlich im Mai weniger am Devisenmarkt interveniert als in den Vormonaten. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank haben jedenfalls im vergangenen Monat um 2,9 Milliarden Franken abgenommen. Ebenfalls ein Hinweis auf reduzierte Interventionen der Nationalbank am Devisenmarkt ist die Veränderung der Sichtguthaben der Geschäftsbanken. Diese sind im Mai um rund 4,5 Milliarden Franken angestiegen. In den Monaten zuvor fiel dieses Wachstum noch doppelt so hoch aus.

ZAHNARZT-KETTE WECHSELT BESITZER: (Zürich) Die Jacobs Holding kauft die Zahnarzt-Kette swiss smile. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit den Eigentümerinnen, den Schwestern Haleh und Golnar Abivardi, sowie mit EQT Mid Market geschlossen, wie Jacobs am Mittwoch mitteilte. Über die finanziellen Konditionen der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Swiss Smile mit Hauptsitz in Zürich und wurde 2002 von den Zahnärztinnen und Unternehmerinnen Abivardi gegründet. Die elf Kliniken in der Schweiz bieten das gesamte zahnmedizinische Leistungsspektrum an. Die Jacobs Holding hat im laufenden Jahr im Rahmen des Aufbaus einer europäischen Zahnarzt-Kette bereits Colosseum Smile in Skandinavien und Southern Dental in Grossbritannien gekauft, wie es weiter heisst. Mit der Übernahme von Swiss Smile gehören bereits über 140 Kliniken mit mehr als 650 Zahnärzten zur Gruppe.

VERZICHT AUF NEUBAU: (Basel) Der Agrochemiekonzern Syngenta verzichtet auf die Realisierung eines geplanten Neubaus in Basel. Damit will das Unternehmen rund 30 Millionen Franken einsparen. Bisherige Erneuerungsarbeiten im Hauptsitz auf dem Rosental-Areal sowie die Förderung flexibler Arbeitsmodelle würden den benötigten Raumbedarf decken, heisst es in einer Mitteilung. Nach Angaben einer Mediensprecherin vom Mittwoch hat der Entscheid der Geschäftsleitung keinen Zusammenhang mit der geplanten Übernahme durch ChemChina. Am Standort Basel hat Syngenta gemäss Mitteilung in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 210 Millionen Franken investiert.

WILLKOMMENS-KULTUR: (Bern) Während einige Schweizer Politiker vor einem "Ausverkauf der Schweiz" durch ausländische Investitionen, vor allem aus China, warnen, beschwichtigt Bundesrat Schneider-Ammann. Diese Investitionen seien kein Problem, wenn Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten blieben. "Ausländische Investoren sind in der Schweizer Industrie willkommen, solange sie sich an die Regeln halten und nicht auf kurzfristigen Profit aus sind", erklärte Johann Schneider-Ammann in einem Interview mit der Zeitung "Blick". Was zähle, sei dass die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten blieben. Auf die Frage, ob ein chinesischer Investor die Verlagerung von Arbeitsplätze der Ammann Group ins Ausland hätte verhindern können, betonte der frühere Firmenchef, dass ein solcher Schritt selbstverständlich schmerze. Es habe schlicht keine andere Option mehr gegeben.

GUETZLI-FABRIK ZÜGELT: (Malters LU) Die Wernli-Guetzli werden ab 2021 nicht mehr in Trimbach SO, sondern in Malters LU gebacken. Die Grossbäckerei Hug AG in Malters hat entschieden, den Produktionsstandort an den Hauptsitz des Unternehmens zu verschieben. Die Hug AG teilte mit, sie werde das Werk in Trimbach 2020/21 nach Malters verlegen. Der Hauptstandort könne dadurch mit modernsten Produktionsanlagen ergänzt werden. Gemäss Hug werden in die Zusammenlegung der beiden Fabriken 50 Millionen Franken investiert. Die Hug AG hat total 340 Vollzeitstellen. 126 davon befinden sich in Trimbach, wo 136 Personen arbeiten. Das Unternehmen geht davon aus, dass durch Synergien rund 15 Stellen wegfallen werden.

SINKENDE NACHFRAGE: (Zürich) Die Nachfrage nach Mietwohnungen hat in der Schweiz nachgelassen. Auf Internetplattformen mussten Wohnungen bis zur Vermietung länger ausgeschrieben werden als früher. Die so genannten Insertionszeiten haben sich im Winterhalbjahr 2016/17 gegenüber dem letzten Semester von 32 auf 37 Tage verlängert. Im Vorjahr lag die Insertionszeit noch bei 28 Tagen. Rückläufig war die Nachfrage nach Mietwohnungen in fast allen Städten, wobei sich die Insertionszeiten in Luzern, Bern, Winterthur und Genf deutlich verlängert haben. Nur in Chur und Lugano hat sich die Zeitspanne der Ausschreibungen verkürzt.

KEINE VERÄNDERUNG: (Zürich) Die Digitalisierung hat in der Schweizer Wirtschaft im Zeitraum von 2013 bis 2015 kaum zu Veränderungen beim Personalbestand geführt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Verändert hat sich jedoch in dieser kurzen Zeitspanne die Anforderungen an das Personal. Die Firmen stellen vermehrt Absolventen von Fachhochschulen und Fachschulen sowie Personen mit abgeschlossener Lehre an. Stellen für An- und Ungelernte dagegen haben die Unternehmen reduziert.

SYMBOLISCHER KAUFPREIS: (Madrid) Die spanische Grossbank Santander hat den in finanzielle Schieflage geratenen Konkurrenten Banco Popular Espanol für einen symbolischen Euro übernommen. Wegen des Zukaufs werde das Kapital über die Ausgabe neuer Aktien um sieben Milliarden Euro erhöht, teilte die spanische Grossbank in Madrid mit. Mit dem Geld will die Santander die Kapitallücken der übernommenen Bank stopfen, die zuvor von der EZB als nicht überlebensfähig eingestuft wurde. "Alle Sparer haben weiterhin Zugriff auf alle ihre Einlagen", betonte die EU-Kommission. 2016 verwaltete Popular nach eigenen Angaben Einlagen von insgesamt 96,6 Milliarden Euro. Die Bank sieht sich als führender Kreditgeber für kleine und mittelgrosse Unternehmen in Spanien und zählt knapp 1800 Filialen und fast 12'000 Beschäftigte.

AIR BERLIN BRUCHT SCHÜTZENHILFE: (Frankfurt) Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin benötigt nach Aussagen von Konzernchef Thomas Winkelmann schnell einen Partner. "Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen", sagte Winkelmann in einem Interview mit der "Zeit". "Ich prüfe alles, was für Air Berlin Sinn ergibt und die Arbeitsplätze langfristig sichert." Die Lufthansa mietet bereits einige Flugzeuge samt Crews von Air Berlin und hat offen Interesse an einem Kauf des Restgeschäfts. Allerdings gibt es dafür hohe Hürden wie die Schulden der Berliner Airline. Die Hauptstadtfluglinie steckt seit Jahren in der Krise und flog voriges Jahr einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro. Grossaktionär Etihad hält die Berliner mit Finanzspritzen am Leben. Der miserable Geschäftsgang von Air Berlin führte zu einer Bruchlandung der Schweizer Tochter Belair. Diese wird Ende Oktober liquidiert.

REKORDZEIT OHNE OHNE REZESSION: (Sydney) Mit mehr als einem Vierteljahrhundert ohne Rezession hat Australien mit dem bisherigen Wachstums-Weltrekordhalter Niederlande gleichgezogen. Wie die nationale Statistikbehörde am Mittwoch mitteilte, wuchs die australische Wirtschaft im ersten Quartal des laufenden Jahres um 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass es in der zwölftgrössten Volkswirtschaft der Welt über einen Zeitraum von mindestens 103 Quartalen keine Rezession gegeben hat. Bislang hatten die Niederlande den Rekord alleine gehalten. Experten sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes zwei Quartale hintereinander schrumpft. Dies war in Australien zuletzt in den ersten beiden Quartalen 1991 der Fall.

20 MITARBEITER ENTLASSEN: (San Francisco) Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat nach Ermittlungen zu Vorwürfen von Sexismus und systematischer Diskriminierung 20 Mitarbeiter entlassen. Weitere sieben Angestellte hätten eine "letzte Warnung erhalten" und 31 seien in Schulungen geschickt worden, teilte das Unternehmen mit. Es bestätigte damit entsprechende Berichte in US-Medien. In 57 Fällen seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen worden, hiess es weiter. Insgesamt werden von Uber im Rahmen der von der Wirtschaftskanzlei Perkins Coie durchgeführten Ermittlungen 215 Beschwerden geprüft. Bei 100 geprüften Beschwerden hielt Uber keine Konsequenzen für nötig.

(AWP)