Tagesüberblick Wirtschaft

Montag, 12. Juni 2017
12.06.2017 18:27

IMMOBILIEN IN DEN ALPEN: (Zürich) Wer im Alpenraum eine Ferienwohnung kaufen will, muss dafür in St. Moritz am meisten Geld hinblättern. Dies zeigt eine Studie der UBS, die erstmals den Immobilienmarkt von 25 Top-Ferienorten im Alpenraum der Schweiz, Österreichs, Frankreichs und Italiens analysierte. Pro Quadratmeter bezahlt man in St. Moritz rund 14'000 Franken. Die Destinationen Gstaad und Verbier würden dicht folgen. Ausserhalb der Schweiz muss man im französischen Courchevel am meisten für den Quadratmeter ausgeben, nämlich 12'000 Franken. Das Preisniveau der Ferienwohnungen in der Schweiz ist gemäss der Studie in den letzten Jahren gesunken. In Frankreich und Österreich hingegen seien die Preise in den letzten Jahren noch spürbar gestiegen.

UNDURCHSICHTIGER ROHSTOFFHANDEL: (Bern) Um die Reputationsrisiken der Rohstoffbranche zu verringern, taugen die vorgesehenen Transparenzregeln in der Aktienrechtsrevision laut NGO nicht. Nur vier von 544 Rohstofffirmen müssten demnach Zahlungen offenlegen, wie Analysen von Public Eye und Swissaid ergaben. Zu den heissen Eisen in der Aktienrechtsrevision zählt die Offenlegungspflicht von Geldflüssen für Rohstoffunternehmen. Gemäss der Vorlage sollen wirtschaftlich bedeutende Gesellschaften, die in der Rohstoffförderung tätig sind, Zahlungen ab 120'000 Franken pro Jahr an staatliche Stellen offenlegen müssen. Nächste Woche behandelt die Rechtskommission des Nationalrats die Vorlage.

MEDIEN: (Pratteln) FCB-Präsident und Medienunternehmer Bernhard Burgener hat im Übernahmestreit mit der Münchner Constantin Medien einen neuen Schachzug gemacht. Er will die Münchener Constantin Medien übernehmen. Dazu hat sich die von Burgener kontrollierte Highlight Event and Entertainment AG (HLEE) mit 25 Prozent der Highlight Communications AG beteiligt. Dadurch will Burgener den Aktionären der Constantin Medien AG ein Übernahmeangebot machen können. Bei Constantin Medien schwelt seit längerem ein Machtkampf zwischen Präsident Dieter Hahn und dem Schweizer Aktionär und HLEE-Mehrheitsaktionär Bernhard Burgener, die beide etwa 30 Prozent an dem deutschen Unternehmen halten. Bei Constantin Medien sehe man den heutigen Schritt von Burgener gelassen, sagt Sprecherin Sabine Lais. Sowieso schrieben die Schweizer selber, dass noch kein Übernahmeangebot vorliege und zudem fehle auch ein Finanzierungsbeweis.

MEHR PASSAGIERE: (Zürich) Die Fluggesellschaft Swiss hat im Mai rund 1,43 Millionen Passagiere befördert. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Anzahl Flüge, welche Swiss International Airlines ausführte, ging hingegen zurück. Insgesamt führte die Swiss im Mai rund 12'200 Flüge durch, 4,7 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Die Auslastung der Flüge nahm im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0,8 Prozentpunkte zu und lag im Durchschnitt bei 80,8 Prozent. Die Lufthansa-Gruppe insgesamt beförderte im Mai rund 11,6 Millionen Fluggäste, was einem Plus von 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Die Auslastung stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 79 Prozent.

WENIGER FLÜGE: (Zürich) Die Fluggesellschaft Swiss streicht aufgrund verspäteter Auslieferungen von C-Series-Flugzeugen von Bombardier im Juni und Juli rund 100 Flüge von Zürich nach Lugano und umgekehrt. Eine Swiss-Sprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass es sich um kurzfristige Kapazitätsengpässe handle. Jeweils der letzte Flug abends von Zürich nach Lugano und der erste Flug am Morgen von Lugano nach Zürich müssten gestrichen werden. Alle anderen drei täglichen Verbindungen von Zürich nach Lugano respektive von Lugano nach Zürich finden wie geplant statt. Ab August wird laut der Swiss-Sprecherin Austrian Airlines für die Swiss die temporär gestrichenen Flüge wieder aufnehmen.

WENIGER UMSATZ MIT DVDS UND BLU-RAYS: (Pratteln) DVDs und Blu-rays sind immer weniger gefragt. Der Umsatz der Schweizer Videobranche mit den physischen Bildtonträgern hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Immer beliebter wird hingegen der Online-Abruf von Filmen. Der Umsatz mit DVDs und Blu-Rays sank 2016 um 15,6 Prozent auf 115,4 Millionen Franken. Das zeigen Zahlen des Schweizerischen Video-Verbands (SVV). Die Umsätze mit digitalen Online-Abrufen stiegen um 9,9 Prozent auf 79,5 Millionen Franken. Seit Beginn der Datenerhebung im digitalen Geschäft 2011 habe sich dieser Umsatz mehr als verdreifacht, schreibt der Verband. Insgesamt hat die Schweizer Videobranche mit dem Verkauf und Verleih von Filmen im Jahr 2016 einen Umsatz von 195 Millionen Franken erzielt, 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit wurde der tiefste Wert seit fünf Jahren erreicht.

PANNE BEI SWISSCOM: (Bern) Wegen eines Teilausfalls waren am Montagnachmittag die Businessnummern der Swisscom nicht erreichbar gewesen. Grund für den Ausfall war eine technische Störung. Vom Unterbruch seien sämtliche Businesskunden betroffen gewesen, wie eine Sprecherin der Swisscom auf Anfrage der Nachrichtenagentur sagte. Die Störung dauerte ihren Angaben zufolge von 12 Uhr bis kurz vor 15 Uhr. Konkret konnten die 0800er-Nummern nicht angerufen werden. Darüber laufen in der Regel Hotlines von Unternehmen. Damit war auch das Swisscom Call Center von der Panne betroffen. Auch die 0900-Bezahl-Nummern waren nicht erreichbar.

NEUER AUFTRAG: (Zürich) Die Flugzeugwartungsfirma SR Technics hat einen weiteren Serviceauftrag von Easyjet erhalten. Die ehemalige Swissair-Tochter übernimmt exklusiv Inspektions- und Reparaturdienstleistungen für die in der Airbus-Flotte eingesetzten Schubumkehr-Vorrichtungen. Die Arbeiten für den neuen Dreijahresvertrag würden am Standort Zürich-Flughafen durchgeführt, teilt die zur chinesischen HNA Group gehörende SR Technics mit. Finanzielle Details zum Auftrag werden nicht genannt. Im vergangenen Jahr unterzeichnete SR Technics eine Verlängerung einer bestehenden Wartungskooperationsvereinbarung mit Easyjet in Malta über fünf Jahre, und auch die britische Fluggesellschaft verlängerte mehrere Wartungsvereinbarungen mit SR Technics für eine Reihe von Standorten in Grossbritannien und der Schweiz.

DETAILHANDEL: (Genf) Im Genfer Detailhandel müssen rund 20'000 Angestellte ab Juli einen vertragslosen Zustand befürchten. Gewerkschaften und Arbeitgeber konnten sich nicht auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) einigen. Ab dem 1. Juli gebe es nicht einmal eine Garantie für den Mindestlohn von 3400 Franken pro Monat, sagte Jamal Al-Amine, Gewerkschaftssekretär der Unia, am Montag in Genf vor den Medien. Die Arbeitgeberverbände hätten einen neuen GAV verweigert, weil Unia und die Interprofessionalle Gewerkschaft der Angestellten (SIT) daran gewisse Bedingungen geknüpft hätten. Der Detailhandelsverband (FCG) betont, dass man alles diskutieren könne. "Aber die Gewerkschaften können keine Forderungen stellen, die sie als nicht verhandelbar bezeichnen", sagt FCG-Präsidentin Fabienne Gautier. Sie verlangt vom Kanton Genf, dass er einen Normalarbeitsvertrag erlässt.

GRÜNES LICHT: (Basel) Der Basler Pharmakonzern Roche kann einen Fortschritt bei der Zulassung des Krebsmedikaments Tecentriq (Atezolizumab) vermelden. Die Schweizerische Zulassungsbehörde für Heilmittel (Swissmedic) hat grünes Licht für dessen Zulassung in der Schweiz erteilt. Patienten mit einer bestimmten Form von metastasierendem Lungenkrebs dürfen künftig mit dem Therapeutikum behandelt werden, teilte der Pharmakonzern mit. Es sei die erste und einzige von der Swissmedic zugelassene Anti-PD-L1-Krebsimmuntherapie für metastasierenden nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC). Eingesetzt werden darf das Mittel bei Patienten, die zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten. Wie eine Studie gezeigt habe, überlebten Patienten, die mit Tecentriq behandelt worden waren, im Median 13,8 Monate und damit 4,2 Monate länger als die mit Docetaxel-Chemotherapie behandelten Patienten.

CHEFWECHSEL BEI OPEL: (Frankfurt) Mitten im Verkaufsprozess an den französischen PSA-Konzern hat der Autohersteller Opel seinen Chef ausgewechselt. Der abwanderungswillige Karl-Thomas Neumann trat von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung zurück. Zu seinem Nachfolger bestimmte der Opel-Verwaltungsrat umgehend den bisherigen Finanzchef Michael Lohscheller. Der 56 Jahre alte Neumann soll noch bis zum Abschluss des Verkaufsprozesses Mitglied der Geschäftsführung bleiben, wie die Noch-Tochter des US-Konzerns General Motors am Stammsitz Rüsselsheim mitteilte.

CHEFWECHSEL BEI GENERAL ELECTRIC: (Boston) Der US-Industriekonzern General Electric (GE) bekommt einen neuen Chef. John Flannery, der bisher das Medizintechnikgeschäft des Siemens-Rivalen leitet, wird ab 1. August den Chefposten von Jeffrey Immelt übernehmen. Immelt bleibt noch bis Ende des Jahres Präsident des Verwaltungsrates, bis Flannery auch diesen Posten übernimmt. Der Wechsel an der Führungsspitze sei das Ergebnis des seit einigen Jahren verfolgten Nachfolgeplan des Konzerns, teilte das Unternehmen in Boston mit. Immelt führte den Industrieriesen seit knapp 16 Jahren. In seine Amtszeit fiel die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise, die GE stark belastet hatte.

KATAR BESCHWICHTIGT: (Doha) Regierung und Zentralbank von Katar haben die Finanzmärkte nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch Saudi-Arabien und andere Staaten der Region beruhigt. "Unsere Reserven und Investmentfonds entsprechen mehr als 250 Prozent des Bruttoinlandproduktes", sagte Finanzminister Ali Scherif al-Emadi in einem am Montag ausgestrahlten Interview des US-Fernsehsenders CNBC. "Ich denke deshalb, dass es keinen Grund dafür gibt, besorgt zu sein." Zentralbankchef Scheich Abdullah bin Saud al-Thani erklärte, das es weder bei in- noch bei ausländischen Transaktionen zu Unterbrechungen gekommen sei. Der Kurs der heimischen Währung Riyal stabilisierte sich, nachdem er vorige Woche erheblich unter Abwertungsdruck geraten war. Auch die Kosten für die Absicherung katarischer Staatsanleihen gegen eine Pleite sanken wieder. Eine Gruppe von Staaten um Saudi-Arabien wirft Katar Terrorfinanzierung vor und hat das Land isoliert.

KRÄFTIGER SCHUB: (Ankara) Die Konjunktur in der Türkei zieht unerwartet stark an. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg zwischen Januar und März um fünf Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistikamt mitteilte. Das ist deutlich mehr als das Plus von 3,5 Prozent Ende 2016 und die von Ökonomen erwarteten vier Prozent. Die positiven Daten dürften dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Rückenwind verleihen. Finanzminister Naci Agbai geht nach eigenen Angaben davon aus, dass steigende Konsumausgaben und Steuersenkungen die Konjunktur in den nächsten Quartalen weiter anschieben. Nach dem gescheiterten Putsch im Juli des vergangenen Jahres war die Wirtschaft im dritten Quartal um 1,3 Prozent geschrumpft. Die Regierung sorgte daraufhin für Impulse.

BESSERE AUSSICHTEN: (Berlin) Die OECD und die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) rechnen für Afrika nach einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums im vergangenen Jahr wieder mit einer etwas besseren Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum des Kontinents sackte nach dem am Montag in Berlin vorgestellten Ausblick für Afrika 2016 zwar auf 2,2 Prozent nach 3,4 Prozent im Jahr zuvor ab. Grund waren vor allem die fallenden Rohstoffpreise und die eher moderate Entwicklung der globalen Wirtschaft. Im laufenden Jahr dürfte es mit einem Plus von 3,4 Prozent im Durchschnitt der afrikanischen Länder aber wieder stärker vorangehen. Für das kommende Jahr wird dann eine Beschleunigung des Wachstums auf 4,3 Prozent erwartet. Am kräftigsten wuchs im vergangenen Jahr die Wirtschaftsleistung der Region Ostafrika mit einem Plus von 5,3 Prozent. In Nordafrika ging es um drei Prozent aufwärts. In Westafrika wurde dagegen nur ein Wachstum von 0,4 Prozent erreicht wurde. Auch im Süden des Kontinents legte die Wirtschaft mit 1,1 Prozent unterdurchschnittlich zu.

(AWP)