Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 18. Juli 2017
18.07.2017 17:32

UNTER PREISDRUCK: (Basel) Novartis hat in der ersten Jahreshälfte 2017 unter der Konkurrenz von und bei Nachahmermedikamenten gelitten. Die Konkurrenz von Generika sowie Preissenkungen frassen zusätzlichen Umsatz durch Mehrverkäufe wieder auf. Der Konzern setzte in der ersten Jahreshälfte 23,781 Milliarden Dollar um. In Franken gerechnet ist das 1 Prozent weniger als im Vorjahreshalbjahr, zu konstanten Wechselkursen ein Prozent mehr. Der operative Kerngewinn ging um 5 Prozent zurück. Unter dem Strich blieben mit 3,644 Milliarden Dollar 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Besser lief es aber beim Sorgenkind Alcon. Novartis hat in der Folge die Ganzjahresprognose für die Augensparte angehoben und erwartet neu ein Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

BESCHLEUNIGTES WACHSTUM: (Schindellegi SZ) Der Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im ersten Halbjahr seine Marktanteile in der See- und Luftfracht gesteigert. In der Seefracht wuchs Kühne+Nagel mit einem Volumenanstieg um 7,7 Prozent im ersten Semester schneller als der Markt. In der Luftfracht legte die Tonnage im zweiten Quartal mit 18 Prozent doppelt so schnell zu als der Markt. Der Umsatz erhöhte sich um 8,2 Prozent auf 8,8 Milliarden Franken. Der für den Logistiker wichtige Bruttogewinn (Rohertrag) stieg um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahressemester. Wobei im zweiten Quartal eine Beschleunigung resultierte. Trotz grossen Margendrucks stieg der Betriebsgewinn (EBITDA) um 1,3 Prozent auf 554 Millionen Franken. Der Reingewinn erreichte mit 356 Millionen Franken das Vorjahresniveau.

TOP-INVESTOR IN EU: (Brüssel) 2016 ist die Schweiz das Land gewesen, das am meisten Geld in der Europäischen Union investiert hat. Mit 55 Milliarden Euro verdrängt sie knapp die USA von der Spitzenposition, welche 54 Milliarden Euro investiert hat. Insgesamt sind die Auslandsinvestitionen in der EU aber drastisch eingebrochen. Laut einer ersten Eurostat-Schätzung sanken die Investitionsströme aus dem Ausland in die Europäische Union von 476 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf nur mehr 280 Milliarden Euro 2016. Das ist ein Minus von 41 Prozent. Der Rückgang der US-Investitionen fiel im Jahresvergleich mit einem Minus von 76 Prozent noch deutlicher aus als im Durchschnitt. Hatten die Amerikaner 2015 noch 223 Milliarden Euro in der EU investiert, waren es im Vorjahr nur mehr 54 Milliarden Euro.

TIEFERE HYPOZINSEN: (Zürich) Festhypotheken sind im zweiten Quartal 2017 erneut günstiger geworden. Die Richtzinsen für zehnjährige Laufzeiten sinken um 0,06 Prozentpunkte auf 1,53 Prozent. Trotzdem hat sich deren Nachfrage etwas abgekühlt. Prozent gefallen. Das teilte Comparis.ch in seinem Hypotheken-Barometer mit. Dazu hat der Internet-Vergleichsdienst die Richtzinssätze von rund 70 Kreditinstituten ausgewertet. Die fünfjährigen Festhypotheken haben sich demnach wenig verändert, sie stagnierten bei rund 1,1 Prozent.

VERLUSTE IM JUNI: (Zürich) Die Schweizer Pensionskassen haben in der ersten Jahreshälfte eine Rendite von 3,67 Prozent erwirtschaftet. Das ist bereits höher als die Gesamtrendite des letzten Jahres von 3,53 Prozent. Im Juni gab es aber erstmals seit Oktober 2016 wieder Verluste. Diese lagen im Schnitt nach Gebühren bei 0,39 Prozent, wie die UBS in ihrem Pensionskassen-Performance Bericht mitteilte. Auslöser für die Verluste waren die Aussichten auf steigende Zinsen, weil sich verschiedene Zentralbanker zuversichtlich äusserten angesichts der rosigen Aussichten für die Weltwirtschaft. Die Anleger erwarteten eine baldige Straffung der geldpolitischen Zügel und die Marktzinsen stiegen tatsächlich. Das wiederum belastete die globalen Anleihe- und Aktienmärkte, die beiden grössten Posten in Schweizer Pensionskassenportfolios.

LOGIERNÄCHTE IN PARAHOTELLERIE: (Neuenburg) Auf Campingplätzen, in Jugendherbergen und in kommerziell bewirtschafteten Ferienwohnungen in der Schweiz sind von Januar bis März 4,7 Millionen Logiernächte verzeichnet worden. 3,4 Millionen oder 72,1 Prozent der Übernachtungen gingen laut Bundesamtes für Statistik (BFS) auf das Konto von inländischen Gästen. In den ersten drei Monaten des Jahres verbuchten die Campingplätze 86'000 Logiernächte, rund 12 Prozent weniger als im ersten Quartal 2016. Die sogenannten Kollektivunterkünfte (Jugendherbergen, Lagerhäuser etc.) verzeichneten 1,4 Millionen Übernachtungen, im Vorjahresquartal waren es knapp 1,5 Millionen. Kommerziell bewirtschaftete Ferienwohnungen erzielten 3,2 Millionen Logiernächte, im Vergleich zu rund 3,1 Millionen im letzten Jahr.

WENIGER FILIALBESUCHE: (Zürich) Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte immer häufiger über die digitalen Kanäle. Das bekommen die Credit-Suisse-Filialen wie andere Banken auch zu spüren: Jährlich nimmt die Kundenfrequenz laut CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein um fünf bis acht Prozent ab. Vorläufig will die Grossbank Filialschliessungen dennoch in "bescheidenem Rahmen" halten. "Wir wollen in den Regionen präsent sein", sagte Gottstein in einem Interview in der "Basler Zeitung". Aber die Branche sei mit einem veränderten Kundenverhalten konfrontiert. Langfristig zuverlässige Aussagen zu treffen, sei deshalb schwierig.

GEDÄMPFTE EINKAUFSLUST: (Zürich) Chinesische Investoren sind weiterhin auf Firmen-Shoppingtour in Europa. Nach dem Rekordjahr 2016 hat sich ihre Einkaufslust im ersten Halbjahr 2017 allerdings gedämpft. Auch in Zukunft werden weniger Unternehmenskäufe erwartet. Diese sollen dafür nachhaltiger werden. Die Zahl der chinesischen Transaktionen in Europa ist gegenüber dem Vorjahressemester um einen Drittel zurückgegangen, wie eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY zeigt. Im ersten Semester 2017 wurden noch 117 Übernahmen, Beteiligungen und Fusionen verzeichnet. Im Vorjahressemester waren es 176 Deals. Das Volumen erreichte 26,3 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum wurde mit einem Rekordwert von 73 Milliarden Dollar fast dreimal so viel investiert.

WENIGER KATASTROPHENSCHÄDEN: (München) Die Erde ist in der ersten Jahreshälfte weniger von schweren Naturkatastrophen in Mitleidenschaft gezogen worden als im langjährigen Durchschnitt. Das zeigen Daten des Rückversicherungskonzerns Munich Re. Die weltweiten Schäden summierten sich demnach von Anfang Januar bis Ende Juni auf die vergleichsweise geringe Summe von 41 Milliarden US-Dollar. Das war weniger als die Hälfte Schäden in Höhe von 111 Milliarden Dollar, die in der ersten Jahreshälfte 2016 angefallen waren. Erst kürzlich richteten mehrere heftige Unwetter auch in der Schweiz enorme Schäden an. Besonders betroffen waren dabei die Kantone Aargau, Bern und Solothurn. In der Region Zofingen AG entstand dabei ein Millionenschaden.

KRÄFTIGE STEIGERUNG: (Charlotte) Die Bank of America hat im zweiten Quartal dank eines starken Geschäfts mit Privatkunden deutlich mehr verdient. Unterm Strich blieb konzernweit ein Gewinn von 5,3 Milliarden US-Dollar hängen und damit 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen aus dem wichtigen Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen schrumpften um 14 Prozent; der Handel mit Aktien ging indes um 3 Prozent hoch. Die anderen Bereiche stopften die Lücke: Neben dem Privatkunden-Geschäft waren dies das Beratungsgeschäft sowie die Vermögensverwaltung. Die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - stiegen so um 7 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar.

STAGNIERENDER GEWINN: (New York) Goldman Sachs hat im zweiten Quartal so stark wie kaum eine andere US-Grossbank unter den ruhigen Kapitalmärkten gelitten. Die Einnahmen aus dem wichtigen Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen schrumpften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent und damit noch stärker als von Experten erwartet. Dank eines besser laufenden Aktiengeschäfts konnte die Investmentbank ihren Gewinn aber bei 1,8 Milliarden US-Dollar halten. Die konzernweiten Erträge - also die gesamten Einnahmen - fielen bei Goldman Sachs leicht um 1 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar. Anders als Universalbanken verfügt die Investmentbank Goldman Sachs über kein klassisches Privatkundengeschäft, das Einbussen abfedern könnte. Sie konzentriert sich auf den Kapitalmarkt, grosse Firmenkunden und Wohlhabende.

UNTER DEN ERWARTUNGEN: (Berlin) Europas grösster Online-Modehändler Zalando hat seinen Umsatz im Frühjahrsquartal nicht so stark wie erwartet gesteigert. Der Erlös kletterte von April bis Juni etwa 20 Prozent auf höchstens 1,11 Milliarden Euro. Zalando gibt das Wachstum in einer Spanne zwischen 19 und 21 Prozent an, zwischen 1,09 Milliarden Euro und 1,11 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag zwischen 80 und 86 Millionen Euro, was einer Marge von 7,3 bis 7,8 Prozent entspricht. Für das Gesamtjahr strebt Zalando weiter ein Plus zwischen 20 und 25 Prozent an.

TIEFROTE ZAHLEN: (Stockholm) Beim schwächelnden Telekomausrüster Ericsson laufen die Geschäfte angesichts scharfer Konkurrenz und schwächerer Nachfrage in Schwellenländern noch schlechter als gedacht. Der schwedische Rivale von Nokia und Huawei rutschte im Frühjahr tiefer als erwartet in die Verlustzone und enttäuschte auch beim Umsatz. Zudem kassierte Ericsson seine Prognose für die Entwicklung des Gesamtmarkts und erwartet nun einen noch stärkeren Rückgang als bislang schon. Im operativen Geschäft wiesen die Schweden im zweiten Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Kronen (rund 138 Millionen Franken) aus. Vor Jahresfrist hatten noch 2,8 Milliarden Kronen Gewinn in den Büchern gestanden. Der Umsatz sackte um acht Prozent ab und lag mit 49,9 Milliarden Kronen um 600 Millionen Kronen unter den Prognosen.

MEHR GEWINN: (New Brunswick) Eine starke Nachfrage nach neuen Produkten lässt beim US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) die Zuversicht steigen. Im zweiten Quartal hat das Unternehmen seinen bereinigten Gewinn stärker als erwartet gesteigert und seine Ziele für das Gesamtjahr angehoben. Von April bis Juni legte der bereinigte Gewinn um gut drei Prozent auf rund fünf Milliarden Dollar zu. Zuwächse verbuchte J&J vor allem im Geschäft mit Medizintechnik und Konsumgütern. Konzernweit setzte J&J 18,8 Milliarden Dollar um, ein Plus von knapp zwei Prozent. Für 2017 rechnet der Hersteller von Produkten wie Penaten-Babypflege, o.b.-Tampons und Listerine-Mundwasser nun mit einem Umsatz von 75,8 bis 76,1 Milliarden Dollar.

IN EINKAUFSLAUNE: (Nürnberg/Paris) Der Wahlerfolg von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beflügelt laut Daten von Marktforschern die Konsumlaune seiner Landsleute. Im Juni stieg der entsprechende Indikator für die Konjunkturerwartung auf 49,1 Punkte - und damit auf den höchsten Stand seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 1986. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte der Wert um 48,6 Zähler zu und gegenüber dem Ende des ersten Quartals 2017 um 37,9 Punkte, wie das Marktforschungsinstitut GfK mitteilte. Auch ihre künftige Finanzlage bewerten die Konsumenten in Frankreich optimistischer als zuvor.

TIEFERE INFLATIONSRATE: (London) Rund ein Jahr nach dem Brexit-Votum ebbt die Inflation auf der Insel etwas ab und liefert der Notenbank kaum Argumente für höhere Zinsen. Die Teuerungsrate lag im Juni bei 2,6 Prozent, wie das Statistikamt ONS am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem Anstieg von 2,9 Prozent gerechnet, nachdem die Preise im Mai im selben Tempo geklettert waren. Die Teuerung erreichte damals fast ein Vier-Jahres-Hoch. Dass sie nun niedriger ausfiel, liegt vor allem an den gefallenen Ölpreisen. Die Inflation ist schon seit längerem höher, als es der Notenbank lieb ist. Diese strebt eine Rate von zwei Prozent an. Für Preisauftrieb hat insbesondere die starke Pfund-Abwertung nach dem Anti-EU-Referendum gesorgt.

BREXIT BREMST: (London) Londons Wirtschaft bekommt Ökonomen zufolge die Brexit-Planungen bereits zu spüren. Diese belasten dort den Immobilienmarkt und bremsen den Stellenaufbau, wie aus einer Studie der Denkfabrik Centre of London hervorgeht. Die Arbeitslosenquote liege zwar mit 5,5 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 25 Jahren. Aber die Schaffung von Jobs habe sich verlangsamt. Zudem sei die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer, die eine Lohnsteuerregistrierung beantragen, binnen Jahresfrist um 15 Prozent eingebrochen.

RÜCKSCHLAG FÜR OPEC: (Caracas) Das Ölkartell OPEC hat einen weiteren Rückschlag erlitten beim Versuch, die weltweiten Ölpreise anzuheben. Mit Ecuador kündigte erstmals seit einer im November beschlossenen gemeinsamen Förderkürzung ein Mitgliedsland der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) seinen Ausstieg aus der Vereinbarung an. Man werde das Versprechen nicht einhalten können, die Ölproduktion um 26'000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag auf 522'000 Barrel zu senken, sagte Ecuadors Ölminister Carlos Perez dem Fernsehsender Teleamazonas. Als Grund für den Ausstieg aus der Förderkürzung nannte Perez die leere Staatskasse. Zwar steht das südamerikanische Land nur für einen relativ kleinen Teil der OPEC-Produktion - allein die Produktion Saudi-Arabiens beträgt nach Angaben des Kartells etwa das 20-fache. Experten warnen jedoch vor einem Dominoeffekt, falls andere Länder folgen sollten.

MIT BREMSSPUREN: (Milwaukee) Der US-Motorradhersteller Harley-Davidson bekommt zu spüren, dass seine Kunden in die Jahre kommen. Die Nachfrage nach den Maschinen sinkt, Umsatz und Gewinn gehen zurück. Für das Gesamtjahr rechnet das Traditionsunternehmen mit Sitz in Milwaukee nur noch mit dem Verkauf von 241'000 bis 246'000 Maschinen. Im Vorjahr waren es noch mehr als 260'000, vor einem Jahrzehnt fast 350'000. Im zweiten Quartal verdiente der Marktführer bei Motorrädern in den USA unter dem Strich knapp 260 Millionen Dollar, 20 Millionen weniger als vor Jahresfrist. Der Umsatz sank um 5,6 Prozent auf 1,58 Milliarden Dollar.

(AWP)