Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 26. Juli 2017
26.07.2017 17:17

GEWINNSPRUNG: (Zürich) Trotz des Chefwechsels und des Schattens der Syrien-Affäre klingeln bei LafargeHolcim die Kassen: Obwohl der Umsatz schrumpfte, hat sich der Konzerngewinn im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Unter dem Strich fuhr der grösste Zementkonzern der Welt einen Reingewinn von 1,15 Milliarden Franken ein, nachdem im Vorjahr lediglich 452 Millionen erzielt worden waren. Den grössten Teil zur Steigerung trugen Verkäufe von Geschäftsbereichen bei, die über 300 Millionen in die Kasse spülten. Zudem war das Vorjahresergebnis erheblich mehr durch Kosten für die Fusion der Schweizer Holcim mit der französischen Lafarge sowie weitere Sondereffekte belastet gewesen. Aber auch ohne diese Effekte stieg der wiederkehrende Konzerngewinn von 657 Millionen auf 824 Millionen Franken gestiegen. Als Folge der Verkäufe von Geschäftsteilen sank der Umsatz um 6,5 Prozent auf 12,5 Milliarden Franken.

FRISCHE-KUR FÜR AVEC: (Muttenz BL) Der Kiosk-Konzern Valora hat im ersten Halbjahr den Gewinn gesteigert und die Voraussetzung für weitere Expansionsschritte geschaffen. In den letzten Jahren habe man vor allem an den Kiosken gearbeitet, sagte Konzernchef Michael Müller im Rahmen einer Telefonkonferenz. Jetzt werde das Augenmerk auf eine Modernisierung der Avec-Läden gelegt. Ein weiterer Schwerpunkt ist Brezelkönig. Mit Brezelkönig soll unter anderem in Österreich und Frankreich weiter expandiert werden. Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen trotz eines leicht rückläufigen Umsatzes eine verbesserte Gewinnsituation als Grundlage für weitere Expansionsschritte. Der Umsatz lag bei knapp über einer Milliarde Franken, ein Minus von 3,2 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. In lokalen Währungen liegt der Rückgang bei 2,6 Prozent.

LONZA AUF WACHSTUMSKURS: (Basel) Der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza ist in der ersten Jahreshälfte kräftig gewachsen. Dank der übernommenen US-Firma Capsugel soll das so weitergehen: Bis 2022 will das Unternehmen seinen Jahresumsatz auf 7,5 Milliarden Franken treiben. Ohne Capsugel hat Lonza von Januar bis Juni 2017 den Umsatz um 15,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken gesteigert. Davon blieben 373 Millionen Franken als Betriebsgewinn (EBIT); das sind 27,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich stand ein Reingewinn von 233 Millionen Franken zu Buche, was ein Plus von einem Fünftel bedeutet. Für ein neues Angebot an die Pharma- und Biotechkunden (Ibex) baut der Konzern zudem am Standort Visp aus und stellt entsprechend dort mehrere hundert neue Arbeitsplätze in Aussicht.

GEWINNMINUS BEI SYNGENTA: (Basel) Der Agrochemiekonzern Syngenta hat im ersten Halbjahr 2017 13 Prozent weniger verdient. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 928 Millionen Dollar, nach einer Milliarde im Vorjahreshalbjahr. Der operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) gab nach um 5 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Zudem drückten widrige Wetterbedingungen und Rohstoffpreise auf den Umsatz der gerade vom chinesischen Konzern ChemChina übernommenen Firma. Insbesondere in Lateinamerika konnte Syngenta weniger absetzen. Die Einnahmen sanken insgesamt um 2 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar.

VERLUST ERWARTET: Die Investmentspezialisten der UBS rechnen damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im zweiten Quartal einen Verlust ausweisen wird. Belastet wird das Ergebnis vor allem vom schwachen Dollar. Laut dem neusten Report des UBS Chief Investment Office dürfte die SNB bei ihrer Ergebnispräsentation am kommenden Montag für die Monate April bis Juni einen Verlust von 2 bis 6 Milliarden Franken ausweisen. Zwar stützte der stärkere Euro das Halbjahresergebnis der SNB, allerdings wurde dies durch den schwächeren Dollar gegenüber dem Franken mehr als kompensiert, wie die UBS am Mittwoch schreibt. Zudem laste die gute Stimmung an den Finanzmärkten auf dem Goldpreis.

CALIDA MIT MEHR PROFIT: (Sursee LU) Calida hat den Gewinn im ersten Halbjahr stark gesteigert. Der Betriebsgewinn stieg um 18,3 Prozent auf 5,8 Millionen Franken, der Reingewinn gar um 70,8 Prozent auf 5,9 Millionen Franken. Dies liegt auch daran, dass Calida ein deutlich höheres Finanzergebnis ausweist als zur Jahresmitte 2016 und die Ertragssteuern halbieren konnte. Die Fokussierung auf den Onlinehandel zahlt sich laut dem Kleider- und Wäschehersteller aus. Der rückläufige Detailhandel und der starke Franken machen Calida aber immer noch zu schaffen: Der Umsatz ging um 1,9 Prozent auf 175,6 Millionen Franken zurück.

BANKER GESUCHT: Die Nachfrage nach Bankspezialisten hat sich seit Jahresbeginn stark erhöht. Besonders viele ausgeschriebene Stellen gibt es für Investmentbanker und IT-Spezialisten. Zu diesem Ergebnis kommt der neuste Swiss Job Index des Personalberatungsunternehmens Michael Page. So nahm die Zahl der Stellenangebote für Investmentbanker von Januar bis Juni um mehr als 30 Prozent zu, jene für IT-Spezialisten um knapp 26 Prozent. Auch Analysten, Privatbanker und Versicherungsspezialisten sind gefragt. Gerade im Informatikbereich habe sich die Nachfrage nach Spezialisten aufgrund wichtiger Regulierungsprogramme wie FATCA und MiFID II zusätzlich erhöht, wird Nicolai Mikkelsen, Direktor von Michael Page, in einer Mitteilung zitiert.

KUNDENDATEN ERBEUTET: (Mailand) Die italienische Grossbank Unicredit ist Ziel eines Hackerangriffs geworden. Die Angreifer hätten über einen Dienstleister Zugang zu bestimmten Daten im Zusammenhang mit Krediten erhalten, erklärte das Geldhaus in Mailand. Rund 400'000 Kunden in Italien dürften betroffen sein. Demnach könnten persönliche Angaben sowie Kontonummern gestohlen worden sein. Passwörter, die einen Zugriff auf Kundenaccounts oder Transaktionen erlaubten, seien indes nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, hiess es weiter. Die Bank erklärte, eine eigene Untersuchung gestartet sowie die Behörden informiert zu haben.

MILLIONENSTRAFE FÜR APPLE: (Madison) Apple soll nach einem verlorenen Patentstreit mit einer US-Universität gut eine halbe Milliarde Dollar zahlen. Der zuständige Richter erhöhte die Summe von 234 auf 506 Millionen Dollar, weil Apple nach dem Urteil im Jahr 2015 das Patent weiterhin verletzt habe, bis es Ende 2016 auslief. Bei dem Patent der University of Wisconsin geht es um eine Technologie, die Chips effizienter machen soll. Apple entwickelt für seine Mobil-Geräte bereits seit einiger Zeit eigene Prozessoren auf Basis von Technologie des Chipdesigners ARM. Die Klage aus dem Jahr 2014 betraf Apples Chips in dem iPhone 5s, dem iPhone 6 und diversen iPads. Spätere Gerätegenerationen nahm die Universität mit einer weiteren Klage ins Visier.

GUTE ZAHLEN BEI DAIMLER: (Stuttgart) Der deutsche Autobauer Daimler legt trotz der Debatten um Diesel-Manipulationen und Fahrverbote weiter kräftig zu. Grund ist vor allem der zuletzt starke Auto-Absatz bei Mercedes-Benz. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf rund 41,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Daimler rund 2,51 Milliarden Euro - nach 2,45 Milliarden im zweiten Quartal 2016. Doch der Erfolg wird von Dieselbetrugs- und Kartellvorwürfen überschattet. "Wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Präsentation der Halbjahresbilanz.

IMAGEPROBLEME IN CHINA: (Seoul) Hyundai bekommt seine Schwierigkeiten in China nicht in den Griff. Weiter rückläufige Verkaufszahlen in der Volksrepublik trugen massgeblich dazu bei, dass sich der Reingewinn des südkoreanischen Autobauers im zweiten Vierteljahr auf umgerechnet rund 693 Millionen Franken (817 Milliarden Won) halbierte. Der Konzern legte damit bereits das 14. Quartal in Folge beim Gewinn den Rückwärtsgang ein. In China hat Hyundai vor allem mit Image-Problemen zu kämpfen. So ächzt das Unternehmen auf seinem grössten Markt weiter unter den Folgen von Boykottaufrufen gegen südkoreanische Marken, mit denen die Pekinger Führung auf die Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems in Südkorea reagierte.

PEUGEOT RENTABEL WIE NIE: (Paris) Kurz vor der Übernahme von Opel zeigt sich der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen so rentabel wie noch nie. Die operative Marge habe im Kerngeschäft der Fahrzeugproduktion im ersten Halbjahr einen historischen Höchststand erreicht, erklärte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon. Die Kennziffer stieg auf 7,3 von zuletzt 6,8 Prozent. Dem Unternehmen sei es gelungen, mit höheren Preisen schwächere Absatzzahlen in Europa und China mehr als auszugleichen. Unter dem Strich fuhr der Autohersteller mit einem Gewinn von 1,26 Milliarden Euro 3,6 Prozent mehr ein als in der ersten Jahreshälfte 2016. Der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 29,2 Milliarden Euro.

NAHRUNGSMITTEL: (Atlanta) Hohe Sonderkosten haben den Gewinn des US-Getränkeriesen Coca-Cola im zweiten Quartal einbrechen lassen. Verglichen mit dem Vorjahreswert schrumpfte der Überschuss um 60 Prozent auf 1,37 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro). Eine hohe Einmalbelastung wegen der Neuaufstellung des Abfüllgeschäfts und der starke Dollar, der Auslandseinnahmen nach Umrechnung in US-Währung drückte, hinterliessen tiefe Spuren in der Bilanz, wie der Pepsi-Rivale mitteilte. Die Erlöse schrumpften um 16 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. Auf bereinigter Basis erzielte Coca-Cola nach eigenen Angaben ein Umsatzwachstum von drei Prozent.

LUFTFAHRT: (Chicago) Der US-Flugzeugbauer Boeing hat nach überraschend guten Geschäften im zweiten Quartal seine Gewinnziele für das Gesamtjahr angehoben, wie der Airbus-Rivale in Chicago mitteilte. Im zweiten Quartal sank der Umsatz um acht Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand jedoch ein überraschend hoher Gewinn von knapp 1,8 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) - deutlich mehr als erwartet. Ein Jahr zuvor hatten Probleme mit drei Flugzeugtypen das Unternehmen mit 234 Millionen Dollar in die roten Zahlen gerissen.

ADOBE STELLT FLASH EIN: (San Francisco) Die Zeit der oft kritisierten Multimedia-Software Flash läuft in rund dreieinhalb Jahren ab. Der Softwarekonzern Adobe wird sie ab Ende 2020 nicht mehr weiterentwickeln und verbreiten. Das kündigte Adobe in der Nacht an. Flash war in den frühen Jahren des Web sehr weit verbreitet, wenn es um Videos, Spiele oder Grafiken und 3D-Ansichten ging. Doch die Software wies auch immer wieder Sicherheitslücken auf und wurde als ineffizient kritisiert.

NUR NOCH E-AUTOS ERLAUBT: (London) Grossbritannien will ab 2040 den Verkauf von Diesel-Fahrzeugen und Benzinern verbieten. Die Emissionen und der Schaden für die Umwelt seien zu gross, sagte Umweltminister Michael Gove dem Sender BBC. Zum Klimaschutz sollten auch Hybrid-Autos, die sowohl über einen Elektro- als auch über einen Benzin- oder Dieselmotor verfügen, nicht mehr zugelassen werden, berichtete die "Times". Auf britischen Strassen seien dann nur noch Elekroautos erlaubt. Auch Frankreich plant ein Verbot von Diesel- und Benzinautos ab 2040. Nach Einschätzung von Experten wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin unter dem Druck schärferer Klimavorschriften im kommenden Jahrzehnt sinken.

(AWP)