Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 9. August 2017
09.08.2017 17:48

PASSAGIERREKORD: (Zürich) Die Swiss hat auch im Juli ihren Steigflug fortgesetzt und einen neuen Passagierrekord aufgestellt. Insgesamt flogen 1,66 Millionen Menschen mit der Schweizer Fluggesellschaft. Damit geht der Juli als absoluter Spitzenmonat in die Annalen der Lufthansa-Tochter ein. So viele Reisende konnte die Swiss noch nie in einem Monat an Bord begrüssen. Der bisherige Rekord aus dem Juli des Vorjahres wurde um 0,7 Prozent übertroffen. Seit Anfang Jahr hat die Swiss 9,7 Millionen Passagiere befördert. Dies ist ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem selben Vorjahreszeitraum und ebenfalls eine neue Bestmarke. Im langfristigen Vergleich ist der Steigflug der Swiss eindrücklich. Von Januar bis Juli 2017 sind mit der Schweizer Airline schon mehr Passagiere geflogen als im ganzen Jahr 2005. Damals beförderte die Swiss 9,6 Millionen Reisende.

FRANKEN WERTET AUF: (Bern) Das Säbelrasseln zwischen Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump treibt die Anleger in den Franken. Am Mittwoch wertete die Währung zum Euro um bis zu 1,6 Prozent auf. "Wie üblich in unsicheren Zeiten laufen die Anleger sichere Häfen an", sagte ein Händler. Ein Euro kostete am Mittwochnachmittag zwischenzeitlich nur 1,126 Franken. 24 Stunden zuvor mussten Anleger noch mehr als 1,5 Franken bezahlen. In den letzten Monaten hatte der Franken, angetrieben von der Konjunkturerholung im Euroraum, allerdings stark an Wert verloren. Seit Ende April beträgt das Minus zum Euro noch immer mehr als 6 Prozent.

ENERGIEDIENST KAUFT WINSUN: (Laufenburg BL/Steg VS) Die Energiedienst Holding verstärkt sich im Bereich Photovoltaik und übernimmt 51 Prozent der Aktien des Oberwalliser Start-Up-Unternehmens Winsun. Die Kernkompetenzen von Winsun mit Sitz in Steg und rund 70 Mitarbeitenden seien Projektentwicklung, Ingenieurarbeiten sowie Vertrieb und Marketing von Photovoltaikanlagen. Winsun biete intelligente und nachhaltige Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und verfüge über grosse Kompetenz in einem Geschäftsbereich, der Zukunftspotenzial habe, teilte Energiedienst mit. Angaben zum Kaufpreis machte Energiedienst nicht. Derzeit hat Winsun zwei Altaktionäre, die Gründer (75 Prozent) sowie die Inretis Holding AG (25 Prozent). Energiedienst erwirbt von den Gründern 36 Prozent und von Inretis 15 Prozent der Aktien.

TODESFALL: (Zürich) Der ehemalige Chef der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), Heinz Wuffli, ist am 4. August im Alter von 90 Jahren gestorben. Wuffli wurde bekannt, als er vor 40 Jahren in den Strudel des "Chiasso-Skandals" geriet und zurücktreten musste. Nach zehn Jahren in der Generaldirektion der Bank war Wuffli Anfang März 1977 zum Präsidenten der Generaldirektion ernannt worden. Kurz danach platzte der "Chiasso-Skandal". Die Verantwortlichen der SKA-Filiale in Chiasso hatten ein System geschaffen, um 2,2 Milliarden Franken an Fluchtgeldern aus Italien zu waschen und wieder wieder in Italien zu reinvestieren. Das System brach Mitte April 1977 zusammen und hinterliess einen Riesenschaden. Als Folge des Skandals musste Heinz Wuffli kurz darauf zurücktreten. Er übernahm die formale Verantwortung für die Verluste durch die kriminellen Machenschaften in der Filiale Chiasso.

PROTESTAKTION BEI NOVARTIS: (Basel) Mehrere Dutzend Personen haben über Mittag vor dem Novartis-Hauptsitz in Basel gegen Entlassungen im Zuge eines Stellenabbaus protestiert. Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft Unia. Anlass der Aktion war die Überreichung einer Petition mit 1165 Unterschriften an die Geschäftsleitung, wie die Unia mitteilte. Gemäss einem Unia-Sprecher nahmen rund 30 Personen teil, zumeist Angestellte. Die Petition fordert, dass der angekündigte Abbau von 500 Stellen in Basel ohne Entlassungen abgewickelt werden soll. In einer Stellungnahme schreibt Novartis von "intensiven und konstruktiven Konsultationsgesprächen", die in den letzten gut zwei Monaten mit den internen Mitarbeitendenvertretungen und den Mitarbeitenden geführt worden seien. Auch für das Unternehmen sei ein Ziel, "Entlassungen möglichst zu vermeiden", doch könne es solche "aus heutiger Sicht nicht ausschliessen".

KEINE BEWERBUNG: (Zürich) Die Finanzdienstleisterin SIX ist noch immer auf der Suche nach einem Nachfolger für CEO Urs Rüegsegger. Klar ist nun, dass der Neue nicht Christoph Landis heissen wird. Der Chef der Schweizer Börse wird sich nicht für den per Anfang 2018 offenen Posten als Gruppen-CEO bewerben. "Nicht weil der Job nicht interessant wäre, doch ich bin gerade einmal zwei Jahre Börsenchef", sagte Landis in einem Interview mit "Finanz und Wirtschaft". Er habe noch lange nicht alles erreicht, was er möchte, und der Schritt käme für ihn viel zu früh. Einer der grössten Verdienste Rüegseggers sei es, aus drei Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Systemen und Kulturen ein Unternehmen gemacht zu haben, sagte Landis weiter.

LUKRATIVES LIZENZABKOMMEN: (Basel/Menlo Park) Der Pharmakonzern Roche ist mit dem US-Unternehmen Dermira eine Lizenzvereinbarung eingegangen. In deren Rahmen lizenziert Roche einige weltweite Rechte an seinem Asthma-Produktkandidaten Lebrikizumab an Dermira aus. Dermira wird den Kandidaten vor allem in der Behandlung von atopischer Dermatitis prüfen, während Roche einige Lizenzrechte an dem Produkt weiterhin behält. Das US-Unternehmen leistet zunächst eine Einmalzahlung an Roche in Höhe von 80 Millionen Dollar, wie Dermira mitteilte. Bei Erreichen bestimmter Meilensteine würden weitere Zahlungen an Roche in Höhe von 40 Millionen Dollar fällig und im Falle eine Phase-III-Programms nochmals 210 Dollar. Sollte diese erfolgreich sein und Dermira das Mittel auf den Markt bringen, könnten Roche Umsatz-Meilensteine von etwas mehr als einer Milliarde Dollar zufliessen.

EINEN SCHRITT WEITER: (Stans NW) Ein weiteres Puzzle-Teil des neuen Düsenfliegers PC-24 der Pilatus Flugzeugwerke sitzt: Die US-Herstellerfirma Williams hat Zulassungen für die Triebwerke erhalten und mit der Serienlieferung begonnen. Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) sowie die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hätten die Typen- und Produktionszertifizierung für die FJ44-4A-QPM Triebwerke vergeben, teilte der US-Konzern Williams International mit. Zwei dieser Zweistrom-Turbinen-Luftstrahltriebwerke kommen im neuen Businessjet der Stanser Firma Pilatus zum Einsatz. Es handle sich dabei um einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Zulassung für das gesamte Flugzeug, heisst es bei Pilatus auf Anfrage. Man erwarte die Zertifizierung des Jets für das vierte Quartal 2017.

KAHLSCHLAG BEI HANDY-ZULIEFERER: (Tokio) Der unter Druck geratene Handydisplay-Hersteller Japan Display entlässt knapp ein Drittel seiner Mitarbeiter. Dies sei die letzte Chance auf eine Kehrtwende, sagte der Chef des japanischen Unternehmens, Nobuhiro Higashiiriki. Rund 3700 Mitarbeiter müssen den Konzern verlassen, die meisten davon in den Fabriken im Ausland. Japan Display war 2012 aus einem Zusammenschluss der LCD-Sparten von Hitachi, Toshiba und Sony entstanden. Das seit Jahren defizitäre Unternehmen hinkt jedoch der Konkurrenz hinterher, die früher bei der Herstellung von Displays auf die OLED-Technik mit organischen Leuchtdioden setzte anstatt wie Japan Display bislang auf Flüssigkristallbildschirme (LCD). Auf teuren Smartphones kommt zunehmend die OLED-Technik zum Einsatz, die unter anderem für ein schärferes Bild sorgt.

STEIGENDE PRODUKTIVITÄT: (Washington) Die Produktivität der US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker gestiegen als erwartet. Sie legte zum Vorjahr um 1,2 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium in Washington auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das ist der stärkste Zuwachs seit zwei Jahren. Experten hatten lediglich einen Anstieg der Produktion je Arbeitsstunde von 0,7 Prozent erwartet. Die Lohnkosten je produzierter Einheit (Lohnstückkosten) - ein Massstab für den Einfluss der Löhne auf die Inflation - sanken hingegen um 0,2 Prozent. Dies dürfte Wasser auf die Mühlen von Gegnern einer weiteren Zinserhöhung in den USA sein. Die Notenbank Fed hat zwar ihr Ziel Vollbeschäftigung erreicht. Die unerwünscht niedrige Inflation bereitet ihr jedoch noch Kopfzerbrechen. Eine geldpolitische Straffung im Dezember halten Händler daher derzeit nicht für wahrscheinlich.

SANTANDER VERKAUFT IMMOBILIEN: (Madrid) Die spanische Grossbank Santander hat für zehn Milliarden Euro Grundstücke, Häuser, Wohnungen und Hotelgebäude an den US-Investor Blackstone verkauft. Der grösste Immobiliendeal in der spanischen Geschichte folgt der Übernahme der maroden Banco Popular durch das grösste Geldhaus des Landes. Das Portfolio war ursprünglich rund 30 Milliarden Euro wert gewesen, wegen der Immobilienkrise der vergangenen Jahren war der Wert allerdings massiv nach unten gegangen. Inzwischen erholen sich die spanische Bauwirtschaft und der Häusermarkt wieder. Auch ausländische Investoren sind auf der iberischen Halbinsel wieder aktiv. Sie standen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Madrid bereits 2015 wieder für rund ein Drittel der Gesamtinvestitionen in dem Sektor in Höhe von 22 Milliarden Euro.

DISNEY MIT EIGENEM STREAMINGDIENST: (Burbank) Disney sucht in einer Strategiewende den direkten Draht zum TV-Zuschauer. Im Heimatmarkt wird der Exklusiv-Deal mit Netflix gekappt, 2019 soll es einen eigenen Streamingdienst für Marvel-Superhelden, "Star Wars" oder Pixars Animationsfilme geben. Zunächst soll im kommenden Jahr das Programm des hauseigenen Sportsenders ESPN im Internet verfügbar sein. Ein Jahr später folgt ein Streamingdienst für Disneys Filme und Serien, die dann - zumindest anfangs in den USA - im Internet nur dort zu sehen sein sollen. Dafür wird Disney den Exklusiv-Deal mit dem Streamingdienst Netflix für den Heimatmarkt auflösen. Disneys Vorstoss könnte den Wandel der amerikanischen TV-Landschaft beschleunigen. Bisher sind Sender wie ESPN meist über Kabel- und Satellitenverträge zugänglich. Doch unter anderem dank Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Video sind bereits so viele Inhalte online verfügbar, dass immer mehr Haushalte ihre teuren TV-Abos kündigen.

MEHR GEWINN ALS ERWARTET: (München) Geringe Katastrophenschäden haben beim weltgrössten Rückversicherer Munich Re im zweiten Quartal den erwarteten Gewinnrückgang abgemildert. Unter dem Strich stand mit 729 Millionen Euro ein Viertel weniger Gewinn als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis sank um 21 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro, wie der Konkurrent von Swiss Re mitteilte. Das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet. 2016 hatte der Verkauf hochverzinster Anleihen das Ergebnis kräftig nach oben getrieben. Der Reingewinn lag damals bei 2,6 Milliarden Euro. Der neue Konzernchef Joachim Wenning sieht den Rückversicherer damit "auf einem sehr guten Weg", in diesem Jahr wie geplant einen Gewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro zu erreichen.

EON WILL WIEDER WACHSEN: (Düsseldorf) Der deutsche Energiekonzern Eon will nach den Rekordverlusten des Energiekonzerns wieder in die Offensive gehen. "Wir haben den finanziellen Spielraum, um in neues Wachstum zu investieren", sagte Konzernchef Johannes Teyssen. Der Konzern hatte mit einer Kapitalerhöhung und der Rückzahlung der Atomsteuer durch den Staat mehrere Milliarden Euro eingenommen. 2016 hatte der Versorger nach hohen Abschreibungen einen Verlust von 16 Milliarden Euro verbucht. Im ersten Halbjahr fuhr der Konzern einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,8 Milliarden Euro. Dies war zwar ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent, lag aber über den Schätzungen der Analysten von 1,56 Milliarden Euro. Der bereinigte Reingewinn kletterte dank eines besseren Zinsergebnisses um 46 Prozent auf 881 Millionen Euro.

GEMEINSAME SACHE: (London) Der weltgrösste Bierbrauer Anheuser Busch InBev und der türkische Branchenprimus Anadolu Efes wollen ihr Geschäft im rückläufigen russischen Markt zusammenlegen. Die Fusion soll die Marktposition der beiden Unternehmen stärken und Wachstumsmöglichkeiten schaffen. Finanzielle Details nannte AB InBev nicht. Das neue Unternehmen soll unter dem Namen AB InBev-Efes firmieren und künftig als Kapitalbeteiligung von AB InBev geführt werden. Geplant sei, auch das Geschäft in der Ukraine in das Gemeinschaftsunternehmen auszulagern. Der Biermarkt in Russland ist seit Jahren unter Druck, weil die Regierung mit schärferen Auflagen versucht, den hohen Alkoholkonsum der Russen einzudämmen. Durch den Zusammenschluss wollen die beiden Konzerne dem Rivalen Carlsberg, dem Mutterkonzern von Feldschlösschen, stärker Paroli bieten. Die Dänen sind in Russland Marktführer.

(AWP)