Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 15. August 2017
15.08.2017 17:35

WENIGER VERLUST: (Altdorf) Der Immobilienentwickler Orascom Development hat im ersten Halbjahr den Verlust deutlich reduziert. Unter dem Strich fehlen noch rund 19,3 Millionen Franken. Im Vorjahreszeitraum klaffte ein Loch von mehr als 50,2 Millionen Franken. Ohne Minderheiten beträgt der Verlust rund 18,9 Millionen Franken, nach 41,3 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum. Beim Umsatz hielt sich das Unternehmen des ägyptischen Investors Samih Sawiris mit 108,6 Millionen Franken fast konstant (-0,7 Prozent), wobei sich das zweite Quartal deutlich besser entwickelt hat. Die operative Leistung der grössten Tochter, der ägyptischen Orascom Development Egypt, hat sich seit Anfang Jahr kontinuierlich verbessert. In Lokalwährungen erhöhte sich der Umsatz sogar um fast 77 Prozent, doch wegen der Abwertung des ägyptischen Pfunds gegenüber dem Schweizer Franken zeigt sich das Plus nicht im Gruppenumsatz.

PROFITABILITÄT GESTEIGERT: (Ebikon) Der Innerschweizer Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat im ersten Halbjahr 2017 mehr Umsatz erzielt und dabei die Profitabilität deutlich gesteigert. Der Umsatz legte um 2,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Franken zu. Der Konzerngewinn kletterte um fast 13 Prozent auf 419 Millionen Franken. Die operativen Fortschritte schlagen sich in einem um fast 11 Prozent höheren Betriebsgewinn (EBIT) von 558 Millionen Franken nieder. Dank der geografisch ausgewogenen Präsenz konnte Schindler auch beim Auftragseingang zulegen. In den Auftragsbüchern standen Ende Juni Aufträge im Wert von 10,3 Milliarden Franken. Stark gewachsen ist Schindler im ersten Semester in Nordamerika und in Europa. Der chinesische Markt schwächelte hingegen: Bestellungen und Umsatz in China waren leicht rückläufig.

UMSATZ- UND GEWINNPLUS: (Kloten/Stein am Rhein) Der Komponenten- und Gehäusehersteller Phoenix Mecano hat im ersten Halbjahr den Umsatz und den Gewinn gesteigert. Für die Sorgensparte Elcom/Ems kündigt der Verwaltungsrat ein umfangreiches Massnahmenpaket an. Weltweit werden Arbeitsplätze zwar verschoben, aber unter dem Strich nicht abgebaut, wie Unternehmenschef Rochus Kobler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Arbeitsplätze in der Schweiz sind nicht betroffen. Insgesamt stieg der Umsatz des Unternehmens um 10,1 Prozent auf 322 Millionen Euro. Der Gewinn des Unternehmens wuchs um 4,7 Prozent auf 14,3 Millionen Euro.

ZURÜCK IN GEWINNZONE: (Moutier BE) Der Drehmaschinenhersteller Tornos hat wie angekündigt wieder schwarze Zahlen geschrieben. Im ersten Halbjahr 2017 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 0,3 Millionen Franken, nach einem Verlust von 3,5 Millionen Franken im Vorjahr. Den Umsatz steigerte Tornos um 17,5 Prozent auf 82,1 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich auf 1,7 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode resultierte noch ein Betriebsverlust von 2,4 Millionen. Der Auftragseingang lag für das erste Semester mit 103,2 Millionen rund 65 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Gut lief es insbesondere im Maschinengeschäft, dort ist der Auftragseingang um 98 Prozent gestiegen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Tornos einen "positiven EBIT und ein positives Nettoergebnis".

DEUTLICH MEHR GEWINN: (Wetzikon ZH) Der Hersteller von Elektronik-Hardware Elma hat im ersten Semester 2017 markant mehr verdient. Der Unternehmensgewinn stieg auf 1,5 Millionen Franken von 217'000 Franken im Vorjahreshalbjahr. Der Gewinn in der Vorjahresperiode war noch von Projektverzögerungen bei Grosskunden geprägt. Vor allem in den USA, der grössten Region der Elma, hat sich die Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2016 aber spürbar verbessert. Diese Entwicklung hat sich im laufenden Geschäftsjahr fortgesetzt. Der Bestellungseingang erhöhte sich um 6,7 Prozent auf 74,4 Millionen Franken. Dazu haben alle drei Regionen Amerika, Europa und Asien beigetragen. Den Umsatz konnte Elma in den ersten sechs Monaten um 12,4 Prozent auf 69,1 Millionen steigern. Ziel für das Gesamtjahr bleibt es, Gewinn und Umsatz deutlich zu steigern.

AUSGEMUSTERT: (Genf/Zürich) Die Swiss schickt ihre Jumbolinos in Rente: Mit einer Ehrenzeremonie wurde das letzte Exemplar des Kurzstreckenfliegers am Flughafen Zürich verabschiedet. Nach der Landung des Sonderflugs für Journalisten und Swiss-Mitarbeiter aus Genf stand die Flughafenfeuerwehr mit einer Wasserfontäne Spalier. Bei der Ankunft am Dock hielten Swiss-Mitarbeiter ein Transparent in die Höhe: "Thank you an goodbye Avro". Den letzten Flug mit zahlenden Passagieren hatte der Avro RJ, der unter dem Spitznamen Jumbolino bekannt ist, am Montagabend von London nach Zürich absolviert. Mit der Zeremonie wurde der Jumbolino nach über 15 Jahren im Dienste der Swiss offiziell aus dem Flugbetrieb der Swiss gestellt. Die Maschinen werden durch die brandneuen Mittelstreckenjets C-Series des kanadischen Herstellers Bombardier ersetzt.

WARNUNG VOR AKTIONISMUS: (Bern) Angesichts des Diesel-Skandals hat der Chef der Schweizer Autoimporteure vor Aktionismus gewarnt. In Schweizer Städten liege die Stickoxid-Belastung deutlich tiefer. Fahrverbote seien unnötig. Im Gegenteil: Er hält Diesel-Motoren für die Reduktion von CO2-Emissionen für unerlässlich. In der Schweiz solle vermieden werden, mit Aktionismus die Situation noch zu verschlimmern, sagte François Launaz, Präsident der Importeurvereinigung Auto-Schweiz, in einem Zeitungsinterview. Es müssten technische Lösungen für technische Probleme gefunden und nicht Technik mit Politik vermischt werden, sagte der ehemalige Honda-Manager.

PLEITEGEIER: (Frankfurt/Berlin) Air Berlin ist pleite. Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft stellte mitten in der deutschen Ferienzeit einen Insolvenzantrag, nachdem der Grossaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hatte. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die krisengeschüttelte Fluggesellschaft mit. Gebuchte Tickets bleiben gültig. Die deutsche Regierung stellt für den Flugbetrieb einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung. Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man "zu dem Ergebnis gekommen, dass für Air Berlin keine positive Prognose für ein Fortbestehen mehr besteht", schreibt Air Berlin. Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein. 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan.

KLAGE: (Karlsruhe) Das deutsche Verfassungsgericht hat Bedenken gegen die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Richter schalten deshalb nach mehreren Klagen gegen die milliardenschweren Käufe von Staatsanleihen den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein, wie in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Nach Auffassung des Senats sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die dem Anleihekaufprogramm zugrundeliegenden Beschlüsse gegen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenbank verstossen. Sie gingen über das Mandat der EZB für die Währungspolitik hinaus und würden damit in die Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten eingreifen. Die EU-Kommission hält die Bedenken des deutschen Verfassungsgerichts gegen den Anti-Krisen-Kurs der EZB für unbegründet. Die Kommission sei überzeugt, dass die EZB beim Ankauf von Staatsanleihen auf der Grundlage und in den Grenzen der Verträge handle, erklärte eine Sprecherin in Brüssel.

GUTE AUSSICHTEN: (Washington) China kann nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in den kommenden Jahren die Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft spielen. "China hat das Potenzial, über die mittlere Sicht sein kräftiges Wachstum zu halten", heisst es in dem neusten Länderbericht. Allerdings müsse die Volksrepublik ihre Reformen beschleunigen und die Abhängigkeit von Krediten reduzieren. Der Fonds hatte kürzlich seine Wachstumsprognosen für China leicht auf 6,7 Prozent in diesem und 6,4 Prozent im nächsten Jahr nach oben revidiert. In den Jahren danach erwartet der IWF dann aber eine Verlangsamung bis auf 5,8 Prozent 2022. Im internationalen Vergleich wäre das immer noch viel. Dass das Wirtschaftswachstum entgegen früheren Erwartungen 2017 das Tempo des Vorjahres halten dürfte, schreibt der IWF finanzpolitischen Impulsen durch die Regierung sowie Reformen zu.

ROBUSTES WACHSTUM: (Wiesbaden) Die deutsche Wirtschaft hält im zweiten Quartal Kurs. Ganz so hoch wie zu Jahresanfang ist das Wachstumstempo allerdings nicht mehr. Bremsspuren hinterlässt der Aussenhandel. Angetrieben von der Konsumlust der Konsumenten und steigenden Investitionen der Unternehmen bleibt die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal 2017 stieg das Bruttoinlandprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Zum Jahresanfang hatte die Wirtschaft nach neuesten Berechnungen noch um 0,7 Prozent zugelegt und damit etwas stärker als zunächst ermittelt. Ein wichtiger Treiber war erneut der private Konsum.

(AWP)