Tagesüberblick Wirtschaft

STABÜBERGABE BEI STADLER: (Bussnang TG) Peter Spuhler übergibt den Chefposten bei seinem Schienenfahrzeughersteller Stadler auf Anfang 2018 an seinen Stellvertreter Thomas Ahlburg. Als Verwaltungsratspräsident konzentriert er sich künftig auf Strategie, Übernahmen und Kundenpflege. Mit der Stabsübergabe per 1. Januar 2018 zieht sich Spuhler nach 30 Jahren aus der operativen Verantwortung zurück, wie Stadler mitteilte. Die Anpassung der Führungsstruktur sei von langer Hand geplant gewesen. Der Alt-SVP-Nationalrat bleibt mit 80 Prozent Aktienanteil Haupteigentümer von Stadler. Sein Nachfolger Ahlburg führt seit 2012 das grösste Werk der Stadler-Gruppe in Bussnang und ist stellvertretender Gruppenchef. Der 47-jährige ETH-Ingenieur hatte vor seinem Wechsel zu Stadler die Leitung des Bombardier-Werks im deutschen Görlitz inne.
20.09.2017 17:34

NEUER AUFTRAG: (Zürich) Der Industriekonzern ABB hat vom deutschen Energieversorger EnBW einen weiteren Grossauftrag zum Ausbau der Ladesäulen für Elektrofahrzeuge an deutschen Autobahnen erhalten. Der Auftrag sieht den Bau von 117 Schnellladesäulen an Standorten des Raststättenbetreibers Tank & Rast bis Ende 2017 vor, wie ABB mitteilte. Bereits im vergangenen Jahr hatte ABB 68 solcher Schnell-Ladestationen an EnBW geliefert, die an 34 baden-württembergischen Raststätten stehen. Nun kommen 85 Standorte ausserhalb des Bundeslandes, vor allem im Süden und Westen Deutschlands, hinzu. ABB sieht sich mit mehr als 5000 installierten Ladesystemen für Autos und Nutzfahrzeuge in Europa und den USA als führend in dem Bereich. An den Ladesäulen mit einer Leistung von 50 Kilowatt (kW) können Elektroautos in 30 Minuten aufgeladen werden. Der Preis liege bei rund 30'000 Euro pro Stück, sagte ein EnBW-Sprecher.

URTEIL BALD ERWARTET: (Zürich) Im juristischen Tauziehen um den Zuger Bauchemiekonzern Sika rechnet der neue Firmenchef bald mit einem Urteil des Zuger Obergerichts. "Wir haben alle Eingaben vor zwei Wochen abgeschlossen. Das Gericht hat alle Unterlagen", sagt Paul Schuler. "Jetzt erwarten wir den Entscheid in den nächsten Wochen." Denn beim ersten Urteil des Kantonsgerichts im Falle der Stimmrechtsbeschränkung der Erbenfamilie Burkard an der Generalversammlung habe es sechs bis acht Wochen bis zum Urteil gedauert. Deshalb gehe man jetzt von einer ähnlichen Zeitspanne aus, sagt Schuler: "Es könnte aber auch Anfang Januar werden." Einen Verkauf von Sika an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain lehnt der Konzernchef erneut ab: "So wie der Deal jetzt strukturiert ist, ist er für uns ein No-Go." Um Sika tobt seit Dezember 2014 ein Übernahmekampf, der mit allen juristischen Mitteln ausgefochten wird.

EHRGEIZIGE ZIELE: (Schindellegi SZ/London) Kühne+Nagel will in Sachen Profitabilität noch einen Zahn zulegen. Der Logistikkonzern zählt diesbezüglich bereits zu den Branchenführern. An einem Investorentag in London formulierte Finanzchef Markus Blanka-Graff die Ambition der Konzernleitung, die sogenannte Konversionsmarge mittelfristig auf über 16 Prozent zu steigern. In den vergangenen Jahren kam die entsprechende Marge, die in der Branche eine wichtige Kennzahl für die Rentabilität ist, zwischen 13 und 14 Prozent zu liegen. Die Konversionsmarge drückt das Verhältnis vom Betriebsgewinn EBIT zum Rohertrag aus. Das neue Ziel will der Konzern einerseits durch "starkes" organisches Wachstum erreichen - in den kommenden Jahren soll er doppelt so schnell wie der globale Frachtmarkt wachsen. Gleichzeitig lege man weiterhin grosses Gewicht auf die Kostenkontrolle.

STEUERVORTEIL FÜR LALIQUE: (Zürich) Der Luxusgüterkonzern Lalique hat seinen Reingewinn in der ersten Jahreshälfte 2017 auf 3,0 Millionen Euro verfünffacht. Grund dafür ist die Unternehmenssteuerreform der französischen Regierung unter Präsident Emmanuel Macron. Die Steuerlast für Unternehmen soll bis 2022 von derzeit 33,33 Prozent auf 25 Prozent sinken. Dies führt für Lalique zu künftigen Steuervorteilen, die in den latenten Steuern ausgewiesen werden und den Halbjahresgewinn um fast 2 Milliarden Euro anheben, wie der in Zürich ansässige Konzern mitteilte. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT legte von 1,9 auf 2,5 Millionen Euro zu. Der Betriebserlös kletterte um 9 Prozent auf 64,2 Millionen Euro.

NEUER CHEF: (Basel) Die vom Versicherungskonzern Baloise übernommene Immobiliengesellschaft Pax Anlage hat ab sofort einen neuen Chef. Der Verwaltungsrat hat Thomas Hasse Biniasch zum neuen CEO ernannt. Er war seit Anfang August bei der Baloise für die Immobilien zuständig. Hasse Biniasch löst Paul-Henri Guinand ab, der das Chefamt erst seit Anfang Mai ausgeübt hat. Guinand bleibt der Gesellschaft als Verwaltungsratsmitglied erhalten. Mit dem Verkauf an Baloise kehrt Pax Anlage der Schweizer Börse den Rücken. Die Dekotierung der Aktien von der SIX Swiss Exchange erfolgt am 10. Oktober 2017.

DEAL I: (Essen/Helsinki) Auf dem deutschen Strommarkt bahnt sich ein Milliardendeal an: Der finnische Energieversorger Fortum will den aus dem Eon-Konzern abgespaltenen Kraftwerksbetreiber Uniper übernehmen. Eon und Fortum befänden sich in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Verkauf der verbliebenen milliardenschweren Eon-Beteiligung an Uniper, teilten beide Unternehmen mit. Vorgesehen sei eine Barzahlung von 22 Euro pro Aktie. Uniper würde damit insgesamt mit rund 8 Milliarden Euro bewertet. Der hoch verschuldete Eon-Konzern könnte für sein Aktienpaket mit einem Gesamterlös von 3,8 Milliarden Euro rechnen. Das Düsseldorfer Unternehmen Uniper ist mit einer Erzeugungskapazität von rund 40 Gigawatt einer der führenden Stromerproduzenten Europas.

DEAL II: (Tokio) Das monatelange Rennen um die Chipsparte des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba ist entschieden: Für rund 18 Milliarden Dollar erwirbt der US-Finanzinvestor Bain Capital den weltweit zweitgrössten Produzenten von Speicherchips. Als Partner agieren nach offiziellen Angaben der südkoreanische Konkurrent SK Hynix sowie die langjährigen Toshiba-Kunden Apple und Dell. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, dass der US-Konzern Western Digital das Bieterrennen für sich entscheidet, an dem auch die Foxconn-Mutter Hon Hai beteiligt war. Toshiba benötigt das Geld aus dem Geschäft umgehend, um sich nach der Insolvenz der US-Kraftwerkstochter Westinghouse neu aufzustellen. Das 140 Jahre alte Unternehmen stellt neben Halbleitern unter anderem Fernseher, Industrie-Kameras, Drucker und Energietechnik her.

DEAL III: (Essen) Der Deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten. Bei beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro Synergien entstehen. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie Thyssenkrupp mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen. Thyssenkrupp und Tata beabsichtigen je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu halten. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf rund 48'000 Mitarbeiter - wovon 27'000 von Thyssenkrupp kommen. Durch die Fusion würde hinter dem Branchenprimus ArcelorMittal gemessen an der Produktion das zweitgrösste Stahlunternehmen in Europa entstehen

PROGNOSEN ANGEHOBEN: (Paris) Die Wirtschaft im Eurogebiet mit 19 Ländern läuft nach Einschätzung der OECD besser als erwartet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schraubt ihre Wachstumsprognose für die Eurozone für das laufende Jahr um 0,3 Prozentpunkte hoch auf 2,1 Prozent. Für das kommende Jahr sagen die Experten ein Plus von 1,9 Prozent vorher, 0,1 Punkte mehr als noch vor drei Monaten, wie die OECD mitteilte. Die Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum beliess die OECD bei 3,5 Prozent für 2017. Im kommenden Jahr soll die Weltwirtschaft mit 3,7 Prozent aber 0,1 Prozentpunkte schneller wachsen, als noch im Juni erwartet.

STARKER EXPORTZUWACHS: (Tokio) Getrieben von einer boomenden Auslandsnachfrage nach Autos und Elektronikprodukten sind die japanischen Exporte im August so sehr gewachsen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Sie legten binnen Jahresfrist um 18,1 Prozent zu, wie das Finanzministerium mitteilte. Sie stiegen damit den neunten Monat in Folge und so schnell wie zuletzt im November 2013. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von 14,7 Prozent erwartet. Im Juli waren die Ausfuhren um 13,4 Prozent gestiegen. Die Importe legten den Angaben zufolge um 15,2 Prozent zu. Analysten hatten einen Zuwachs von 11,8 Prozent erwartet. Der Handelsüberschuss betrug etwa 849,3 Millionen Euro.

CLARIANT-SPITZE UNBEEINDRUCKT: (Muttenz) Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant hält trotz Widerstands seines Grossaktionärs White Tale an den Plänen für die 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman fest. "Der geplante Zusammenschluss ist die beste wertschaffende Option für alle Anteilseigner", erklärte das Unternehmen. Der Konzern kündigte am späten Dienstagabend zudem an, in den kommenden Wochen über den aktuellen Stand zur beabsichtigten Fusion zu informieren. Der aktivistische Investor White Tale hatte zuvor seine Beteiligung an Clariant aufgestockt. Mit 15,1 Prozent ist er nun der grösste Eigner des Basler Unternehmens. "Wir sind zunehmend überzeugt, dass die vorgeschlagene Fusion für die Clariant-Aktionäre nachteilig ist," hiess es in einem offenen Brief der Amerikaner an die Clariant-Spitze.

CHINA VERLEIHT AIRBUS FLÜGEL: (Tianjin) Airbus baut künftig in China auch Grossraumflugzeuge vom Typ A330. Der europäische Flugzeugbauer, der mit seinem US-Konkurrenten Boeing um Anteile auf dem wichtigen chinesischen Markt ringt, weihte in seinem Werk in Tianjin eine neue Produktionsstätte ein. Dort werden in Frankreich gebaute A330-Maschinen fertig montiert. Airbus-Chef Fabrice Brégier sprach bei der Zeremonie in der chinesischen Hafenstadt von einem "Meilenstein". Künftig sollen jeden Monat zwei Airbus A330 in Tianjin fertiggestellt und ausgeliefert werden. In dem Werk werden die Flugzeuge lackiert und die Kabinen ausgestattet. Bislang hatte Airbus in Tianjin bereits kleinere Maschinen der A320-Familie fertiggestellt. Die Kosten für die neue Produktionsstätte belaufen sich auf 200 Millionen Euro.

BANK BRAUCHT HILFE: (Moskau) Russland steht vor der zweiten Bankenrettung innerhalb von drei Wochen. Die schwächelnde B&N Bank und damit das zwölftgrösste Institut des Landes gemessen an der Bilanzsumme bat um Finanzhilfe. Die Besitzer-Holding Safmar des Unternehmers Michail Guzeriev und seiner Familie habe einen Antrag gestellt, um Gelder aus dem Fonds zur Bankenkonsolidierung zu erhalten, teilte die Zentralbank mit. Eine Entscheidung darüber solle bald fallen. Auf diesem Weg hatte Russland erst kürzlich der strauchelnden Grossbank Otkritie unter die Arme gegriffen.

GERINGERE PRODUKTION: (New York) Der US-Autobauer Ford fährt seine Produktion in den USA und Mexiko zurück. Damit reagiere das Unternehmen auf die gesunkenen Verkaufszahlen, sagte eine Sprecherin. Betroffen sind drei Fabriken in den USA und zwei Werke in Mexiko. Die Produktion werde "der Nachfrage der Kunden angepasst", sagte die Sprecherin. Im Gegensatz zu SUV und Pickups ist die Nachfrage nach Kleinwagen in den USA stark zurückgegangen. Erst im Mai hatte Ford die Streichung von 1400 Arbeitsplätzen in Nordamerika und Asien angekündigt.

(AWP)