Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 3. Oktober 2017
03.10.2017 17:32

BANKEN: (Zürich) Bei der Schweizer Grossbank UBS könnte Technologie in den kommenden Jahren rund ein Drittel der Stellen überflüssig machen. Einschliesslich externen Mitarbeitern beschäftige das Institut zur Zeit fast 95'000 Personen, erklärte Konzernchef Sergio Ermotti in einem Interview dem Magazin "Bloomberg Markets". Man könne 30 Prozent weniger haben, aber die Jobs werden viel interessanter sein. Er erwartete keinen "Big Bang", sondern eine graduelle Verschiebung über die kommenden zehn Jahre.

EXPORTPLUS: (Zürich) Das neue Handelsabkommen mit Iran zeigt erste Früchte. Das Abkommen Schweiz-Iran ist Mitte März in Kraft getreten, nachdem es seit 2005 auf Eis gelegen war. In der Folge erhöhten sich die Exporte nach Iran in den ersten sieben Monaten dieses Jahres erstmals seit Jahren deutlich - um 24,7 Prozent auf 294,9 Millionen Franken, den stark schwankenden Handel mit Edelmetallen ausgenommen. Bereits anfangs 2016 wurden die Sanktionen der Schweiz im Zuge der EU gelockert. Seither gibt es unter anderem keine Melde- und Bewilligungspflicht mehr für Geldtransfers von und an iranische Personen oder Organisationen. Trotz besseren Exportbedingungen besteht die grosse Hürde beim Geldtransfer nach und von Iran nach wie vor.

INTERNETWÄHRUNG: (Schenkon) Als erstes Versandhaus in der Schweiz führt Lehner Versand die Bezahlung mit der Internetwährung Bitcoin ein. Das Unternehmen verspricht sich davon unter anderem neue Kunden. Die Einführung kostete die Firma rund 30'000 Franken. Im Onlineshop könne man ab sofort mit Bitcoin bezahlen, bald sei dies auch in den sieben Direktverkaufsstellen möglich, teilte Lehner Versand mit. Weitere alternative Währungen würden folgen. Von den über 200 Mitgliedern des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV), zu denen auch Zalando zähle, akzeptiere Lehner als erste Firma Bitcoin, sagte Geschäftsführer Thomas Meier auf Anfrage.

PRIVATKUNDEN ÜBERNOMMEN: (Basel) Die Bank J. Safra Sarasin übernimmt das Privatkundengeschäft der israelischen Bank Hapoalim in der Schweiz und Luxemburg. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Mit der Akquisition baue die Bank das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft aus und erhöhe den Marktanteil ihres Geschäfts in Israel, heisst es in einer Mitteilung. Die Übernahme wird voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahres 2018 abgeschlossen.

ÜBERNAHME IN DEN USA: (Zürich) Der Personaldienstleister Adecco übernimmt die in New York ansässige Firma Mullin International. Dabei handelt es sich um einen der grössten privat gehaltenen Outplacement- und Kadervermittlungsanbieter in den USA. Die Konditionen der Transaktion seien noch nicht offengelegt worden, teilte Adecco mit. Zum Umsatz der US-Gesellschaft wurden keine Angaben gemacht. Auf Anfrage hiess es lediglich, es handle sich bei Mullin um eine verhältnismässig kleine Firma mit 200 Angestellten. Das 1980 in New York gegründete Unternehmen soll innerhalb der Adecco-Gruppe in die Tochtergesellschaft Lee Hecht Harrison integriert werden.

MILLIONEN FÜR HAUPTSITZ: (Altstätten) Der Dentalproduktehersteller Coltene investiert rund 11 Millionen Franken in den Ausbau seines Hauptsitzes in Altstätten. Im Ergänzungsbau, der an den bestehenden Hauptsitz anschliessen soll, sind gemäss Mitteilung eine zweigeschossige Produktionshalle sowie Büroflächen auf drei Etagen geplant. Als Folge wird Coltene gemietete Räumlichkeiten ablösen können. Die Produktionshalle diene vor allem dem Kapazitätsausbau im wachsenden Produktbereich Restauration, heisst es. Weiter wird der Bau die Fertigung von Diamantbohrern sowie einen Reinraum für sterile Verpackungen umfassen. Das neue Gebäude soll Ende 2018 bezugsbereit sein.

BÜNDELUNG IN SPANIEN: (Zürich) Der St. Galler Spezialkunststoffhersteller Gurit verlegt seine Prepreg-Produktion in Grossbritannien nach Spanien. Dabei gehen 70 Stellen verloren. Die Restrukturierung belastet das Ergebnis von Gurit im laufenden Jahr mit 3,1 Millionen Franken und 2018 mit 0,8 Millionen Franken. Grund für die Schliessung der Prepreg-Produktion in Grossbritannien sind einer Mitteilung zufolge Überkapazitäten. Prepregs sind vorimprägnierte Fasern, die vor allem bei der Herstellung von Windrädern zum Einsatz kommen. Inzwischen werden aber oft andere Materialien verwendet, weswegen die Nachfrage nach Preregs zurückgeht. Gurit hatte vor diesem Hintergrund früher im Jahr bereits die Prepreg-Produktion in Kanada und China geschlossen. In Europa werden die Kunststoffe nach dem jüngsten Restrukturierungsschritt künftig nur noch in Spanien produziert.

ABGANG BEI RUAG: (Bern) Der Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag muss sich auf die Suche eines neuen Chefs für die Rüstungsdivision machen. Markus Zoller, der die Sparte vier Jahre lang geführte hatte, verlässt das Unternehmen Ende Monat. Die Nachfolgeregelung sei in Arbeit und werde zu gegebener Zeit kommuniziert, teilte Ruag am Dienstag weiter mit. Interimistisch werde Andreas Berger die Rüstungsdivision leiten. Die Sparte Cybersicherheit werde ab Anfang 2018 auf Konzernstufe geführt und direkt dem Ruag-Chef unterstellt.

NEUER CHEF FÜR VAT: (Haag SG) Der Ostschweizer Hersteller von Vakuumventilen VAT erhält einen neuen Chef. Der 54-jährige Mike Allison wird im ersten Quartal 2018 zum Unternehmen wechseln und dann nach einer Übergangsfrist den Posten von Heinz Kundert übernehmen. Kundert wird zugleich an der nächsten Generalversammlung im Mai 2017 zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen, wie VAT mitteilte. Mike Allison ging 2008 als Vice President, Global Sales & Services zu Edwards und wurde nach der Übernahme durch Atlas Copco 2014 Präsident der Halbleitersparte. In dieser Funktion konnte Allison dazu beitragen, Edwards zu einem der führenden Unternehmen im Halbleiter Vakuum Bereich zu transformieren, schreibt VAT. Damit sei er der richtige Mann, um VAT in die Zukunft zu führen.

LONZA MIT ÜBERNAHME: (Basel) Der Pharmazulieferer Lonza hat vom britischen Arzneimittelhersteller Shire eine Fabrik in den USA übernommen. Die rund hundert Angestellten können bei Lonza weiterarbeiten, wie Lonza am Dienstag in Basel mitteilte. Die Fabrik im kalifornischen Hayward ist laut Lonza auf frühe klinische Versuche spezialisiert, wo eine grosse Kundennachfrage bestehe. Die Kunden würden ab nächsten Jahr beliefert. Finanzielle Einzelheiten des Deals wurden nicht genannt. Die kalifornische Fabrik kommt zu weiteren 50 Produktionsstätten Lonzas hinzu.

FAHRDIENST: (San Francisco) Uber kommt nicht zur Ruhe: Der frühere Chef Travis Kalanick erweitert den Verwaltungsrat um zwei Mitglieder, um seinen Einfluss bei dem von ihm mitgegründeten Fahrdienst-Vermittler zu retten. Der umstrittene Mitgründer Kalanick machte von seinem Recht Gebrauch, zwei Mitglieder des Verwaltungsrates zu benennen - ohne Vorwarnung an den Rest des Gremiums oder den neuen Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Medienberichte legen nahe, dass Kalanick damit versucht, seinen Einfluss bei der Firma zu retten. In dem Gremium wird demnach gerade über Massnahmen diskutiert, die seine Stimmrechte verringern und eine Rückkehr ins Management erschweren würden. Kalanick wollte ursprünglich nicht vom Chefposten zurücktreten, sondern nur eine Auszeit nehmen. Er nahm erst seinen Hut unter massivem Druck von Investoren wie Benchmark. Eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung hatte massive Defizite bei Uber aufgedeckt und Kalanick wurde als Chef dafür verantwortlich gemacht.

RÜCKRUF BEI CHRYSLER: (Auburn Hills) Der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler ruft in Nordamerika wegen eines möglichen Bremsdefekts in grossem Stil SUV in die Werkstätten. Insgesamt sind 709'837 Fahrzeuge vom Typ Dodge Durango und Jeep Grand Cherokee der Modelljahrgänge 2011 bis 2014 in den USA, Kanada und Mexiko betroffen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Mit 646'394 Fahrzeugen umfasst der Grossteil der Rückruf-Aktion den US-Markt. Verursacht wurde das Problem bei einem früheren Rückruf: 2014 wurden Abdeckungen für Bremsverstärker eingebaut, um Wasser fernzuhalten, das durch Rost oder Frost die Bremskraft beeinträchtigen kann.

BUFFETT AM BUFFET: (Omaha/Knoxville) US-Starinvestor Warren Buffett hat sich bei der Raststättenkette Pilot Flying J eingekauft. Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway werde mit einem Anteil von 38,6 Prozent Grossaktionär beim Mutterkonzern Pilot Travel Centers, teilten die Unternehmen mit. Zum Kaufpreis wurden zunächst keine Angaben gemacht. Pilot Flying J ist mit mehr als 27'000 Mitarbeitern an 750 Standorten der grösste Raststättenbetreiber für Fernfahrer in den USA und Kanada. Das Unternehmen aus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee beziffert seinen Jahresumsatz auf über 20 Milliarden Dollar. Vorerst behält die Eigentümerfamilie Haslam mit 50,1 Prozent die Mehrheit, doch im Jahr 2023 soll Buffetts Anteil auf 80 Prozent ausgebaut werden.

(AWP)