Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 5. Oktober 2017
05.10.2017 17:03

AUFSCHWUNG VERSPÄTET: (Zürich) Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF ) hat ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr erneut gesenkt. Neu rechnet sie mit einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent, statt 1,3 Prozent wie im Juni prognostiziert. Der Aufschwung kommt laut KOF 2018. Für 2018 erhöhen die KOF-Ökonomen ihre Prognosen erneut. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) soll dann um 2,2 Prozent zulegen. Im Juni war noch von 2,1 Prozent die Rede. Zwar habe sich der Wirtschaftsverlauf im zweiten Halbjahr deutlich verbessert. Doch das schwache Winterhalbjahr 2016/17 dämpfte die Erwartungen für das ganze Jahr, argumentieren die Ökonomen. Für die Zukunft zeigen sie sich optimistisch und gehen für das Jahr 2019 von einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent aus. Auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Aufschwung nächstes Jahr sichtbar werden. Die Arbeitslosenquote soll sich laut KOF von derzeit 3,2 Prozent im nächsten Jahr leicht auf 3,1 Prozent reduzieren.

MEHR ÜBERNACHTUNGEN: (Neuenburg) Der Schweizer Tourismus blickt auf einen erfolgreichen Sommer zurück. Dank schönem Wetter zählten die Hotels in den Sommermonaten Juni bis August insgesamt rund 12 Millionen Übernachtungen. Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie die provisorischen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, stieg auch im August die Zahl der Hotelübernachtungen an. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sie sich um 3,9 Prozent auf rund 4,3 Millionen. Damit verbucht die Schweizer Hotellerie seit Jahresbeginn 26,2 Millionen Logiernächte. Das entspricht gegenüber der Vorjahresperiode einer Zunahme von 4,5 Prozent. Dabei hat die Hotellerie in diesem Jahr vor allem von einer Zunahme an amerikanischen Gästen profitiert. Deren Übernachtungszahlen stiegen gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als 11 Prozent.

NEUER MARKT: (Zürich) Galaxus gibt es künftig auch in Deutschland. Der zur Migros-Gruppe gehörende Onlinehändler will ab 2018 das erste Internet-Warenhaus im Ausland eröffnen. Dabei könnten gleiche Produkte im deutschen Onlineshop günstiger als in der Schweiz angepriesen werden. Die gemeinsame Sprache, die zehnmal so grosse Bevölkerung und die höhere Affinität zum Einkauf im Internet hätten zu diesem Schritt geführt, wird Firmenchef und Mitbegründer von Digitec Galaxus, Florian Tauteberg, in einer Mitteilung zitiert. Galaxus will sich preislich auch in Deutschland bei den günstigsten Mitbewerbern positionieren. Ob die Preise für gleiche Produkte im deutschen Onlineshop damit tiefer ausfallen als in der Schweiz, ist möglich. Das Sortiment werde nicht identisch sein, sagt Mediensprecher Alex Hämmerli auf Anfrage. Bei gleichen Waren können die Preise jedoch variieren. Man orientiere sich bei der Preisgestaltung an den günstigsten Mitbewerbern im deutschen Markt.

STELLENMARKT FLORIERT: (Zürich) In der Schweiz ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im dritten Quartal in allen Regionen gestiegen. Die Unternehmen schrieben 6 Prozent mehr Stellen aus als noch vor einem Jahr. Am gefragtesten waren Berufsleute für Informatik, Industrie und Transport. Der Anstieg erstaunt vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklung nicht. Die intensive Suche nach neuen Informatikerinnen und Informatikern ist ein deutliches Zeichen für den Fortschritt bei der Digitalisierung und Automatisierung, wie der Stellenvermittler Adecco aus seinem Swiss Job Market Index schliesst. Allerdings gibt es trotz überall positiver Entwicklung Unterschiede zwischen den Berufen und den Regionen.

WENIGER FIRMENGRÜNDUNGEN: (Neuenburg) Im Jahr des "Frankenschocks" hat in der Schweiz der Gründungseifer deutlich nachgelassen. 39'500 neue Unternehmen wurden 2015 registriert, fast 3000 weniger als im Vorjahr. Damit gab es auch weniger neue Stellen. Die neu gegründeten Unternehmen schufen 2015 insgesamt 54'600 Arbeitsplätze. Mit einem Minus von 4,2 Prozent war der Rückgang bei den Stellen etwas weniger ausgeprägt als bei den neu gegründeten Unternehmen (-6,9 Prozent), wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen. Das BFS führt die Entwicklung hauptsächlich auf die "nachlassende Dynamik" im sogenannten tertiären Sektor zurück. Fast neun von zehn neuen Firmen werden in Dienstleistungsbranchen geschaffen. Entsprechend stark fällt dort die Abnahme bei den Firmen (-7,7 Prozent) und bei den Stellen (-5,4 Prozent) ins Gewicht.

HÖHERE PREISE: (Neuenburg) Die neue Wintermode hat die Preise in der Schweiz nach oben getrieben. Im September stieg der Landesindex für Konsumentenpreise gegenüber August um 0,2 Prozent auf 100,9 Punkten (Dezember 2015 = 100). Auf Jahresbasis betrug die Teuerung 0,7 Prozent. Vor allem Strickjacken für Kinder, Damen und Herren sowie Babybekleidung trugen merklich zum höheren Preisniveau im September bei, wie aus den Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervorgeht. Aber auch Frucht- und Kohlgemüse sowie Erdölprodukte haben sich verteuert. Billiger wurden dagegen Pauschalreisen ins Ausland sowie jene für Luftverkehr. Das gilt ebenso für Hotellerie-Angebote oder Occassion-Fahrzeuge.

EXPANSION: (Pfäffikon SZ) Der Industriekonzern OC Oerlikon will das Geschäft mit Oberflächenlösungen weiter vorantreiben. Er übernimmt dazu die schwedische Primateria AB sowie die beiden amerikanischen Firmen DiaPac LLC und Diamond Recovery Systems Incorporated (DRS). Angaben zur Kaufsumme werden keine gemacht. Mit diesen Zukäufen könne das Unternehmen "vielversprechende Technologien und Know-how auf den Gebieten moderner Werkstoffe und Oberflächenlösungen" ausbauen, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Der Umsatz der gekauften Unternehmen beläuft sich gemäss den Ergebnissen von 2016 auf insgesamt über 10 Millionen Franken. Sie beschäftigen mehr als 40 Mitarbeitende.

SOLIDES ERGEBNIS: (Genf) Firmenich blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015/16 zurück. Der Genfer Aromen- und Dufthersteller steigerte die Verkäufe um mehr als 4 Prozent und konnte seine führende Rolle im Bereich Luxusparfümerie und Ingredienzen weiter stärken. Das Unternehmen habe in allen Segmenten zulegen können, teilte Firmenich am Donnerstag mit. Insgesamt erwirtschaftete Firmenich im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 3,34 Milliarden Franken. Verwaltungsratspräsident Patrick Firmenich freut sich dabei über zahlreiche Innovationen. Beispielsweise biete Firmenich Aromen an, mit denen Nahrungsmittel trotz weniger Zucker, Salz oder Fett ihren Geschmack behalten. Der Konzern investiert derzeit 160 Millionen Franken in den Ausbau des Hauptsitzes in Genf.

WENIGER ZEMENTLIEFERUNGEN: (Zürich) Die Schweizerische Zementindustrie hat im dritten Quartal weniger abgesetzt. Konkret resultiert für die Monate Juli bis September verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode ein Rückgang um 2,7 Prozent auf 1,20 Millionen Tonnen, wie der Verband Cemsuisse mitteilte. Im Vergleich zum zweiten Quartal (-4,7 Prozent) hat sich der Rückgang damit leicht abgeschwächt. Kumuliert auf die ersten neun Monate des laufenden Jahres betrug das Total der Lieferungen 3,21 Millionen Tonnen - ein Minus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

UHR GESTOPPT: (Brüssel) Die EU-Kommission hat im laufenden Verfahren zur geplanten Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch den deutschen Chemieriesen Bayer die Uhr angehalten. Dies werde immer dann gemacht, wenn die beteiligten Parteien wichtige Informationen zu einem Zusammenschluss nicht schnell genug übermitteln, erklärte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Sobald die fehlenden Auskünfte eingetroffen seien, werde eine neue Frist gesetzt. Die EU-Kommission hatte wegen etlicher Vorbehalte im August eine sogenannte vertiefte Prüfung der Übernahme eingeleitet. Die Frist für eine Entscheidung lief ursprünglich bis 22. Januar. "Wir tun unser Möglichstes, alle Fragen der EU-Kommission so schnell wie möglich zu beantworten", sagte ein Bayer-Sprecher auf Anfrage. Der deutsche Konzern will den US-Rivalen für 66 Milliarden US-Dollar schlucken. Damit würde Bayer zur Nummer eins in der Branche aufsteigen.

AUSSTIEG VON SIEMENS: (München) Nach 97 Jahren gehen Siemens und der Leuchtmittel-Konzern Osram endgültig getrennte Wege. Der Münchner Industriekonzern verkaufte seine restlichen Anteile an Osram über Nacht für 1,18 Milliarden Euro an institutionelle Investoren. "Das ist der richtige Zeitpunkt dafür. Osram steht jetzt auf eigenen Füssen", sagte ein Siemens-Sprecher. Als strategisch galt die Beteiligung an der früheren Tochter längst nicht mehr. Für das Traditionsunternehmen Osram ist der Ausstieg von Siemens ein doppelter Befreiungsschlag: Zum einen endet damit der Streit mit dem Grossaktionär um die Strategie, der im vergangenen Jahr eskaliert war. Zum anderen ist mit dem Verkauf über die Börse zunächst die Gefahr gebannt, dass die Aktien an einen chinesischen Interessenten gehen.

SPAREN IN RÜSTUNGSSPARTE: (Paris) Airbus legt in seiner Rüstungssparte Defence and Space die Investitionsausgaben auf Eis. Angesichts des Risikos, die Ziele für die frei verfügbaren Geldmittel im Gesamtjahr um hunderte Millionen von Euro zu verfehlen, "müssen wir zusammen etwas Äussergewöhnliches unternehmen", erklärte der Finanzchef der Sparte, Julian Whitehead, laut einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter. Die Sparte wolle ein Krisenteam einrichten, um die Situation vor Ende des Jahres zu verbessern. So lange würden alle Investitionsausgaben innerhalb des Bereichs und auch bei allen Tochtergesellschaften eingefroren. Der Bereich Defence and Space hatte wegen der Probleme mit dem Militärtransporter A400M bereits vor anhaltendem Druck auf die Barmittelbestände gewarnt.

US-HANDELSBILANZDEFIZIT KLEINER: (Washington) Das US-Handelsdefizit hat sich im August wegen der gut laufenden Exporte etwas verringert. Die Importe übertrafen die Ausfuhren nur noch um 42,4 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Das Defizit fiel damit um 2,7 Prozent geringer aus als zuvor. Ökonomen hatten mit einem Ergebnis in dieser Grössenordnung gerechnet. Das Defizit im US-Handel mit China weitete sich um vier Prozent auf fast 35 Milliarden Dollar aus. Das ist das höchste Niveau seit knapp zwei Jahren. Dagegen schrumpfte das Defizit mit der EU auf gut zwölf Milliarden Dollar. Präsident Donald Trump wirft wichtigen Handelspartnern wie China und Deutschland vor, sich mit unfairen Praktiken Vorteile im internationalen Wettbewerb zu erschleichen. Er hat deshalb wiederholt Strafzölle und andere Gegenmassnahmen ins Spiel gebracht.

BESSERE ENERGIEEFFIZIENZ: (Berlin) Für die weltweite Wirtschaftsleistung wird immer weniger Energie gebraucht. Die globale Energieintensität, die für die Erstellung einer Einheit des Bruttoinlandprodukts erforderlich ist, nahm im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent ab, wie aus dem Energie-Effizienzbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervorgeht. Allerdings war der Rückgang damit geringer als in den Vorjahren: Seit 2010 lag er im Durchschnitt bei 2,1 Prozent. Die Agentur mahnte daher an, dass die Regierungen nicht so vorankämen, wie es möglich wäre. Die Bemühungen hätten deutlich nachgelassen. Den grössten Einfluss auf die weltweite Energieeffizienz hat der Studie zufolge weiterhin China, wo Fortschritte erzielt worden seien. Durch den effizienteren Energieeinsatz im Jahr 2016 sei gegenüber dem Vorjahr eine Vorteil von 2,2 Billionen Dollar - etwa das Doppelte der Grösse der australischen Wirtschaft - eingestrichen worden.

RUSSISCHER BÖRSENGANG: (Moskau) Der erste grosse Börsengang eines russischen Unternehmens in London seit Beginn der Sanktionen im Ukraine-Konflikt vor rund drei Jahren rückt näher. Der Industriemagnat Oleg Deripaska will sein in der Gruppe En+ gebündeltes Aluminium- und Wasserkraft-Geschäft in der britischen Hauptstadt und in Moskau an die Börse bringen. Dabei werden Einnahmen von 1,5 Milliarden Dollar angepeilt, wie das Unternehmen mitteilte. Mit dem Geld sollen Schulden abgebaut werden.

MIT CHIPSPARTE AN DIE BÖRSE: (Tokio) Der US-Finanzinvestor Bain Capital will die für 18 Milliarden Dollar gekaufte Toshiba-Chipsparte binnen drei Jahren an die Tokioter Börse bringen. Damit solle das Investment versilbert werden, teilte die Beteiligungsgesellschaft mit. Zudem hoffe man, den Streit mit dem US-Festplattenspezialisten Western Digital bald beizulegen, der nach der Niederlage in dem monatelangen Bieterrennen vor Gericht gezogen ist. Toshiba hatte Ende September den Verkauf an das von Bain geführte Konsortium besiegelt, dem auch Apple und der südkoreanische Chip-Konzern SK Hynix angehören. Der japanische Elektronikkonzern will sich mit den Einnahmen nach der Insolvenz seiner amerikanischen AKW-Tochter Westinghouse sanieren und einen Zwangsabschied von der Börse verhindern.

GESPRÄCHE ÜBER FREIHANDEL: (Seoul) Die USA sind ihrem Ziel, das fünf Jahre alte Freihandelsabkommen mit Südkorea zu ändern, näher gekommen. Nach längerem Zögern stimmte die südkoreanische Seite bei Gesprächen in Washington einer Aufnahme entsprechender Verhandlungen zu. "Beide Seiten erkennen die Notwendigkeit an, das Abkommen zu ändern, um die beiderseitigen Vorteile zu vergrössern", hiess es in einer Erklärung des südkoreanischen Handelsministeriums. Um den formalen Prozess einzuleiten, wollen die Südkoreaner unter anderem eine öffentliche Anhörung und eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchführen lassen. Wie das Abkommen letztlich geändert werden soll, blieb zunächst unklar. Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump profitiert Südkorea stärker vom Freihandel als die USA. Südkorea ging dagegen davon aus, dass der freie Handel beiden Ländern zu gleichen Teilen Vorteile gebracht habe.

DUALE BERUFSAUSBILDUNG: (Brüssel) Die EU-Kommission setzt auf duale Berufsausbildung mit Lehre und Berufsschule, wie sie in der Schweiz seit langem üblich ist. Die EU-Behörde will hochwertige Berufsausbildungen mit bis zu 27 Milliarden Euro aus dem EU-Sozialfonds in Zukunft stärker fördern. Sie legte in Brüssel einen entsprechenden Vorschlag für eine Initiative vor. "Diese Initiative wird zu einer besseren Beschäftigungsfähigkeit und persönlichen Entwicklung von Auszubildenden und damit auch zu einer hervorragend ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmerschaft gemäss den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts beitragen", erklärte die EU-Kommission.

(AWP)