Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 24. Oktober 2017
24.10.2017 17:44

ALCON-ENTSCHEID VERTAGT: (Basel) Der Basler Pharmakonzern Novartis ist im dritten Quartal 2017 langsam auf Touren gekommen. Zugelegt hat auch die angeschlagene Augenheilsparte Alcon, die aber weiterhin rote Zahlen schreibt. Den Entscheid über ihre Zukunft hat die Konzernleitung vertagt. Ursprünglich wollte Novartis bis Ende dieses Jahres entscheiden, was mit dem Sorgenkind Alcon passiert. Heute gab der Konzern aber bekannt, dass er für die strategische Überprüfung noch mehr Zeit benötigt. Novartis will Alcon deshalb bis mindestens 2019 behalten. Eine allfällige Transaktion erfolgt nach neusten Konzernangaben wahrscheinlich nicht vor dem ersten Halbjahr 2019. Im Vordergrund steht für Novartis nun eine Verselbständigung von Alcon. Ein Börsengang soll für die Novartis-Aktionäre zusätzlichen Mehrwert schaffen.

SPAM-FLUT: (Bern) Wer einen E-Mail-Account bei Bluewin hat, wird seit Sonntagabend mit einer Flut von Werbemails eingedeckt. Laut der Betreiberin Swisscom handelt es sich um eine schweizweite Störung. "Wir stellen im Moment eine aussergewöhnlich hohe Spam-Welle fest", sagte Sprecherin Annina Merk auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Zahl der unerwünschten Mails sei vier bis fünf Mal höher als üblich. Angefangen hatte die Cyberattacke am Sonntagabend. Die Spam-Mails erreichen die Kunden wellenartig. Wegen der Mailflut ist der E-Mail-Service einschliesslich Webmailzugang für einige Kunden beeinträchtigt. Es können auch Übermittlungsfehler bei Mailprogrammen auftreten, die sich mit einem Bluewin-E-Mail-Konto synchronisieren. Der Absender des Spam-Angriffs ist unbekannt. Die Swisscom empfiehlt die zweifelhaften E-Mails als Spam zu markieren oder zu löschen.

WEITER IM AUFWIND: (Lausanne) Das Unternehmen mit der Computermaus macht weiterhin kräftig Mäuse: Logitech hat in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2017/18 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Vor allem Zubehör für Computergamer und Tablets gingen weg wie warme Weggli. So stieg der Umsatz mit Gamingzubehör um 41 Prozent, wie das westschweizerisch-amerikanische Unternehmen am Dienstag in einem Communiqué bekannt gab. Mit 191,5 Millionen Dollar ist die Ausrüstung für Computer- und Konsolenspieler mittlerweile zum drittwichtigsten Umsatzbringer angewachsen. Am meisten Geld in die Kasse bringen aber immer noch die Computermäuse (246,3 Millionen Dollar) und die Tastaturen (235,5 Millionen Dollar). Auch in diesem Traditionsgeschäft konnte Logitech ganz leicht wachsen.

STANDFESTE INDUSTRIE: (Zürich) Die Schweizer Exportwirtschaft hat über die Jahre hinweg eine grosse Widerstandskraft gegen die Aufwertung des Frankens entwickelt. Das ist das Fazit von fünf vom Staatssekretariat für Wirtschaft in Auftrag gegeben Studien. Dabei unterscheiden sich kurzfristige und langfristige Effekte. Kurzfristig sind starke Aufwertungen für die Exportwirtschaft ein Schock, der sich sowohl in der Beschäftigung wie bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung negativ auswirkt. Langfristig scheint die Industrie diese Schocks jedoch verdauen zu können. So haben die Aufwertungen die Struktur der Schweizer Exporte kaum verändert. Gestiegen jedoch ist dank der zunehmenden Spezialisierung der Industrie die Qualität.

NEUE SWISS-VERBINDUNGEN: (Zürich) Die Fluggesellschaft Swiss fliegt ab Ende Monat neu eine beliebte Outsourcing-Destination der Schweizer Unternehmen in Polen an. Die Direktverbindung ins südpolnische Breslau wird Swiss nun auch im Sommer 2018 bedienen. Die Flüge werden jeweils montags, mittwochs und freitags durchgeführt. Die Verbindung wurde wegen der starken Nachfrage der wachsenden schweizerisch-polnischen Business-Community aufgenommen. Unter anderem die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben Hunderte Backoffice und IT-Jobs nach Breslau ausgelagert. Bereits letztes Jahr reagiert Swiss auf die Outsourcing-Welle nach Polen. Statt viermal die Woche wird die IT-Stadt Krakau seither täglich angeflogen.

GEWINN GESTEIGERT: (Ebikon) Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat in den ersten neun Monaten 2017 mehr umgesetzt und mehr verdient. Der Umsatz zog an um 4,3 Prozent auf 7,359 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte um 10,1 Prozent auf 860 Millionen Franken. Unter dem Strich blieben 648 Millionen Franken, das sind 10,6 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, wie Schindler mitteilte. Operative Fortschritte sowie das stark wachsende Servicegeschäft hätten den Preisdruck und höhere Materialkosten kompensieren können, heisst es.

PORTFOLIO VERKAUFT: (Basel) Der von ChemChina übernommene Agrochemiekonzern Syngenta stösst ein Portfolio an Pflanzenschutzprodukten im Wert von 490 Millionen US-Dollar ab. Mit dem Verkauf komme Syngenta Abmachungen mit der EU-Kommission nach, teilte das Unternehmen mit. Diese wurden im Zuge der Übernahme durch ChemChina getroffen. Das Portfolio an Pflanzenschutzprodukten im Bereich Herbizide, Fungizide, Insektizide und weiteren Kategorien verkauft Syngenta zusammen mit Adama Agricultural Solutions Ltd. an die Nufarm Ltd. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen werden, müsse aber noch von den europäischen Behörden abgesegnet werden.

HÖHERER DECKUNGSGRAD: (Zürich) Die Pensionskassen in der Schweiz haben im dritten Quartal den Deckungsgrad leicht erhöhen können. Bei den privatrechtlichen Pensionskassen stieg laut dem ZKB-Fondsanbieter Swisscanto der Deckungsgrad um 1,1 Prozentpunkte auf 112,1 Prozent. Bei den öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Vollkapitalisierung ist er sogar um 1,5 Prozentpunkte auf 104,8 Prozent. Zur Verbesserung haben vor allem Aktien beigetragen. Obligationen und Immobilienanlagen dagegen erzielten kaum eine Rendite. Indirekt gehaltenen Immobilienanlagen verzeichneten sogar einen Kurszerfall.

TIEFERE PROGNOSE: (Herisau/Pfäffikon) Der Kabel- und Komponentenhersteller Huber+Suhner hat nach einem schleppenden dritten Quartal seine Jahresprognose bei Umsatz und Marge leicht gesenkt. Der Auftragseingang in den ersten neun Monaten wurde dennoch insgesamt deutlich gesteigert. Im dritten Quartal 2017 stagnierte der Umsatz auf dem Vorjahresniveau von 178 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte in den ersten neun Monaten 2017 ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 588,3 Millionen Franken. Von den drei Sparten haben dabei die Sparte Hochfrequenz und Niederfrequenz mehr verkauft als im Vorjahr. Doch der umsatzstärkste Bereich Fiberoptik litt unter dem markanten Rückgang der Aufträge bei den Kommunikationsausrüstern.

DEUTLICH GEWACHSEN: (Luzern) Die in der Farbmetrik tätige Datacolor hat im Geschäftsjahr 2016/17 unter dem Strich 6,8 Millionen Dollar verdient. Das sind 13,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Betriebsgewinn (EBIT) legte um 3,2 Prozent zu auf 6,4 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf 72,8 Millionen Dollar. Den ausführlichen Geschäftsbericht veröffentlicht Datacolor am 15. November.

MEHR AUFTRÄGE: (Zürich) Die Erträge in der Schweizer Gussindustrie haben sich in diesem Jahr deutlich erholt, wie der Giesserei-Verband der Schweiz (GVS) mitteilte. Neben dem schwächeren Franken habe die Branche vor allem von der wirtschaftlichen Erholung in Europa profitiert. Der Zunahme sei besonders in Deutschland stark zu spüren, dem wichtigsten Exportmarkt der Schweizer Gussindustrie. Wegen des starken Frankens musste die Branche über die Krisenjahre lukrative Grossaufträge zunehmend ins kostengünstigere Ausland abgeben. Nun würden europaweit und international wieder vermehrt die eidgenössischen Werte zählen.

AUF 50-JAHRES-TIEF: (Paris) Das Wetter macht den grossen europäischen Weinländern schwer zu schaffen. Vor allem wegen des Frosts im Frühjahr müssen sie dramatische Einbussen verkraften. Die weltweite Weinproduktion fällt in diesem Jahr auf ein 50-Jahres-Tief. Die Internationale Weinorganisation (OIV) erklärte in Paris, in den grössten Herstellerländern Italien, Frankreich und Spanien sei wegen schlechter Ernten mit Einbrüchen von teilweise mehr als 20 Prozent zu rechnen. Laut einer ersten Schätzung der OIV kamen die Winzer insgesamt auf rund 247 Millionen Hektoliter - 8,2 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Dies sei das niedrigste Ergebnis seit 1961, sagte Generaldirektor Jean-Marie Aurand.

STÄDTE WERBEN UM AMAZON: (Seattle) 238 Städte in Nordamerika bewerben sich darum, Standort des zweiten Hauptsitzes des Online-Händlers Amazon zu werden. Unter den Kandidaten sind US-Grossstädte wie Chicago oder New York, aber auch mittelgrosse Städte wie die Universitätsstadt Austin in Texas. Auch aus Kanada und Mexiko trafen Bewerbungen ein. Amazon will im sogenannten "HQ2" (Headquarter 2) rund 50'000 Menschen beschäftigen und selbst fünf Milliarden Dollar investieren. Die Städte buhlen um die Gunst von Amazon mit milliardenschweren Steuererleichterungen. Das Unternehmen erklärte, "wir werden jedes Angebot prüfen." Amazon-Chef Jeff Bezos hatte im September angekündigt, einen neuen Standort zu suchen, die Bewerbungsfrist endete am vergangenen Donnerstag.

GEWINNPLUS: (Frankfurt) BASF profitiert weiter von höheren Verkaufspreisen in seinem Chemiegeschäft, ächzt aber unter den gestiegenen Rohstoffkosten. Der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) stieg im dritten Quartal um 16 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf 15,3 Milliarden Euro, wie der weltgrösste Chemiekonzern mitteilte. Damit geht das deutsche Unternehmen gestärkt in seine beiden milliardenschweren Zukäufe, die es zuletzt binnen eines Monats angekündigt hatte.

TOP UND FLOP: (Detroit) Hohe Sonderkosten aus dem Verkauf des Europageschäfts um die deutsche Tochter Opel haben dem grössten US-Autobauer General Motors (GM) rote Zahlen im dritten Quartal eingebrockt. Fiat Chrysler haben im dritten Quartal hingegen vor allem seine SUV-Modelle Auftrieb gegeben. Unter dem Strich fiel bei GM ein Verlust von 3,0 Milliarden Dollar an. Im Vorjahreszeitraum hatte GM noch 2,8 Milliarden Dollar verdient. Der US-Autoriese musste 2,3 Milliarden Dollar an Steuervorteilen aus der Bilanz ausbuchen, die wegen des im August vollzogenen Verkaufs von Opel und Vauxhall an die französische PSA Gruppe nicht mehr beansprucht werden können. Fiat Chrysler legte hingegen im Zeitraum Juli bis September beim bereinigten operativen Gewinn (Ebit) um 17 Prozent auf knapp 1,76 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 910 Millionen Euro. Das waren 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

MEGASTADT: (Riad) Für dem Umbau seiner Wirtschaft investiert das Königreich Saudi-Arabien 500 Milliarden Dollar in den Bau einer futuristischen Megastadt am Roten Meer. "Neom" soll auf einer 26'500 Quadratkilometer grossen Fläche entstehen. Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman stellte das Megaprojekt in Riad vor. "Neom" ziele durch die Förderung verschiedener Wirtschaftsbereiche wie Biotechnologie, Energie und Wasser oder die mediale Entwicklung darauf ab, die Ökonomie des Landes unabhängiger vom Öl zu machen. Zur Stromversorgung von Neom sollen ausschliesslich Windkraft und Sonnenenergie genutzt werden. Das künftige Industriezentrum liegt strategisch günstig zwischen Asien, Europa und Afrika, nahe der Schifffahrtsroute durch den Suezkanal. Das Budget für das Projekt, das Teil des saudi-arabischen Wirtschaftsumbaus "Vision 2030" ist, ist mit bis zu 500 Milliarden Dollar in etwa so hoch wie das Bruttoinlandprodukt von Polen. Die erste Bauphase soll 2025 abgeschlossen sein.

MEHR APPETIT: (Oak Brook) Der Fastfood-Riese McDonald's hat mit neuen Burgern und Rabattaktionen im dritten Quartal überraschend viele Kunden angelockt. Steigenden Absatzzahlen und der Verkauf des Filialgeschäfts in China liessen den Gewinn um 48 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar klettern. Der Absatz in etablierten Filialen, die seit mindestens 13 Monaten geöffnet sind, legte weltweit um sechs Prozent zu. In den USA, wo McDonald's sich angesichts starker Konkurrenz lange Zeit schwer tat, konnte der Branchenführer dank Sonderangeboten und Gourmet-Burgern ein Verkaufsplus von 4,1 Prozent verbuchen. Die Erlöse sanken indes um zehn Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Grund ist, dass zunehmend Filialen an Franchisenehmer abgegeben werden.

VERKAUF FÜLLT KASSEN: (Mailand) Der Verkauf des Vermögensverwalters Pioneer hat der italienischen Grossbank UniCredit zu einem Gewinnsprung verholfen. Unter dem Strich wies das Geldhaus einen Gewinn von 2,82 Milliarden Euro aus. Ohne die Erlöse aus dem Verkauf von Pioneer und andere Einmaleffekte steigerte UniCredit den Gewinn im dritten Quartal auf 838 Millionen Euro von 447 Millionen Euro vor Jahresfrist. UniCredit hatte im Dezember den Verkauf von Pioneer an den französischen Vermögensverwalter Amundi vereinbart.

ENTSCHULDIGUNG VOM CHEF: (Tokio) Mit einer tiefen Verbeugung vor den Aktionären hat sich der Chef des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba für den Verkauf der lukrativen Chip-Sparte entschuldigt. "Es tut uns aufrichtig Leid, dass wir Probleme und Sorgen bereitet haben", sagte Satoshi Tsunakawa vor rund 600 Anteilseignern. Das Geschäft mit Speicherchips soll für umgerechnet rund 15 Milliarden Euro an ein Konsortium um den US-Finanzinvestor Bain Capital verkauft werden. Die Generalversammlung stimmte dem Verkauf unter ärgerlichen Zwischenrufen zu. Mit den Milliarden will sich das Unternehmen wieder finanziellen Spielraum verschaffen.

RÜCKKEHR AN BÖRSE: (Mailand) Die Aktien der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena werden ab Mittwoch wieder gehandelt. Die zuständige Aufsicht habe die Rückkehr an die Mailänder Börse genehmigt, teilte das Finanzinstitut mit. Die Papiere des überschuldeten Geldhauses waren das letzte Mal im Dezember 2016 auf dem Parkett verfügbar. Damals misslang es der Bank, bei ihren Investoren frisches Kapital einzusammeln und sie benötigte Hilfe. Der italienische Staat bewahrte das traditionsreiche Institut mit einem acht Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Kollaps.

(AWP)