Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 23. November 2017
23.11.2017 17:35

KARTELLVERSTOSS VERMUTET: (Bern) Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) vermutet einen Verstoss gegen das Kartellgesetz beim Abgasreinigungsmittel Adblue, das bei Dieselmotoren eingesetzt wird. Die Weko hat deshalb eine Untersuchung gegen zwei Firmen eröffnet, die Adblue in der Schweiz vertreiben. Es bestehen Anhaltspunkte, dass die Bucher AG Langenthal und die Brenntag Schweizerhall AG beim Vertrieb von Adblue die Kunden unter sich aufgeteilt haben. Dies wäre ein Verstoss gegen das Kartellgesetz. In einer Untersuchung wollen die Wettbewerbshüter nun prüfen, ob es verbotene Absprachen gegeben hat. Kunden der beiden Firmen sind unter anderem Tankstellenbetreiber und grosse Transportunternehmen, die Adblue für ihre Camions brauchen. Die Untersuchung der Weko hat aber keinen Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal, in dessen Zentrum Adblue steht.

STELLENABBAU IN WEHR: (Basel) Novartis baut am Standort Wehr in Süddeutschland 160 von aktuell 520 Arbeitsplätzen ab. Der Pharmakonzern bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der Finanznachrichtenagentur AWP entsprechende Medienberichte. Es sei geplant, den Bereich Verpackung bis 2022 an andere Standorte zu verlagern. In Wehr bleiben Marktneueinführungen und die Herstellung von Produkten mit einer hohen Wertschöpfung.

ZU KLEINE MOSTOBSTERNTE: (Sursee LU) Der Frost im Frühjahr sorgt für die kleinste Mostobsternte seit 1957. Weil die Saft- und Konzentratsreserven nun nicht bis zur nächsten Ernte ausreichen, muss der Getränkehersteller Ramseier geringe Mengen Mostobstkonzentrat importieren. Nur so könnten die Marktbedürfnisse gedeckt werden, teilte die Ramseier Suisse AG mit. Der Apfelanteil bestehe bei den Ramseier-Obstprodukten weiterhin zu 100 Prozent aus reinen Schweizer Äpfeln. Der Bedarf an Birnen müsse jedoch "ausnahmsweise" aus Zukäufen aus Italien und Deutschland gedeckt werden", heisst es weiter.

ZUVERSICHT: (Zürich) Die Schweizer Parahotellerie zeigt sich zuversichtlich für die Wintersaison. Die Buchungen liegen bei den meisten Mitgliedern von Parahotellerie Schweiz höher als im Vorjahr. Die jüngste Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro, welche die Schweiz für Ausländer erschwinglicher macht, sowie günstig liegende Feiertage sind ideale Rahmenbedingungen. Bei den Jugendherbergen ist die Zahl der Buchungen um 7 Prozent im Plus. Die Reka geht von einem Buchungsplus von 5 Prozent aus. Der grösste Schweizer Ferienwohnungsanbieter Interhome hat gar gut 10 Prozent mehr Reservierungen als vor einem Jahr.

VORSCHLAG FÜR PLATTFORM: (Zürich) Spotify und Netflix als Vorbild für die Medien: Das Beratungsunternehmen EY schlägt eine verlagsübergreifende "Swiss-Media-Plattform" vor. Laut einer Umfrage unter 1000 Personen sind über 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung zwischen 16 und 65 Jahren an einem solchen Angebot interessiert. Die Idee: Alle teilnehmenden Medien stellen ihre Inhalte auf die Plattform. Diese kann durch individuell zusammenstellbare Newsfeeds personalisiert werden. Finanziert werden soll dies über unterschiedliche Zahlungsmodelle: Beispielsweise pro Tag, Monat oder Jahr. Nutzer, die bereit seien, anonymisierte Daten über ihr Nutzerverhalten und ihre Interessen zu teilen, profitierten im Gegenzug von einem vergünstigten Preis.

SGKB EXPANDIERT: (St. Gallen) Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) übernimmt das Privatbankengeschäft der M.M. Warburg Bank (Schweiz). Fünf Kundenberater wechseln zum SGKB-Standort Zürich. Die Warburg Bank zieht sich zurück aus dem Geschäft mit klassischen Privatkunden in der Schweiz. Am Standort Zürich bleibt die Warburg Gruppe mit ihrer Tochter Private Client Partners AG vertreten, wie die SGKB mitteilte. Private Client Partners betreut als Family Office grössere Familienvermögen und ausgewählte institutionelle Kunden (Asset Management-Mandate). Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

ZUR ROSE KAUFT ZU: (Frauenfeld) Die Schweizer Onlineapotheke und Ärztegrossistin Zur Rose übernimmt die niederländische Versandapotheke Vitalsana sowie den dazugehörigen deutschen Dienstleister ApDG. Vitalsana verkauft primär rezeptfreie Medikamente und setzte damit 2016 rund 30 Millionen Euro um. Verkäufer ist das deutsche Medienunternehmen Ströer. Die Wettbewerbsbehörden müssen den Deal noch absegnen. Über die finanziellen Aspekte sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte Zur Rose mit. Beim Kauf hatte Ströer selbst vor etwas über einem Jahr 4,5 Millionen Euro für die frühere Schlecker-Tochter bezahlt.

FEHLENDER EINBEZUG: (Bern) Der Schweizerische Bankpersonalverband prangert das Vorgehen der Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX beim angekündigten Stellenabbau an. Im Gegensatz zu den von SIX an die Medien herausgegebenen Informationen sei keine gewählte Personalvertretung in den Prozess einbezogen worden. Die Mitarbeitenden müssten Gelegenheit haben, sich zu organisieren und Vertreter zu wählen, die in ihrem Namen einen Sozialplan aushandelten, teilte der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) mit. Die SIX hatte am Montag bekannt gegeben, bis zu 100 Stellen in ihrer Bezahlsparte abbauen zu wollen. Der Bankpersonalverband glaubt, dass die aktuelle Restrukturierung nur die Speerspitze von weiteren geplanten Verkäufen und Reorganisationen ist.

LOHNERHÖHUNGEN BEI FENACO: (Bern) Die Mitarbeitenden des Landwirtschaftskonzerns Fenaco bekommen 2018 mehr Lohn: Insgesamt steigt die Lohnsumme um ein Prozent. Angestellte mit einem monatlichen Einkommen von bis zu 4700 Franken erhalten eine generelle Lohnerhöhung von 50 Franken. Das teilten die Fenaco sowie die Gewerkschaften Syna und Unia mit. Der Mindestlohn bleibt bei 3800 Franken pro Monat. Bei den 20 Landi, an denen die Fenaco eine Mehrheitsbeteiligung hält, wird zudem die Wochenarbeitszeit mit einigen Ausnahmen von 44 auf 43 Stunden gesenkt. Insgesamt arbeiten fast 10'000 Mitarbeitende für die Agrargenossenschaft. Davon sind rund 5800 dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt.

VON TUTTI ZU RICARDO: (Zürich) Francesco Vass wechselt von der Spitze des Kleinanzeigenportals tutti.ch zum Online-Marktplatz ricardo.ch. Vass wird ab 1. Januar 2018 zum neuen Ricardo-Chef. Er folgt auf Bodo Kipper, der die Leitung auf Ende 2017 aus privaten Gründen abgibt. Unter seiner Führung sei die strategische Ausrichtung von ricardo.ch neu festgelegt und ein grundlegender Umbau gestartet worden, schreibt die Ricardo-Gruppe in einer Mitteilung. Der gebürtige Tessiner Vass ist 43 Jahre alt. Unter seiner Leitung habe sich tutti.ch als führende Kleinanzeigen-Plattform der Schweiz etabliert. Sowohl die Ricardo-Gruppe als auch tutti.ch gehören seit 2015 zum Schweizer Medienkonzern Tamedia.

JOBAUFBAU IN EUROZONE: (Berlin) Dank der anziehenden Konjunktur weiten die Unternehmen im Euroraum ihre Beschäftigung so stark aus wie seit dem Herbst 2000 nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - stieg im November um 1,0 auf 56,7 Punkte. Das teilte das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter rund 5000 Unternehmen mit. "Die rasanteste Zunahme der Auftragsbestände seit über zehn Jahren sorgte für den kräftigsten Beschäftigungsaufbau seit 17 Jahren." Markit-Chefökonom Chris Williamson erwartet für Jahresende ein Wachstum der gesamten Wirtschaft von 0,8 Prozent und damit das stärkste Quartalsplus seit Anfang 2011.

KRÄFTIGES WACHSTUM: (Wiesbaden) Die deutsche Wirtschaft hat angetrieben vom Exportboom und von steigenden Investitionen vieler Unternehmen ihr Wachstumstempo im dritten Quartal erhöht. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das teilte das Statistische Bundesamt mit und bestätigte damit eine erste Schätzung. Im zweiten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen. Nach Einschätzung von Ökonomen steuert die deutsche Wirtschaft 2017 auf das stärkste Wachstum seit sechs Jahren zu. Impulse kamen in den Sommermonaten Juli bis September nach Angaben der Statistiker vom Aussenhandel, der von der Erholung der Weltwirtschaft profitierte.

IWF BESORGT ÜBER SIMBABWE: (Johannesburg) Auch nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Robert Mugabe zeigt sich der Internationale Währungsfonds besorgt über die Lage in Simbabwe. "Die wirtschaftliche Situation in Simbabwe bleibt sehr schwierig", sagte der für das südafrikanische Land zuständige IWF-Experte Gene Leon der Nachrichtenagentur Reuters. "Sofortiges Handeln ist wichtig, um das Defizit auf ein nachhaltiges Niveau zu senken." Zudem müsse es verstärkt Strukturreformen geben, und das Land müsse für dringend benötigte Finanzhilfe auf die internationale Gemeinschaft zugehen. Simbabwe konnte sich seit 1999 von ausländischen Geldgebern kein Geld mehr leihen, da es seine Schulden nicht mehr zurückzahlen konnte. Simbabwe steht bei Gläubigern aus dem Ausland mit 1,75 Milliarden Dollar in der Kreide.

THYSSENKRUPP PROFITIERT: (Düsseldorf) Der Mischkonzern Thyssenkrupp hat im vergangenen Geschäftsjahr 2016/2017 operativ mehr verdient und dabei von der vor der Ausgliederung stehenden Stahlsparte profitiert. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg per Ende September um ein knappes Drittel auf 1,9 Milliarden Euro. Wegen hoher Abschreibungen beim Verkauf des Stahlwerks in Brasilien fuhr Thyssenkrupp aber unter dem Strich einen Verlust von 649 Millionen Euro ein. Die Aktionäre sollen dennoch eine unveränderte Dividende von 15 Cent je Papier erhalten. Für 2017/18 stellte Konzernchef Heinrich Hiesinger einen operativen Gewinn von 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro in Aussicht und einen deutlich positiven Überschuss.

(AWP)