Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 6. Dezember 2017
06.12.2017 17:39

AUFSCHWUNG IN SICHT: (Zürich) Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat die Wachstumsprognose für nächstes Jahr von 2 auf 2,2 Prozent erhöht. So soll die Schweizer Industrie 2018 definitiv aus dem Tal finden. In der Maschinenindustrie, in der die Trendwende bereits im ersten Quartal 2017 einsetzte, soll sich der Aufschwung nächstes Jahr deutlich verstärken. Der Dachverband erwartet zudem, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2018 erstmals seit 2012 wieder unter die Drei-Prozent-Marke sinken wird. Als künftiges Risiko sieht Economiesuisse die Zinswende - mit der sie erst im Jahr 2019 rechnet. Wegen der hohen Bewertung der Immobilien könnte eine Wende grössere Preiskorrekturen auslösen, so die Ökonomen.

TALSOHLE ERREICHT: (Winterthur) Der Kolbenkompressoren-Hersteller Burckhardt Compression sieht die Talsohle erreicht und gibt sich neue Mittelfristziele. Dabei setzt Burckhardt weiterhin auf organisches Wachstum, will aber auch wieder profitabler werden. Konkret soll der Umsatz bis ins Geschäftsjahr 2022/23 eine Grössenordnung von 700 Millionen Franken erreichen, wie das Management bekannt gab. Davon sollen 10 bis 15 Prozent als Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) übrig bleiben. Zum Vergleich: Für das letzte Geschäftsjahr 2016/17 wurde ein Umsatz von knapp 558 Millionen Franken und eine Ebit-Marge von 11 Prozent ausgewiesen. Für das laufende Jahr 2017/18 peilt die einst zum Industriekonzern Sulzer gehörende Gesellschaft eine Marge zwischen 6 und 9 Prozent an.

STABILE PREISE: (Neuenburg) Die Preise in der Schweiz sind im November mit einem Minus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat fast gleich geblieben. Gegenüber dem Vorjahresmonat betrug die Teuerung 0,8 Prozent. Wie die veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, erreichte der Landesindex der Konsumentenpreise den Stand von 100,9 Punkten. Als Ausgangspunkt gilt die Basis von Dezember 2015 bei 100 Punkten. Leicht teurer gegenüber dem Vormonat waren Heizöl sowie Treibstoff. Weniger bezahlen musste man dafür wie bereits im Oktober für Pauschalreisen ins Ausland sowie Hotelübernachtungen. Auch Fruchtgemüse war leicht günstiger.

UBER-FAHRER STREIKEN: (Genf) In Genf sind 18 indirekt für den Fahrdienst Uber tätige Chauffeure aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen in Streik getreten. Sie erhielten offenbar keine Sozialversicherungsbeiträge und zu wenig Lohn. Die Chauffeure sind bei den Unternehmen Pégase Léman und StarLimoLuxe angestellt. Sie verlangen, dass die geltenden Rechtvorschriften geachtet werden, wie die Gewerkschaft Unia bekanntgab. Die Unia und eine Delegation der Streikenden übergab dem Management von Uber in Carouge GE die Forderungen. Am Donnerstag wollen die Angestellten zudem einen Informationsstand vor dem Genfer Wirtschaftsdepartement aufstellen.

BELIEBTES ONLINE-SHOPPING: (St. Gallen) Schweizerinnen und Schweizer kaufen nach wie vor gern im Ausland ein - immer lieber ganz bequem per Mausklick vom Sofa aus. Eine Studie der Universität St. Gallen kam zum Schluss, während 2015 erst rund 30 Prozent der Konsumenten bei ausländischen Anbietern bestellt hätten, so seien es 2017 bereits 37 Prozent gewesen. Bestellt worden sei nicht nur häufiger, sondern auch mehr. Zwar machten sich 2017 nicht mehr so viele Leute die Mühe, selbst ins Ausland zum Shopping zu fahren. Jene, die das taten, kauften jedoch mehr. "Der durchschnittliche Warenkorb hat zugenommen", heisst es in einer Mitteilung zur Studie. Ob jemand im Ausland einkaufe, sei im übrigen unabhängig vom Einkommen.

NEUE KONKURRENZ: (Berlin) Der britische Billigflieger Easyjet will der Swiss und ihrem Mutterkonzern Lufthansa mehr Konkurrenz machen: Ab Januar fliegt Easyjet erstmals mehrmals täglich von Zürich aus den Berliner Flughafen Tegel an. Bis zu vier Mal pro Tag fliegen die Briten dann zwischen Zürich und Berlin hin und her. Auf dieser Strecke hatte die Swiss nach der Pleite von Air Berlin zunächst keine Konkurrenz mehr. Dazu kommen ein bis zwei Flüge von Easyjet täglich zum weiter gelegenen Flughafen Berlin Schönefeld. Der irische Billigflieger Ryanair will seine Präsenz in Berlin ebenfalls erhöhen und bewirbt sich erstmals um Start- und Landerechte am Flughafen Tegel. Dort will die Fluggesellschaft neun Maschinen betreiben.

IN ALLER MUNDE: (Bern) Mit der Adventszeit kommt auch die Zeit der "spanischen Nüssli". Bei der Migros etwa wird über die Hälfte der verkauften Jahresmenge an ganzen ungeschälten Erdnüssen im Dezember umgesetzt. Nicht eingerechnet sind dabei andere Erdnüsse, etwa geröstete Nüsse, wie eine Migros-Sprecherin am "Samichlaustag" schrieb. Verkaufszahlen für einzelne Artikel gibt der Detailhandelsriese nicht bekannt. Aldi Suisse äussert sich ebenfalls nicht zu den Verkaufszahlen. Im Jahr 2016 hat die Schweiz 2458 Tonnen ungeröstete und ungeschälte Erdnüsse im Wert von 11,2 Millionen Franken importiert. Zwei Drittel davon kamen aus Ägypten, rund ein Viertel aus Israel. Das zeigen Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung. Dazu kommen 3390 Tonnen zubereitete oder haltbar gemachte Erdnüsse.

FÜR EU-FINANZMINISTER: (Brüssel) Ein EU-Finanzminister, ein Europäischer Währungsfonds - und alles unter Aufsicht des EU-Parlaments: Die EU-Kommission hat in Brüssel eine Reihe von Ideen für die kommenden Jahre vorgestellt, um die EU besser gegen Finanzkrisen zu wappnen. "Nach Jahren der Krise ist es jetzt an der Zeit, Europas Zukunft in unsere eigenen Hände zu nehmen", erklärte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Brüsseler Behörde möchte einen EU-Finanz- und Wirtschaftsminister schaffen, der sowohl EU-Kommissar und Chef der Eurogruppe sein soll. Dadurch erhofft sie sich schnellere und klarere Entscheidungen, da die Zuständigkeiten und Kompetenzen künftig gebündelt wären. Der neue Minister könnte 2019 seine Arbeit aufnehmen. Zuvor müssen EU-Parlament und die Mitgliedsländer über die Personalie beraten.

STARKER ARBEITSMARKT: (Washington) Die US-Firmen haben im November mehr Personal eingestellt als erwartet. Es entstanden insgesamt 190'000 neue Jobs, wie der Personaldienstleister ADP unter Berufung auf seine Umfrage unter Privatunternehmen mitteilte. Damit entstanden erneut weit mehr neue Stellen als nötig wären, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Dafür wären einer Faustregel zufolge monatlich 75'000 bis 100'000 ausreichend. Die US-Notenbank (Fed), die Vollbeschäftigung fördern soll, dürfte angesichts des Booms nächste Woche die dritte Zinserhöhung in diesem Jahr in Angriff nehmen.

BEFRAGT: (Paris) Drei frühere Top-Manager von Lafarge, unter ihnen der damalige Firmenchef Bruno Lafont, wurden am Mittwoch von französischen Ermittlern befragt. Dabei ging es um die Aktivitäten des Zementkonzerns in Syrien. Neben Lafont wurden auch der frühere Personalchef Eric Olsen und der damalige stellvertretende operative Generaldirektor Christian Herrault in Polizeigewahrsam genommen und angehört, schreibt die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf informierte Personen. Lafarge steht im Verdacht, in früheren Jahren Extremisten in Syrien bezahlt zu haben, damit ein Werk im Norden des Landes in Betrieb bleiben konnte. Lafarge war 2015 mit dem Schweizer Baustoffkonzern Holcim zu LafargeHolcim fusioniert.

MILLIONENSTRAFE: (New York/Frankfurt) Das deutsche Pharmaunternehmen Bayer hat mit seinem wichtigstem Medikament in den USA eine Schlappe vor Gericht erlitten. Ein Gericht in Philadelphia verurteilte Bayer und den US-Partner Johnson & Johnson zur Zahlung einer Strafe von insgesamt knapp 28 Millionen Dollar an ein Paar aus dem US-Bundesstaat Indiana. Die beiden Unternehmen hätten nicht ausreichend auf Risiken von inneren Blutungen bei der Einnahme des Gerinnungshemmers Xarelto hingewiesen. Für Bayer und J&J, die Xarelto gemeinsam entwickelt hatten, ist es die erste Niederlage vor Gericht im Zusammenhang mit der Arznei. Drei vorherige Fälle waren zugunsten der Pharmakonzerne entschieden worden. Sie wollen nun Einspruch gegen das Urteil einlegen. Unter den Medikamenten ist Xarelto der wichtigste Umsatzbringer von Bayer.

STREIT GEHT WEITER: (Mountain View/Seattle) Ein geschäftlicher Streit zwischen YouTube und Amazon zieht zunehmend die Nutzer in Mitleidenschaft. Die Google-Videoplattform zieht ihre App nun auch von Amazons Fernsehbox Fire TV zurück. Ausserdem wird die Anwendung auch das Gerät Echo Show verlassen - einen smarten Lautsprecher mit Display, auf den sie gerade erst wieder zurückgekehrt war. YouTube erklärte das Vorgehen mit einer Benachteiligung durch den weltgrössten Online-Händler.

WEITERE MARKE GEKNACKT: (New York) Der Bitcoin hat allen Warnungen zum Trotz auch die 12'000-Dollar-Marke gerissen. Eine Einheit der virtuellen Währung wurde laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg in Asien zwischenzeitlich für 12'590 Dollar gehandelt. Beflügelt wird der Anstieg seit Wochen vor allem durch die Ankündigung der renommierten Chicagoer Terminbörse CME, künftig Terminkontrakte für Bitcoins anzubieten. Erst Mitte Oktober hatte die Kryptowährung Bitcoin, die nach ihrer Entstehung im Jahr 2009 nur wenige Cent wert war, die Marke von 5000 Dollar übersprungen. Vergangene Woche erst riss der Bitcoin die 10'000-Dollar-Marke. Kritiker warnen vor einer Blase.

MEDIENHAUS WIRD UMGEBAUT: (München) Beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 nimmt der zweite Umbau binnen anderthalb Jahren Gestalt an. Zum Jahreswechsel will Firmenchef Thomas Ebeling die Zahl der Sparten von vier wieder auf drei verringern, wie das Unternehmen zu seinem Kapitalmarkttag mitteilte. "Mit der Drei-Säulen-Strategie stellen wir ProSiebenSat.1 auch für die Zukunft wettbewerbsfähig auf", erklärte Ebeling, der das Unternehmen im Februar verlässt und bisher keinen Nachfolger hat. Er betonte, der Plan sei ein gemeinsames Werk von Vorstand und Aufsichtsrat. Die im August angekündigte Zusammenlegung der schwächelnden Fernsehsender mit der defizitären Online-Videothek Maxdome soll die Kosten bis 2020 um mehr als 50 Millionen Euro senken, wie ProSiebenSat.1 nun ankündigte.

ANTI-UNFALL-BRILLE: (Rom) Generali hat eine Partnerschaft mit dem französischen Start-up-Unternehmen Elicie Healthy für die Entwicklung sogenannter Smart Glasses abgeschlossen. Diese sollen unter anderem mit der Sammlung von Verhaltensinformationen der Autofahrer Verkehrsunfällen vorbeugen, teilte Generali mit. Die innovativen Brillen registrieren das Verhalten der Autofahrer. Sie können zudem die Belastung und die Gefahr von Schlafanfällen am Steuer bewerten. Damit soll Autounfällen vorgebeugt werden können.

(AWP)