Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 19. September 2018
19.09.2018 17:34

ARBEITSVERMITTLUNG: Der weltweit grösste Personaldienstleister Adecco ist im laufenden dritten Quartal bislang nicht auf Touren gekommen. Mittelfristig soll sich das wieder ändern. Adecco verzeichnete in den Monaten Juli und August nur eine Wachstumsrate von 2 Prozent (organisch und arbeitstagsbereinigt), wie das Unternehmen am Mittwoch im Vorfeld eines Investorentreffens mitteilte. Und im bisherigen September hätten die Volumen auf eine weitere Verlangsamung hingedeutet.

MEDIZINALTECHNIK: Die Straumann-Gruppe zieht immer wieder mit einer hohen Kadenz an Akquisitionen die Aufmerksamkeit auf sich. So auch am Mittwoch mit der Übernahme der Kontrollmehrheit an der taiwanesischen T-Plus. Plan hinter der Übernahmestrategie ist die geografische und produktmässige Diversifikation zum Komplettanbieter. Die Basler Gesellschaft war lange Zeit bekannt als führender Hersteller von Dentalimplantaten im sogenannten Premium-Markt, also im hochpreisigen Segment. Mit diesen Produkten erzielte Straumann Jahre lang Margen, von denen Unternehmen in anderen Branchen nur träumen können - in Spitzenjahren kletterte die Betriebsmarge (EBIT-Marge) bis auf 30 Prozent.

MASCHINENINDUSTRIE: Der Industriekonzern Sulzer hat das im April in einer Notfallübung von Renova übernommene Aktienpaket am Markt platzieren können. Dadurch hat sich der frei handelbare Teil der Aktien (Free Float) auf 51 Prozent erhöht. "Dass wir wieder einen Free Float von über 50 Prozent haben, ist positiv", sagte dazu Sulzer-CEO Greg Poux-Guillaume in einem Gespräch mit AWP. Die Aktie sei wegen des unter 50 Prozent gefallenen Free Floats aus verschiedenen Indizes gestrichen worden, fügte er an. Nun habe sich die Unsicherheit für die Investoren wieder verringert.

KONJUNKTUR: Die Konjunkturexperten des Bundes heben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr deutlich an. Es herrscht Hochkonjunktur. Gleichzeitig nehmen aber die Risiken für den Gang der Weltwirtschaft stetig zu. Im Juni rechnete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) für 2018 mit einer Wachstumsrate der Schweizer Wirtschaft von 2,4 Prozent. Neu liegt die Prognose bei satten 2,9 Prozent.

FINANZDIENSTLEISTER: Der Warenprüfkonzern SGS lanciert zusammen mit Partnern eine Blockchain-basierte Plattform für den Rohstoffhandel. Das neue Unternehmen wird unter dem Namen Komgo von Genf aus operieren. Es bringt 15 Aktionäre aus dem Rohstoffsektor zusammen. Die Plattform solle die Finanzierungsmöglichkeiten im Rohstoffhandel effizienter machen und gleichzeitig sicherer.

VERSICHERUNGEN: Der US-Wirbelsturm "Florence" dürfte Versicherer wie Zurich Insurance oder Rückversicherer wie Swiss Re weit weniger kosten, als im Vorfeld befürchtet. Gemäss den Modellrechnungen des Katastrophen-Spezialisten Air Worldwide dürften sich die versicherten Schäden, die die starken Windböen und Sturmfluten verursacht haben, im Rahmen von 1,7 bis 4,6 Milliarden US-Dollar bewegen. Experten hatten vor dem Auftreffen des Sturms auf die US-Ostküste Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe befürchtet. Die viel verheerenderen Schäden aus den Überschwemmungen, die "Florence" in den Bundesstaaten North und South Carolina sowie in Virginia verursacht hat, fliessen aber nicht in diese Rechnung ein.

BANKEN: Im Geldwäsche-Skandal um die Danske Bank hat der Vorstandschef Thomas Borgen seinen Rücktritt angekündigt. Die Bank sei ihrer Verantwortung in dem Fall nicht nachgekommen, erklärte er am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Geldhaus, weil in einer estnischen Filiale Geld im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro gewaschen worden sein soll. Die Danske Bank ist das grösste Kreditinstitut Dänemarks. Borgen steht seit 2013 an der Spitze des Geldhauses.

ONLINEHANDEL: Die EU-Wettbewerbshüter nehmen möglicherweise unerlaubte Geschäftspraktiken des US-Onlineversandhändlers Amazon näher in den Blick. "Wir stehen noch ganz am Anfang", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. "Wir befragen Marktteilnehmer und versuchen, ein vollständiges Bild zu erhalten." Internet-Plattformen wie Amazon hätten eine doppelte Funktionr. Sie böten eine Plattform für Händler, seien aber auch selbst grosse Anbieter. Dadurch stelle sich die Frage, was mit den Daten geschehe, die Amazon von den vielen kleineren Händlern erhalte. Wenn sie genutzt würden, um den Service für die Einzelhändler zu verbessern, sei das legitim, sagte die EU-Kommissarin.

GELDPOLITIK: Die japanische Notenbank hält an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik fest. Sie beliess am Mittwoch wie erwartet den Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent. Zugleich bekräftigten die Währungshüter ihre zuversichtliche Bewertung der Konjunkturentwicklung - trotz der anhaltenden internationalen Handelskonflikte. "Japans Wirtschaft wächst moderat", hiess es in einer Erklärung der Notenbanker nach der geldpolitischen Entscheidung. Sie wiederholten zudem ihre Ankündigung, dass die Zinsen noch für längere Zeit auf sehr niedrigem Niveau liegen sollen.

SCHULDENKRISE: Nach der jüngsten deutsch-französischen Initiative hat sich auch EZB-Chef Mario Draghi für ein Reforminstrument zur Stabilisierung der Eurozone ausgesprochen. Der Europäische Rettungsfonds ESM könne diese Aufgabe nicht alleine leisten, sagte der Italiener am Mittwoch in Berlin. "Daher brauchen wir ein zusätzliches fiskalisches Instrument, um Stabilität zu schaffen." Dies gelte für die Währungsunion als Ganzes und auch für die Mitgliedsstaaten. Welche Form dieses Instrument annehmen solle, sei noch zu klären.

mk

(AWP)