Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 25. September 2018
25.09.2018 17:21

PHARMA: Der Pharmakonzern Novartis setzt den Rotstift an und streicht mehr als 2'000 Stellen in der Schweiz. Der Stellenabbau betrifft vornehmlich Stellen in der Produktion und ist als Teil eines globalen Programms zu sehen. Im einzelnen will der Pharmakonzern an den Produktionsstandorten Basel, Stein, Schweizerhalle und Locarno etwa an die 1'500 Stellen streichen. Dies soll über einen Zeitraum von vier Jahren geschehen. Weitere 700 Stellen im Dienstleistungsbereich werden ins Ausland verlagert. Novartis betonte, im Gegenzug etwa 450 neue Stellen zu schaffen. Diese Massnahme hatte der Konzern vor kurzem angekündigt. Geplant ist der Aufbau einer Fertigungsstätte für Zell- und Gentherapien in Stein. Die Gewerkschaften Unia, Syna und der Verband Angestellte Schweiz reagierten geschockt. Sie verlangen, dass Novartis den Entscheid zurückzieht. Die Basler Regierung nimmt vom Stellenabbau "mit Bedauern und Enttäuschung" Kenntnis. Die Aargauer Regierung kritisiert den Strategiewechsel für das Fricktaler Werk in Stein.

BANKEN: Die Credit Suisse bietet ihren Mitarbeitenden künftig flexiblere Arbeitsstrukturen und Freiräume. Die Bank hat für ihre Mitarbeiter in der Schweiz eine Reihe von Massnahmen beschlossen, die einen Beitrag dazu leisten sollen, den Beruf und das Privatleben besser vereinbaren zu können. Im Zentrum steht dabei der Ausbau des Vaterschaftsurlaubs. Es geht aber auch um Pflege- und Betreuungsurlaub sowie um Dienstjubiläen. Neu erhalten die jährlich rund 400 frischgebackenen Väter bei der Credit Suisse in der Schweiz zwölf Tage Vaterschaftsurlaub, anstatt wie bisher fünf.

FREIHANDEL: Die andauernden Handelsstreitigkeiten von US-Präsident Donald Trump haben Folgen auch in der Schweiz. Auf der Hitliste der Länder, mit denen mehr Freihandel begrüssenswert wäre, sind die USA auf dem drittletzten Platz. Dies geht aus einer Online-Umfrage des Dachverbands des hiesigen Handels, Handel Schweiz, bei gut 1'000 Personen hervor. Lediglich 57 Prozent der Befragten würden mehr Freihandel mit den USA begrüssen. Schlechter schneiden nur China ab mit einer Zustimmungsrat von 54 Prozent und die Türkei (39 Prozent).

KONJUNKTUR: Die von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich vierteljährlich befragten Konjunkturexperten (KOF-Konsensus) sind für das laufende Jahr deutlich optimistischer geworden. Sie rechnen mit einem Wirtschaftswachstum in der Schweiz von 2,7 Prozent. Die Prognose für 2019 und für in fünf Jahren bleiben unverändert bei 1,7 respektive 1,6 Prozent. Optimistischer als noch im Juni sind die Konjunkturexperten bei den Bauinvestitionen, bei den Exporten sowie bei der Arbeitslosenquote.

KONJUNKTUR: Ungeachtet der weltweiten Handelskonflikte hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren im September den dritten Monat in Folge verbessert. Das Barometer des Ifo-Instituts kletterte um 0,7 auf 15,1 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit April. "Die deutschen Exporteure zeigen sich im Moment ungerührt von den internationalen Handelsstreitigkeiten", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Gegen den Trend entwickelte sich die Stimmung in der Autoindustrie. "Im September sahen die Automobilbauer keinen Spielraum für zusätzliche Exporte", sagte Fuest. Einen Zuwachs an ausländischen Umsätzen erwarten dagegen vor allem die Hersteller aus der Elektroindustrie und von Nahrungsmitteln sowie die Maschinenbauer.

KONJUNKTUR: Die Stimmung der französischen Industrie ist so schlecht wie seit Mai 2017 nicht mehr. Das Barometer dafür sank im September zum Vormonat um drei Punkte auf 107 Zähler, wie das nationale Statistikamt Insee zu seiner Umfrage unter Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 109,4 Zähler gerechnet. Der Index für die Stimmung in der gesamten Wirtschaft legte hingegen um einen Punkt auf 106 Zähler zu. Das Wirtschaftswachstum in Frankreich lag im zweiten Quartal wie bereits zu Jahresbeginn bei 0,2 Prozent. Die Regierung rechnet für das Gesamtjahr mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,7 Prozent.

MODE: Knallige Stoffe, barocke Goldelemente und Leoparden-Muster: Mit seinem extravaganten Design zählt Versace zu den schillerndsten Modemarken weltweit. Jetzt wechselt das Edel-Label mit dem Medusakopf-Logo den Besitzer, doch eine Hauptfigur bleibt. Das legendäre italienische Modehaus Versace wird an Michael Kors verkauft. Die US-Modegruppe zahlt rund 2,1 Milliarden Dollar. Versace ist eine von wenigen Luxusmarken in Italien, die bislang noch im Besitz der Gründerfamilie waren. Chef-Designerin Donatella Versace soll auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wie der exzentrische Modestil ist auch das durchaus streitbare Aussehen - ihre blonden Haare, die straffen Gesichtszüge und vollen Lippen - der 63-Jährigen eng mit der Marke verknüpft.

LUFTVERKEHR: Kurz vor dem Showdown gibt Ryanair nach: Der irische Billigflieger hat dem Abschluss eines Tarifvertrags für das Kabinenpersonal in Italien nach dortigem Recht zugestimmt. Vor einem geplanten Streik von Flugbegleitern in mehreren europäischen Ländern an diesem Freitag einigte sich die Airline mit drei Gewerkschaften auf einen von Oktober an geltenden Tarifvertrag für das in Italien ansässige Kabinenpersonal. Wegen des geplanten Streiks sagte die irische Airline 190 Europa-Flüge ab.

AUTOINDUSTRIE: Das gab es seit einem Jahrzehnt nicht mehr: eine Gewinnwarnung von BMW. Der Autobauer schien gut auf Kurs zu sein. Aber eine ganze Reihe von Gründen hat ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im August hatte BMW-Chef Harald Krüger sein Unternehmen noch gut auf Kurs für ein weiteres Rekordjahr gesehen - am Dienstag musste er die Ziele nun deutlich nach unten schrauben. BMW werde Umsatz und Gewinn des vergangenen Jahres wohl nicht mehr erreichen. Statt eines Umsatzanstiegs erwartet BMW jetzt einen leichten Umsatzrückgang. Der Gewinn vor Steuern dürfte um 5 bis 10 Prozent unter den 10,7 Milliarden Euro des vergangenen Jahres bleiben.

SOFTWARE: Facebook verliert die kreativen Köpfe hinter seinem erfolgreichen Fotodienst Instagram. Laut Medienberichten verlassen die beiden Gründer den Konzern sechs Jahre nach der Übernahme im Streit. Sie deuten an, dass sie etwas Neues aufziehen wollen. Die beiden Gründer der Fotoplattform Instagram verlassen die Konzernmutter Facebook. Sie wollten nun eine Pause nehmen und sich Gedanken über ein neues Projekt machen, erklärten Kevin Systrom und Mike Krieger in einem Blogeintrag. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete, die beiden hätten Meinungsverschiedenheiten mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg über die künftige Entwicklung von Instagram gehabt.

ARGENTINIEN: Das von einer Währungskrise gebeutelte Argentinien wechselt mitten in den Verhandlungen mit dem IWF erneut den Notenbankchef aus. Der erst seit Juni amtierende Zentralbank-Präsident Luis Caputo reichte bei Staatschef Mauricio Macri seinen Rücktritt ein. In einer Erklärung der Notenbank wurden dafür persönliche Gründe angeführt. In Medienberichten war zuletzt von wachsenden Spannungen zwischen Wirtschaftsminister Nicolas Dujovne und Caputo die Rede. Zum neuen Notenbankchef wurde der Ökonom und Vize-Wirtschaftsminister Guido Sandleris ernannt, der als rechte Hand Dujovnes gilt. Die argentinische Währung Peso knickte ein.

(AWP)