Trotz vorsichtiger Anleger - Schweizer Börse steigt auf Jahreshoch

Die Schweizer Börse ist zu Monatsanfang auf den höchsten Stand seit Anfang 2016 gestiegen.
02.05.2017 17:47

Erfreuliche Konjunkturaussichten und gute Firmenbilanzen regten die Anleger zu Käufen an, sagten Händler. Das Geschäft war vor Beginn des zweitägigen Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Fed und der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am Wochenende aber von Vorsicht geprägt.

Der Leitindex SMI stieg um 0,6 Prozent auf 8869 Punkte. Der breite SPI legte 0,8 Prozent zu und stieg wieder über die 10.000er-Marke, die der Index vergangene Woche erstmals geknackt hatte.

Im März hatte die Fed das Zinsniveau auf 0,75 bis 1,0 Prozent erhöht und will dieses Jahr noch nachlegen. Morgen Mittwoch wird allerdings noch kein Zinsschritt erwartet. Der Einfluss der Wahlen in Frankreich auf das Marktgeschehen habe sich abgeschwächt, sagten Händler. Es gilt fast als sicher, dass der europa- und wirtschaftsfreundliche Emmanuel Macron am Sonntag in der Stichwahl um die französische Präsidentschaft gegen Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National gewinnen dürfte. Demoskopen sehen den unabhängigen Kandidaten weiterhin mit rund 20 Punkten vorn.

Händlern zufolge bevorzugten die Anleger Anteile von vergleichsweise krisensicheren Firmen. Die Titel der drei defensiven Index-Schwergewichte Nestle, Novartis und Roche stiegen um 0,6 Prozent oder mehr. Der Lebensmittel-Weltmarktführer und die beiden Pharmakonzerne zeichneten damit zu einem guten Teil für den SMI-Anstieg verantwortlich.

Die Aktien der Banken zogen nach einem verhaltenen Start an. UBS rückten 0,7 Prozent vor. Die Grossbank legt im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von zwei Genossenschaftsbanken 445 Millionen Dollar an die National Credit Union Association (NCUA) auf den Tisch. Credit Suisse stiegen um 0,4 Prozent.

Bei den ebenfalls meist höheren Versicherungswerten fielen Swiss Life mit einem Kursplus von 2,6 Prozent auf.

Auch die Titel zyklischer Firmen wurdne meist zu höheren Kursen gehandelt. Elektrotechnikkonzern ABB gewann 0,2 Prozent an Wert und die Aktien des Personalvermittlers Adecco zogen 1,5 Prozent an. Die Anteile es Zementproduzenten LafargeHolcim stiegen am Tag vor dem Quartalsbericht um 1,8 Prozent. Analysten erwarten weniger Umsatz und Betriebsgewinn.

Die Aktien von Geberit sanken um 0,8 Prozent. Die Sanitärtechnikfirma steigerte den Gewinn im ersten Quartal um 2,1 Prozent auf 153,4 Millionen Franken und schnitt damit wie von Analysten erwartet ab. "Geberit hat die Erwartungen nur erfüllt. Das reicht nicht - die Anleger sind enttäuscht", sagte ein Händler.

Die Aktien von Actelion waren um 1,3 Prozent höher. Das Biotechnologieunternehmen fällt wegen der Übernahme durch Johnson & Johnson aus dem SMI heraus und wird vom Pharmazulieferer Lonza ersetzt.

Die Zahlen von Dufry kamen an der Börse nicht gut an. Die Aktien des Duty-free-Shop-Betreibers holten aber einen guten Teil der anfänglichen Verluste wieder auf und lagen zum Schluss knapp über Vortagesniveau. Dufry steigerte im ersten Quartal den Umsatz um 4,7 Prozent auf 1,71 Milliarden Franken. Der Verlust war mit 60,8 Millionen Franken tiefer als im entsprechenden Vorjahresquartal. "Möglicherweise nahmen Anleger Gewinne mit", sagte ein Händler. "Viele Anleger haben zuletzt darauf spekuliert, dass die chinesische HNA die Firma ganz übernimmt und jetzt hat sich die Firma dazu nicht geäussert." HNA hat kürzlich eine knapp 17-prozentige Dufry-Beteiligung gemeldet.

Die Titel von Oerlikon stiegen um 6,7 Prozent. Der Anlagenbauer steigerte im ersten Quartal Umsatz, Auftragseingang und Betriebsgewinn kräftig und hob die Prognose an.

Die Aktien von Logitech rückten 2,4 Prozent auf 34,05 Franken vor. Die Computerzubehör-Firma will am Mittwoch das neue Aktienrückkaufprogramm starten. UBS sprach zudem eine Kaufempfehlung aus und nannte ein Kursziel von 39 Franken.

Die GAM-Aktien machten den Dividendenabschlag mehr als wett. Gewinnmitnahmen belasteten die Anteile der Derivatboutique Leonteq

(Reuters)