Trump versetzt Gesundheitsbranche einen Kursdämpfer

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat der Pharmabranche einen kräftigen Dämpfer versetzt - entsprechend sind die Kursreaktionen negativ. Egal ob Blue Chips oder breiter Markt: Aktien aus der Gesundheitsbranche knicken an diesem Donnerstag durchwegs ein. Bei seiner ersten grossen Pressekonferenz seit seiner Wahl zum Präsidenten machte Trump deutlich, dass er der Preissetzung in der Branche einen Riegel vorschieben werde.
12.01.2017 10:23

Ein Blick auf die Kursliste im breiten Markt zeigt deutlich, wie aufgeschreckt Investoren von den Äusserungen sind: Angefangen mit Galenica, die mit einem Abschlag von 3,0% gegen 9.55 Uhr am stärksten verlieren, folgen die Aktien von Novartis, BB Biotech, Roche, Cosmo, Basilea und Santhera mit Verlusten zwischen 2,7 und 2,2%. Der SPI verliert gleichzeitig 0,70%.

Eine Ausnahme bilden die Papiere von Actelion, die 0,8% steigen. Medienberichten zufolge haben sich die Baselbieter mit Johnson & Johnson (J&J) auf einen vorläufigen Übernahmepreis für den Kauf durch den US-Gesundheitskonzern geeinigt.

Die beiden Pharmaschwergewichte Roche und Novartis haben 2016 hinter den Banken ohnehin zu den schwächsten Werten unter den Blue Chips gehört. Etwas eingedämmt hatten sie ihre Verluste kurzzeitig nach der Wahl Donald Trumps. Zu dem Zeitpunkt hatten Investoren noch darauf gesetzt, dass der Republikaner weniger hart gegen die exorbitanten Preise im US-Gesundheitsmarkt vorgehen werde.

Diese Illusion hatte Trump aber dann recht bald zerstört, indem er mehrfach hatte durchklingen lassen, dass er die Preise für zu hoch halte und hier ansetzen werde, sobald er im Amt ist. Mit den aktuellen Aussagen hat er diese Befürchtungen nun verstärkt.

In den USA sackten die Kurse der Gesundheitswerte noch im späten Handel deutlich ab. An sich ist die verschreckte Reaktion kein Wunder: Die USA ist der mit Abstand wichtigste Markt für die Billionen Dollar-schwere Industrie - sie erzielt dort 40% ihrer Umsätze. Ein strikteres Regelwerk dürfte nicht ohne Folgen für die Erlöse der Branche bleiben.

Die ersten Reaktionen auf Expertenseite fallen dagegen etwas besonnener aus, als es die Kurse vermuten lassen. So heisst es etwa bei Merrill Lynch, man schätze das Trump-Risiko eher als minimal ein. Mit dem, was Trump in Aussicht gestellt habe, müsse er zunächst bei seiner Partei durchkommen.

Bei BMO Capital Market weisen die Experten dagegen darauf hin, dass sich Investoren grundsätzlich auf eine grössere Volatilität unter Trump einstellen sollten. Die Experten kristallisieren in ihrem Kommentar heraus, dass der Branche unter Trump sowohl ein gewisser Rückenwind in Form der geplanten Steuerreformen entgegenwehen werde, als auch Gegenwind durch die möglichen strikteren Regeln bei der Preisgestaltung.

Bei einem weiteren Broker heben die Experten das hervor, was auch Novartis-Chef Joseph Jimenez zuletzt betont hatte: Egal unter welchem Präsidenten sollten jene Unternehmen, die ausgesprochen innovativ sind, dennoch auch weiterhin gut fahren. So in etwa liest es sich auch im Kommentar des Brokerhauses Leerink. Vor allem Pharmaunternehmen mit einer starken Stellung in der Onkologie sollten auch weiterhin problemlos manövrieren können.

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(AWP)