Türkei-Krise sorgt für viel Unruhe an Finanzmärkten - Franken wertet sich auf

(Zusammenfassung) - Die Krise in der Türkei und der rasante Kursverfall der türkischen Lira haben am Freitag an den Finanzmärkten für viel Unruhe gesorgt. Der Schweizer Franken wurde seinem Ruf als "sicherer Hafen" vor allem gegenüber dem Euro gerecht. Gleichzeitig kamen die Aktienkurse gehörig unter Druck, besonders diejenigen der Banken.
10.08.2018 17:20

Der Franken legte besonders zum Euro stark zu: Am späten Freitagnachmittag kostete ein Euro nur noch um die 1,1350 Franken nachdem der Kurs am Vorabend noch um gut einen Rappen teurer gehandelt wurde. Zu einem solch tiefen Kurs wurde die europäische Währung zuletzt vor rund einem Jahr gehandelt. Zum US-Dollar gewann der Franken am Freitag dagegen nur leicht an Wert.

Trump heizt im Türkei-Konflikt ein

Die Furcht der Anleger vor den Auswirkungen der Wirtschaftsturbulenzen in der Türkei setzte aber vor allem den Kurs der Lira stark unter Druck. Bereits am frühen Morgen brach die Lira zum Euro und zum Dollar regelrecht ein. Der Absturz setzte sich im Tagesverlauf fort. Der Euro war erstmals mehr als sieben Lira wert und der Dollar kostete erstmals mehr als sechs Lira

Im diplomatischen Konflikt mit der Türkei heizte US-Präsident Donald Trump am Freitag die Krise um den Verfall der türkischen Lira noch an. Auf Twitter kündigte er am Freitag eine Verdoppelung von US-Strafzöllen an. Auf der Gegenseite machte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Westen für die Krise verantwortlich. Er rief die Bevölkerung der Türkei dazu auf, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen.

Bankaktien unter Druck

Die Nervosität am Währungsmarkt schwappte so auch auf den Aktienhandel über: Der deutsche Leitindex Dax und der europäische EuroStoxx50 brachen am Freitag um jeweils rund zwei Prozent ein. Zusätzlichen Druck auf die Börse übten die anhaltenden Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA und China aus.

Durch die Abwertung ihrer Währung werde es für türkische Schuldner schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen, erklärte ein Ökonom das von der Krise für europäische Banken ausgehende Risiko. Ein grosser Teil hiervon entfalle auf kurzfristige Verbindlichkeiten türkischer Banken. Einem Zeitungsbericht zufolge ist daher die Europäische Zentralbank (EZB) hellhörig geworden.

Die Aktien der in dem Bericht explizit erwähnten Institute - die französische BNP Paribas, die italienische HVB-Mutter Unicredit und die spanische BBVA - brachen daraufhin ein. Die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank gehörten ebenfalls zu den grössten Verlierern im Dax. Und gleichzeitig flogen türkische Anleihen in hohem Bogen aus den Depots.

Pharma-Aktie geben SMI etwas Halt

In der Schweiz büsste der Swiss Market Index (SMI) im späten Handel rund 1,2 Prozent ein. Dabei gaben dem Index, wie so oft in Krisensituationen, die defensiven Pharma-Schwergewichte Roche und Novartis etwas Halt. Diese Titel verloren weniger als ein Prozent. Das dritte Schwergewicht im Bunde, die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, büsste deutlich mehr an Wert ein.

Unter stärkerem Kursdruck standen zu Wochenschluss vor allem die Bankaktien. Die Papiere der Grossbanken UBS und Credit Suisse litten unter den Marktturbulenzen und sackten um weit über zwei Prozent ein. Direkt, beispielsweise über die Vergabe von Krediten, dürften sie allerdings im Vergleich zu südeuropäischen Instituten nur in kleinem Umfang in der Türkei investiert sein.

mk/tp

(AWP)