UBS überrascht mit hoher Gewinnsteigerung - Potential in der Vermögensverwaltung

25.10.2018 15:50

Zürich (awp) - Die Grossbank UBS hat mit deutlich mehr Gewinn im dritten Quartal überrascht. Aus der Vermögensverwaltung, dem Kerngeschäft, fiel der Gewinnbeitrag allerdings eher bescheiden aus, während die Investment Bank deutlich höhere Zahlen vermelden konnte. Die News des am Donnerstag stattfindenden Investorentages lösten zwar keine Begeisterungsstürme aus, wurden insgesamt aber positiv aufgenommen. Die Aktie stieg denn auch im Gegensatz zum fallenden Gesamtmarkt deutlich.

In den Monaten Juli bis September 2018 stieg der Reingewinn des Konzerns um knapp ein Drittel auf 1,25 Milliarden Franken. Treiber des Anstiegs war die Investmentbank, welche den Gewinn um fast die Hälfte auf 507 Millionen Franken steigerte.

Anders als im zweiten Quartal sind der Bank netto auch wieder neue Gelder zugeflossen, was für den grössten Vermögensverwalter der Welt von besonderer Bedeutung ist. Das Global Wealth Management zog im dritten Quartal Nettoneugelder in Höhe von 13,5 Milliarden Franken an - vor allem aus Asien und Europa.

Allerdings verdiente die Bank auf den Geldern erneut weniger, die Marge sank erneut. Finanzchef Kirt Gardner begründete dies am Donnerstag mit geringeren transaktionsbasierten Handelserträgen, die ihm zufolge auf den tiefsten Stand seit Beginn der Finanzkrise gefallen waren. Das heisst, die Kunden haben wegen der gestiegenen Unsicherheiten deutlich weniger gehandelt. Deutlich überproportional fiel das Minus dabei in Asien aus.

Und eine schnelle Verbesserung ist nicht in Sicht, was angesichts der hohen Volatilität und den Kursverlusten an vielen Aktienmärkten zuletzt wenig überrascht. Auch im vierten Quartal geht die UBS davon aus, dass die anhaltenden geopolitischen Spannungen, der wachsende Protektionismus und die Handelskonflikte auf die Stimmung der Anleger drücken könnten und eben auch auf die Kundenaktivität von Global Wealth Management.

GWM soll bis zu 15 Prozent Gewinnwachstum erzielen

Trotz der aktuell eher ungünstigen Umstände soll die Vermögensverwaltung eindeutig der Profit-Treiber der Bank sein. Die Einheit Global Wealth Management soll beim Vorsteuergewinn in den Jahren 2019 bis 2021 ein Wachstum am oberen Ende des Ziel-Bandes von 10 bis 15 Prozent erreichen, wie das Management am Investorentag darlegte. Die Neugelder sollen zudem netto jährlich um 2 bis 4 Prozent wachsen, wobei für 2021 mindestens 3 Prozent angestrebt werden.

Strategisch will der Geschäftsbereich, der Anfang Februar aus der Zusammenlegung der beiden früheren Divisionen Wealth Management und Wealth Management Americas gebildet wurdet, besonders in Asien und in den USA wachsen. Auch soll "die Führungsposition" im Geschäft mit äusserst vermögenden Kunden (Ultra High Net Worth) "gestärkt" werden, wie es hiess.

Allein aus diesem Segment wird ein signifikanter Beitrag zum Netto-Neugeld innerhalb der nächsten drei Jahre erwartet. Die Bank sieht allein in den USA Potenzial für rund 70 Milliarden Franken.

CEO Ermotti verteidigte am Donnerstag auch die Zusammenlegung der beiden Divisionen, die von Analysten teilweise kritisiert wurde. Beide Einheiten hätten gezeigt, was sie alleine erreichen können, und es gebe keinen Grund mehr für zwei Divisionen. Nun sei der Zeitpunkt, von Skaleneffekten und kombiniertem Wissen zu profitieren. "Sonst sind wir nur die Summe unserer Regionen", so der Konzernchef.

Kosten im Blick

Ohnehin will Ermotti die Zusammenarbeit und den Austausch innerhalb der gesamten Gruppe "auf das nächste Level zu bringen". Gleichzeitig sollen die einzelnen Geschäftseinheiten mehr Backoffice-Funktionen übernehmen, um effizienter zu arbeiten. Das Corporate Center, indem derzeit noch Service-Funktionen für alle Bereiche verankert sind, soll zum Jahreswechsel weiter restrukturiert werden.

Der Bereich entstand 2009, als die vielen Doppelspurigkeiten in den einzelnen Divisionen durch eine Zentralisierung aufgefangen werden sollten, wie COO Sabine Keller-Busse erklärte. Nun sollen die Kosten wieder mehr dort zugeordnet werden, wo sie entstehen. Die UBS erhofft sich so Anreize für Einsparungen.

Insgesamt will die Bank in Sachen Ausgaben nach wie vor besser werden. Bis dato sollte der Anteil der Kosten am Ertrag auf unter 75 Prozent sinken. Neu will die Bank bis 2021 nun ein bereinigtes Kosten/Ertrags-Verhältnis von rund 72 Prozent erreichen.

Strategie unverändert

Insgesamt hält die Grossbank aber an ihrer Strategie fest, wie sie betonte. Er sei stolz, was in den vergangenen sieben Jahren erreicht wurde und vor allem seit dem letzten Investoren-Update 2014, so CEO Ermotti. Die Strategie sei richtig, und die Bank sei stark positioniert, um von positiven langfristigen Wachstumstrends zu profitieren. Konkret sollen die Erträge mindestens so schnell wachsen wie das reale BIP.

An der Börse notieren UBS 1,6 Prozent höher in einem ansonsten klar tieferen Gesamtmarkt (SMI: -1,3%). Mit einem Kurs bei 13,38 Franken büsste die Aktie allerdings im laufenden Jahr rund ein Viertel an Wert ein. Vielleicht fühlt sich Konzernchef Ermotti auch deshalb teilweise nicht richtig verstanden. Die Ziele des Konzerns seien entweder nicht richtig verstanden worden oder nicht richtig erklärt worden, sagte er zu Beginn seiner Präsentation vor den Investoren.

ys/uh

(AWP)