UBS und Falcon in Singapur gerügt; Korruptionsfall in Malaysia zieht neue Kreise

(Zusammenfassung)
21.07.2016 13:30

Zürich (awp) - Der Korruptionsskandal um die malaysische 1MDB zieht weitere Kreise. Involviert sind dabei mehrere Schweizer Banken, neben der Tessiner Privatbank BSI sind dies auch die Falcon Privatbank sowie die Grossbank UBS. Die Institute werden von den Singapurer Aufsichtsbehörden in einer Medienmitteilung gerügt. Die Schweiz hat zudem ein Rechtshilfeersuchen der US-Behörden erhalten, wo das US-Justizministerium in einem Zivilverfahren umfangreiche Vermögenswerte beschlagnahmen will.

Die Singapurer Behörden hätten bereits seit März 2015 verschiedene Geldflüsse im Zusammenhang mit 1MDB untersucht und die Untersuchungen dauerten an, heisst es in einer Mitteilung des Generalstaatsanwalts, des "Commercial Affairs Department" der Polizei und der Monetary Authority of Singapore (MAS) vom Donnerstag. Dabei seien bei verschiedenen Finanzinstituten "Fehler sowie Schwächen" gefunden worden.

SCHWÄCHEN UND VERFEHLUNGEN

So habe es bei der UBS Singapur wie auch bei der Singapurer Bank DBS und beim Singapurer Ableger der Standard Chartered Bank "Schwächen" bei der Annahme von Kunden und bei der Aufsicht über Transaktionen gegeben. Verdächtige Transaktionen seien erst mit unangemessener Verzögerung entdeckt und gemeldet worden. Die Verfehlungen seien "gravierend" und es würden regulatorische Massnahmen ergriffen, so die MAS.

Bei der Singapurer Niederlassung der in der Schweiz ansässigen Falcon Private Bank habe die MAS "substanzielle Verstösse gegen die Regulierungen" entdeckt. Dazu gehörten Versäumnisse, Unregelmässigkeiten auf Kundenkonti zu entdecken und verdächtige Transaktionen zu vermerken. Die Untersuchung bei Falcon dauere allerdings an, weil bestimmte Schlüsselkundenbeziehungen aus dem Schweizer Firmensitz aus betreut worden seien und zusätzliche Informationen ausstünden.

Wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist, haben die verschiedenen Singapurer Behörden Bankkonten oder Grundstücke mehrerer Individuen beschlagnahmt. Die Vermögenswerte beliefen sich insgesamt auf 240 Mio Singapore Dollar (175 Mio CHF), heisst es. Zudem hätten die Behörden eine Reihe von Anfragen an Länder gestellt, aus denen die fraglichen Vermögenswerte stammten oder wo sie hin transferiert wurden.

TRANSAKTIONEN SELBST GEMELDET

Bei der UBS betonte ein Sprecher am Donnerstag gegenüber der AWP, die Bank sei "in engem Kontakt mit den Regulatoren, um die Angelegenheit zu klären." "Im vorliegenden Fall hat UBS von sich aus die verdächtigen Transaktionen gemeldet", betonte der Sprecher. "Wir verstärken konstant unsere umfassenden Prozesse zur Bekämpfung von Geldwäscherei", so die offizielle UBS-Stellungnahme. Keinen Kommentar gab der Sprecher zur Frage ab, ob es zu Beschlagnahmungen von Geldern auch auf UBS-Konti gekommen sei.

Wegen dem 1MDB-Skandal hatten die Singapurer Behörden im Mai der BSI Singapur die Lizenz entzogen. Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma war gegen die Tessiner Privatbank BSI, die derzeit von der Konkurrentin EFG International übernommen wird, hart vorgegangen - so hatte sie die Auflösung der Bank verfügt und "unrechtmässig erzielte Gewinne" von 95 Mio CHF eingezogen.

RECHTSHILFEERSUCHEN

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Schweiz im 1MDB-Zusammenhang ein Rechtshilfeersuchen aus den USA erhalten hat: laut Angaben der Bundesanwaltschaft wird das Ersuchen ausgeführt werden.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit längerem im 1MDB-Fall. Gemäss früheren Angaben hat sie Anhaltspunkte, dass Gelder im Umfang von ungefähr 4 Mrd USD veruntreut wurden. Diese wären für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Malaysias bestimmt gewesen. Ein Teil des Geldes wurde offenbar auf Konten in der Schweiz überwiesen.

In einem zivilrechtlichen Verfahren möchten die US-Justizbehörden nun umfangreiche Vermögenswerte beschlagnahmen. Wie der schriftlichen Klage zu entnehmen ist, handelt es sich um Luxusimmobilien in New York und Kalifornien, um Gemälde von Vincent van Gogh und Claude Monet sowie um ein Bombardier-Flugzeug. Zudem sollen mehrere Millionen aus dem Fonds unrechtmässig in die Finanzierung des Films "The Wolf of Wall Street" von Martin Scorsese geflossen sein. Deshalb verlangen die USA auch Einnahmen des Films.

tp/cf

(AWP)