Weko vermutet Foul von UPC an Swisscom bei Eishockeyspielen im TV

(Meldung mit Stellungnahme von UPC ergänzt. Neu sind die beiden letzten Abschnitte) - Die Eidg. Wettbewerbskommission (Weko) vermutet ein Foul der Kabelnetzbetreiberin UPC an der Swisscom bei der Übertragung von Schweizer Eishockeyspielen im Bezahl-TV. Die Wettbewerbshüter haben Anhaltspunkte für Kartellverstösse von UPC festgestellt und deshalb eine Untersuchung eröffnet.
30.05.2017 10:54

UPC könnte ab der kommenden Saison bei der Übertragung von Eishockeyspielen im Bezahlfernsehen eine marktbeherrschende Stellung haben und diese Stellung möglicherweise missbrauchen, teilte die Weko am Dienstag in einem Communiqué mit. Insbesondere untersuche die Weko, ob UPC der Nicht-Kabelnetzkonkurrenz die Eishockeyübertragungen ungerechtfertigterweise vorenthalte.

Geklagt hatte die Swisscom, nachdem sich UPC geweigert hatte, der Swisscom die Übertragung von Eishockeyspielen zu ermöglichen. UPC hatte die Übertragungsrechte im vergangenen Sommer für fünf Jahre ersteigert. Ab der kommenden Saison 2017/2018 überträgt sie die Spiele der Schweizer Eishockeyligen über ihren neuen Sport-TV-Sender MySports. Die Swisscom hat das Nachsehen.

UPC hat die Aufschaltung des Signals nur den Schweizer Kabelnetzbetreibern unterbreitet. 1,5 Millionen Swisscom-Kunden schauen damit ab nächster Saison in die Röhre.

NICHT DER ERSTE WEKO-FALL

Dies ist die Retourkutsche von UPC gegenüber Swisscom. Deren Tochter Teleclub hatte bislang die Rechte für die Übertragung von Eishockeyspielen im Bezahl-TV inne. Sie hatte der Kabelnetzkonkurrenz und anderen TV-Anbietern wie beispielsweise Sunrise jahrelang zwar Zugang zu Eishockeyspielen gegeben, aber nur in einem reduzierten Umfang. Zudem mussten deren Kunden mehr bezahlen als bei Swisscom-TV.

Nach Ansicht der Weko missbrauchte die Swisscom in der Vergangenheit ihre marktbeherrschende Stellung bei der Live-Übertragung von Schweizer Fussball- und Eishockeyspielen im Pay-TV. Deshalb verhängte die Weko 2016 gegen die Swisscom eine Busse von fast 72 Millionen Franken.

Die Swisscom weist die Vorwürfe zurück und hat das Urteil weiter gezogen. Sie habe nur ihre hohen Investitionen schützen wollen, indem sie der Konkurrenz gewisse Spiele vorenthalten habe, argumentiert sie.

Zudem habe die Swisscom-Tochter Teleclub bereits im letzten Jahr sämtlichen Schweizer TV-Plattformanbietern ein Angebot zur Aufschaltung des vollständigen Sportangebots gemacht. Allerdings hätten die Kabelnetzbetreiber bislang darauf verzichtet, davon Gebrauch zu machen.

SPIESS UMGEDREHT

Die UPC drehte nun den Spiess um. Die ersteigerten Rechte will die Kabelnetzbetreiberin der Swisscom auf keinen Fall anbieten. Mit MySports wolle man das langjährige Monopol von Swisscom/Teleclub im Sportbereich brechen, erklärte die Kabelnetzbetreiberin.

Dafür investiere UPC einen hohen Millionenbetrag. Um diese Investitionen zu schützen, werde das MySports Signal nicht an die Swisscom weitergegeben. UPC hat mit über einem Dutzend TV-Anbietern Distributionsverträge für die Weitergabe von MySports abgeschlossen. Weitere Partner können künftig dazukommen.

Dies nimmt nun die Weko unter die Lupe: Solche Exklusivverträge könnten eine marktbeherrschende Stellung begründen, die UPC zu ihren Gunsten missbrauchen könnte, teilten die Wettbewerbshüter mit. Dadurch könnten die Konkurrenten von UPC behindert werden.

"Wir begrüssen den Entscheid der Weko, gegen UPC eine Untersuchung wegen den Eishockeyübertragungen im Bezahl-TV zu eröffnen", erklärte Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage: "Wir fordern Fairplay von UPC und kämpfen dafür, dass unsere Kunden auch künftig Schweizer Liga-Eishockey schauen können."

Die Weko verlange in ihrer Verfügung von letztem Jahr, dass alle gleichermassen Zugang zu den Sportangeboten haben, erklärte Huber. "Diese Forderung gilt aus Gründen der Gleichbehandlung auch für UPC."

UPC SIEHT SICH IM RECHT

Die Situation heute sei nicht mit der Vergangenheit vergleichbar, kontert UPC in einer Stellungnahme. Swisscom habe früher sämtliche Sportinhalte der Schweiz monopolisiert und diese diskriminierend eingesetzt. UPC besitze hingegen nur einzelne Rechte und behandle alle 14 Distributionspartner gleich.

"Wir sind deshalb überzeugt, dass die Untersuchung zu unseren Gunsten ausfallen und sich die exklusive Übertragung über die verschiedenen Kabelnetze als unproblematisch erweisen wird", liess UPC verlauten.

cf/

(AWP)