Wirtschaft Tagesüberblick

Mittwoch, 25. Oktober 2017
25.10.2017 17:53

IM AUFWIND: (Zürich) Die Fluggesellschaft Swiss fliegt auch im dritten Quartal deutlich rentabler als in der Vorjahresperiode. Sie steigerte den Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5 Prozent auf 1,36 Milliarden Franken und den Betriebsgewinn um 34 Prozent auf 260 Millionen Franken, wie die Fluggesellschaft am Mittwoch mitteilte. Damit hat Swiss in den drei letzten Monaten den Steigflug des ersten Halbjahrs bestätigt. Bereits zum Halbjahr meldete die Airline eine Steigerung des Umsatzes um 3 Prozent sowie des Betriebsgewinns um 31 Prozent. Swiss begründet die deutliche Verbesserungen der Rentabilität mit Kostensenkungen, der besseren Auslastung der Flugzeuge sowie der Modernisierung der Flotte. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet Swiss mit einem Betriebsgewinn über dem Vorjahr.

FRANKEN SCHWÄCHELT: (Zürich) Der Franken hat vor der mit Spannung erwarteten EZB-Ratssitzung an Wert verloren. Der Euro kletterte im Gegenzug über die Marke von 1,17 Franken. Das ist der höchste Stand, seit die Schweizerische Nationalbank Anfang 2015 überraschend den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben hat. Damals hatten die Währungshüter in Frankfurt mit ihren Liquiditätshilfen begonnen, die den Euro gedrückt und den Franken auf einen Höhenflug versetzt hatten. Doch inzwischen wendet sich das Blatt und Experten erwarten, dass die EZB am Donnerstag eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe ankündigen wird. "Nun schwächelt der Franken angesichts der Aussicht auf die abnehmende Euro-Schwemme", erklärten die Analysten der Regionalbank Valiant. Zudem stütze die globale Konjunkturentwicklung die Risikobereitschaft, und die Aussicht auf andernorts rascher steigende Zinsen schwäche den Franken zusätzlich.

SPAM-ATTACKE: (Bern) Swisscom hat die seit Tagen anhaltende Spam-Attacke auf Bluewin und Bluemail noch nicht abwehren können. Die Flut an Werbemails werde mittlerweile abgefangen, so dass die E-Mail-Accounts wieder uneingeschränkt funktionierten, sagte Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Dank zusätzlichen Filtermassnahmen würden die Spammails direkt im Spamordner der Kunden landen, so dass sie diese nicht mehr bemerkten. Man habe aber immer noch ein erhöhtes Spamvolumen, sagte Merk weiter. Die Spammails kämen von mit Maleware und Trojanern infizierten Computern weltweit, sie liessen sich nicht auf ein Land beschränken, was die Bekämpfung zusätzlich erschwere. Wie viele Kunden von der Flut an Werbemails tatsächlich betroffen sind, kann die Swisscom nicht beziffern.

UMSATZMINUS: (Zürich) Der schwedische Möbelriese Ikea hat im Geschäftsjahr 2016/2017 in der Schweiz Umsatz eingebüsst, aber weniger als der Gesamtmarkt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr per Ende August reduzierte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent auf 1,05 Milliarden Franken. Im Vorjahr erzielte Ikea Schweiz noch ein Umsatzplus von 3 Prozent. Während die neun Einrichtungshäuser an Volumen verloren, erhöhten sich die Online-Umsätze um 19,7 Prozent. Sie machen inzwischen 6 Prozent des Umsatzes mit Möbeln aus.

FÜHRUNGSWECHSEL: (Basel) Differenzen zur Ausrichtung der Industriellen Werke Basel (IWB) führen zu neuen Köpfen an der Spitze: Das verwaiste Verwaltungsratspräsidium übernimmt Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel ad interim, und für den Mitte November abtretenden CEO David Thiel wird ein Nachfolger gesucht. Die Energiebranche sei im Umbruch; die IWB sehe sich Disruptionen und neuer Konkurrenz gegenüber, sagte Mirjana Blume, Vizepräsidentin des IWB-Verwaltungsrats (VR), vor den Medien. Mit einer 2016 lancierten neuen Unternehmensstrategie seien Dezentralisierung, Dekarbonisierung und Digitalisierung zentral. Um die Umsetzung rang der siebenköpfige VR. Die Heftigkeit dieser Auseinandersetzung wurde dem Präsidenten Michael Shipton zu viel: Er warf am 26. September per 1. Oktober brieflich den Bettel hin, wie der für die IWB zuständige Regierungsrat Christoph Brutschin, Vorsteher des baselstädtischen Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) erklärte.

STEIGENDE VERMÖGEN: (Zürich) Bei der Bank Vontobel haben Kunden so viel Geld liegen wie noch nie. Das betreute Kundenvermögen erreichte am Ende des dritten Quartals einen neuen Höchststand von 175,3 Milliarden Franken. Per Ende Juni betrug das betreute Kundenvermögen noch 164,7 Milliarden Franken. Die Zunahme sei unter anderem starken Neugeldzuflüssen im Wealth Management und einer weiterschreitenden Diversifikation im Asset Management zu verdanken, teilte die Zürcher Bank mit. Die Marge habe sich derweil stabil entwickelt. Vontobel sieht sich weiterhin auf Kurs. Im Wealth Management strebt die Bank weiterhin ein Netto-Neugeldwachstum über dem Marktdurchschnitt von 4 bis 6 Prozent an.

MEHR FREIE STELLEN: (Zürich) Das Stellenangebot in der Schweiz hat sich im laufenden Monat weiter erhöht. Der Michael Page-Job Index stieg von September auf Oktober um 2 Prozent. Den grössten Zuwachs verzeichnete dabei die Romandie. Bereits im September erhöhte sich das Stellenangebot in dieser Region deutlich. In der Deutschschweiz dagegen stagnierte das Angebot. Bei den Berufsgruppen verzeichneten die Berufsgruppen Logistiker, Handelsspezialisten und Investmentbanker die grösste Steigerung.

GUTE AUSSICHTEN: (Zürich) Gute Aussichten für die Schweizer Exportbranche und den Tourismus: Finanzspezialisten zufolge dürfte der Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar weiter an Wert verlieren. Das zeigt die monatlich durchgeführte Finanzmarkt-Umfrage der Credit Suisse. Demnach rechnen 40 Prozent der befragten Finanzanalysten trotz der bereits stattgefundenen Frankenabwertung mit einer Fortsetzung des Trends in den kommenden sechs Monaten. So hoch war der Anteil seit Mai 2015 nicht mehr. An eine Aufwertung des Frankens glauben indes nur noch 16 Prozent der Befragten. Auch gegenüber dem US-Dollar tendieren die Börsenprofis auf eine schwächere Heimwährung. Während knapp die Hälfte von einem stabilen Franken-Dollar-Kurs ausgehen, glauben 44 Prozent an eine positive Kursentwicklung. Was die Aussichten für die Schweizer Konjunktur insgesamt betrifft, schätzen die Experten die Lage im Oktober etwas besser ein als im Vormonat.

STEIGENDE KONSUMLAUNE: (Zürich) Schweizer Konsumenten haben sich im September, wie bereits im August, etwas ausgabefreudiger gezeigt. Der UBS-Konsumindikator stieg in der Berichtsperiode auf 1,56 Punkte und liegt damit knapp über dem langjährigen Durchschnitt. Der August-Wert wurde leicht nach unten auf 1,50 revidiert. Grund für den Anstieg seien insbesondere die deutlich höheren Erwartungen im Detailhandel, schreibt die UBS in einer Mitteilung. Dank der Frankenabwertung in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro habe sich die preisliche Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Detaillisten verbessert, was auch zu einer besseren Stimmung beigetragen habe. Damit weise der Indikator zurzeit auf ein leicht höheres Konsumwachstum hin als von der Bank für das gesamte Jahr prognostiziert. Aufgrund des schwachen Beschäftigungswachstums im ersten Halbjahr und der anziehenden Inflation sei in diesem Jahr nur mit einer Zunahme des Konsums von 1,3 Prozent zu rechnen.

MEHR GEWINN: (Atlanta) Beim US-Getränkeriesen Coca-Cola zahlt sich der Schwenk zu weniger zuckerhaltigen Getränken und einer schlankeren Konzernstruktur aus. Unter dem Strich stieg der Gewinn im dritten Quartal um 38 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Die Bilanz profitierte von Kosteneinsparungen und Preiserhöhungen, wie der Konzern mitteilte. Zudem konnte der Konzern etwa mit der neuen "Coca-Cola Zero Sugar" im US-Heimatmarkt punkten. Der Getränkemulti baut schon länger intensiv die Produktpalette um, um sich den veränderten Vorlieben der Kunden anzupassen. Der Schwenk geht weg von zuckerhaltigen Limonaden, die bei Konsumenten nicht mehr so hoch im Kurs stehen. Stattdessen hat Coca-Cola nun vermehrt Smoothies, Säfte, Tee oder kalorienreduzierte Getränke im Programm.

BARGELDLOSER KAUF: (New York) Der US-Kreditkartenkonzern Visa profitiert vom ungebrochenen Trend zum bargeldlosen Kauf auf Pump - vor allem in den USA. Wie der Kreditkarten-Dienstleister mitteilte, stieg der Gewinn im vierten Quartal um elf Prozent auf 2,14 Milliarden Dollar. Die Zahlungsvolumina, die über Visa abgewickelt wurden, zogen im selben Zeitraum um fast zehn Prozent auf 1,93 Billionen Dollar an, 43 Prozent davon entfielen auf die Vereinigten Staaten. Auch das grenzüberschreitende Geschäft legte deutlich zu. Zugute kam dem Konzern, der mit Mastercard und American Express um die Krone der Branche kämpft, auch der Kauf des europäischen Schwesterunternehmens Visa Europe im vergangenen Jahr. Die europäischen Banken hatten Visa Europe, die ihnen seit 2008 gehörte, damals für 21 Milliarden Euro an die Visa Inc verkauft.

WENIGER DURSTIG: (Amsterdam/Luzern) Der weltweit zweitgrösste Bierbrauer Heineken hat unter dem wechselhaften Sommerwetter in Europa gelitten. Der Bierausstoss - gerechnet ohne Übernahmen - wuchs zwar um 2,5 Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten aber mit einem Zuwachs um 2,8 Prozent gerechnet. In Europa gingen die Auslieferungen des niederländischen Braukonzerns sogar um 2,8 Prozent zurück. Besonders in Frankreich, dem Heimatmarkt Niederlande, aber auch in den USA und China wurden weniger Getränke des Konzerns abgesetzt. Besser lief es hingegen in Brasilien, Südafrika, Russland oder Mexiko. Während Heineken keine Angaben zur Umsatzhöhe machte, veröffentlichte der Konzern seinen Gewinn. Nach neun Monaten erreichte der Nettogewinn 1,49 Milliarden Euro und lag damit um knapp ein Fünftel über dem Vorjahreszeitraum. Allerdings hatte seinerzeit auch eine Abschreibung von 233 Millionen Euro das Ergebnis stark gemindert.

ETWAS SCHWUNG: (London) Die von den Folgen des Brexit-Votums gebeutelte britische Wirtschaft hat wieder stärker Tritt gefasst. Zwischen Juli und September legte das Bruttoinlandprodukt um 0,4 Prozent zu. Das ist mehr als im zweiten Quartal, als nur 0,3 Prozent erreicht wurden. Als Säule des Wachstums erwies sich im Sommer der Dienstleistungssektor. Aber auch die Industrie samt Autoproduktion sorgte für Schub. Finanzminister Philip Hammond sprach von einer "erfolgreichen und stabilen" Wirtschaft. Einer von der britischen Notenbank ins Auge gefassten Zinserhöhung in der nächsten Woche dürfte nach Ansicht von Ökonomen somit nichts mehr im Wege stehen. Die einst boomende Wirtschaft auf der Insel hat als Spätfolge des Anti-EU-Entscheids vom Sommer 2016 bereits Federn lassen müssen. Sie konnte zuletzt nicht mit dem Aufschwung in der Euro-Zone Schritt halten und verzeichnete das schwächste erste Halbjahr seit 2012.

KRÄFTIGER ANSTIEG: (Washington) In den USA hat das Geschäft mit Eigenheimen im September überraschenderweise kräftig angezogen. Die Zahl der verkauften Neubauten stieg um 18,9 Prozent zum Vormonat auf eine Jahresrate von 667'000 Einheiten, wie das Handelsministerium am mitteilte. Dies ist der höchste Stand seit Oktober 2007. Der prozentuale Zuwachs ist zugleich der stärkste seit Anfang 1992. Die oft schwankenden Daten dürften laut Experten dieses Mal auf eine Belebung des Immobiliensektors hindeuten. Der Markt dümpelt seit mehr als einem Jahr vor sich hin. Er ist von Engpässen bei Kaufobjekten und Bauland geprägt. Zudem mangelt es beim Hausbau an Facharbeitern.

(AWP)