Zykliker mit bedeutendem Briten-Geschäft zu Wochenbeginn die grossen Verlierer

Zürich (awp) - Zyklische Aktien mit einem bedeutenden Grossbritannien-Geschäft sind am Montag im frühen Handel stärker unter Druck als der Gesamtmarkt. Die Ausschläge halten sich allerdings im Vergleich zum letzten Freitag in Grenzen. Und nicht alle Analysten sehen schwarz. Am Donnerstag hatte das britische Volk für einen Ausstieg aus der EU gestimmt.
27.06.2016 10:04

LafargeHolcim notieren kurz nach 9.30 Uhr 2,3% im Minus, Dufry 2,0% und Adecco 1,9%, während der Gesamtmarkt (SPI) lediglich 0,2% tiefer steht. Die drei Titel hatten schon am Freitag zu den Hauptverlierern der Brexit-Turbulenzen gehört. Adecco hatten vor dem Wochenende 11,2% eingebüsst, LafargeHolcim 8,6% und Dufry 6,2%.

Für alle drei Unternehmen ist Grossbritannien ein wichtiger Markt. So erzielte Adecco im ersten Quartal gut 10% seines Umsatzes in Grossbritannien und Irland, bei Dufry macht der Anteil laut einem Kommentar des zuständigen ZKB-Analysten derzeit 18% aus und bei LafargeHolcim 7%. Diese Unternehmen bekommen also nicht nur die möglichen weltwirtschaftlichen Folgen des Brexit zu spüren, sondern auch direkt eine allfällige Abschwächung der britischen Wirtschaft.

Besonders stark schätzen die Experten von Goldman Sachs diesen Effekt für Adecco ein. Das britische BIP werde 2017 voraussichtlich nur noch um 0,2% statt der bisher geschätzten 1,8% zulegen, heisst es in einem Kommentar. Dies würden alle Temporärfirmen zu spüren bekommen. Sie reduzieren deshalb das Adecco-Rating auf "Neutral" von "Buy" und das Preisziel auf 53 von 87 CHF (aktueller Kurs: 51,90 CHF).

Die Experten von Exane BNP Paribas senken das Preisziel leicht auf 65 von 72 CHF, halten aber an der Einstufung "Outperform" fest. Für die Marktregion Grossbritannien und Irland sei zwar im zweiten Halbjahr mit einem Umsatzrückgang von 15% und im ersten Halbjahr 2017 von 20% zu rechnen, schreiben die Experten. Insgesamt werde Adecco 2016 aber immer noch mit 3% wachsen (bisherige Schätzung +4%) und eine Marge von 5% (2015: 5,2%) erzielen.

Auch der Experte der ZKB belässt sein Adecco-Rating bei "Übergewichten". Auch er hat seine Schätzungen nach dem Brexit zwar gesenkt. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass das globale wirtschaftliche Umfeld ein leichtes Wachstum für die Stellenvermittler zulässt und halten die Bewertung für günstig", heisst es im Kommentar aber weiter. Die aktuelle Dividendenerwartung ergebe ausserdem eine Rendite von 4,7%.

Die Research-Abteilung der ZKB äussert sich auch zu Dufry, wobei das Rating bei "Marktgewichten" belassen wird. Es gebe zwar kurzfristig Unsicherheiten. Längerfristig sei der Brexit für die Gesellschaft vielleicht aber positiv, heisst es. Denn dank dessen könne unter Umständen wieder vermehrt "echt" zollfrei eingekauft werden, was dem Unternehmen zugutekäme.

rw/ys

(AWP)