Boko Haram lässt 82 verschleppte Mädchen in Nigeria frei

Nach mehr als drei Jahren in der Gewalt islamistischer Entführer können 82 Schulmädchen aus Nigeria zu ihren Familien zurückkehren. Die Terrorgruppe Boko Haram liess die mehrheitlich christlichen Mädchen frei, im Gegenzug kamen inhaftierte Boko-Haram-Kämpfer frei.
07.05.2017 17:13

Der Austausch war in Verhandlungen unter internationaler Vermittlung - darunter die Schweiz und das IKRK - vereinbart worden. Die Mädchen gehören zu einer Gruppe von mehr als 200 Schülerinnen, die 2014 in der Stadt Chibok entführt worden waren.

Am Sonntagmorgen wurden die Mädchen an Bord von sechs Armeehelikoptern aus der Ortschaft Banki in Nordnigeria in die Provinzhauptstadt Maiduguri gebracht, wie das Militär mitteilte. Von dort flogen sie in die Hauptstadt Abuja weiter, wo Präsident Muhammadu Buhari sie noch am Sonntagnachmittag empfing.

Zu den im Gegenzug freigelassenen Boko-Haram-Kämpfern wurden offiziell keine Angaben gemacht. Dabei soll es sich um drei inhaftierte Staatsbürger des Tschad handeln, die bei den sunnitischen Fanatikern führende Posten bekleidet hatten.

Zum Befinden der freigelassenen Schülerinnen gab es zunächst nur wenige Informationen. Der nigerianische Senator Shehu Sani berichtete, den meisten gehe es gut. Ein Sicherheitsvertreter in der Stadt Banki sagte der Nachrichtenagentur AFP, manche der Mädchen wirkten abgemagert.

"Eines der Mädchen hatte ein Baby bei sich, einen Jungen von unter zwei Jahren", fügte er hinzu. Auch frühere Freigelassene hatten bereits Kinder bei sich, die in der Geiselhaft gezeugt worden waren.

Zwei der Mädchen seien amputiert worden, sagte der Sicherheitsvertreter in Banki weiter. Eines habe bei einem Angriff der Armee auf einen Posten der Boko Haram ein Bein verloren, bei dem anderen habe eine Hand wegen einer Infektion amputiert werden müssen.

Der nigerianische Präsident dankte den internationalen Vermittlern für das Gelingen des Austauschs. Namentlich genannt wurden in einer Erklärung des Präsidialamtes das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Schweizer Regierung. Das Aussendepartement (EDA) in Bern bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, bei der Vermittlung geholfen zu haben.

Das IKRK hatte die Mädchen von ihren Entführern in Empfang genommen. IKRK-Regional-Vizedirektor Patrick Yousef bestätigte, dass seine Organisation als "neutraler Vermittler" agiert habe. Das IKRK spricht ausdrücklich nicht von "Boko Haram", sondern von "bewaffneter Opposition".

Nach Angaben des nigerianischen Senators Sani ging es bei den drei- bis viermonatigen Verhandlungen zunächst um die Freilassung von 50 Mädchen, später sei die Zahl erhöht worden.

Nach der Freilassung befinden sich noch 113 der entführten Schülerinnen von Chibok in der Gewalt ihrer Entführer. Boko Haram hatte am 14. April 2014 eine Mädchenschule in der abgelegenen Stadt gestürmt und insgesamt 276 Schülerinnen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren verschleppt.

Die Entführung hatte international Schlagzeilen gemacht. Die mehrheitlich christlichen Schülerinnen wurden zu einem Symbol für den Konflikt mit den Islamisten von Boko Haram. Zahlreiche Prominente setzten sich unter dem Slogan BringBackOurGirls für ihre Freilassung ein. Boko Haram (wörtlich: westliche Bildung ist Sünde) kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaates im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias.

Präsident Buhari hatte im vergangenen Jahr gesagt, Boko Haram sei "gebrochen". Die Terrormiliz führt jedoch immer noch Attacken im Norden Nigerias und den Nachbarländern durch. In dem Konflikt sind bereits mehr als 20'000 Menschen ums Leben gekommen, rund 2,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Nigeria ist der grösste Erdölexporteur Afrikas und mit 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents.

(SDA)