Bombardier will weltweit 7500 Stellen streichen

Der in der Verlustzone steckende kanadische Flugzeug- und Bahntechnikhersteller Bombardier unterzieht sich erneut einer Rosskur: Bis Ende 2018 will der Konzern weltweit rund 7500 Stellen streichen. Ob das auch die Schweiz trifft, ist unklar.
21.10.2016 15:50

Etwa zwei Drittel des Abbaus fänden in der Zugsparte Bombardier Transportation statt, sagte deren Präsident Laurent Troger der Nachrichtenagentur dpa. Das wären etwa 5000 Arbeitsplätze. "Nach Ankündigung des Transformationsprozesses im Frühjahr ist das jetzt der zweite Schritt", erläuterte Troger.

Erst im Februar hatte Bombardier angekündigt, bis Ende kommenden Jahres 7000 Jobs abzubauen. In Folge dessen hatte Bombardier den Abbau von 68 Arbeitsplätzen in der Zugssparte in der Schweiz bekannt gegeben.

Davon seien mittlerweile 62 Stellen weggefallen, sagte Bombardier-Sprecher Andreas Dienemann auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Hälfte davon erfolgte über vorzeitige Pensionierungen, interne Stellenwechsel und freiwillige Austritte.

Inwiefern die Schweiz von der erneuten Restrukturierung betroffen sein werde, könne man noch nicht sagen. "Es gibt noch keine Auskunft, was die Reorganisation für die einzelnen Standorte weltweit bedeutet", sagte Dienemann.

Jetzt würden Gespräche mit Sozialpartnern aufgenommen. "Wir gehen davon aus, dass in sechs bis acht Wochen konkretere Aussagen machen zu können", sagte Dienemann. "Das hängt vom Verlauf der Gespräche ab."

In der Schweiz beschäftigt Bombardier fast 1200 Mitarbeiter in der Bahnsparte des Konzerns, der insgesamt 70'000 Beschäftigte hat. Davon seien 550 in Zürich-Oerlikon, 590 in Villeneuve VD und 40 in Winterthur angesiedelt, sagte Dienemann.

Bei den neuen Restrukturierungsmassnahmen gehe es unter anderem darum, die Verwaltung schlanker zu gestalten, erklärte Bombardier. Das gelte auch für andere Bereiche, die nicht direkt mit der Produktion zusammenhängen würden. Das Programm soll bis Ende 2018 laufende Kosteneinsparungen von etwa 300 Millionen Dollar bringen.

"Mit den heute bekannt gegebenen Massnahmen stellen wir sicher, dass wir die richtige Kostenstruktur, Belegschaft und Organisation haben, um auch zukünftig wettbewerbsfähig und erfolgreich sein zu können, erklärte Konzernchef Alain Bellemare in einem Communiqué.

Aber nicht überall gibt es Einschnitte: In strategischen Bereichen werde weiterhin Personal eingestellt. "Dies dient dazu, den Hochlauf bei wichtigen Wachstumsprogrammen wie den Flugzeugprogrammen C-Series und Global 7000 zu sichern sowie den Gewinn von Grossaufträgen im Schienenverkehrsgeschäft zu unterstützen."

So sei der Grossauftrag der SBB in Höhe von 1,9 Milliarden Franken für neue Züge von der Restrukturierung nicht betroffen, sagte Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein.

Ein weiterer Grosskunde von Bombardier ist die Swiss, die Erstkundin des neu entwickelten Mittelstreckenflugzeugs C-Series ist. Dabei musste die Fluggesellschaft bereits erhebliche Verzögerungen von zweieinhalb Jahren bis zur Auslieferung der ersten Maschine im vergangenen Juli hinnehmen.

Erst vor kurzem wurden weitere Verspätungen bekannt: Wegen Lieferproblemen beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney erhält die Swiss von Bombardier weniger Flugzeuge in diesem Jahr als geplant. Mit den neuen Bombardier-Fliegern will die Swiss bis 2018 die veralteten Avro-Flugzeuge der Europaflotte ersetzen.

Bombardier fuhr im zweiten Quartal einen Verlust von 490 Millionen Dollar ein, auch das laufende Sanierungsprogramm belastete das Ergebnis. Ausgelöst hatte die Krise bei dem Konzern aber die aus dem Ruder gelaufene Entwicklung der C-Series.

Erst vor kurzem hatte der kanadische Staat Bombardier mit einer Geldspritze unter die Arme gegriffen. Die Provinz Quebec leistete Überlebenshilfe von 1 Milliarde Dollar, um die Produktion der C-Series zu sichern.

(SDA)