Britische Polizei sucht nach Anschlag weiter nach Verdächtigen

Nach der Festnahme eines 18-Jährigen in Dover fahndet die britische Polizei weiter nach anderen möglichen Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Londoner U-Bahn-Anschlag.
16.09.2017 22:36

"Wir prüfen noch, ob mehr als eine Person für den Anschlag verantwortlich war", sagte Neil Basu von der Antiterror-Einheit der Londoner Polizei am Samstag vor Journalisten. Die "Priorität" sei, jeden potenziellen Verdächtigen "zu identifizieren und ausfindig zu machen".

Der am Samstagmorgen in Gewahrsam genommene 18-jährige Terrorverdächtige wurde inzwischen von Dover auf eine Polizeiwache in London gebracht. Die Polizei hatte seine Festnahme als "bedeutend" bezeichnet. Nähere Angaben zu dem jungen Mann machte sie nicht.

Während des Polizeieinsatzes im Hafenviertel von Dover sei der Hafen teilweise evakuiert worden, um Durchsuchungen zu ermöglichen, sagte Basu. Die Beamten hätten "mehrere Gegenstände" gefunden. Die Polizei durchsuchte am Samstag zudem ein Haus in Sunbury in der Grafschaft Surrey nahe London.

In einem U-Bahn-Waggon an der Station Parsons Green im Westen Londons war am Freitag im morgendlichen Berufsverkehr ein selbstgebauter, ferngezündeter Sprengsatz detoniert. Augenzeugen berichteten von einem grossen "Feuerball".

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Chefermittler Mark Rowley hob jedoch hervor, die Fahndung nach dem Täter und möglichen Komplizen werde ergebnisoffen geführt.

In Folge des Anschlags hatte die Regierung die Terrorwarnstufe von "ernst" auf "kritisch" erhöht. Die höchste Terrorwarnstufe bedeutet, dass nach Einschätzung der Behörden ein weiteres Attentat unmittelbar bevorstehen könnte. In ganz Grossbritannien waren am Samstag tausend zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz.

Nach neuen Angaben vom Samstagmorgen mussten 30 Personen im Spital behandelt werden. Die meisten erlitten nach Polizeiangaben Verbrennungen, andere wurden in der allgemeinen Panik niedergetrampelt. Keiner der Verletzten schwebte in Lebensgefahr, am Samstag befanden sich nur noch drei der Betroffenen im Spital.

In Grossbritannien haben islamistische Terroristen seit März bereits vier Anschläge verübt, bei denen insgesamt 35 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Drei Anschläge ereigneten sich in London, der vierte und folgenschwerste in Manchester.

(SDA)