Bund ruft zu Safer Sex bei Partnerwechsel auf

"Partner wechselt. Safer Sex bleibt": Mit diesem Slogan will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten sensibilisieren. Am Freitag hat es die aktuellen Zahlen und seine neue "Love Life-Kampagne" präsentiert.
11.11.2016 11:31

Sexuell übertragbare Krankheiten nehmen zu. Im vergangenen Jahr stiegen die Gonorrhoe-Fälle gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent, die Syphilis-Fälle um 7 Prozent und die Chlamydien-Fälle um 5 Prozent. Die Zunahme hat laut dem BAG auch mit vermehrten Tests zu tun. Allein damit sei sie aber nicht zu erklären, der Anstieg sei reell.

Dieser Trend sei in ganz Europa zu beobachten, sagte BAG-Direktor Pascal Strupler vor den Medien in Bern. Die Zahlen zeigten, dass die Präventionsbemühungen verstärkt werden müssten - und dass es richtig gewesen sei, die HIV-Kampagnen auf anderen Krankheiten auszuweiten.

Die Zahl der neuen HIV-Infektionen blieb stabil. Über mehrere Jahre betrachtet ist sie sogar rückläufig. Das BAG sieht diese Entwicklung auch als Bestätigung für die Wirkung von Kampagnen. Die Anstrengungen müssten aber aufrecht erhalten werden, sagte Daniel Koch, der Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. "Die Schlacht ist noch lange nicht gewonnen."

Die neue Kampagne thematisiert den Partnerwechsel. Ein häufiger Wechsel des Sexualpartners erhöhe das Risiko einer Ansteckung, hält das BAG fest. Die Verwendung eines Kondoms senke dieses stark und verhindere die Übertragung von HIV. Wer sich strikt an das Motto "Partner wechselt. Safer Sex bleibt" halte, könne sich schützen.

Strupler rief die "Safer Sex-Regeln" in Erinnerung: Eindringender Geschlechtsverkehr immer mit Kondom, kein Sperma und kein Blut in den Mund nehmen, bei Grippesymptomen nach ungeschütztem Sex sowie bei Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder anderen Beschwerden im Intimbereich sofort zum Arzt oder zur Ärztin.

Hinter der Kampagne stehen neben dem BAG die Aids-Hilfe Schweiz und Sexuelle Gesundheit Schweiz. Sie dauert drei Wochen und umfasst Plakate, einen an grossen Bahnhöfen ausgestrahlten Kurzfilm sowie Massnahmen in den Online-Medien und den sozialen Medien.

Drei Plakate werden jeweils nebeneinander hängen. Sie zeigen dieselbe Frau mit drei verschiedenen Partnern oder denselben Mann mit drei verschiedenen Partnern. Verglichen mit der letzten Kampagne ist weniger nackte Haut zu sehen, die sexuelle Handlung wird weniger explizit dargestellt.

Laut Strupler hat sich das BAG aber nicht wegen einer Beschwerde gegen die letzte Kampagne für "brave" Sujets entschieden. Man wechsle bewusst ab, sagte er auf eine entsprechende Frage. Die Bevölkerung sei durchmischt, das BAG wolle über die Jahre alle ansprechen.

Gegen die letzte Kampagne hatte eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen Beschwerde eingereicht, mit Unterstützung der christlich orientierten Stiftung Zukunft CH. Das BAG trat darauf nicht ein. Das Bundesverwaltungsgericht gab ihm Recht, nun liegt der Fall beim Bundesgericht.

Im Vordergrund der Kampagnen steht stets der Gebrauch des Kondoms. Das BAG hat sich aber auch zum Ziel gesetzt, dass die Menschen besser informiert sind über die sexuell übertragbaren Krankheiten.

So sollen sie sich etwa bewusst sein, dass diese zuweilen nicht bemerkt werden. An Gonorrhoe (Tripper) erkrankte Frauen hätten häufig keine Symptome, sagte Koch. Die Krankheit könne aber zu Sterilität führen. Zwar sei sie mit Antibiotika zu behandeln, doch träten häufig Antibiotika-Resistenzen auf.

Von Syphilis sind vor allem Männer betroffen, die mit Männern Sex haben. Die Krankheit war nach Entdeckung des Penicillins zurückgegangen und nimmt nun wieder zu. Sie trete auf wie ein "schwarzes Gespenst aus der Vergangenheit", stellte Koch fest.

(SDA)