Bund verstärkt Kampf gegen tödliche Erreger

Der Winter ist die Zeit der Erkältungen. Der Griff zum Antibiotikum ist verlockend. Doch der bedenkenlose Einsatz der lebensrettenden Medikamente kann tödliche Folgen haben. Die Schweiz verstärkt deshalb den Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien.
10.11.2017 10:18

Diese Erreger führen zu Infektionen, die sich nicht mehr behandeln lassen. Vor zwei Jahren hat der Bundesrat deshalb die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) lanciert. Schon jetzt ist klar, dass sich die Entwicklung nicht stoppen, sondern im besten Fall verlangsamen lässt. Ein Ansatz ist der sachgemässe Einsatz von Antibiotika. Dafür müssen Ärzte und Patienten am gleichen Strick ziehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die nächste Woche zur "Antibiotika Awareness Woche" erklärt. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nutzt die Gelegenheit, auch bei der Schweizer Bevölkerung das Bewusstsein für das Ausmass der Bedrohung zu wecken.

In der Schweiz wird die Zahl der Toten durch resistente Bakterien auf mehrere Hundert pro Jahr geschätzt. In der EU sollen es 25'000 sein. Um den tödlichen Trend wenigstens einzudämmen, dürfen Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich nötig sind.

Ebenso wichtig wie die Menge der abgegebenen Antibiotika ist dabei die Qualität der Verschreibungen, wie es in einer Mitteilung des BLV vom Freitag heisst. Als Leitplanke für Ärzte erarbeiten die medizinischen Fachgesellschaften derzeit Verschreibungsrichtlinien. Auf gesetzliche Einschränkungen hat der Bundesrat bisher verzichtet.

Für Patientinnen und Patienten gibt es ein Faktenblatt mit Empfehlungen rund um die Antibiotikaeinnahme. Eine Umfrage von letztem Jahr hat gezeigt, dass vor allem jüngere Menschen grosse Wissenslücken haben.

Auch die Bauern müssen umdenken, denn die industrielle Tierhaltung ist eine Brutstätte für antibiotikaresistente Bakterien. In der Enge der Ställe, wo Tiere manchmal flächendeckend mit Antibiotika behandelt werden, entstehen tödliche Erreger wie MRSA.

Diese Bakterien, die sich in den letzten Jahren bei Mastschweinen explosionsartig verbreitet haben, können beim Menschen lebensbedrohliche Infektionen auslösen. MRSA gehört zu den häufigsten Ursachen von kaum oder gar nicht therapierbaren Krankenhausinfektionen. Bei Mastpoulets sind kaum weniger gefährliche resistente Campylobacter-Bakterien verbreitet.

(SDA)