Clinton holt sich Tim Kaine als möglichen Vize an ihre Seite

Tim Kaine, früherer Gouverneur des Bundesstaates Virginia, soll Hillary Clinton als Kandidat für das Amt des US-Vizepräsidenten zur Seite stehen. Das gab Clinton am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Der 58-Jährige gilt als erfahrener Polit-Profi.
23.07.2016 05:34

"Ich bin geehrt, ihr Vize zu sein", twitterte Kaine am Freitagabend (Ortszeit). Am Samstag wollen beide in Miami gemeinsam an die Öffentlichkeit treten. Kaine ist ein ehemaliger katholischer Missionar und Bürgerrechtsanwalt. Er hat sich unter anderem für eine Liberalisierung des Einwanderungsrechts eingesetzt.

"Er ist ein Mann, der sein Leben dem Kampf für andere gewidmet hat", schrieb Clinton in dem Kurznachrichtendienst. "Er ist ein unverbesserlicher Optimist, der glaubt, dass kein Problem unlösbar ist, wenn man nur die nötige Arbeit darauf verwendet, es zu lösen."

Nach seiner Zeit als Gouverneur sitzt er seit 2013 für den südlichen Bundesstaat im US-Senat. Virginia gilt als einer der möglicherweise wahlentscheidenden Swing States. Mit Kaine hat Clinton nach Meinung von US-Kommentatoren die sichere Variante gewählt und nicht das Risiko eines unverbrauchten Polit-Newcomers in Kauf genommen.

Clinton hatte ein halbes Dutzend möglicher Kandidaten in die engere Auswahl genommen, darunter mit dem aufstrebenden Senator von New Jersey, Cory Booker, auch einen Vertreter der schwarzen Minderheit. Kaine galt aber von Anfang an als Favorit. Die frühere Aussenministerin hatte stets betont, der Vizepräsident müsse notfalls auch das Weisse Haus übernehmen können. Dazu sei unter anderem aussenpolitische Erfahrung notwendig. Die kann Kaine nachweisen.

Im Senat sitzt er in den Ausschüssen für Äusseres und Verteidigung. In der Demokratischen Partei gilt Kaine als Mann der Mitte. Der Harvard-Jurist spricht fliessend Spanisch, was beim Werben um Wähler lateinamerikanischer Herkunft hilfreich sein könnte. Das Wahlverhalten dieser Bevölkerungsgruppe gilt als möglicherweise entscheidend. Sein Eintreten für Freihandelsabkommen könnte dagegen bei vielen Demokraten auf Kritik stossen.

Zum Amtsantritt von Präsident Barack Obama, mit dem Kaine ein enges politisches Verhältnis verbindet und der ihn vor acht Jahren ebenfalls als Vizepräsidenten in Betracht gezogen hatte, wurde Kaine Vorsitzender der Demokratischen Partei. Vor vier Jahren wurde er dann in den Senat gewählt.

Clinton wird in der nächsten Woche auf dem Parteitag in Philadelphia aller Voraussicht nach zur Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten gewählt werden, Kaine zu ihrem "Running Mate". An dem Nominierungsparteitag werden mehr als 4000 Delegierte aus 50 Bundesstaaten, fünf Aussengebieten und der Hauptstadt Washington D.C. teilnehmen.

Bei den Republikanern hatte zuvor Präsidentschaftskandidat Donald Trump den Gouverneur von Indiana, Mike Pence, zu seinem Vize gemacht. Pence gilt als wesentlich seriöser als Trump, hatte aber den Immobilienmilliardär im parteiinternen Vorwahlkampf unterstützt. Indiana war ein entscheidender Staat für Trump, um seinen parteiinternen Rivalen Ted Cruz abzuschütteln.

(SDA)