Das AKW Leibstadt ist wegen einer Fehlfunktion wieder vom Netz

Kurz nach seiner Inbetriebnahme ist das AKW Leibstadt in der Nacht auf Samstag wieder abgeschaltet worden. Grund war eine Fehlfunktion in der Abgasanlage im nicht-nuklearen Bereich. Eine Gefährdung für Mensch und Umwelt gab es nicht.
18.02.2017 18:46

Das Atomkraftwerk war erst am Freitagabend nach einem halbjährigen Stillstand wegen oxidierter Brennstäbe wieder ans Netz gegangen. Einen Zusammenhang mit dieser Abschaltung gibt es gemäss Mitteilung vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) nicht.

Bei der Inbetriebnahme des AKWs wurden Funktionstests durchgeführt, um die Anlage sukzessive auf Betriebsleistung zu bringen, wie die Kernkraftwerk Leibstadt AG mitteilte. Weil die Abgasanlage nicht ordnungsgemäss funktionierte, wurde das AKW wieder manuell abgeschaltet und geordnet heruntergefahren.

Eine Sprecherin teilte auf Anfrage der sda mit, dass nach einem längeren Stillstand Korrekturmassnahmen beim Hochfahrprozess zu erwarten seien. Auch das ENSI schreibt, dass es nichts aussergewöhnliches sei, wenn es beim Wiederauffahren eines Kernkraftwerkes zu solchen Ereignissen komme.

Die Aufsichtsbehörde hat das Ereignis auf der Internationalen Ereignisskala INES vorläufig der Stufe 0 - Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung - zugeordnet. Der Schutz von Mensch und Umwelt sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.

Die Abgasanlage ist für die Filterung der Abgase aus dem Kondensator zuständig. Der Kondensator befindet sich im Maschinenhaus im nicht-nuklearen Teil der Anlage. Sie wird über das Wochenende in Stand gesetzt. Am Montagabend soll das Kernkraftwerk wieder ans Netz angeschlossen werden.

Das ENSI hatte am Donnerstag die Freigabe für den Leistungsbetrieb des AKW Leibstadt gegeben, allerdings in leicht reduziertem Umfang. Das Werk war zuvor seit der Jahreshauptrevision im vergangenen August wegen oxidierter Brennstäbe stillgestanden. Die Brennstäbe waren zeitweise ungenügend gekühlt gewesen.

Die Freigabe für den Leistungsbetrieb beunruhigt nicht nur Umweltorganisationen und Parteien. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Umweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, kritisierte am Samstag den Entscheid des ENSI. Es sei "bedauerlich", dass das Kraftwerk wieder ans Netz gehen dürfe, "obwohl die Ursachen für die Schäden an den Hüllrohren nicht restlos aufgeklärt zu sein scheinen".

Nach ihren Angaben hat ihr Ministerium um ein Gespräch mit dem ENSI gebeten, um die technischen Hintergründe für die Entscheidung "nachvollziehen" zu können. Sie hoffe auf ein möglichst baldiges Gespräch, "denn die deutsche Bevölkerung in der Grenzregion ist sehr besorgt", fügte Schwarzelühr-Sutter hinzu.

Auch das deutsche Bundesland Baden-Württemberg und das österreichische Bundesland Vorarlberg setzten sich in den vergangenen Tagen für einen Aufschub der Inbetriebnahme ein.

Am Samstag führten die Grünen vor dem AKW eine Protestaktion durch. Sie fordern, dass das AKW nicht in Betrieb genommen wird, bis die Ursachen für die Brennelementschäden geklärt sind.

Der Entscheid des ENSI, das Wiederanfahren des AKW Leibstadt zu bewilligen, sei unverantwortlich, teilten die Grünen mit. "Das ENSI stellt damit den Profit der AKW-Betreiber vor die Sicherheit der Bevölkerung und versagt dort, wo es nicht versagen darf."

Schon am Donnerstag, kurz vor der Freigabe durch das ENSI, wurde der Behörde eine von den Grünen lancierte Petition mit 16'000 Unterschriften übergeben, die ebenfalls eine restlose Aufklärung der Ursachen fordert.

(SDA)