Demonstranten feiern friedlich Rodungsstopp im Hambacher Forst

Zehntausende Umweltaktivisten, Tagebau-Gegnern und deren Unterstützer haben am Samstag den gerichtlich durchgesetzten vorläufigen Stopp der Rodung im Hambacher Forst gefeiert und für ein Ende der Kohleverstromung demonstriert.
06.10.2018 15:51

Die Veranstalter der Kundgebung am Wald nahe dem rheinischen Kerpen bezifferten die Teilnehmerzahl auf rund 50'000. Die zuständige Polizei in Aachen sprach von mehreren Tausend Demonstranten.

Von beiden Seiten hiess es übereinstimmend, die Veranstaltung sei friedlich verlaufen. "Mehr als 800'000 Menschen unterstützen bereits den Online-Appell 'Hambacher Wald: Retten statt roden'", hiess es in einer Erklärung der beteiligten Umweltverbände.

Die Gegner der Rodung, mit der der Braunkohlekonzern RWE ein neues Fördergebiet erschliessen will, hatten am Freitag einen spektakulären Erfolg erzielt. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hatte dem Konzern vorerst untersagt, den Wald weiter abzuholzen.

RWE erklärte, dies habe weitreichende Konsequenzen. Das Unternehmen sprach von Ergebniseinbussen in dreistelliger Millionenhöhe. Nach dem Urteil darf RWE nicht roden, bevor nicht beim Kölner Verwaltungsgericht über eine Klage des Umweltverbandes BUND gegen den Hauptbetriebsplan für den Tagebau Hambach entschieden ist.

Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, sagte an der Demonstration: "Wir haben heute ein starkes Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg gesendet." Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser sieht in den vielen Teilnehmern ein Beleg dafür, "wie stark die Klimabewegung inzwischen geworden ist".

Der Bundesvorsitzende der Natur Freunde Deutschlands, Michael Müller, erklärte: "Es geht hier um viel mehr als allein den Hambacher Wald." Es müsse um das Ende des fossilen Zeitalters gehen, denn der Menschheit drohe die Gefahr einer ökologischen Selbstvernichtung.

Der Streit um den Hambacher Forst ist zum Symbol für die Kritik an der Kohleverstromung geworden. Umweltverbände und Grüne fordern einen raschen Ausstieg wegen der hohen Schadstoffemissionen beim Braunkohle-Einsatz. In Berlin berät derzeit eine Kommission über einen verbindlichen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung.

(SDA)