Der Vater des "kleinen Nick" wird 85

Sempé erzählt und illustriert seit mehr als 60 Jahren Geschichten. Eine, die jeder kennt, ist "Der kleine Nick", die er zusammen mit dem 1977 verstorbenen René Goscinny erfunden hat. Heute wird der Zeichner 85.
17.08.2017 09:20

Die verrückten Einfälle des Dreikäsehochs Nick haben sich millionenfach verkauft und sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Im Jahr 2009 kamen seine Abenteur erstmals auf die Leinwand. Fünf Jahre später schickte der französische Regisseur Laurent Tirard die Zuschauer erneut auf Zeitreise in die 60er Jahre, in denen die Lausbubengeschichten entstanden sind.

Pünktlich zum 85. Geburtstag wird ein weiterer Bildband von Jean-Jacques Sempé verfilmt: "Das Geheimnis des Fahrradhändlers" aus dem Jahr 1995.

Sempé bringe das Menschliche in uns zum Ausdruck, sagt der belgische Schauspieler Benoît Poelvoorde, der den Fahrradhändler Tamburin spielt. Er sei Sempé-Fan und kenne alle seine Geschichten, deshalb habe er zu dem Film auch sofort ja gesagt. Für Poelvoorde stellen die Geschichten den Heroismus der kleinen Leute dar. "Ihre kleinen Laschheiten und Falschheiten, ihre grossen und kleinen Freuden und Enttäuschungen". Und dazu gehört es, den Kleinbürger und Spiesser in uns aufzudecken.

Einen tieferen Blick auf seine eigene Vergangenheit warf Sempé in dem Werk "Kindheiten". Darin erfährt man, dass seine eigene Zeit als Dreikäsehoch in Bordeaux gar nicht glücklich war. Seine Eltern stritten oft und hatten Geldprobleme und die Schulzeit war für den Sohn eines Lebensmittelhändlers trostlos. Wegen Ungezogenheit flog er von der Schule. Mit 18 ging er nach Paris, wo er sich unter anderem als Weinauslieferer durchschlug.

Sein Zeichentalent war in der Schule schon erkannt worden, doch erst ab 1957 konnte er sich als Karikaturist für verschiedene Medien, darunter die französischen Wochenmagazine "Paris Match" und "L’Express" und die amerikanische Zeitschrift "The New Yorker", seinen Lebensunterhalt verdienen.

Heute kann Sempé auf mehr als 40 Bildbände zurückblicken. An seinem grossen Schreibtisch in Paris arbeitet er noch immer, nur nicht mehr so schnell wie noch vor 20 Jahren und mit einer Lupe. Er sei langsam geworden und das nerve ihn ungemein, sagte er jüngst in einem Interview.

(SDA)