Deutsche Bundeskunsthalle lüftet Schleier über Gurlitt-Kunstfund

Monet, Maillol und Rodin: die Deutsche Bundeskunsthalle in Bonn hat am Dienstagmittag erste Kunstwerke aus dem Erbe des 2014 verstorbenen Sammlers Cornelius Gurlitt präsentiert.
27.06.2017 16:19

Es war dies nur ein erstes kleines Zückerchen, denn Anfang November startet in Bonn und in Bern eine grosse Doppelausstellung mit Werken aus dem ebenso spektakulären wie umstrittenen Kunstkonvolut.

Zu sehen waren am Dienstag in der Deutschen Bundeskunsthalle in Bonn unter anderem ein Gemälde von Claude Monet, Papierarbeiten von Aristide Maillol und eine Marmorskulptur von Auguste Rodin. Rund 200 der in Bonn gezeigten Werke stehen unter Raubkunstverdacht, wie Ausstellungskuratorin Agnieszka Lulinska sagte.

Über fünf Jahre nach der Entdeckung der unter grösster Verschwiegenheit gehorteten Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt, steht die Aufarbeitung der Herkunft der Werke noch immer vor grossen Schwierigkeiten. Erst bei gut einem Drittel der Gurlitt-Werke ist die Herkunft ermittelt.

"Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass bestimmte Provenienzen nie endgültig geklärt werden", führte Lulinska aus.

Während sich die Bonner Ausstellung auf den NS-Kunstraub und die oft ungeklärte Herkunft der Werke konzentriert, wird es in Bern um "entartete Kunst" gehen.

Bundeskunsthallen-Intendant Rein Wolfs sagte, die Bonner Gurlitt-Schau wolle keine "Best-of"-Kunst präsentieren, sondern auch die Schicksale der verfolgten, meist jüdischen Kunsthändler und Sammler darstellen. "Wir wollen die Menschen zeigen, die hinter den Werken stehen."

Auch im Kunstmuseum Bern sind erste Werke aus dem Gurlitt-Konvolut eingetroffen. Das Haus will am Freitag informieren und Werke präsentieren.

Lange wussten nur gut beschlagene Kunstkenner von der Existenz des Bilderschatzes, den Cornelius Gurlitt in seinem Zuhause in München und einem Häuschen in Salzburg hortete.

Der einzelgängerische Rentner geriet 2010 eher zufällig ins Visier der Deutschen Zollfahnder, die in einem Zug einen älteren Mann kontrollierten, der auffällig viel Bargeld bei sich trug. Bei einer Hausdurchsuchung stiessen die Deutschen Behörden auf einen millionenschweren Bilderschatz vorwiegend mit Werken der klassischen Moderne.

Der Name Gurlitt liess aufhorchen, denn Cornelius Gurlitts Vater war einer von den Nazis beauftragter Kunsthändler. Die Sammlung stand unter Raubkunstverdacht.

Kurz vor seinem Tod hatte der Kunstsammler zugestimmt, dass seine Bilder auf ihre Herkunft untersucht werden. Raubkunst sollte an die rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden. Überraschend vermachte der 2014 verstorbene Gurlitt seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern.

Laut Vertrag sollen nur Werke nach Bern kommen, deren Herkunft sauber ist, will heissen, bei denen es sich nicht um Raubkunst handelt. Bei Werken, deren Herkunft nicht geklärt ist, hat Bern ein Wahlrecht.

Als unbelastet gelten Werke, die von den Nationalsozialisten als "entartet" verfemt wurden. Sie werden nicht der Raubkunst zugerechnet, da die Werke vor 1933 in den Besitz der Museen kamen, aus denen sie die Nazis einige Jahre später entfernen liessen.

Ein langer Erbstreit mit Verwandten Gurlitts wurde Ende vergangenen Jahres vom Oberlandesgericht in München zu Gunsten Berns entschieden.

(SDA)