Die Sonntagszeitungen schreiben über Jürg Jegge, Rassismus und Digitalisierung

Neues Kapitel in der Missbrauchs-Affäre um Jürg Jegge, wo die Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung stehen und wie es mit Sika weitergehen könnte: Die Schlagzeilen der Sonntagspresse in unbestätigten Meldungen.
09.04.2017 06:16

Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Pädagogen Jürg Jegge sind das Top-Thema in der Sonntagspresse. Laut mehreren Sonntagszeitungen hat die Zürcher Staatsanwaltschaft ein Vorabklärungsverfahren eingeleitet und erste Ermittlungen in Auftrag gegeben. Die Vorwürfe, die Markus Zangger, ehemaliger Sonderschüler Jegges, vergangene Woche in einem Buch erhob, sind rechtlich verjährt. Offen ist, ob es später noch zu sexuellen Übergriffen gekommen ist, für die Jegge allenfalls belangt werden könnte. Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner kündigte eine Aufarbeitung des Falls an. Es seien sofort interne Abklärungen aufgenommen worden. Die betroffenen Jugendlichen seien in Obhut der Schule gewesen, der Kanton habe "eine moralische Verantwortung". Welche Massnahmen es brauche, werde nun geprüft.

"SonntagsBlick" / "SonntagsZeitung":

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe meldeten sich weitere mutmassliche Opfer von Jürg Jegge. Laut "SonntagsBlick" und "SonntagsZeitung" beschuldigt auch Daniel Zangger, der ältere Bruder des Buchautors Markus Zangger, Jegge der sexuellen Übergriffe. Bei der "SonntagsZeitung" meldete sich zudem ein Mann, der angab, in den 70er-Jahren im Alter von 16 bis 18 Jahren ebenfalls bei "Therapiestunden" missbraucht worden zu sein. Jegge hat laut eigenen Angaben "weniger als zehn" Schüler missbraucht. Markus Zangger geht dagegen davon aus, "dass es mindestens zehn Opfer sind".

"SonntagsZeitung":

Die Sika-Erbenfamilie Burkhard denkt offenbar darüber nach, ihr Aktienpaket des Baustoffkonzerns zu behalten, falls das Bundesgericht den Verkauf an Saint-Gobain blockiert. Das habe Familienvertreter Urs Burkard im Februar gegenüber einem Bankenanalysten gesagt, schreibt die "SonntagsZeitung". Ein Sprecher der Familie bestätigte dem Blatt, die Schenker-Winkler-Holding (SWH) bleibe "Ankeraktionärin mit allen ihr zustehenden Aktionärsrechten", falls das Gerichtsverfahren nicht zu ihren Gunsten ausgehe. Seit Dezember 2014 ringen die Sike-Erbenfamilie und Saint-Gobain mit der Sika-Führungsspitze um die Kontrolle des Konzerns. Die Franzosen wollen 2,75 Milliarden Franken für den Kauf der privilegierten Familienaktien bezahlen. Dagegen wehrten sich die Sika-Führung und Minderheitsaktionäre mit einer Beschränkung der Stimmrechte. Ende Oktober 2016 entschied das Zuger Kantonsgericht, dass diese rechtens war. Die SWH hat das Urteil weiter gezogen.

"NZZ am Sonntag":

Die Finanzhilfen des Bundes sind zwischen 2008 und 2016 um 28 Prozent auf 38,8 Milliarden Franken gestiegen. Im Vorjahresvergleich betrug das Wachstum 3,9 Prozent, wie die "NZZ am Sonntag" unter Berufung auf die jüngsten Zahlen des Eidg. Finanzdepartements (EFD) berichtet. Demnach wachsen die staatlichen Subventionen stärker als die Wirtschaft. Dies liege vor allem an der sozialen Wohlfahrt. Der Bundesbeitrag für Sozialwerke und Gesundheit weiteten sich seit 2008 um nahezu 4 Milliarden auf 18 Milliarden Franken aus. Treiber dieser Entwicklung sind die Alterung der Bevölkerung und die steigenden Gesundheitsausgaben. Mit 8,3 Milliarden Franken war die AHV 2016 der grösste Subventionsempfänger. Die Einlage in den Bahninfrastrukturfonds kam auf 4,5 Mrd. Franken zu stehen. Die Landwirtschaft erhielt 2,8 Mrd. Franken Direktzahlungen.

"SonntagsBlick":

Für die Terrorismusbekämpfung hat das Bundesamt für Polizei (Fedpol) 23 zusätzliche Stellen bekommen, befristet bis Ende 2018. Trotzdem sei die Behörde "in diesem Bereich am Anschlag", sagte Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle im Interview mit dem "SonntagsBlick". Sie fordert daher, mindestens diese Stellenaufstockung zu verlängern. Bei der Terrorbekämpfung erarbeite das Fedpol derzeit eine Rechtsgrundlage für "polizeiliche Massnahmen ausserhalb des Strafverfahrens". Geprüft würden etwa Meldeauflagen, die Sperrung von Reisedokumenten, Rayonverbote, Fussfesseln oder 24-Stunden-Gewahrsam.

"Ostschweiz am Sonntag" / "Zentralschweiz am Sonntag":

Das Zimmervermittlungsportal Airbnb hat sein Angebot in der Schweiz in den letzten zwei Jahren verdreifacht auf aktuell 64'000 Betten. Das geht aus der jüngsten Erhebung des Walliser Tourismusobservatoriums hervor, wie die "Ostschweiz am Sonntag" und die "Zentralschweiz am Sonntag" berichten. Im Wallis etwa, wo sich ein Grossteil der auf der Plattform angebotenen Betten befindet, ist die Zahl von rund 4000 auf 17'876 Betten gestiegen. Die Vermietung werde zudem zunehmend gewerbemässig betrieben. Heute habe in der Schweiz jeder vierte Vermieter mehr als zwei Objekte ausgeschrieben. Vor zweieinhalb Jahren lag dieser Anteil noch bei fünf Prozent.

"NZZ am Sonntag":

Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) unterstützt die Energiestrategie 2050, deren erstes Massnahmenpaket am 21. Mai vors Volk kommt. Die nächste Etappe, wie sie der Bundesrat vorsehe, werde allerdings wegen Lenkungsabgaben auf Strom und Benzin "nie eine Chance haben", sagt Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Die Vorlage, über die die Stimmberechtigten zu befinden haben, verbietet den Bau neuer Atomkraftwerke. Dennoch erachtet Bigler dies nicht als ein Votum über den Atomausstieg. Wenn Kernkraft sicherer und rentabler werde, könne man diese Verbot dereinst auch wieder aufheben.

"SonntagsBlick":

Die 26 Schweizer Rassismus-Stellen haben im vergangenen Jahr 200 Diskriminierungsopfer beraten. Das sind 40 Fälle weniger als 2015, wie der "SonntagsBlick" unter Berufung auf einen Bericht der Eidg. Kommission gegen Rassismus (EKR) und des Vereins Humanrights.ch schreibt. Schwarze waren in 70 Fällen betroffen, 48 Mal richteten sich die Übergriffe gegen Muslime und Menschen aus dem arabischen Raum, sechs Mal gegen Juden. In 23 Fällen war körperliche Gewalt im Spiel. Der Anteil an Diskriminierungen vor Zeugen am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf der Strasse ist demnach deutlich gestiegen. Nur 37 der Fälle ereignete sich im Privatleben.

"Le Matin Dimanche":

Die Schweizer Wirtschaft ist bezüglich Digitalisierung sehr zurückhaltend. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz hervor. "Die Mehrheit der Schweizer Unternehmen, die im Konsum- oder Industriegütersektor tätig sind, sind bei der Digitalisierung im Rückstand", sagte Studienmitautor Ralph Schlaepfer der Zeitung "Le Matin Dimanche". Die meisten dieser Firmen hätten sich noch nicht auf die neuen Umstände, das höhere Tempo und das Ausmass der Herausforderung eingestellt. Sie lägen weit hinter ihren Konkurrenten in Asien und Nordamerika zurück. Die Unternehmen würden nicht verstehen, wieso sie etwas ändern sollten, das bislang gut funktionierte.

(SDA)